mini|Blick aus südöstlicher Richtung auf die Loretokapelle in Freiburg mini|Zeichnung der Kapelle von Holland Tringham (1861-1908), im Hintergrund die Kathedrale St. Nikolaus (vor 1901) Die Loretokapelle, eigentlich Kapelle Unserer Lieben Frau von Loreto (, chapelle Notre-Dame-de-Lorette), ist in ihrer äusseren Erscheinung eine Nachbildung der Santa Casa di Loreto in der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto. Das Gebäude ist ein Marienheiligtum in exponierter Lage auf einem Felssporn über der Altstadt in Freiburg im Üechtland, Schweiz. Erbaut wurde die Kapelle 1647/1648 vom Architekten Hans-Franz Reyff, der erst seit Kurzem das Amt des Stadtbaumeisters übernommen hatte. Die Loretokapelle war sein erster Sakralbau. Mit diesem Marienheiligtum dankten die Freiburger Unserer Lieben Frau von Loreto kurz vor dem Ende des Dreissigjährigen Krieges dafür, von den Verwüstungen des Krieges und seiner Folgen verschont worden zu sein. Gleichzeitig positionierte sich die Stadt nach der Erneuerung der öffentlichen Brunnen im 16. Jahrhundert nun im Schwange der Gegenreformation einmal mehr als katholische Stadt.

Dank ihrer ausgewogenen Proportionen, der Lage und des geglückten Dekors wirkt die Loretokapelle leicht und elegant.

Lage Das Gebäude steht in der Nähe des Bürglentors (porte de Bourguillon), auf dem Rücken des Bisemhügels (Montorge) auf der Stadtseite. Eine künstliche Terrasse gleicht das von Osten nach Westen verlaufende Gefälle des Bodens aus. Die Terrasse ist von einer Balustrade aus viereckigen Steinquadern umgeben. Zwischen den Quadern bilden schmiedeeiserne Gitter mit schräg angeordnete Stäben eine Baldustrade mit grossen rautenförmigen Öffnungen. Von dieser Terrasse aus geniesst man einen weiten Rundblick über die Freiburger Altstadt und das Schönbergquartier.Marcel Strub: Les monuments d’art et d’histoire du canton de Fribourg. Tome III: La ville de Fribourg. Les monuments religieux (deuxième partie). Hrsg. v. Société d’histoire de l’art en Suisse. Bâle: Birkhäuser, 1959, (= Les monuments d’art et d’histoire de la Suisse, Bd. 41), S. 344.

Kapelle Das kleine Gebäude mit rechteckigem Grundriss vermittelt laut Marcel Strub den Eindruck von Leichtigkeit. Dieser Eindruck entsteht durch seine ausgewogenen Proportionen und seine vorzügliche, erhabene Lage, aber auch dank seines geglückten dekorativen Reichtums, der auf die durchdachte Anordnung der üppigen Verzierungen zurückzuführen ist. Das Werk wurde vollständig aus Molasse in einem ziemlich grossen und regelmässigen Quaderwerk errichtet, mit Ausnahme des dünnen Sockels, der aus Tuffstein besteht, und der drei Stufen aus Granit vor jeder Tür. Vom Altar führt eine Wendeltreppe in die schwer zugängliche Krypta.

Aussenseite Die vier Fassaden sind alle auf die gleiche Weise gestaltet und zeigen über einem hohen, von einem Band gekrönten Sockel eine toskanische Ordnung, deren Pilaster zwei übereinanderliegende Gebälke tragen. Diese sind in der Achse der Stützen unterbrochen: das eine Gebälk durch starke Absätze, das andere durch vorspringende Konsolen, die auf einem Würfel ruhen. Die Pilaster rahmen Muschelnischen und Rundbögen ein. In den Nischen befinden sich Statuen, Hochreliefs im oberen Teil der Bögen, während auf den beiden Friesen der Gebälke ein ornamentales Flachreliefdekor zu sehen ist. Die Gestaltung erweist sich überall als komplex und gleichzeitig im Stil des Louis XIII. akzentuiert. Die beiden Fassaden der nördlichen und südlichen Längsseite bestehen aus jeweils sechs Pilastern, die nach dem Prinzip des rhythmischen Feldes abwechselnd breitere und schmalere Räume bilden: an den Enden zwei schmale Mauerabschnitte mit Nische, in der Mitte ein breiterer Abschnitt mit Arkade und Nische, dazwischen die beiden grösseren Abschnitte, an deren unterem Teil der Arkaden sich eine rechteckige zweiflügelige Tür öffnet. Sie ist von einem Architrav und einem geschwungenen Giebel gekrönt. Arkaden und Nischen haben geformte Taillierungen, die auf derselben Ebene liegen und eine Art unterbrochenes Band bilden. Am unteren Ende des Hauptbogens beleuchtet ein Lichtschacht die Krypta. Die nordöstliche Tür ist nicht echt. Die Ost- und Westfassaden haben jeweils vier Pilaster, die an den Enden zwei schmale Seiten mit Nischen und in der Mitte eine breitere Seite mit Arkaden begrenzen, an deren unterem Ende sich ein identisches Oberlicht öffnet; man findet dort die Taillierungen und die hohlen Paneele der Seitenwände; während die östliche Arkade leer ist, enthält die westliche das einzige Fenster des Gebäudes, das vergittert ist und dessen Rahmen zu dem der Türen passt. Die formgleiche Westfassade hat einen länglichen Okulus in der Mitte des ersten Gebälks und endet mit einem Giebel mit konkaven Rampen, der an seinen Enden mit zwei Fialen versehen ist, die jeweils eine Kugel tragen. Das Dach hat drei gebrochene Seiten. Über der Westfassade erhebt sich ein achteckiges Glockentürmchen mit Laterne, das wie eine kleine klassische Kuppel gestaltet ist. Es ist aus Molasse gefertigt. Sein Dekor stimmt mit dem der Fassaden überein. Der Tambour hat acht bogenförmige Öffnungen mit geformten Taillierungen, die sich mit Pilastern abwechseln, die die Ecken des Achtecks begrenzen und ein starkes Gesims tragen, auf dem ein achtseitiges, mit Kupferschuppen bedecktes kleines Kuppeldach ruht; die Laterne ist ähnlich aufgebaut, wenn auch einfacher, da die Öffnungen rechteckig sind, die Holzstruktur mit Metall verkleidet ist und der Schaft eine aus einer Eisenplatte ausgeschnittene Madonna mit Kind trägt. Am östlichen Ende befindet sich eine zweite Stange, die ein ebenfalls eisernes Kreuz trägt.Marcel Strub: Les monuments d’art et d’histoire du canton de Fribourg. Tome III: La ville de Fribourg. Les monuments religieux (deuxième partie). Hrsg. v. Société d’histoire de l’art en Suisse. Bâle: Birkhäuser, 1959, (= Les monuments d’art et d’histoire de la Suisse, Bd. 41), S. 344–346.

Innenraum mini|hochkant|Lokalisierung: Numme­rier­te Posi­tion der Figuren Wie bereits bei der Beschreibung des Gebäudes erwähnt, befindet sich im Untergeschoss eine tonnengewölbte Krypta, die über eine Wendeltreppe unter dem Altar schwer zu erreichen ist. Die eigentliche Kapelle besteht aus einem einzigen rechteckigen Raum von bescheidenen Ausmassen, der jedoch den Eindruck einer weiten Höhe erweckt. Ein Eisengitter mit dem Datum 1890 teilt den Raum in zwei gleiche Teile, die wie ein Kirchenschiff und ein Chor wirken.Marcel Strub: Les monuments d’art et d’histoire du canton de Fribourg. Tome III: La ville de Fribourg. Les monuments religieux (deuxième partie). Hrsg. v. Société d’histoire de l’art en Suisse. Bâle: Birkhäuser, 1959, (= Les monuments d’art et d’histoire de la Suisse, Bd. 41) S. 346.

Teile des Altars stammen aus der Bauzeit, die Gewandmadonna und zwei Engel sind Werke aus dem Atelier Reyff. Verschiedene Ex Votos bzw. Votivbilder, die im Innern aufgehängt waren, sind heute im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg.

Skulpturen und Reliefs mini|hochkant|Konsole im Knorpelstil mit Wappen von Hans-Franz Reyff und seiner Frau +Pos-Nr.Verkörperung der FigurStifter1Apostel JohannesHans-Heinrich Wild, Ritter, Ratsherr + Barbara Vogelin2Evangelist Markus3Jungfrau Maria (Mutter von Jesus)Peter Techtermann, Ratsherr + Benedicta Python4Evangelist Matthäus5Johannes der TäuferPeter Heinricher, Ratsherr, Seckelmeister6Joachim (Vater der Jungfrau Maria und Grossvater von Jesus)Wappen des Staates Freiburg7Engel Gabriel8Anna (Mutter der Jungfrau Maria und Gattin von Joachim)leeres Wappen9Josef (Ziehvater von Jesus)Tobie Gottrau + Catherine Tugener (beschädigt, unlesbar)10Evangelist Johannes11Jakobus der JüngereCaspar Gadi + Magdalena von Ligerz12Evangelist Lukas13Jakobus der ÄltereHans-Franz Reyff + Anna Maria von Vevey14Elisabeth: Mutter des Apostels Johannes des Täufers und Gattin von Zacharias oderMaria-Salomé: Mutter der zwei Apostel Jakobus d. Ä. und Johannes und Gattin von ZebedäusFranz-Peter de Granges + Maria-Catherine Werly15Zacharias: Vater von Johannes dem Täufer und Gatte von Elisabeth oderZebedäus: Vater der zwei Apostel Jakobus d. Ä. und Johannes und Gatte der Maria-SaloméPeter Glasson, erster Kaplan dieser Kapelle Aussen bilden die leicht überlebensgrossen Statuen in den Nischen, die Hochrelief- und Halbfiguren über dem Fenster und den Türen sowie die Flachreliefs auf den beiden Gebälken, die beide aus Molasse bestehen, zusammen mit den architektonischen Elementen die gesamte Dekoration. Unter jeder Nische sind zudem die Stifter mit ihren Wappen verewigt. Die Wappen sind jeweils von zwei grossen Akanthuszweigen eingerahmt und von einer Kartusche mit einer Inschrift in römischen Grossbuchstaben überragt. Nebst den Namen der Stifter mit ihren Wappen sind ihre Titel und jeweils das Datum der Ausführung (1650) angegeben. Diese Wappenkartuschen wurden zur gleichen Zeit wie die Statuen restauriert. Die Originale wurden im letzten Jahrhundert durch Kopien ersetzt; die originalen Statuen stehen heute im Museum für Kunst und Geschichte in Freiburg. Die Stuck-Hochreliefs wurden 1949 zerstört.

An der Westfassade ist über dem Fenster der Erzengel Gabriel zu sehen; rechts der heilige Joachim. Er steht über einer Kartusche mit dem von zwei Löwen gehaltenen Wappen des Staates Freiburg. Auf der linken Seite steht die heilige Anna über einer Kartusche mit einem leeren Schild.

An der Südfassade steht in der Mitte die Jungfrau Maria. In der rechten Hand hält sie ein Banner mit der Inschrift «BEN:TV:IN:MV / BEN:FRV:VE» (Benedicta tu in mulieribus, benedictus fructus ventris, deutsch: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes, nach ). Die Konsole zeigt die Wappen von Pierre Techtermann, Ratsherr, und seiner Frau Benoîte Python. Über der rechten Tür befindet sich der Evangelist Markus, rechts daneben der Apostel Johannes mit Schnauz und die Wappen von Jean-Henri Wild, Ritter, Ratsherr, und seiner Frau Barbe Fégely. Über der linken Tür steht der Evangelist Matthäus und links von ihm Johannes der Täufer mit dem Wappen von Peter Heinricher, Ratsherr, Schatzmeister des Staates.

An der Nordseite postiert in der Mitte Jakobus der Jüngere mit dem Wappen von Gaspard Gady, Ratsherr, und das seiner Frau Magdalena von Ligerz; rechts über der Tür der Evangelist Johannes; dann rechts aussen der heilige Josef mit dem Wappen von Tobie Gottrau, Ratsherr, Bürgermeister, und das Wappen seiner Frau Catherine Tugener. Über der linken Tür steht der Evangelist Lukas, und links aussen Jakobus der Ältere mit dem Wappen von Jean-François Reyff, Regierungsrat, Autor der Kapelle und ihrer Ausstattung, und dem Wappen seiner Frau Anne-Marie de Vevey.

An der Ostfassade, deren Mittelbogen leer ist, steht rechts eine heilige Frau mit einer Vase und links ein Mann. Die Identifizierung der beiden Figuren scheint nicht eindeutig zu sein. Strub schlägt für die Frau Elisabeth oder eher Maria Salome und für den Mann Zacharias oder Zebedäus vor. Die Konsole der Frau ist geschmückt mit den Wappen von François-Pierre des Granges und dem seiner Frau Marie-Catherine Werly und die Konsole unter der Männerfigur präsentiert das Wappen des ersten Kaplans, Pierre Glasson.