mini|Luftbild mini|Die Neue Pfarrkirche Heilig Kreuz mit dem Zahmen Kaiser mini|Mühlbach von Süden mini|Mühlau im Winter mini|Kiefersfelden vom Friedhof aus gesehen
Kiefersfelden (kurz KieferVor allem das von Kiefer abgeleitete Eigenschaftswort „Kieferer“ wird häufig verwendet: Kieferer See (ein See östlich des Hauptorts), Kieferer Nachrichten (Nachrichtenblatt der Gemeinde), Kieferer Wichtl (Theatergruppe), Kieferer Puppentheater, Kieferer Energiewanderweg (ein von der Gemeinde eingerichteter Wanderweg), Kieferer Strom und Kieferer Erdgas (Produkte der Gemeindewerke).) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Rosenheim an der Grenze zu Österreich.
Geographie Geographische Lage Kiefersfelden liegt im bayerischen Teil des Unterinntals am Fuße des Kaisergebirges und direkt an der Grenze zu Tirol in Österreich. Der Klausenbach setzt die aus Tirol fließende Thierseer Ache auf bayerischer Seite fort, fließt nach Zufluss des Gießenbaches als Kieferbach durch das Dorf und mündet in den Inn.
Der Ort Kiefersfelden liegt . Die höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist der 1852 m hohe Große Traithen. Er gehört zum Mangfallgebirge und ist vor dem Wendelstein (1836 m) der höchste Berg im Landkreis Rosenheim.
Auf Gemeindegebiet liegen mehrere kleine Seen: Hödenauersee, Kieferer See und Kreutsee. Unmittelbar hinter der Staatsgrenze befinden sich auf Kufsteiner Gebiet der Egelsee und der Hechtsee.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Es gibt 18 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Größter Gemeindeteil – abgesehen vom Kernort Kiefersfelden – ist Mühlbach mit eigener Feuerwehr und Musikkapelle, der Sensenschmied Musikkapelle Mühlbach. Letztere geht zurück auf die Werkskapelle der Sensen-Union. Die Bayrische und Tiroler Sensenunion Mühlbach AG (1880–1991) produzierte zu ihren besten Zeiten mit 120 Mitarbeitern jährlich 350.000 Sensen. Mühlbach gehört zur politischen Gemeinde Kiefersfelden, aber zur Kirchengemeinde Oberaudorf. Auf dem Gebiet von Mühlbach – an der Grenze nach Oberaudorf – befinden sich das Caritas-Altenheim St. Peter und der gleichnamige Caritas-Kindergarten.
Klima Typisches Wettermerkmal ist der Föhn/Alpenföhn, der für Schönwetterperioden sorgt, der neben plötzlichen Temperaturerhöhungen für eine gute Fernsicht, bei empfindlichen Menschen aber für Kopfschmerzen verantwortlich ist. Die mittlere Schneedeckendauer betrug zwischen 1951/52 und 1995/96 durchschnittlich 92 Tage (Langzeitverhalten der Schneedecke in Baden-Württemberg und Bayern, KLIWA, 2005).
Das aktuelle Wetter von Kiefersfelden wird in der (zum Messnetz des Deutschen Wetterdienstes gehörenden) Wetterstation Kiefersfelden-Gach auf 518 m über Normalnull aufgezeichnet. Dazu betreibt der Deutsche Wetterdienst die automatische Wetterstation P975 vom Stationstyp [WST III].
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Inntal Süd (LSG-00595.01) Landschaftsschutzgebiet Inschutznahme des Gebietes Mühlau-Schöffau als LSG (LSG-00133.01) Landschaftsschutzgebiet Schutz des Auerbachtales einschl. Regau (am Förchenbach) und Bichlersee, Gemeinden Niederaudorf, Oberaudorf, Flintsbach und Kiefersfelden (LSG-00047.01) Geotop Gießenbachklamm (187R025)
Geschichte Vor Christus 4.–3. Jahrtausend vor Christus: Früheste Zeugnisse menschlichen Lebens im Inntal.
Römerzeit 2. Jahrhundert nach Christus: Durchgangsgebiet der römischen Inntalstraße. Während der Römerherrschaft reger Schiffsverkehr auf dem Inn. 5. Jahrhundert nach Christus: Der heilige Valentin von Passau, erster Bischof Rätiens († 460 nach Christus) reist auf dem Inn mehrmals nach Rom. 488 nach Christus: Endgültiger Abzug der Römer.
Mittelalter Im ersten Drittel des 6. Jahrhunderts Landnahme durch die Bajuwaren. Um 1135: Kiefersfelden wurde zum ersten Mal in einer Urkunde als Chiverinesvelt erwähnt. Bis zum 13. Jahrhundert gehörten Güter auf Kiefersfeldener Siedlungen zum Bereich der Grafen von Falkenstein. In Salbüchern aus dem 13. Jahrhundert werden Abgaben an die herzogliche Grundherrschaft der Wittelsbacher aufgeführt. Darin sind Stellen auf Kiefersfeldener Gebiet aufgelistet. Dazu gehören zum Beispiel: Köln, Mühlbach, Trojer, Mühlau, Wildgrub, Bichl in der Schöffau. 1315: Die alte gotische Kiefersfeldener Kirche am Buchberg (siehe Foto alte Pfarrkirche, unten) wird in der Conradinischen Matrikel, dem ältesten Verzeichnis der Kirchen des Bistums Freising, genannt.
Neuzeit und Industrialisierung 1503–1505 Landshuter Erbfolgekrieg: Weiler und Flecken des Gerichts Auerburg in Richtung Kufstein wurden niedergebrannt. Als Folge des Krieges fielen die Ämter Kitzbühel, Rattenberg und Kufstein an das Haus Habsburg, Kiefersfelden wurde Grenzort. Seit 1540 ist eine erste Schiffsbauwerkstatt im Ortsbereich nachweisbar. 1611 erwarben die Grafen Fieger (aus der Gemeinde Fügen im Zillertal) von den Bayern-Herzögen Gelände hinter dem Buchberg, um dort Holz anzulanden und zu verkohlen. Sie betrieben im Zillertal Schmelzöfen und Hammerwerke, aber die dortigen Holzvorräte zur Erzeugung des Brennstoffs Kohle gingen zu Ende. Daraufhin bekamen sie vom Hause Habsburg die Wälder der Thierseer Ache zur Nutzung angeboten, mussten dieses Holz aber durch Trift erst auf bayerisches Gebiet bringen, um die dort erzeugte Kohle dann auf dem Wasser in das Zillertal bringen zu können. 1612 wurden 24.000 Stämme getriftet und auf der Kohlstatt geländet. 1618 Gründung der Ritterschauspiele. 1695 erhielten die Fieger die Genehmigung zur Errichtung eines Eisenwerkes auf der Kiefer, dem Gelände zwischen der Landstraße und dem Inn. 1696 Errichtung des Blaahauses. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 wurde Kiefersfelden eine selbstständige politische Gemeinde. 1834 bis 1836 Errichtung der Ottokapelle (Architekt: Joseph Daniel Ohlmüller) an der Straße nach Kufstein zum Gedenken an den Grenzübertritt von Otto, Sohn von König Ludwig I. von Bayern, als er sein Amt als König von Griechenland antrat. 1858 Eröffnung der Bahnlinie Rosenheim–Kufstein. 1883 Gründung der Marmorindustrie Kiefer AG, nachdem 1882 Augsburger Kaufleute das nicht mehr rentable Hüttenwerk der Fieger aufgekauft hatten.
Nach 1900 mini|Innschiff St. Nikolaus an der Anlegestelle in Kiefersfelden (2010) 1910 Errichtung des Wasserkraftwerkes Gießenbach. Seit 1961 führt Kiefersfelden das Prädikat Luftkurort. 1998 nahm man die Innschifffahrt mit einer Anlegestelle in Kiefersfelden wieder auf. Bis zu 100 Passagiere fasste die „St. Nikolaus“. Weitere Anlegestellen gab es in den umliegenden Gemeinden Oberaudorf, Niederndorf, Ebbs und Kufstein. Aus Rentabilitätsgründen wurde der Schiffsverkehr mit der „St. Nikolaus“ 2011 wieder eingestellt.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 5661 auf 6821 um 1160 Einwohner bzw. um 20,5 %.
Politik mini|Rathaus Kiefersfelden Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus dem ersten Bürgermeister und den Gemeinderatsmitgliedern. Die 20 Gemeinderatsmitglieder werden seit Mai 2020 von folgenden Gruppierungen gestellt:
Unabhängige Wähler (UW): 10 Sitze CSU: 5 Sitze SPD: 3 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 2 Sitze
Bürgermeister 19??–1960 Martin Kurz 1960–1984 Franz Larcher (UW) 1984–1996 Josef Danner 1996–2008 Erich Ellmerer (SPD) 2008–2014 Erwin Rinner (CSU) seit 2014: Hajo Gruber (UW) Der Erste Bürgermeister Hajo Gruber (UW) wurde 2020 mit 63,8 % und 2026 mit 68,2 % im Amt bestätigt.
Wappen
Gemeindepartnerschaft Seit 1971 besteht eine Partnerschaft zwischen Kiefersfelden und Damville in der Normandie.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Ritterschauspiele Kiefersfelden Die Ritterschauspiele Kiefersfelden wurden 1618 gegründet und sind damit das älteste Volkstheater Deutschlands mit Drehwänden. Die Aufführungen finden alljährlich in den Sommermonaten auf der seit 1833 bestehenden Bühne nach barocken Vorbildern statt. Die Bühne ist mit einer barocken Drehkulisse ausgestattet. Die überwiegend aus der Region stammenden Laienschauspieler führen Stücke auf, die im 19. Jahrhundert vor Ort von Joseph Schmalz geschrieben wurden. Die Ritterschauspiele Kiefersfelden sind vom bayerischen Kultusministerium als volksbildend und künstlerisch besonders wertvoll anerkannt.
mini|links|Blaahaus
Museum im Blaahaus Im Blaahaus sind Zeugnisse der Ortsgeschichte – Kohlenbrennerei (Köhlerei), Eisenschmelze, Sensenschmiede, Marmorindustrie Kiefer, Zementwerk usw. – zu besichtigen. Ursprünglich diente das Blaahaus (1696 errichtet) als Wohnhaus für die Arbeiter am Schmelzofen (Blaaofen). In den 1990er Jahren wurde es an seinem angestammten Platz in der Ortsmitte abgebrochen und in die Unterkiefer versetzt. Dort wurde das Blaahaus 1996 als Museum eröffnet und 2024 zum Industriemuseum Blaahaus umgestaltet.
mini|links|Musikkapelle
Musikkapelle Kiefersfelden Seit der Gründung im Jahr 1787 begleitet die Musikkapelle Kiefersfelden viele Veranstaltungen im Ort. Die Kapelle besteht aus über 50 Mitgliedern und tritt auch bei überregionalen Konzerten auf. Durch mehrere Tonaufnahmen, Rundfunk und Fernsehen hat die Musikkapelle einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.
Musikschule Kiefersfelden Die Musikschule Kiefersfelden ist eine Zweigstelle der Musikschule Rosenheim. Durch den Unterricht in verschiedenen Instrumentalfächern beteiligt sie sich an der musikalischen Ausbildung und an verschiedenen Veranstaltungen im Ort. In Zusammenarbeit mit der Musikkapelle Kiefersfelden und der Grundschule Kiefersfelden gibt es seit 2019 eine Bläserklasse. Der Unterricht findet vorwiegend in den Räumen der Grund- und Mittelschule Kiefersfelden statt.Musikschule Kiefersfelden
Trachtenverein Kiefersfelden Der GTEV (Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Verein) „Grenzlandler“ Kiefersfelden e. V. wurde bereits 1905 gegründet und ist ein wichtiger Bestandteil im Vereinsleben der Gemeinde Kiefersfelden. Neben der Teilnahme an vielen kirchlichen Veranstaltungen (Sebastiani-Umzug, Kieferer Fest, Fronleichnam, Wallfahrt nach Schwarzlack (Brannenburg) usw.) treten die Aktiven des Trachtenvereins bei vielen Festen und Umzügen auf, wie dem jährlichen Gaufest. Die Partnervereine des Trachtenvereins Grenzlandler Kiefersfelden sind der Trachtenverein Luegstoana Oberaudorf und der Trachtenverein Falkenstoana Flintsbach.
Männergesangverein 1895 Kiefersfelden e. V. Der Verein wurde am 18. November 1895 gegründet. Die aktiven Mitglieder treffen sich wöchentlich zur Gesangsprobe. Im Jahre 1905 wurde die erste Vereinsstandarte angeschafft, die noch heute vom Fähnrich gehütet wird.
Wachtl-Express Kiefersfelden
Auf dieser Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 900 mm wurde bis 2002 Kalkstein aus dem mittlerweile stillgelegten Steinbruch Wachtl in Tirol nach Kiefersfelden zum mittlerweile stillgelegten Werk der HeidelbergCement AG transportiert. Anschließend gehörten die Anlagen der Wachtlbahn mit dem rollenden Material dem Südbayerischen Portland-Zementwerk Gebr. Wiesböck & Co. GmbH mit Sitz in Rohrdorf. Auf der fünf Kilometer langen Strecke fand ab 1991 an sieben Wochenenden im Jahr Personenverkehr statt. Dem Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl e. V. wurden dazu zwei E-Loks vom Typ Krokodil aus den Jahren 1929 und 1930 zur Verfügung gestellt. Mit drei Personenwagen von 1912 wurde das Ziel Wachtl angefahren.
1994 wurde die „Museums-Eisenbahn“ gesetzlich fundiert, vor allem durch die Unterstützung eisenbahnbegeisterter Beamter des Bayerischen Verkehrsministeriums, der Regierung von Oberbayern, der damaligen Bundesbahn und der Gemeinde Kiefersfelden.
2017 wurde der Betrieb eingestellt.
Kieferer Puppentheater Im Kieferer Puppentheater wird traditionelles und modernes Kasperl-Theater aufgeführt. Durch die liebevolle und detailreiche Gestaltung ist das Kieferer Puppentheater weit über die regionalen Grenzen bekannt. Das bayerische Kultusministerium verlieh das Prädikat „pädagogisch wertvoll“.
mini|Wasserski am Hödenauersee, im Hintergrund das Kranzhorn mini|Kreutsee mit Kranzhorn
Freizeit