mini|Verwaltungsbezirke der Provinz Fars, Mamasani im Nordwesten mini|Detailansicht der Region mit den wichtigsten Ortschaften und archäologischen Stätten mini|Hauptplatz von Nurabad mini|Bovan (auch Bavān), ein Tal mit einem gleichnamigen Dorf, in der Nähe von Nurabad mini|Frauen der Qaschqai waschen in Sarab-e Bahram Wolle mini|Zeichnung Tour des Mamacenis von Eugène Flandin, 1851Eugène Flandin, Pascal Coste: Voyage en Perse: Planches. Perse moderne. Paris 1851. hochkant=0.6|mini|Der sassanidische Wasserturm Dum-e Mil westlich von Nurabad Die Region Mamasani () befindet sich im südwestlichen Zagros-Gebirge in Iran. Sie ist ein Verwaltungsbezirk (Schahrestan) der Provinz Fars. In älterer Literatur findet man oft die Bezeichnung Fahlian, die heute für einen ländlichen Bezirk in der Region verwendet wird.
Mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 600 mm pro Jahr zählt das Gebiet zu den wasserreichsten Regionen der Provinz. Während in den Ebenen das Kulturland dominiert, bietet die umliegende Berglandschaft ausgedehnte Weideflächen. Die Bevölkerung gehört zur ethnischen Gruppe der Luren, die aus mehreren Stämmen bestehen – darunter auch die namensgebenden Mamasani. Ein kleiner Teil der Bevölkerung leben als Nomaden.
Die Region Mamasani ist spätestens seit 6000 v. Chr. besiedelt. Während der Achämenidenzeit verlief vermutlich die berühmte Königsstraße durch die Ebenen der Gegend, welche die Residenzstädte Susa in Chuzestan und Persepolis in der Flussebene des Kur miteinander verband. Auch zur Zeit der Sassaniden war die Region ein fester und strategisch wichtiger Bestandteil des Reiches.
In den letzten Jahren wurden die neolithische Siedlung Tol-e Nurabad sowie die kupferzeitliche Stätte Tol-e Spid intensiv erforscht. Darüber hinaus beherbergt das Gebiet Monumente wie das elamische Felsrelief von Kurangun, das post-achämenidische Felsgrab von Dau-e Dokhtar aus der früh-hellenistischen Epoche sowie die Ruine eines sassanidischen Turms bei Dum-e Mil.
Geographie Die Region Mamasani befindet sich im Herzen des südwestlichen Zagros-Gebirges. Sie ist ein Verwaltungsbezirk der iranischen Provinz Fars, wobei in der Vergangenheit die Grenzen des Bezirks weniger strikt definiert waren. Das Gebiet lag zwischen der Stadt Basht im Nordwesten und Ardakan-e Fars im Osten mit den Zentren Fahlian, Qaleh Sefid und Nobandagan (Nawbandjan). Die heutigen Grenzen des Verwaltungsbezirks Mamasani sind das Ergebnis einer Kombination von geographischen und kulturellen Faktoren und werden im Folgenden auch für die Region verwendet.Daniel T. Potts, K. Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford 2009.
Der nördliche und östliche Teil umfasst die Bergregionen des Jāvid und Doshman Ziāri. Das zentrale Gebiet besteht aus einer Reihe von Ebenen - Dasht-e Nurabad, Dasht-e Jāvid, Dasht-e Rostam-e Yek (manchmal auch Dasht-e Fahlian genannt) und Dasht-e Rostam-e Do (früher auch Deh-e Nau genannt) -, die von Bergen umgeben sind. Die Ebenen Dasht-e Rostam-e Do und Dasht-e Rostam-e Yek sind über den Pass Yagheh Sangar verbunden. Der Pass, der von Chuzestan aus in die Ebene Dasht-e Rostam-e Do führt, ist als Pol-e Pirim bekannt. Im Westen und Süden befinden sich Mahour-e Milāti und Māhour-e Zirband, deren Charakteristik eine hügelige Landschaft ist. Der höchste Punkt ist der Berg Tāsk in der Region von Doshman Ziāri mit mehr als 3100 m über Meer. Der tiefste Punkt ist Māhour-e Zirband mit 200 m über Meer.
Die Luftlinie von den zentralen Ebenen nach Schiraz beträgt ungefähr 120 km, nach Yasudsch 50 km, nach Kazerun 65 km und nach Behbahan 120 km. Mit den Begriffen der archäologischen Geographie sind die Ebenen 100 km von Tal-e Malyan, 150 km von Persepolis, 160 km von Tol-e Peytul in Buschehr und 370 km von Susa entfernt.
Das Flachland der zentralen Ebenen erstreckt sich entlang seiner Hauptachsen über eine maximale Ausdehnung von etwa 45 km in nordwest-südöstlicher Richtung und 15 km in nordöstlich-südwestlicher Richtung. Während die Ebenen aus flachem Schwemmland bestehen, das durch langfristige Sedimentation und tektonische Aktivitäten geformt wurde, ist ein Großteil der restlichen Gegend gebirgig und für die Viehwirtschaft geeignet. In diesen höher gelegenen Regionen von Mamasani sind die Böden nur schwach entwickelt. Im Gegensatz zum feinkörnigen Sediment der Ebenen weisen die Böden der Hänge einen hohen Anteil an nicht verwittertem Gestein auf und sind arm an Feinmaterial. Das nomadische Weidesystem ist daher in hohem Maß auf kleine „Bodeninseln“ angewiesen, die eine bessere Qualität aufweisen.
Die moderne sesshafte Bevölkerung von Mamasani praktiziert ein gemischtes Agrarsystem in den Ebenen, das sich primär auf den Anbau von Weizen und Gerste im Winter und Frühjahr sowie den Anbau von Reis im Sommer konzentriert. Die Erschließung der Wasserressourcen ermöglicht Erträge, die bei Weizen zwischen 2 und 8,5 Tonnen und bei Reis zwischen 5 und 15 Tonnen pro Hektar liegen. Ohne Bewässerung sinkt der Weizenertrag auf 0,3 bis 3 Tonnen pro Hektar. Als Ergänzung zu diesen Grundnahrungsmitteln dient der Obstbau mit Erzeugnissen wie Orangen, Äpfeln, Wassermelonen und Datteln. In höheren Lagen wird Wein angebaut.
Klima Das Zagros-Gebirge wird konventionell in die drei Klimazonen, kalt (persisch sardsīr und sarhadd), gemäßigt (persisch mo’tadel) und warm (persisch garmsīr) unterteilt. Die Unterteilung geht auf die frühen islamischen Geographen zurück.William M. Sumner: Achaemenid Settlement in the Persepolis Plain. In: American Journal of Archaelogy. Band 90, 1986, S. 17. Von den beiden kalten Klimazonen ist die höher gelegene Zone sarhadd für die nomadische Viehzucht ungeeignet, während die tiefer gelegene Zone sardsīr im Sommer dank ausreichender Regenfälle eine rentable Feldwirtschaft ermöglicht. Die warme Klimazone garmsīr ist während des Sommers für einen ständigen Wohnsitz zu heiß; im Winter dagegen bietet sie den nomadischen Hirten Zuflucht und ist für die bewässerte Landwirtschaft geeignet.
Der nördliche Teil von Mamasani mit den Regionen Doshman Ziāri und Jāvid liegt in der kalten Klimazone sardsīr. Die zentralen Ebenen - Dasht-e Rostam-e Yek, Dasht-e Rostam-e Do, Dasht-e Nurabad und Dasht-e Jāvid - befinden sich in der gemäßigten Zone. Der westliche und südliche Teil von Mamasani, Mahour-e Milāti und Māhour-e Zirband, liegt in der warmen Klimazone garmsīr.
Im Vergleich zu einer Reihe von Städten im Südwesten, einschließlich Schiraz, weist Mamasani mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von etwa 600 mm in Langzeitstudien deutlich höhere Werte auf. Bei der Interpretation der Studien muss berücksichtigt werden, dass die modernen Städte typischerweise im Regenschatten liegen und deshalb weniger Niederschläge erhalten als Gebiete mit direkter West- oder Südausrichtung.
Während neuere Daten für die Provinz Fars vorliegen, ist es schwierig, die Klimaentwicklung im Gebiet von Mamasani seit dem Neolithikum präzise zu rekonstruieren. Versuche, das globale Klima zwischen 18 000 und 4000 v. Chr. zu rekonstruieren, lassen vermuten, dass in Westasien mehrere Klimaänderungen stattfanden, die für die menschliche Entwicklung eine Rolle spielten. Man geht davon aus, dass sich seit 4000 v. Chr. die grundlegenden Klimabedingungen nicht mehr verändert haben. In der vorhergehenden Periode von 10 000 v. Chr. bis 4000 v. Chr. lag das Holozän-Klimaoptimum mit einer Steigerung der Niederschläge von 25–30 Prozent mit milderen Wintern. Während dieses Klimaoptimums ereignete sich ein globaler Kälteeinbruch (die sogenannte Misox-Schwankung), der um 6200 v. Chr. begann und mehrere Jahrhunderte andauerte. Die Folgen dieses Kälteeinbruchs auf die neolithische Gesellschaft sind unbekannt, aber er fällt zeitlich mit dem Ende des vorkeramischen Neolithikums zusammen.
Verwaltungsbezirk Kreise Der Verwaltungsbezirk Mamasani ist in die folgenden Kreise unterteilt: Bachsch-e Markazi (Zentralbezirk) (بخش مرکزی) mit dem Hauptort Nurabad Bachsch-e Javid Bachsch-e Mahur-e Milati (بخش ماهورمیلانی) mit dem Hauptort Baba Monir Bachsch-e Doschman Ziari (بخش دشمن زیاری) mit dem Hauptort Pahlan Beland
Demografie Bei der Volkszählung 2016 betrug die Einwohnerzahl des Schahrestan 117.527. Die Alphabetisierung lag bei 82 Prozent der Bevölkerung. Knapp 57 Prozent der Bevölkerung lebten in urbanen Regionen. ZensusjahrEinwohnerzahl2011116.3862016117.527
Die Bevölkerung von Mamasani gehört zur ethnischen Gruppe der Luren. Diese gliedern sich traditionell in vier Stammesverbände: die Bakesch, die Jāvid, die Rostam und die Doshman Ziāri. Inzwischen ist die Mehrheit der Einwohner sesshaft geworden und lebt in Städten und Dörfern. Ende der 1990er-Jahre wurde geschätzt, dass etwa 20 000 Personen – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 200.000 – als Nomaden leben.
Die Nomaden der Jāvid verbringen den Winter in Tang-e Khās und Tang-e Laleh im Nordosten von Nurabad; im Sommer ziehen sie in das Gebiet zwischen den Ebenen von Mamasani und Sepidan. Die Rostam-Nomaden halten sich im Winter im Gebiet nördlich von Dasht-e Rostam-e Do und im Sommer zwischen Kohkiluyeh und Mamasani auf. Die Nomaden der Bakesch überwintern in den Tälern von Buvān und Harāyraz östlich und südlich von Nurabad. Die Doshman Ziāri haben unter allen nomadischen Gruppen in Mamasani den kleinsten Wanderungsradius und verbleiben weitgehend in ihrer eigenen Region.
Zusätzlich zu den Gruppen der Mamasani verbringen einige andere Nomadenvölker wie die Darreshouri, Kashkuliy-e Bozorg, Boyerahmadi und andere Stämme den Winter in der Region von Mamasani.
Geschichte Besiedlung Im Rahmen eines Surveys in den Ebenen Dasht-e Rostam-e Yek und Dasht-e Rostam-e Do wurden insgesamt 51 archäologische Stätten untersucht. Dabei handelte es sich um Siedlungsplätze, die über eine oder mehrere Zeitperioden hinweg genutzt wurden. Das Spektrum der Fundstellen reicht von Oberflächenbefunden und architektonischen Überresten bis hin zu Höhlensiedlungen an den umliegenden Hängen.Mohsen Zeidi, Bernadette McCall, Alireza Khosrowzadeh: Survey of Dasht-e Rostam-e Yek and Dasht-e Rostam-e Do. In: Daniel T. Potts, K. Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford 2009, S. 147–168.
Die ältesten Siedlungsnachweise in MamasaniZu den archäologischen Perioden, siehe das Kapitel „Beitrag zur absoluten Chronologie in Fars“ wurden am nördlichen Rand der Ebene Dasht-e Rostam-e Do gefunden. Vier der fünf Siedlungsspuren, die in Form von Steinwerkzeugen und Klingen vorliegen, befanden sich nahe der Quellen des Flusses Sarab Siah, der in einen kleinen See in der Ebene mündet. Die fünfte Siedlung lag südöstlich davon. Angesichts der potentiellen Dauer des Neolithikums in der Region sowie der regionalen Ausdehnung und der günstigen Umweltbedingungen, erscheint die Anzahl der gefundenen Siedlungen jedoch sehr gering.Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks, Daniel T. Potts, K. Roustaei: Perspectives on the Cultural Sequence of Mamasani. In: Daniel T. Potts, K. Roustaei, Cameron A. Petrie, Lloyd Weeks: The Mamasani Archaeological Project Stage One: A report on the first two seasons of the ICAR - University of Sydney expedition to the Mamasani District, Fars Province, Iran. Oxford 2009, S. 169–196.