mini|Taras Schewtschenko (1859) rahmenlos|klasse=skin-invert-image

Taras Hryhorowytsch Schewtschenko (, wiss. Transliteration , ; *  in Morinzy, Gouvernement Kiew, Russisches Kaiserreich; † in Sankt Petersburg) war ein ukrainischer Maler und Lyriker.

Das literarische Werk des ukrainischen Nationaldichters legte den Grundstein zur Schaffung der modernen ukrainischen Literatur, und seine Dichtung trug stark zur Entwicklung der modernen ukrainischen Sprache und zum Erwachen des ukrainischen Nationalbewusstseins bei. Obwohl Schewtschenkos Gedichte auf Ukrainisch verfasst sind, schrieb er einen großen Teil seiner übrigen Werke – darunter auch seine Tagebücher – auf Russisch, weshalb er im 19. Jahrhundert gelegentlich auch den russischen Schriftstellern zugerechnet wurde.

Leben Kindheit und Jugend Schewtschenko wurde im Dorf Morinzy im Ujesd Swenigorodka des Gouvernements Kiew (heute Morynzi, Oblast Tscherkassy, Ukraine), als drittes von sechs Kindern der Leibeigenen Hryhorij Iwanowytsch Schewtschenko (1781–1825) und Kateryna Jakymiwna Schewtschenko geb. Bojko (1783–1823) geboren. Er hatte eine ältere Schwester, Kateryna (1804–1848), und einen älteren Bruder Mykyta (1811–1870)Taras Schewtschenko – Ein ukrainisches Dichterleben; Literarische Studie, S. 4; Alfred Jensen, Wien 1916 sowie zwei jüngere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Seine Familie zog mit ihm, als er etwa zwei Jahre alt war, an den Geburtsort seines Vaters ins nahegelegene Dorf Kyryliwka (), das heutige Schewtschenkowe, in dem er die folgenden zwölf Jahre seiner Kindheit verbrachte.Ortsgeschichte Schewtschenkowe in der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR; abgerufen am 28. Juli 2018 (ukrainisch)

mini|Skizze seines Elternhauses; T. Schewtschenko zwischen 1830 und 1847 Da seine Familie des Lesens und Schreibens kundig war, konnte sie Taras bereits in jungen Jahren Religion, Kultur und Literatur nahebringen. Sein Großvater Iwan Schewtschenko, der Zeuge der Hajdamaken-Bewegung war, übte dabei einen bedeutenden Einfluss auf Taras aus. So arbeitete er einerseits als Hirtenjunge, konnte aber andererseits die Schule besuchen und las bereits mit 13 Jahren Werke von Hryhorij Skoworoda und Iwan Kotljarewskyj, den Begründern der ukrainischen Literatur und Philosophie. Früh entdeckte man in ihm auch ein Talent zum Zeichnen und Malen.

Im Jahr 1823 starb Taras’ Mutter und sein Vater heiratete ein zweites Mal. Mit elf Jahren wurde Schewtschenko Vollwaise und mit 14 Jahren wurde er, nachdem sein bisheriger Gutsherr Wassili Engelhardt 1828 gestorben war und das Dorf Kyryliwka samt seinen Bewohnern in das Eigentum seines Sohnes Pawel Engelhardt übergegangen waren, Kammerdiener des neuen Herren.Pawel Wassiljewitsch Engelhardt auf der Website des Nationalen Taras-Schewtschenko-Museums; abgerufen am 7. August 2018 (ukrainisch) Während seiner Pausen malte er die Lithographien in Engelhardts Haus ab, worüber sich dieser empörte und den jungen Taras auspeitschen ließ. Jedoch reizte Engelhardt schließlich die Aussicht, einen leibeigenen Künstler zu besitzen, und fortan begann er Schewtschenko zu fördern.Taras Ševčenko 1814–1861. Zum 150. Geburts- und 100. Todestag des ukrainischen Nationaldichters. Herausgegeben vom Seminar für Slavische und Baltische Philologie der Universität München und der Ukrainischen Freien Universität München, ISBN 978-3-87690-007-0, S. 12, doi:10.3726/b13136. In der Folge begleitete Schewtschenko seinen Gutsherrn auf vielen Reisen. Von Herbst 1829 an war er mit ihm im litauischen Wilna und studierte dort bei Jan Rustem, einem Professor für Malerei an der Wilnaer Universität, Malerei.Artikel zu Taras Schewtschenko und Jan Rustem in Krim Svitlitsa vom 15. November 2013; abgerufen am 6. März 2018 (ukrainisch)Lehrer von Taras Schewtschenko in Ukrainjia moloda vom 15. August 2008; abgerufen am 6. März 2018 (ukrainisch) Nachdem der litauische Generalgouverneur Alexander Rimski-Korsakow in Wilna aufgrund des polnischen Novemberaufstands zum Rücktritt gezwungen worden war,Biografie von Taras Schewtschenko auf shevchcycl.kiev.ua; abgerufen am 14. August 2018 (ukrainisch) reiste Engelhardt als dessen Adjutant in Begleitung von Schewtschenko nach Sankt Petersburg.Schewtschenko-Wörterbuch in zwei Bänden; Schewtschenko Institut der Literatur der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Kiew: Main Edition der Ukrainischen Sowjetenzyklopädie, 1976–1978; abgerufen am 20. August 2018 (ukrainisch)

Erste Sankt Petersburger Zeit Im März 1831 in Sankt Petersburg angekommen, gestattete Engelhardt ihm, beim Maler Wassili Grigorjewitsch Schirjajew (Werke und Tage des Kobzars – Lyubertsy :. Lyuberetskaya Zeitung, 1996. – S. 30–43; abgerufen am 28. Juli 2018 (ukrainisch)), der vorwiegend als Theaterdekorateur tätig warTaras Schewtschenko – Enzyklopädie der Weltbiografie; abgerufen am 15. September 2020 (englisch), in die Lehre zu gehen. Obwohl er offiziell noch ein Leibeigener war, erlaubte ihm seine Lehre dennoch eine gewisse persönliche Freiheit. auf der Website des Schewtschenko-Museums in Toronto, Kanada; abgerufen am 30. Juli 2018 (englisch) So lernte er während seiner Lehrzeit Russisch, Polnisch und Französisch, besuchte die örtlichen Theater sowie anatomische und physikalische Vorlesungen und interessierte sich für Kunstgeschichte und die Petersburger Architektur. Im Sommergarten von Sankt Petersburg, wo er in seiner Freizeit die Statuen skizzierte, lernte er im Jahr 1835 oder 1836 seinen Landsmann Iwan Soschenko kennen, der ihm einige Grundlagen der Malerei beibrachteHrebinka und Shevchenko auf grebenka.com; abgerufen am 30. Juli 2018 (ukrainisch) und ihn in die künstlerische Gesellschaft von Sankt Petersburg einführte. Unter anderem machte Soschenko ihn mit Jewhen Hrebinka, Wassili Schukowski, Karl Brjullow und Alexei Wenezianow bekannt.Artikel zu Soshenko, Ivan in der Encyclopedia of Ukraine; abgerufen am 30. Juli 2018 (englisch)

mini|hochkant|Selbstbildnis, Öl; 1840 Durch das Leben in Petersburg, dem Zentrum des russischen Geisteslebens, und die Bekanntschaft mit Soschenko eignete sich Schewtschenko innerhalb weniger Jahre eine umfassende Bildung an. Er unternahm erste Versuche als Dichter und fand Freunde und Anerkennung in literarischen Zirkeln. Der seelische Zwiespalt, immer noch Leibeigener zu sein, und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung belasteten ihn; diese Sehnsucht zog sich zeitlebens wie ein roter Faden durch seine Werke.

mini|links|hochkant|Das von Brjullow gemalte Porträt von Schukowski, das zum Loskauf von Schewtschenko diente Nachdem seine neu gewonnenen Freunde bemerkt hatten, wie Schewtschenko unter seiner Unfreiheit litt, beschlossen sie, ihn aus der Leibeigenschaft freizukaufen. Zunächst sprach Karl Brjullow vergeblich bei Pawel Engelhardt wegen Schewtschenkos Loskauf vor, doch tags darauf war Alexei Wenezianow erfolgreicher, und Engelhardt nannte den Preis für Schewtschenko: 2500 Rubel. Das war ein unverschämt hoher Preis, zahlte doch ein gut geschulter leibeigener Handwerker lediglich 500 bis 1000 Rubel für seine Freiheit. Diese Summe war selbst für Schewtschenkos Gönner zu hoch und so entstand die Idee, eine Lotterie über diesen Betrag mit einem Gemälde von Karl Brjullow zu veranstalten. Ein Jahr später war das Bildnis, ein Porträt von Wassili Schukowski, welches sich heute in der Tretjakow-Galerie befindet, fertig und die Lotterie fand am 14. April 1838 im Palast von Zarskoje Selo statt.; abgerufen am 4. August 2018 (russisch)Aus der Erzählung Taras Schewtschenko von Konstantin Georgijewitsch Paustowski auf russkay-literatura.ru; abgerufen am 4. August 2018 (russisch) So konnte sich Schewtschenko am 22. April 1838, mit finanzieller Unterstützung der Zarenfamilie, die 1000 Rubel beisteuerte, und einflussreicher Freunde, darunter der Maler Apollon Mokrizki, der Dichter Wassili Schukowski sowie der Kunsthistoriker Wassili Grigorowitsch, aus seiner Unfreiheit loskaufen.Taras Schewtschenkos Biographie in der Bibliothek der ukrainischen Literatur auf ukrlib.com; abgerufen am 22. April 2018 (englisch)

Tags darauf wurde er Student an der Akademie der Künste und finanzierte sein Leben in Petersburg durch seine Arbeit als Maler. Seit 1838 konzentrierte sich Schewtschenko stärker auf seine literarische Arbeit. Mit seinen ersten Veröffentlichungen ab 1840 zeigte sich die Besonderheit seiner Rolle als Dichter: Einerseits eine bäuerliche, aus Knechtschaft und Unfreiheit geborene Stimme, andererseits kultiviert und hochgebildet, verarbeitete er diese Elemente seiner Persönlichkeit auf ganz neue Weise in seiner Dichtung. Bereits sein erster Gedichtband, Kobsar, wurde nur stark zensiert herausgegeben, dennoch erfuhr er tiefgreifende Resonanz bei der russischen Intelligenz. Man bescheinigte ihm Talent, kritisierte jedoch scharf die Tatsache, dass er die „bäuerliche“ ukrainische Sprache, vermeintlich ein primitiver Dialekt des Russischen, für seine Dichtung gewählt hatte. Die Verwendung der russischen Sprache in der Ukraine wurde damals staatlich propagiert und auch Schewtschenko war davon beeinflusst. Zeitlebens schrieb er sein persönliches Tagebuch ausschließlich auf Russisch.Eintrag zu Shevchenko, Taras in der Encyclopedia of Ukraine; abgerufen am 6. August 2018 (englisch)

Reisen in die Ukraine mini|hochkant|Selbstporträt von Schewtschenko, November 1843

In den darauffolgenden Jahren entstanden – beeinflusst durch zahlreiche Reisen durch seine Heimat, wo Schewtschenko erneut Unfreiheit und Armut, aber auch den alten Zeugnissen ukrainischer Kultur begegnete – immer mehr Werke mit unverhüllt rebellischem Unterton, die ihm in allen Schichten stürmische Bewunderung verschafften. Schewtschenko wurde mit seinem Stil zum Prototyp des ukrainischen Romantikers.

Am reiste Schewtschenko von Sankt Petersburg in die Ukraine ab und machte zunächst auf dem Landgut von Hryhorij Tarnowskyj (; 1788–1853) in Katschaniwka im Gouvernement Tschernigow halt, von wo aus er auch Abstecher in die benachbarten Ortschaften, unter anderem nach Baturyn, machte.Reise in die Ukraine 1843 auf litopys.org.ua; abgerufen am 15. Juli 2019 (ukrainisch) Im Juni 1843 hielt er sich in Kiew auf und traf dort die Dichter Mychajlo Maxymowytsch, Pantelejmon Kulisch und Jewhen Hrebinka. auf Taras Schewtschnko – Leben und Arbeit; abgerufen am 6. August 2018 (ukrainisch) Mit Hrebinka besuchte er am 29. Juni 1843 in Mojssiwka einen dort zweimal jährlich veranstalteten, prunkvollen BallArtikel zu Mojssiwka auf der Website des Nationalen Taras-Schewtschenko-Museums; abgerufen am 3. August 2018 (ukrainisch) und lernte dort Jakow de BalmenArtikel zu Jakow de Balmen auf kobzar.info; abgerufen am 12. Oktober 2018 (ukrainisch) und seine Verehrerin Warwara Repnina-Wolkonskaja kennen.Artikel zur Kirche und zum Dorf Linksufriges Versailles auf haidamac.org.ua; abgerufen am 3. August 2018 (ukrainisch).