mini|Innenraum des Tempels während der Weihnachtsliturgie, 2021 Der Dom des Heiligen Sava (; eigentlich Heiligtum des Heiligen Sava oder Tempel des Heiligen Sava)Vuk Štrbac, 2013: Istoricizam ili Pastiš. Nasleđe, 6, 55–76 online (serbisch mit französischer Zusammenfassung; PDF). ist ein im neobyzantinischen Stil gehaltener monumentaler serbisch-orthodoxer Kirchenbau in Belgrad.

Mit einer überbauten Fläche von 4830 m² ist es eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt.. Mit einem inneren Kuppeldurchmesser von 30,5 m schließt der Dom an die Kuppel im direkten baulichen Vorbild der Hagia Sophia an. Der Dom ist als klassischer Zentralraum mit vier Konchen ausgeführt und dem ersten serbischen Erzbischof und Nationalheiligen Serbiens Hl. Sava (1175–1236) geweiht. Er wurde auf dem im südlichen Belgrader Stadtzentrum gelegenen, weithin sichtbaren Plateau des Vračar, einem 134 Meter hohen Hügel, an der Stelle errichtet, wo Sinan Pascha 1595 die sterblichen Überreste des heiligen Sava, die er vom Kloster Mileševa nach Belgrad hatte bringen lassen, zur Demütigung der Serben öffentlich verbrennen ließ. Die Kirche gehört zur Erzparochie von Belgrad und Karlovci der serbisch-orthodoxen Kirche.

Mit den Arbeiten an der Kirche wurde 1935 nach Entwürfen der Architekten Bogdan Nestorović und Aleksandar Deroko begonnen. Jedoch erst nachdem der zweite Wettbewerb 1926 einen intensiven Diskurs, der das Bauvorhaben von einer ursprünglich national verpflichteten Kirche der Serbisch-Orthodoxen Kirche insbesondere auch aus der utopischen Idee des gesamtjugoslawischen Pantheons im geplanten Mausoleum des Vidovdaner Tempels Ivan Meštrovićs völlig verändert hatten. Der finale Entwurf orientierte sich schließlich am universellen frühchristlichen Symbol der Hagia Sophia am Hauptwerk der byzantinischen Architektur und vertrat als Kompromiss zwischen den multinationalen christlichen Identitäten im Königreich Jugoslawien eine andere Botschaft.Marko Stanojevic, Ivan Stanojev 2012: Trazenje nacionalnog identiteta kraljevine Jugoslavije – od Vidovdanskog do Svetosavskog Hrama. Naslede, 87–97 (PDF) Der letzte Widerstand manifestierte sich Januar und Februar 1932 in Stellungnahmen einflussreicher Architekten, Künstler und Autoren und fiel erst, als sich der jugoslawische König Alexander I. interessiert einschaltete.Marko Stanojevic, Ivan Stanojev 2012: S. 93 In seiner symbolischen Bedeutung als serbisches Nationalbauwerk sowie seiner angestrebten Monumentalität und Suche nach einer angemessenen architektonischen Stil- und Ausdrucksform reflektierte das Bauvorhaben während der einzelnen, durch historische Umbrüche unterbrochenen Entstehungsphasen die geistigen, künstlerischen und gesellschaftlichen Bewegungen in Jugoslawien. Als meist diskutiertes urbanes Bauprojekt des Staates, dessen Standort sich zwischen sakraler und säkularer Einordnung einer klaren Definition entzieht, ist neben der architektonischen, die symbolische Bedeutungsfunktion des Nationalmonuments ein zentraler Rezeptionspunkt der modernen nationalen Kunst- und Gesellschaftsgeschichte.Tanja Damlanovic 2005: 'Fighting' the St. Sava: Public Reaction to the Competition for the largest Cathedral in Belgrad. Cenrtopa, volume 5/2: 125-135. Hier S. 135Vuk Štrbac 2013: Istoricizam ili Pastiš: Nasleđe, 6, 55-76 (PDF)Bojan Aleksov 2003: Nationalism in Construction: The Memorial Church of St. Sava on Vračar Hill in Belgrad. Balkanologie, Vol VII/2: 42-72Ljubomir Milanović 2001: Materializing Authority: The Church of Saint Sava in Belgrade and its Architectural Significance. Serbian Studies: Journal of the North American Society for Serbian Studies, Volume 24, Numbers 1-2: 63-81 (PDF)Renata Jadresin Milic and Milica Madanovic 2018: Romantic Visions vs. Rejection of Ideal Reconstruction. Regionalism, Nationalism & Modern Architecture. Conference Proceedings, Porto, October 25-27 2018: 128-143 (PDF) In ihrer Rückbesinnung auf das imperiale Bauwerk der byzantinischen Reichskirche verkörpert es zudem nicht nur ein architektonisches, sondern auch ein ideologisches Manifest; es war als vermeintlich neues Zentrum der Orthodoxie gedacht, was im Untergang Moskaus und Kapitale des Kommunismus eine besondere Resonanz erhielt.Aleksander Ignjatoviv 2018: Translatio Imperii Revisited in the Balkans: Interpretation of Serbian Past and Imperial Imagination, 1878–1941, Wouter Bracke et al. (eds.), Renovatio, Inventio, Absentia Imperii: From the Roman Empire to Contemporary Imperialism (Brussels and Rome: Academia Belgica, 2018), S. 191–215. (Academia:PDF) Die kommunistische Regierung Jugoslawiens vertrat zunächst eine aggressiv antitheistische Ideologie; erst nach der Lockerung eines damit verbundenen Bauverbotes konnte 1985 wieder an dem durch Branko Pešić revisionierten Projekt gearbeitet werden. An der am 12. Mai 1985 in den Grundmauern der Kirche abgehaltenen Liturgie nahmen 100.000 Menschen teil. Dies stellte, indem sich die kommunistische Elite Jugoslawiens von ihrer atheistischen Position zurückzog, einen bedeutenden historischen Wendepunkt dar.Dunja Predić 2012: How big is all that, really? In: Cultures of Assembly – Architecture + Critical Architectural Practice. Ständelschule Architecture Class, Frankfurt am Main (PDF). Nachdem die halbkreisförmige Kuppel 1989 in spektakulärer Weise durch eine Lift-Slab-Anlage vom Boden in ihre vorgesehene Position geschoben wurde, ruhten die Arbeiten in den Bürgerkriegsjahren nach 1991 über ein Jahrzehnt. Die äußere Gestaltung der Kirche war 2004 vollendet. In der Innendekoration sind die zwölf den Zentralraum flankierenden Säulen mit aufwendig gestaltete Kämpferkapitellen im sogenannten „serbisch-byzantinischen Stil“Mihajlo Mitrović 2012: Arhitektura Beograda: 1950–2012. Službeni Glasnik, Posebna Izdanja. ISBN 978-86-519-0965-1 Hier S. 135 sowie die Gold-Mosaiken hervorzuheben. Die Kosten der Ausschmückung mit Szenen aus dem Neuen Testament wurde durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einer anfänglichen Kostenübernahme von Gazprom Neft 2016 innerhalb der Kuppel getragen.Politika, 17. Dezember 2016 Interview mit dem Russischen Author der Mosaikarbeiten der Kuppel von Sv. Sava Mit einer Fläche von 1230 m² stellte das von der Russischen Akademie der Künste unter Leitung von Nikolaj Muchin am 13. Dezember 2017 vollendete Kuppelmosaik die Schlussphase der Komplettierung der Kirche und der künstlerischen Gestaltung des Interieurs dar.Gazprom, 13. Dez. 2017 Zur 2019 erfolgenden 800-Jahr-Feier der Autokephalie der Serbisch-Orthodoxen Kirche soll ein Großteil der Innendekoration vollendet sein, auch hierfür wird die russische Regierung mutmaßlich das Patronat übernehmen.Vecernje Novosti, 26. Dezember 2018 DOGOVOR ZA ZAVRŠETAK RADOVA – Putin i Vučić u hramu na Vračaru Der Einweihung der Teilvollendung der Mosaiken wohnte der russische Außenminister Sergei Lawrow im Rahmen eines Staatsaktes am 22. Februar 2018 bei.Hram je simbol bratskih veza, čuvamo se zamki

Standort mini|Schrägsicht des östlichen Belgrads von der Beograđanka aus. Der Dom beherrscht das Vračar-Plateau. Im Hintergrund der Avala-Hügel. mini|Topographie und Lage der Kirche Der Bauplatz der Kirche wurde in der Sichtachse der wichtigsten kommerziellen Verkehrsader Belgrads, der Ulica Kralja Milana, zwischen Terazije und vorbei am königlichen Schloss zur Slavija in Verlängerung zum Vračar-Hügel gewählt. Die Kirche war dadurch Endpunkt und Landmarke der von Emilijan Josimović vorgesehenen Allee, die von der ehemaligen Schanze Belgrads zu den Vororten führte.Tanja Damljanovic Conley 2010: Belgrade. In: Emily Gunzburger Makaš (Hrsg.) 2010: Capital Cities in the Aftermath of Empires: planning in central and southeastern Europe. 45-60, Routledge, London. ISBN 0-415-45943-5 Mit der architektonischen Bestimmung in Form einer Byzantinischen Kreuzkuppelkirche in enger Anlehnung an die Hagia Sophia und gewisse nationale Elemente der mittelalterlichen „serbisch-byzantinischen“ Bautradition war im gewählten Aufriss sowie in der Monumentalität der Kirche Belgrad als Mittelpunkt der Orthodoxie vorgesehen, was den Verlust Moskaus durch die Oktoberrevolution als Zentrum der orthodoxen Christenheit kompensieren sollte.

Die Kirche liegt auf dem westlichen Ausläufer des Vračar-Plateaus in 134 m Höhe etwa 500 m südöstlich der Slavija. Die Elevation, 18 m über Terazije und Knez Mihajlova ulica und 10 m über Tašmajdan mit der Kirche des Heiligen Markus und der Skupština, sowie 63 m über der Sava bestimmte den Dom auf dem markanten Reliefpunkt zu einer weithin sichtbaren Landmarke in der Topographie der Stadt. Das Plateau selbst ist heute nach der Kirche – Svetosavski plato (Plateau des Heiligen Sava) – benannt. Nach Süden fällt es steil zum transversal verlaufenden Einschnitt des Mokroluški potok ab, der auf etwa 90 m Höhe die Leitlinie der Stadtautobahn vorgibt.

Von der Galerie der Kirche, die in 45 m Höhe um die Kuppel verläuft, soll künftig ein Aufzug Besucher zu einem weitläufigen Rundumblick einladen. Auf 179 m Höhe liegt der Ausblick damit auf gleicher Höhe der Sichtachse des südlich über dem Mokroluški potok aufragenden Topčidersko brdos (179 m), der aufgrund der Residentialkomplexe der serbischen Regierung, der Grabstätte des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito und des Museums der Geschichte Jugoslawiens einen symbolträchtigen Höhenrücken innerhalb der Stadt bildet. Die Galerie ist aufgrund andauernder Innenarbeiten (Stand 2018) nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Nachdem am 20. Oktober 1976 südwestlich der Grundmauern der Kirche mit der Bohrung der beiden 7,6 m Durchmesser messenden Eisenbahnröhren des Neuen Belgrader Eisenbahnknotens begonnen wurde, ergab sich eine Veränderung an der geplanten Einbautiefe der Krypta. Zwar läuft der Vračar-Tunnel in 44 m Tiefe an der Kirche vorbei. Aber die ursprünglich geplante, in über 20 m Tiefe reichende Krypta konnte schließlich nur noch 7 m tief gebaut werden. Bei der Tunnelbohrung kam es unter dem Dom ebenfalls zu einer längeren Unterbrechung, da die Tunnelbohrmaschinen am Südportal des Tunnels in ausgelaugten Tonmergeln, beziehungsweise grundwassergeprägten Boden steckenblieben.Mirjana Lukić, Interview Biznis & Finansije, 9/10/2016 Mirjana Lukić, arhitekta: Prenaseljeni gradovi sele se u podzemlje

Neben dem Dom beherbergt der Park des Svetosavski plato auch die Nationalbibliothek Serbiens.

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