Die Typen C1 (Triebwagen) und c1 (Beiwagen) der Wiener Straßenbahn umfassten 58 aus je einem Trieb- und Beiwagen bestehende Großraumzüge.

Ausstattung und Technik Die Trieb- und Beiwagen von jeweils etwa 14,6m Länge waren vierachsige Einrichtungswagen. Um den Fahrgastfluss vorbei am Schaffner, dessen Arbeitsplatz unmittelbar neben dem Einstieg eingerichtet war, zu gewährleisten, war die jeweils hintere, dreiteilig ausgeführte Tür zum Einsteigen bestimmt, während die zweiteilige Tür in Wagenmitte und die einteilige vorn zum Aussteigen dienten. Die als Falttüren ausgeführten Türen wurden von den Schaffnern und dem Fahrer fernbedient. Die Fahrgastsitze waren aus Durofol gefertigt und entlang den Fahrzeugwänden teilweise einzeln, teilweise doppelt in Fahrtrichtung angeordnet.

Die Wagen eines Zuges wurden mit Scharfenbergkupplungen miteinander verbunden. Da alle anderen Wiener Straßenbahnwagen mit Trichterkupplungen ausgestattet waren, konnten sie daher nicht mit anderen Typen kombiniert werden. An den Führerstandsenden der Trieb- und den hinteren der Beiwagen gab es nur mechanische Hilfskupplungen, die im Normalbetrieb eingeschoben und damit nicht sichtbar waren. Der Antrieb erfolgte über vier Fahrmotoren, denen der Fahrstrom von der Oberleitung und den über dem vorderen Drehgestell des Triebwagens eingebauten Scherenstromabnehmer zugeführt wurde. Für die Steuerung wurde ein Nockenfahrschalter für sitzenden Fahrer verwendet, der über einen Hebel bedient wurde und über zehn Serien- und zehn Parallelfahrstufen sowie 14 Bremsstufen verfügte. Außerdem gab es am hinteren Ende der Trieb- wie Beiwagen einen Rangierfahrschalter.

Als Bremse stand neben der generatorischen Bremse eine Druckluftbremse als Not- und Feststellbremse zur Verfügung. In die Triebwagen war ein Kompressor zur Erzeugung der erforderlichen Druckluft eingebaut.

Geschichte Das Maschinen- und Fahrzeugbauunternehmen Simmering-Graz-Pauker (SGP) hatte 1954 den Prototyp eines aus je einem Trieb- und Beiwagen bestehenden Großraumzugs geliefert, den die Wiener Stadtwerke – Verkehrsbetriebe als Typen C (Triebwagen, Betriebsnummer 101) und c (Beiwagen, Nummer 1201) in Betrieb nahmen. Die Wagen bewährten sich aber nicht und waren häufig in Reparatur; sie wurden nur bis 1963 eingesetzt und 1968 ausgemustert.

mini|links|Museumszug (Aufnahme: 2015), in den Zustand bei Auslieferung rückgebaut Für weitere Fahrzeuge griff SGP daher auf Duewag-Großraumwagen zurück, die sie unter Lizenz nachbauten. Von 1955 bis 1959 wurden insgesamt je 58 Trieb- und Beiwagen geliefert. Diese reihten die WStW-VB als Typen C1 (Triebwagen, Nummern 102–159) und c1 (Beiwagen, Nummern 1202–1259) in den Fahrzeugbestand ein.Die Typenbezeichnung C1 war zuvor von 1898 bis 1912 sowie von 1913 bis 1937 verwendet worden, c1 von 1884 bis 1924, vgl. Eine daraus gebildete Garnitur wurde zum ersten Mal am 11. September 1956 auf der Linie 46 eingesetzt.

Von 1971 bis 1973 wurden 32 Triebwagen zum Mitführen eines schaffnerlosen Beiwagens umgerüstet. Dabei wurden auch andere Modifikationen und Verbesserungen wie Angleichung des Armaturenbrettes an das des inzwischen eingeführten Typs E und Einbau kombinierter Notbrems- und Sandstreuhebel, Umrüstung der Handbremse auf eine solche mit Handkurbel, Montage eines Liniensignals auch am Heck der Triebwagen, Ausstattung mit Fahrtrichtungsanzeigern am Bug und Austausch der vorhandenen Blinker an den Seiten gegen Wechselblinker, Einbau von Türscheinwerfern sowie Änderungen am Rangierfahrschalter vorgenommen. Gleichzeitig wurden 30 Beiwagen an den schaffnerlosen Betrieb angepasst, wobei vor allem der Schaffnerplatz entfernt wurde und an dessen Stelle Sitze für Fahrgäste eingebaut wurden.

Ein angedachtes Konzept für die Umrüstung auch der Triebwagen für schaffnerlosen Betrieb (also Einmannbetrieb des ganzen Zuges) wurde nicht verwirklicht. Ebenso wenig wurden alle Triebwagen und Beiwagen in der beschriebenen Weise umgerüstet, sodass auch weiterhin Garnituren unterwegs waren, in denen beide Wagen mit Schaffnern besetzt werden mussten.

Von 1974 bis 1976 wurden neun c1-Beiwagen so umgebaut, dass sie mit anderen Triebwagen der Wiener Straßenbahn eingesetzt werden konnten. Vor allem wurden dabei die Scharfenbergkupplungen am vorderen Wagenende gegen die sonst gebräuchlichen Trichterkupplungen ausgetauscht und zur Stromversorgung die üblichen Elin-Mehrfachsteckdosen eingebaut. (Diese Wagen wurden fortan als – neue – Type c bezeichnet.)

Von 1976 bis 1980 verkehrten einige Triebwagen auf der Linie 42 solo (d. h. ohne Beiwagen).

Ansonsten waren die Züge stets als Triebwagen-Beiwagen-Garnituren unterwegs. Einsätze erfolgten auf den Linien D, J, 10, 29, 45, 45/46, 46, 49 und 71, außerdem auf der Linie 8 als Verstärker bei Veranstaltungen in der Wiener Stadthalle. Die letzte Fahrt im Planbetrieb fand am 20. Dezember 1996 auf der Linie 46 statt. Es war zugleich die letzte Fahrt im Linienverkehr der Wiener Straßenbahn, die von einem Schaffner begleitet wurde.

Je 13 Trieb- und Beiwagen wurden danach der Straßenbahn Sarajevo überlassen, wo sie noch bis 2005 im Einsatz standen.

Erhalten geblieben sind die Garnituren Nr. 141 + 1241 im Verkehrsmuseum Remise in Wien (Leihgabe WTM), Nr. 110 + 1810 im Hannoverschen Straßenbahn-Museum (früher in Privatbesitz in Amsterdam (Niederlande)) sowie Nr. 111 + 1815 bei JKP Gradski Saobraćaj Sarajevo (Bosnien und Herzegowina, städtischer Straßenbahnbetrieb).

Weblinks

Einzelnachweise

Anmerkungen

C1 Kategorie:Straßenbahnfahrzeug (Simmering-Graz-Pauker)