Der Hutberg () ist ein hoher Berg und ein beliebtes Ausflugsziel am Rande des Stadtgebietes der sächsischen Kleinstadt Kamenz.
Lage und Umgebung Der Hutberg ist der Hausberg von Kamenz. Er liegt ca. einen Kilometer westlich des Kamenzer Stadtzentrums und überragt dieses um ca. 90 Höhenmeter. Der Gipfelbereich ist von der Stadt aus über eine Straße und mehrere Fuß- und Wanderwege erreichbar. Auch vom südwestlich gelegenen Lückersdorf führt ein Fußweg auf den Berg.
Im westlichen und nördlichen Umfeld des Hutberges befinden sich weitere Hügel und Kuppen, die am Wahlberg eine Höhe von 359 Meter erreichen.
Naturraum Der Hutberg gehört zum Kamenzer Hügel- und Kuppenland, welches den nördlichen Ausläufer des Westlausitzer Hügel- und Berglandes bildet. Geologisch stehen hier Grauwacken an, die zu schuttreichen Braunerden verwittern.
Der Berg ist Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes d 05 "Westlausitz".
Bergpark Der Nord- und Ostabhang des Berges wurde ab 1893 in mehreren Abschnitten bis in die 1920er Jahre hinein zu einem weiträumigen und großzügigen Bergpark umgestaltet. Initiator war der Gärtner und Dendrologe Wilhelm Weisse, der 1873 eine Gärtnerei in Kamenz gegründet hatte und sich auf die Zucht von Koniferen und Blaufichten spezialisiert hatte. Weisse und später der Kamenzer Oberstadtgartenmeister und Stadtgarteninspektor Ernst Hilscher (1879–1949)Rhododendronpark Hutberg schufen am Hutberg einen Parkwald, der über 100 verschiedene Arten, darunter Tannen, Fichten, Kiefern, Ahorne, Eichen, Linden und Ulmen in verschiedenen Arten und Varietäten umfasst. Als exotische Vertreter gelten ursprünglich in Japan heimische Schirmtannen. Die aus nordamerikanischen Samen gezüchteten Blaufichten bilden den sogenannten "blauen Wald". Der Bergpark umfasst neben Gehölzgruppen auch Wiesenflächen mit randbegleitenden Rhododendren und Azaleen.Historische Entwicklung der Parkanlage am Hutberg Während der Blütezeit um Pfingsten zieht dieser Bereich zahlreiche Besucher an.Es hat begonnen: Blütenrausch auf dem Hutberg, Sächsische Zeitung (Online-Ausgabe) vom 29. April 2026
Das Zentrum der Parkanlage bilden der Lessingturm und die Hutberggaststätte. Westlich von Turm und Gaststätte geht der Park einen waldähnlichen und "wilderen" Bereich über, die in den letzten Jahren gartenbautechnisch mit neu gestalteten Wegen erschlossen wurde.
Geschichte Aufgrund seiner Aussichtsmöglichkeiten wurde der Berg schon frühzeitig als Standort eines Wachpostens genutzt. Von der damit verbundenen Redewendung des „auf der Hut seins“ leitet sich auch der Name des Berges ab. Ein für Wachposten vorhandenes Unterkunftshaus wurde 1658 durch die Stadt Kamenz neu erbaut und 1686 erneuert, um Händler und Fuhrleute vor Wegelagerern zu schützen. 1797 war das Haus nur noch als Ruine vorhanden. Bis um 1800 war der Berg nahezu vollständig entwaldet und wurde landwirtschaftlich genutzt. Alte Bilder der Stadt zeigen ihn, bis auf Reihenbüsche auf der Südseite (wo auch heute noch vorwiegend Obstbäume stehen) vollständig kahl.
Die touristische Erschließung setzte ab 1836 mit der Aufstellung eines Schankzeltes ein. Für die weitere Entwicklung gründete sich eine Gesellschaft, welche das Baugelände von der Stadt Kamenz zur Verfügung gestellt bekam. Geplant war die Errichtung eines Aussichtsturmes, da die Aussicht durch nachwachsende Bäume immer weiter eingeschränkt wurde. Die Aktivitäten stockten jedoch mehrere Jahre, da Kamenz 1842 von einem schweren Stadtbrand betroffen war, der die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zurückwarf. Der Turm wurde 1864 unter der Bezeichnung Lessingturm zusammen mit einer kleinen Gastwirtschaft errichtet. Letztere wurde 1895 zum heutigen Hutberghotel erweitert.
Eine weitere prägende Entwicklung stellte der Bau eines Thingplatzes südlich des Gipfels in den Jahren 1934–1937 dar. Daraus entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die heutige Hutbergbühne.
Lessingturm Der Bau des Turmes wurde durch ein 1858 gegründetes „Komitee zur Errichtung eines Lessingturmes“ initiiert. Reichliche Spenden sorgten für die finanzielle Absicherung des Projektes. So wurde am 30. März 1864 der Grundstein für den Turm gelegt. Am 21. August 1864 konnten schon Tausende von Menschen auf dem Gipfel die Turmweihe des 18 m hohen Aussichtsturms mit Ehrenschüssen erleben.
Das dazugehörige Schankgebäude erwies sich bald als zu klein und wurde dreißig Jahre später im Jahr 1895 von April bis September erweitert. So entstand aus dem Schankgebäude das Hutberghotel. Dieses wurde 1929 nochmals zur heutigen baulichen Gestalt erweitert.
Nachdem im Laufe der Jahre die Bäume um den Turm immer höher gewachsen waren, wurde dieser 2010 mit einem 6 m hohen Aufsatz auf 24 m erhöht.https://www.forstfest-kamenz.de/Historisches.html?file=tl_files/Grafiken%20%26%20Dateien/pdf/Der%20Lessingturm%20auf%20dem%20Hutberg%20Kamenz%202010.pdf Der Lessingturm auf dem Hutberg Kamenz 2010 (PDF 127 kB) (abgerufen am 25. Juni 2015)
Königlich-Sächsischen Triangulation Auf dem nordwestlichen Eckpfeiler des Lessingturmes befindet sich seit 1870 die Station 66 der Königlich-Sächsischen Triangulation.Interessengemeinschaft Nagelsche Säulen und Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (Hrsg.): Historische Vermessungssäulen in Sachsen – eine Spurensuche. Schütze, Engler, Weber, Dresden 2012, S. 114
Hutbergbühne Die Bühne geht auf einen in der Zeit des Nationalsozialismus auf der Südseite des Berges errichteten Thingplatz zurück. Die Stadt Kamenz bewarb sich bereits Ende 1933 als Standort eines großen Freilichttheaters, von denen im Deutschen Reich bis zu ca. 400 entstehen sollten. Der Platz sollte zugleich eine Stätte für das Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkrieges sowie für nationalsozialistische Aufmärsche sein. Schon am 22. März 1933 setzte der Kamenzer Stadtrat einen vorbereitenden Ausschuss ein, der Fragen zum Standort, zur Ausführung und zur Finanzierung klären sollte.Konstantin Hermann (Hrsg.): Führerschule, Thingplatz, "Judenhaus" - Orte und Gebäude der nationalsozialistischen Diktatur in Sachsen. Sandstein Verlag 2014. ISBN 978-3-95498-052-9. An dem im November 1933 begonnenen Ideenwettbewerb nahmen 166 Entwürfe teil. Auf dem zweiten Platz landete der Dresdner Architekt Paul Weiße. Er sah einen Platz vor, der von drei miteinander verbundenen Säulen eingerahmt ist. Er wurde aufgefordert, seinen Entwurf zu überarbeiten, was schließlich unter starkem Einfluss von Ludwig Moshamer geschah. Die nun fünf in einer Linie gereihten Säulen sollten „gleich mächtigen Schwurfingern gegen den Himmel“ die Kriegsjahre 1914 bis 1918 symbolisieren. Die Bauleitung übernahm der Oberstadtbaumeister Stäglich, die oberste Bauausführung die in Kamenz ansässige Baufirma Reif. Spatenstich war am 10. März 1934, Eröffnung am 1. und 2. Juni 1935 und 1937 war die Anlage weitgehend fertiggestellt.Die Kamenzer Hutbergbühne - vom Thingplatz der Nazis zur bekannten Konzert-Location, Sächsische Zeitung (Online-Ausgabe) vom 17. Juli 2025
Das Denkmal wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend entfernt. Die nie ganz fertiggestellte Anlage des ehemaligen Thingplatzes stellt heute eine der größten Freilichtbühnen Sachsens dar und erfreut sich als Hutbergbühne großer Beliebtheit. Bereits zu DDR-Zeiten wurde die Bühne für Theater-, Musik- und andere Kulturveranstaltungen genutzt.
Nach der Wiedervereinigung um eine überdachte Bühne ergänzt, wird die Hutbergbühne seitdem als Veranstaltungsort für verschiedene Musikveranstaltungen genutzt. So traten zum Beispiel Joe Cocker, Deep Purple, Lynyrd Skynyrd, Jethro Tull, Status Quo, Howard Carpendale, Helene Fischer, Matthias Reim und Roland Kaiser auf. Zur Tradition waren die Pfingstkonzerte der Puhdys geworden, die seit den 1990er Jahren bis 2015 jedes Jahr am Sonnabend vor Pfingsten auf der Hutbergbühne spielten. Sächsische Zeitung Online (abgerufen am 25. Juni 2015)
Aussicht Vom Lessingturm ergibt sich ein guten Ausblick auf die Stadt Kamenz sowie über die Hügelketten der Westlausitz im Westen und Süden und auf das flachere Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet im Norden. Bei guten Bedingungen reicht die Aussicht in Richtung Osten bis zur Landeskrone bei Görlitz (Luftlinie ca. 60 Kilometer) und in Richtung Südosten über die Bergketten des Lausitzer Berglandes und den Kamm des Isergebirges bis zur Schneekoppe im Riesengebirge (Luftlinie ca. 130 Kilometer)., S. 98
Veranstaltungen Zahlreiche Konzerte auf der Freilichtbühne Jährlicher Blütenlauf zu Pfingsten Kamenzer Hutberg-Singen
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Literatur
Ernst Panse (Hrsg.): Parkführer durch die Oberlausitz. Lusatia Verlag, Bautzen 1999, ISBN 3-929091-56-9 O. Schöne: Der Hutberg bei Kamenz. Zum 50jährigen Bestehen seines Aussichtsturmes. in: Über Berg und Tal (Zeitschrift des Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz), Heft März 1915, S. 29–30 Ernst Siegl: Unsere Oberlausitzer Berge. Domowina-Verlag GmbH, Bautzen 1991, ISBN 3-7420-0746-7
Weblinks
Hutbergbühne Kamenz Förderverein Hutberg Kamenz e. V.
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Kamenz) Kategorie:Kulturdenkmal in Kamenz