Le soulier de satin (deutsch: ‚Der seidene Schuh‘) ist eine „Oper in vier Tagen“ (Originalbezeichnung: „Opéra en quatre journées“) von Marc-André Dalbavie (Musik) mit einem Libretto von Raphaèle Fleury nach dem gleichnamigen Theaterstück von Paul Claudel. Die Uraufführung fand am 21. Mai 2021 im Palais Garnier der Pariser Oper statt.

Handlung

Die Oper spielt Ende des 16. Jahrhunderts zur Zeit der spanischen Konquistadoren. Sie umspannt mehr als zwanzig Jahre und mehrere Erdteile und handelt von der unerfüllten Liebe des spanischen Granden Don Rodrigue de Manacor zu Doña Prouhèze, der Ehefrau des königlichen Richters Don Pélage. Don Rodrigue war nach einem Schiffbruch an die afrikanische Küste geworfen worden. Dort war Doña Prouhèze die erste Person, der er dort begegnete. Die beiden verliebten sich sofort unsterblich ineinander.

Die vier Teile sind nach dem Muster des spanischen Theaters als „journées“ (‚Tage‘) bezeichnet. Die Handlung ist von mythischen und religiösen Elementen wie Auftritten von Heiligen oder dem Mond durchzogen.

Vor Beginn des Spiels tritt der Annoncier vor das Publikum und erläutert mit den Worten Claudels, dass die einzelnen Bilder ohne Unterbrechung aufeinander folgen sollen. Das schlichteste Bühnenbild, beispielsweise eine grob bemalte Leinwand, reiche völlig aus. Die notwendigen Umbauten führen Bühnenmitarbeiter während des Spiels vor den Augen des Publikums aus. Die Darsteller der einzelnen Szenen erscheinen bereits vor Abschluss der jeweils vorangegangenen Szene auf der Bühne. Regieanweisungen werden entweder vom Bühnenleiter oder von den Darstellern selbst vorgelesen. Etwaige Fehler stören nicht. Alles müsse provisorisch, unordentlich, mit Begeisterung improvisiert aussehen.

Kurzfassung

Erster Tag. Don Pélage soll das Kommando über das nordafrikanische Mogador übernehmen. Da er zuvor einige unverheiratete Frauen seiner Familie unter die Haube bringen will, muss seine Frau Doña Prouhèze zunächst ohne ihn in Begleitung des Kapitäns Don Balthazar und ihrer schwarzen Dienerin Jobarbara die erste Etappe bis Katalonien zurücklegen. Unabhängig von den beiden macht sich auch Don Pélages Cousin Don Camille auf den Weg nach Mogador. Eine andere Dame, Doña Isabel, fordert ihren Geliebten Don Luis auf, sie auf einer Reise zu entführen. Doña Prouhèze steckt in einem Gewissenskonflikt: Auf der einen Seite würde sie am liebsten mit Don Rodrigue fliehen, auf der anderen Seite will sie ihren Mann nicht betrügen. Sie rät Don Balthazar daher, während der Reise gut auf sie aufzupassen. Außerdem legt sie ihren Seidenschuh in die Hände einer Marienstatue und betet um Schutz vor der Versuchung. Der spanische König ernennt Don Rodrigue zum Vizekönig von Indien (Amerika). Dieser rettet mit seinem Diener Isidore die Reisegesellschaft Doña Isabels vor dem Angriff ihres Geliebten. Er selbst wird dabei schwer verletzt und auf das Schloss seiner Mutter gebracht. Doña Musique, eine der von Don Pélage zu verheiratenden Frauen, flieht mit einem neapolitanischen Sergeanten, der sie zum Vizekönig Neapels bringen will. Sie trifft sich in einer Herberge mit Doña Prouhèze und erzählt ihr von Don Rodrigues Verwundung. Die Herberge wird von Doña Musiques Verfolgern angegriffen und von Don Balthazar mit seinem Leben verteidigt. Unterdessen entkommen sowohl Doña Prouhèze, die sich auf den Weg zu Don Rodrigue macht, als auch Doña Musique, die mit dem Sergeanten und der schwarzen Jobarbara über das Meer nach Neapel reist.

Zweiter Tag. In ihrem Schloss pflegt Doña Honoria ihren Sohn Don Rodrigue. Die inzwischen eingetroffene Doña Prouhèze darf ihn nicht sehen. Ihr Mann Don Pélage trifft ebenfalls ein. Um sie von Don Rodrigue fernzuhalten, überlässt er ihr das Kommando über Mogador. Sie soll dort seinen Statthalter Don Camille ablösen. Für diese Entscheidung muss sich Don Pélage vor dem König rechtfertigen. Don Rodrigue folgt Doña Prouhèze nach Mogador. Sie will ihn aber nicht sehen und lässt sein Schiff mit Kanonen manövrierunfähig schießen. Doña Musiques Schiff kentert vor Sizilien. Sie begegnet dem Vizekönig von Neapel und verliebt sich in ihn. Don Rodrigue erreicht endlich die Stadt. Doña Prouhèze empfängt ihn jedoch nicht, sondern lässt ihm durch Don Camille ausrichten, er solle verschwinden. Don Rodrigue begibt sich auf seinen Posten in Amerika.

Dritter Tag. Zehn Jahre sind vergangen. Don Pélage ist verstorben, und Doña Prouhèze hat Don Camille geheiratet. In einem Moment der Schwäche verfasste sie einen Brief an Don Rodrigue, um ihn um Hilfe zu bitten. Der Brief hat sein Ziel noch nicht erreicht und befindet sich jetzt auf dem Weg nach Amerika in den Händen von Doña Isabels Bruder Don Fernand, der ihn seinem Begleiter Don Léopold Auguste gibt. Doña Musique ist mit dem Vizekönig von Neapel verheiratet und erwartet in Prag ein Kind. Don Rodrigue beschäftigt sich mit dem Bau eines Panama-Kanals. Er hat ein Verhältnis mit Doña Isabel, die mit ihrem Mann Don Ramire ebenfalls in Amerika lebt. Diese verschafft sich den Brief, um ihn in einem geeigneten Moment Don Rodrigue zu übergeben. Sie weiß, dass er dann seine Stellung zugunsten ihres Mannes sofort aufgeben wird. Tatsächlich macht sich Don Rodrigue unter einem Vorwand auf den Weg nach Mogador und kann mit Doña Prouhèze sprechen. Sie will Don Camille jedoch treu bleiben und bringt ihm stattdessen ihre Tochter Marie des Sept-Épées, bevor sie sich für immer von ihm verabschiedet.

Vierter Tag. Weitere zehn Jahre später. Doña Prouhèze ist in Mogador gestorben. Don Rodrigue wurde auf die Philippinen versetzt und verlor im Kampf gegen Japaner ein Bein. Er verkauft nun Heiligenbilder an Soldaten. Die spanische Flotte sammelt sich vor den Balearen, um unter der Führung von Doña Musiques Sohn Jean d’Autriche gegen die Türken zu ziehen, dem Geliebten von Doña Sept-Épées. Auch diese will gegen die Barbaren kämpfen und hat mit einer Freundin, der „Schlachterin“, heimlich ihre Heimat verlassen. Die beiden begeben sich auf Don Rodrigues Schiff, den Doña Sept-Épées jetzt Vater nennt. Dass er nicht mehr kämpfen will, enttäuscht sie sehr. Sie schwimmen zum Schiff Jeans. Don Rodrigue wird verhaftet, da seine Bilder Anstoß erregt haben. Er soll als Sklave verkauft werden, wird aber einer bettelnden Nonne übergeben. Die fortgesetzten Demütigungen stören ihn nicht mehr. Er hat endlich seinen Seelenfrieden gefunden.

Erster Tag

Szene 1. Die afrikanische Küste des Atlantischen Ozeans; ein spanisches Schiffswrack. Ein Jesuitenpater dankt Gott für seine Rettung. Er hat den Schiffbruch überlebt, weil er an den Mast gebunden war, den er mit dem Kreuz vergleicht. Der Pater betet für seinen Bruder Don Rodrigue, dessen Stolz und Begierden ihm Sorgen bereiten. Er hofft, dass ihm die Trennung von seiner Geliebten den Weg zum Himmel öffnen wird.

Szene 2. Die Fassade des Hauses eines Edelmanns in Spanien; erste Morgenstunde; ein Garten mit Orangenbäumen und einem kleinen blauen Brunnen. Don Pélage und seine Frau Doña Prouhèze wollen nach ihrer Zeit in Spanien nach Afrika zurückkehren, wo Don Pélage das Kommando über Mogador übernehmen soll. Auch sein Cousin Don Camille, ein Abenteurer, dem Don Pélage wenig Vertrauen schenkt, wird etwas später dorthin abreisen. Den Anfang der Reise machen Don Pélage und Doña Prouhèze getrennt voneinander. Sie wird unter dem Schutz des Kapitäns Don Balthazar und in Begleitung ihrer resoluten Dienerin, der schwarzen Jobarbara, nach Katalonien reisen. Don Pélage will unterdessen sechs junge Frauen aus seiner Familie unter die Haube bringen, darunter Doña Musique, die Don Balthazar insgeheim liebt. Für jede der Frauen hat Don Pélage bereits zwei Heiratskandidaten ausgewählt, zwischen denen sie sich entscheiden müssen. Ansonsten bleibt ihnen nur das Kloster. Anschließend will Don Pélage in Katalonien wieder mit seiner Frau zusammentreffen.

Szene 3. Ein anderer Teil desselben Gartens; Mittag. Don Camille versucht vergeblich, Doña Prouhèze zu überreden, mit ihm gemeinsam zu reisen. Er will sich in Mogador eine eigene kleine Welt schaffen und hofft, sie dort wiederzusehen.

Szene 4. Eine Straße in einer spanischen Stadt; ein hohes vergittertes Fenster. Doña Isabel soll auf Befehl ihres Bruders ihre Herrin nach Kastilien begleiten. Sie fordert ihren Geliebten Don Luis auf, die Reisegesellschaft zu überfallen, um sie entführen.

Szene 5. Derselbe Ort wie in Szene 2. Vor der Abreise übergibt Don Balthazar Doña Prouhèze den genauen Reiseplan. Sie gesteht ihm offen, dass sie Don Rodrigue einen Brief geschickt hat, damit er sie in Katalonien aufsuchen und mit ihr fliehen kann. Don Balthazars Aufgabe sei es, dies zu verhindern, da sie der Gedanke, ihren Gatten zu betrügen, entsetzt. Dennoch würde sie alles tun, um mit ihrem Geliebten zusammen zu sein. Sie zieht ihren Seidenschuh aus, legt ihn in die Hände einer Marienstatue und betet zur Heiligen Jungfrau, sie vor der Versuchung zu beschützen. Falls sie sich dem Bösen zuwenden sollte, solle es nur mit lahmen Füßen geschehen können.

Szene 6. Großer Saal im Palast von Belém mit Blick auf die Tajo-Mündung. Der Kanzler rät dem spanischen König, Don Rodrigue zu seinem Statthalter und Vizekönig in Amerika zu ernennen. Der König stimmt trotz Bedenken wegen dessen Jugend zu und lässt Rodrigue holen.

Eine Prozession von Jakobspilgern besucht die Kirche Notre-Dame du Pilier. Unter den jungen Frauen befindet sich Doña Isabel, in der Nähe als Aufpasser ihr bewaffneter Bruder Don Fernand. Eine als Pilger verkleidete Gruppe bewaffneter Männer, darunter Doña Isabels Geliebter Don Luis, wartet versteckt auf eine Gelegenheit, sie zu entführen.

Szene 7. Die Kastilische Wüste; Nacht des Heiligen Jakob. Don Rodrigue ist mit seinem chinesischen Diener Isidore auf dem Weg zu dem mit Doña Prouhèze vereinbarten Treffpunkt. Die beiden beobachten in der Ferne einige verdächtige Reiter, wobei sie selbst darauf achten müssen, nicht von spanischen Soldaten entdeckt zu werden. Rodrigue hat Isidore als Lohn für seine Unterstützung versprochen, ihn taufen und anschließend in seine Heimat zurückkehren zu lassen. Er erzählt ihr von seiner großen Liebe zu Doña Prouhèze. Als sich die bewaffneten Männer der Prozession nähern, glauben Don Rodrigue und Isidore, es handle sich um einen Anschlag der Mauren. Sie greifen zu ihren Schwertern, um die Pilger zu verteidigen.

Szene 8. Die Herberge von X… am Meeresufer. Doña Prouhèzes Dienerin, die schwarze Jobarbara, unterhält sich mit einem neapolitanischen Sergeanten. Der hat Doña Musique erzählt, dass der Vizekönig von Neapel sie in einem Traum gesehen und ihn beauftragt habe, sie zu ihm zu bringen. Da Doña Musique auf keinen Fall durch ihren Vater zwangsverheiratet werden wollte, ist sie mit dem Sergeanten durchgebrannt.

Szene 9. Ein anderer Teil der Wüste von Kastilien; ein Kreuzweg zwischen Rosen und grünen Eichen; Tote, darunter Don Luis, liegen auf dem Boden. Don Fernand dankt dem im Kampf verwundeten Don Rodrigue für die Rettung seiner Schwester Doña Isabel und überlässt ihm eine Kutsche.

Szene 10. Der Garten der Herberge von X. Doña Musique trifft sich heimlich mit Doña Prouhèze und erzählt ihr von ihrer Hoffnung, den Vizekönig von Neapel zu heiraten. Doña Prouhèze spricht ihrerseits von ihren eigenen widersprüchlichen Gefühlen für Don Rodrigue.