Im Westen nichts Neues (internationaler englischer Titel: All Quiet on the Western Front) ist ein Kriegsdrama von Edward Berger. Der Film feierte im September 2022 beim Toronto International Film Festival seine Premiere, kam Ende September 2022 in die deutschen Kinos und Ende Oktober 2022 in das Programm von Netflix. Es handelt sich um die insgesamt dritte und die erste deutsche Verfilmung von Erich Maria Remarques Roman Im Westen nichts Neues aus dem Jahr 1929. Die Rolle von Paul Bäumer wurde in dem Film mit dem österreichischen Schauspieler Felix Kammerer besetzt.
Der Film ist der bisher erfolgreichste deutsche Beitrag bei den Oscars. Für die Oscarverleihung 2023 wurde Im Westen nichts Neues in neun Kategorien nominiert, darunter auch als bester Film (zum ersten Mal überhaupt wurde ein deutscher Film für diese Kategorie nominiert). Ausgezeichnet wurde das Kriegsdrama schließlich mit vier Oscars in den Kategorien bester internationaler Film, beste Kamera (James Friend), beste Filmmusik (Volker Bertelmann alias Hauschka) und bestes Szenenbild (Christian M. Goldbeck und Ernestine Hipper). Er ist damit einer von bislang vier nicht englischsprachigen Filmen (die weiteren sind Fanny und Alexander (1982), Tiger and Dragon (2000) und Parasite (2019)), die mit vier Oscars ausgezeichnet wurden.
Zuvor gewann der Film bereits bei den British Academy Film Awards 2023 in sieben Kategorien, unter anderem als bester Film und für die beste Regie.
Handlung Während des Ersten Weltkrieges kommt es auf einem Schlachtfeld an der Westfront zum Tod eines Soldaten namens Heinrich. Er findet in einem Massengrab seine letzte Ruhe. Uniform und Stiefel werden ihm vorher ausgezogen, von Schneiderinnen notdürftig geflickt und nach Deutschland zurückgeschickt, damit ein anderer Soldat sie tragen kann. Der junge Soldat, der diese Uniformteile erhalten wird, heißt Paul Bäumer.
Nach den patriotischen Reden ihres Lehrers haben sich der 17-jährige Paul Bäumer und seine Freunde Albert, Ludwig und Franz im Frühjahr 1917 freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Paul hat hierfür die Einverständniserklärung seiner Eltern gefälscht. Bei ihrem Dienst für das deutsche Kaiserreich werden die jungen Männer im Grabenkrieg an der Westfront eingesetzt. Nach der Verlegung in das nordfranzösische La Malmaison wird ihr Patriotismus auf die Probe gestellt, als sie die Schrecken dieses Krieges erleben.
Im Schützengraben freunden sich die Jungen mit Stanislaus „Kat“ Katczinsky an, der bereits Kampferfahrung hat und den jungen Soldaten wichtige Ratschläge gibt. Er nimmt Paul unter seine Fittiche und wird für ihn zum Vorbild. Ein anderer, ebenfalls kampferfahrener Kamerad namens Tjaden warnt sie vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff der Franzosen. Als dieser kommt, findet sich Paul bald unter Trümmern begraben. Als er wieder zu sich kommt, muss er seinen getöteten Kameraden ihre Erkennungsmarken abnehmen. Unter den gefallenen Soldaten befindet sich auch sein Freund Ludwig. Paul ist am Boden zerstört.
Im weiteren Verlauf müssen Paul und seine Kameraden immer wieder sinnlose Angriffe gegen die französischen Stellungen laufen, bei denen nach und nach alle seiner Schulfreunde fallen. Während eines Angriffs sieht Paul, wie Albert sich den ihn umkreisenden französischen Soldaten ergibt, aber von diesen mit einem Flammenwerfer verbrannt und erschossen wird. Im Nahkampf in einem Bombentrichter tötet er einen französischen Soldaten mit mehreren Messerstichen, was er jedoch nachträglich sehr bereut. Auch Tjaden wird schwer verletzt und nimmt sich im Beisein von Paul und Katczinsky im Lazarett das Leben.
Als auch für die Soldaten das Ende des Krieges absehbar wird, stehlen Paul und Katczinsky auf einem Bauernhof Nahrungsmittel. Im Nachgang stellt der kindliche Sohn des Bauern Katczinsky und schießt ihm in den Bauch. Paul glaubt, die Verletzung sei nicht sehr schlimm, und trägt Katczinsky in ein Lazarett. Dort wird jedoch festgestellt, dass Katczinsky bereits gestorben ist.
Unterdessen bemühen sich deutsche Unterhändler, einen Waffenstillstand mit den Alliierten auszuhandeln. Der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger sieht sich bei den Verhandlungen dem französischen Marschall Ferdinand Foch gegenüber, der zu keinen Kompromissen bereit ist. Erzberger versucht General von Winterfeldt zum Einlenken zu bewegen, der ein Verfechter des Wahlspruchs „Für Kaiser, Gott und Vaterland“ ist. Daher will der General unbedingt bis zum Ende durchhalten und niemals aufgeben, weil er dies als Verrat erachtet. Erzberger steht dabei unter extremem Druck, denn er hat nur 72 Stunden Zeit, einen Waffenstillstand zu unterzeichnen. Mit Hindenburgs Einverständnis unterschreibt er den Waffenstillstand letztendlich.
Da der fanatische General Friedrichs den Krieg unbedingt mit einer siegreichen Schlacht beenden möchte, befiehlt er noch am 11. November 1918, kurz vor Wirksamkeit der Waffenruhe um 11 Uhr, einen Angriff auf die französische Stellung, bei dem Paul Bäumer nur wenige Sekunden vor Eintreten des Waffenstillstands im Nahkampf mit einem Bajonett lebensgefährlich verletzt wird. Ein junger Rekrut sammelt kurz darauf die Erkennungsmarken der gefallenen deutschen Soldaten ein. Unter ihnen ist auch Paul Bäumer, der seiner schweren Verwundung erlegen ist.
Produktion Literarische Vorlage, Produktionskosten und Filmstab
mini|hochkant=0.8|Der Film basiert auf dem Roman Im Westen nichts Neues aus dem Jahr 1929 Der Film, eine von Netflix in Auftrag gegebene Produktion beim Studio Amusement Park, basiert auf dem Roman Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque aus dem Jahr 1929.Manori Ravindran: Netflix Snaps Up Big-Budget 'All Quiet on the Western Front' Adaptation. In: Variety, 10. Dezember 2020.Tigran Asatryan: Daniel Bruhl 'All Quiet on the Western Front' Netflix Movie: What We Know So Far. In: netflix.com, 16. August 2021. Dieser wurde 1933 von den Nazis verboten und wegen seiner „verräterischen“ und entschieden unheroischen Darstellung des Krieges verbrannt. Zu diesem Zeitpunkt war der deutsche Schriftsteller bereits in die Schweiz ausgewandert.Aygül Cizmecioglu: Erich Maria Remarque: The long legacy of 'All Quiet on the Western Front'. In: Deutsche Welle, 24. September 2022.
Nachdem die Geschichte von Remarque 1928 in der Vossischen Zeitung erschienen war, wurde sie im Januar 1929 als Buch veröffentlicht und avancierte schnell zum Bestseller. Im März 1929 wurde es ins Englische übersetzt und im folgenden Jahr in einen Oscar-prämierten Hollywood-Film adaptiert. Bei der deutschen NSDAP fand die Empathie des Romans für einen vermeintlichen Feind jedoch keinen Anklang,Richard Nelsson: All Quiet on the Western Front becomes instant bestseller – archive, 1929. In: The Guardian, 6. März 2019. während ihn Kritiker weltweit als „pazifistische Kriegsanklage“ feierten. So dramatisch Remarque die Kriegswirren schilderte, kämpfte er selbst nur kurz an der Front. Als Schüler wurde er 1916 in den Krieg eingezogen, aber bald darauf verwundet und in ein Lazarett verlegt. Dort hörte er sich die Geschichten der anderen schwerverletzten Soldaten an und machte sich Notizen, die später in seinem weltberühmten Roman verarbeitet wurden. Um den Umsatz anzukurbeln, behauptete Remarque, alle Ereignisse selbst erlebt zu haben.
Regie führte Edward Berger.Emily Garbutt: Netflix reveals first look at All Quiet on the Western Front starring Daniel Brühl. In: gamesradar.com, 5. Mai 2021. Für die Produktion gab Netflix 20 Millionen US-Dollar frei. Gemeinsam mit Lesley Paterson und Ian Stokell adaptierte er auch Remarques Roman für den Film.Volker Bertelmann Scoring Edward Berger’s ‘All Quiet on the Western Front’. In: filmmusicreporter.com. 29. Dezember 2021; abgerufen am 30. September 2022 (englisch). Es handelt sich um die dritte Verfilmung des Stoffes, nach dem Film von 1930 Im Westen nichts Neues von Lewis Milestone und einer Verfilmung für das Fernsehen aus dem Jahr 1979.„Im Westen nichts Neues“: Netflix verfilmt Remarque-Klassiker neu. In: rnd.de, 4. Mai 2021. Berger war es wichtig, die deutsche Perspektive einzunehmen: „Unser Blick auf den Krieg ist geprägt von Gram und Scham, von Verwüstung und Schuld. Da bleibt nichts Positives, kein Funken Heldenhaftigkeit zurück. Unsere Geschichte, unseren Hintergrund und unsere Einstellung zum Krieg zur Triebfeder eines Films zu machen, empfand ich als eine große Herausforderung.“Barbara Schuster: „Im Westen nichts Neues“ erhält vierwöchiges Kinofenster. In: Blickpunkt:Film, 23. August 2022. Berger war es wichtig, diese singuläre deutsche Perspektive der Zerstörung zu zeigen und welche Narben das hinterlassen hat in den Menschen und in der Welt.Die Schrecken des Krieges: „Im Westen nichts Neues“. In: zeit.de, 26. September 2022.
Die Deutschen seien mit dem Horror und dem Verlust aufgewachsen, und Berger hatte keinen Bezug zu heldenhaften Soldaten.Filmstart: Im Westen nichts Neues. In: ardmediathek.de. 24. September 2022; abgerufen am 3. Oktober 2022 (Video). „Anders als bei amerikanischen oder britischen Werken kann es bei einem deutschen Kriegsfilm das Gefühl der Glorifizierung nicht geben“, so Berger. „Bei uns dürfen wir keine Heldengeschichte erzählen, es geht immer um Trauer, Scham, Schuld und Terror. Und natürlich gibt es nichts, worauf man stolz sein kann in diesen Kriegen.“
Besetzung, Dreharbeiten und Filmschnitt mini|hochkant=0.8|Daniel Brühl spielt Matthias Erzberger, der sich um einen Waffenstillstand bemüht. Der österreichische Schauspieler Felix Kammerer spielt Paul Bäumer. Die Frau eines der Produzenten des Films, die am Burgtheater in Wien arbeitet, kannte Kammerer und schickte Berger ein Foto von ihm. Nach einem monatelangen Casting, zu dem man auch Kammerer einlud, entschied sich der Regisseur letztlich für die Besetzung mit ihm, dessen altmodisches und unschuldiges Gesicht ihm in Erinnerung geblieben war. Die deutschen Schauspieler Aaron Hilmer und Moritz Klaus sind in den Rollen von Bäumers Freunden Albert Kropp und Franz Müller zu sehen. Während sich der Roman und frühere Adaptionen ausschließlich auf die Schützengräben und auf den Krieg an der Front konzentrierten, fügte Berger in seinen Film eine zweite Erzählung ein, die der deutschen Diplomaten, die versuchen, einen Waffenstillstand mit der Entente auszuhandeln. Angeführt werden diese von Matthias Erzberger, der von Daniel Brühl gespielt wird. Der Franzose Thibault de Montalembert spielt General Ferdinand Foch.Pete Hammond: 'All Quiet On The Western Front' Toronto Review: New German Version Of Classic WWI Novel Proves War Is Indeed Hell. In: deadline.com, 12. September 2022. Albrecht Schuch spielt Paul Bäumers Kameraden in den Schützengräben Stanislaus Katczinsky. In weiteren Rollen sind Edin Hasanović als der für Deutschland kämpfende Soldat Tjaden Stackfleet, Devid Striesow als General Friedrichs, Andreas Döhler als Leutnant Hoppe, Michael Stange, Adrian Grünewald als Ludwig Behm und Sebastian Hülk als Major von Brixdorf zu sehen.
Die Dreharbeiten fanden an 52 Drehtagen vom 9. März bis 24. Mai 2021 statt. Größtenteils drehte man in Tschechien,Im Westen nichts Neues: Dreharbeiten für deutschen Netflix Film unter Regie von Edward Berger haben begonnen. In: netflix.com, 4. Mai 2021.Andreas Wiseman: Netflix’s 'All Quiet On The Western Front' Underway In Czech Republic, First Look. In: deadline.com, 4. Mai 2021. wo die riesigen Filmsets mit ausufernden Schützengräben und Barackensiedlungen gebaut wurden.Michael Meyns: Im Westen nichts Neues. In: programmkino.de. Abgerufen am 26. September 2022. In Prag drehte man in den Barrandov-Studios und anderswo in der Stadt.Jason Pirodsky: Prague-shot ‘All Quiet on the Western Front’, debuts in Toronto, nabs German Oscar bid. In: praguereporter.com. Abgerufen am 15. September 2022.Naman Ramachandran: Netflix’s 'All Quiet On The Western Front' Shoot Underway in Prague, New Cast Members Join. In: Variety, 4. Mai 2021.