Die Zeche Rheinpreußen ist ein ehemaliges Steinkohlenbergwerk in Moers-Westerbruch (Hochstraß) und Moers-Rheinkamp und Arealen auf Baerler und Homberger Gebiet. Sie war das erste Bergwerk, dessen Schächte auf der linken Rheinseite abgeteuft wurden und gehörte zu den großen Zechen im Ruhrgebiet. Gegründet wurde das Bergwerk von dem Industrieunternehmer Franz Haniel. Zeitweise besaß sie das Waldgebiet Baerler Busch.
Geschichte Die Anfänge 1851 beantragte Franz Haniel die Konzession, um in einem Feld nach Kohle zu schürfen. 1851 unternahm er mehrere Mutungsbohrungen auf dem Areal bei Homberg und legte noch im selben Jahr die Mutung ein. Die ersten Bohrungen blieben zunächst erfolglos. Am 17. Mai des Jahres erbohrte man mit dem sechsten Bohrloch in einer Teufe von 175 Metern ein Kohlenflöz. Haniel beantragte kurz darauf beim Bergamt Düren ein Grubenfeld mit einer Größe von 167,5 km². Das Grubenfeld war damit um ein Vielfaches größer als das Grubenfeld der anderen Zechen auf der rechten Rheinseite. Haniel begründete die Größe mit den Schwierigkeiten, die er bei den Teufarbeiten erwarte, und mit den geringeren zu erwartenden Lagerstättenvorräten auf der linken Rheinseite. Das Bergamt bewilligte jedoch nur ein deutlich kleineres Grubenfeld als beantragt. Das Feld, das die Bergbehörde bewilligte, hatte eine Größe von 93,5 km². Nach preußischem Bergrecht hätte auch ein Feld dieser enormen Größe nicht verliehen werden können. Das Bergamt stützte seine Begründung bei der Verleihung des sehr großen Grubenfeldes auf den Code Napoléon. Noch 1857 wurde das Feld Rheinpreussen an Franz Haniel verliehen. Dadurch war nun die Grundlage für den Bergbau auf der linken Rheinseite gelegt. Unmittelbar nach der Verleihung beauftragte Franz Haniel mit der Planung und Durchführung der Arbeiten seinen ältesten Sohn Hugo. 1857 begannen die Abteufarbeiten für Schacht 1 im Senkschachtverfahren. Dieser wurde auf einem Gutshof, der zum Familienbesitz der Familie Haniel gehörte, in der Nähe des Rheins angesetzt. Das Teufgerüst wurde aus Holz errichtet. Der Schacht erhielt eine Zwillings-Dampffördermaschine, die als Seilträger eine Bobine hatte. Die örtlichen Gebirgsverhältnisse mit Deckschichten aus Schwimmsand und wechselnden Sand-, Kies- und Tonschichten mit großen Wasserzuflüssen brachten für die Teufarbeiten erhebliche Schwierigkeiten mit sich.
Den Bau der Tagesanlagen beantragte Hugo Haniel noch im November desselben Jahres. Die ersten Tagesanlagen wurden bereits 1858 errichtet. So entstanden zunächst ein Werkstatttrakt mit Gießerei und ein Kesselhaus für acht Kessel. Der Schornstein für das Kesselhaus wurde im darauffolgenden Jahr errichtet und ersetzte den provisorischen Kamin aus Stahlblech. Bereits nach vier Jahren kam es 1861 im Schacht bei einer Teufe von 94 Metern zu einem Schwimmsandeinbruch auf der Schachtsohle, durch den die Tübbingsäule zerdrückt wurde. Der Schwimmsand stieg über 17 Meter im Schacht auf. Um die Schwierigkeiten bei den Teufarbeiten besser beherrschen zu können, wurde 1863 der Obersteiger Heinrich Hochstrate zum technischen Leiter des Unternehmens berufen. 1866 wurde neben Schacht 1 mit den Teufarbeiten für den Schacht 2 begonnen. 1868 starb Franz Haniel, danach wurde der Bergwerksbesitz der Familie vom Ruhrorter Stammgeschäft abgetrennt. Im selben Jahr wurde die Gewerkschaft Rheinpreußen gegründet, die sich ausschließlich im Besitz der Familie Haniel befand und aus tausend Kuxen bestand. Die Gewerkenversammlung wählte Hugo Haniel zum Vorsitzenden des ersten Grubenvorstandes der Gewerkschaft Rheinpreußen, weitere Mitglieder waren seine Brüder Friedrich Wilhelm und Julius. 1870 kam es im Schacht 1 zu einem Bruch. 1871 stand der Schacht 1 im Wasser, im Schacht 2 gab es Probleme mit Schwimmsand. Im Jahr darauf erreichte der Schacht 2 bei einer Teufe von 128 Metern das Karbon. 1875 wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 246 Metern die 1. Sohle und bei einer Teufe von 310 Metern die 2. Sohle angesetzt. 1876 wurde eine Gezäheschmiede gebaut. Im Dezember desselben Jahres wurde ein Malakowturm über Schacht 2 erstellt und die dazugehörenden Maschinenhäuser fertig gebaut. Im Anschluss daran wurde die erste Wasserhaltungsmaschine in Betrieb genommen, noch im selben Monat wurde mit der Förderung im Schacht 2 begonnen.
Die ersten Betriebsjahre 1877 erreichte der Schacht 1 bei einer Teufe von 132 Metern das Karbon. Durch die Schwierigkeiten bei den Teufarbeiten waren bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt sieben ineinandergeschobene Tübbing-Senkschächte erforderlich geworden. Auch über Tage ging der Ausbau der übrigen Tagesanlagen weiter voran. 1878 wurde mit dem Bau der Kohlenwäsche und der Kokerei begonnen. Die Kokerei wurde zunächst ohne Nebengewinnungsanlagen gebaut. Es wurde mit dem Bau des Malakowturmes über Schacht 1 und den dazu gehörenden Maschinenhäusern begonnen. Die zweite Wasserhaltungsmaschine, in Form der Woolf’sche Wasserhaltungsmaschine mit einer Leistung von 1000 PS, ging 1880 in Betrieb. Im Jahr darauf wurde die Kokerei in Betrieb genommen und es wurde mit dem Bau eines gemauerten Viaduktes bis zum Rhein mit Rheinhafen begonnen. Ferner wurde die Kohlenwäsche in Betrieb genommen. 1880 erfolgte die Fertigstellung des Maschinenturms, der Maschinenhäuser und der übertägige Lade- und Transportbrücke. Im Schacht 1 wurde bei einer Teufe von 380 Metern eine Teilsohle und bei einer Teufe von 450 Metern die 3. Sohle angesetzt. Das Viadukt zum Rhein wurde im Folgejahr fertiggestellt. 1883 wurde im Schacht 1 bei einer Teufe von 485 Metern die 4. Sohle angesetzt und ein Jahr später wurde die Förderung aufgenommen. Im Schacht wurden vieretagige Förderkörbe verwendet, die auf jeder Etage einen Förderwagen aufnehmen konnten. Die Ausrichtung der 4. Sohle erfolgte 1886 und Schacht 1 erhielt eine dampfgetriebene Zwillingsfördermaschine mit einer Leistung von 400 PS. Die Spiraltrommel hatte einen Durchmesser von sechs bis acht Metern.
Die Förderung der Zeche Rheinpreußen war nach Inbetriebnahme des Schachtes 1 recht gut. In den Folgejahren hatte man mit beiden Schächten recht schnell die Effektivität einer guten Einzelschachtanlage erreicht. 1889 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Am 26. September kam es zu einer Schlagwetterexplosion bei der fünf Bergleute getötet wurden. Auch fördertechnisch verlief es nicht wie erwartet, das Bergwerk konnte bei weitem nicht an die Förderleistung der Zeche Zollverein heranreichen. Ein weiterer Ausbau mit neuen Schächten war dringend erforderlich geworden. 1891 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 3 begonnen, dieser wurde 1100 Meter westlich von Betriebsteil 1/2 in der Homberg-Heide angesetzt und war auch für die Unterstützung der Wasserhaltung für das Baufeld 1/2 geplant. Im darauffolgenden Jahr wurde der Schacht 2 mit der 3. Sohle durchschlägig. Am 15. Dezember des Jahres 1893 verstarb der Vorsitzende des Grubenvorstandes Hugo Haniel. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Franz Haniel junior gewählt. 1894 erreichte der Schacht 3 bei einer Teufe von 103 Metern das Karbon. 1897 wurde im Schacht 3 bei einer Teufe von 220 Metern (−186 m NN) die Wettersohle angesetzt. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 300 Metern (−266 m NN) die 1. Sohle angesetzt und später bei einer Teufe von 375 Metern (−341 m NN) eine Teilsohle angesetzt. Außerdem wurde ein Durchschlag mit der vom Baufeld 1/2 aufgefahrenen 2. Sohle erstellt. 1898 wurde im Schacht 3 mit der Förderung begonnen. Die dort geförderten Kohlen wurden über Tage über eine Transportbrücke zur Wäsche des Betriebsteils 1/2 transportiert und dort aufbereitet. 1899 wurde auf dem Betriebsteil 1/2 bei einer Teufe von 300 Metern eine Teilsohle angesetzt.
Der weitere Ausbau der Schachtanlage Im Jahr 1900 wurde mit den Teufarbeiten für die Schächte 4 und 5begonnen. Der Schacht 4 wurde in Moers-Hochstraß und Schacht 5 wurde in Moers-Utfort abgeteuft, wobei zum ersten Mal ein Stoßbohrer eingesetzt wurde. Die beiden Schächte 4 und 5 wurden als separate Schachtanlagen aufgebaut. 1902 wurde auf dem Betriebsteil Schacht 3 über einen Blindschacht bei einer Teufe von (−491 m NN) die 525 Metersohle aufgefahren. Schacht 4 erreichte bei einer Teufe von 93 Metern das Karbon. 1903 wurde das Grubenfeld geteilt und die Gewerkschaft Rheinland gegründet. Das abgetrennte Feld Rheinland hatte eine Fläche von 51,4 km². Die restliche Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 42,4 km². Die Kuxe dieser neu gegründeten Gewerkschaft verblieben im Besitz von Rheinpreußen. 1904 erreichte der Schacht 5 bei einer Teufe von 155 Metern das Karbon. und bei einer Teufe von 201 Metern die 1. Sohle und bei 235 Metern eine Zwischensohle angesetzt. Außerdem wurde im Schacht 4 die 300 Metersohle aufgefahren und hier die Förderung aufgenommen. Der Schacht hatte eine Förderkapazität von 2000 Tonnen pro Tag. Die Gewerkschaft Rheinpreußen trat dem Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat bei. 1905 wurde mit der 525 Metersohle (mS) der Schacht 2 und auf der 450 Metersohle der Schacht 4 unterfahren. Im Schacht 5 wurde die 230 Metersohle und die 285 Metersohle angesetzt und die Förderung aufgenommen. Dieser Schacht hatte auch eine Förderkapazität von 2000 Tonnen pro Tag. Auf der 220 Metersohle wurde zwischen den Schächten 4 und 5 ein Durchschlag aufgefahren. Unter Tage wurde 1905 für die Förderung die erste Schüttelrutsche eingesetzt. Über Tage wurde in Homberg mit dem Bau einer eigenen Hafenanlage begonnen. Auf dem Betriebsteil Schacht 4 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. 1906 wurde auf der 525 Metersohle ein Durchschlag zwischen den Baufeldern 1/2 und 3 erstellt. Am 28. Januar des Jahres 1907 wurden auf dem Bergwerk sieben Bergleute bei einem Grubenunglück getötet. Im selben Jahr wurde der Schacht 3 bis zur 525 Metersohle tiefer geteuft. Außerdem wurden die Schächte 3 und 4 zu Wetterschächten umgebaut. Auf dem Betriebsteil von Schacht 5 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. 1910 beteiligte sich die Gewerkschaft Rheinpreußen an der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG. Die Berechtsame umfasste zu der Zeit eine Fläche von 42 km².