Das Cusanus-Gymnasium Wittlich (CGW) ist ein Gymnasium in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Die Schule wurde 1922 als staatliche Aufbauklasse gegründet und ist nach dem Theologen und Philosophen Nikolaus von Kues benannt. Seit 1955 trägt sie ihren heutigen Namen.

Die Schule bietet seit 2010 eine Ganztagsschule in Angebotsform an. Zum Schuljahr 2021/22 wurde ein bilingualer Zweig mit Englisch als erster Fremdsprache eingerichtet.

Geschichte

Gründung und Entwicklung bis 1933

Die Gründung der Schule ging auf die Bemühungen zurück, in Wittlich eine Möglichkeit zum Erwerb der Hochschulreife zu schaffen. Zuvor bestanden in der Stadt die 1861 gegründete Höhere Stadtschule für Jungen sowie eine Höhere Töchterschule, jedoch keine gymnasiale Vollanstalt. Das von der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Neuenhofer angestrebte Realgymnasium scheiterte am Widerstand des preußischen Schulministeriums. Stattdessen wurde eine Aufbauschule eingerichtet, an der Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die Volksschule innerhalb von sechs Jahren die Hochschulreife erwerben konnten.

Am 25. April 1922 wurde die erste staatliche Aufbauklasse mit 26 Jungen eröffnet. Die Leitung übernahm der frühere Seminardirektor Wilhelm Könen. Der Unterricht fand zunächst in den Räumen des Wittlicher Lehrerseminars in der Kurfürstenstraße statt.

Im Februar 1926 erhielt die Schule den Namen „Cusanus-Schule“. Die erste Reifeprüfung fand im Februar 1928 statt. Im Schuljahr 1928/29 besuchten auch Mädchen die Schule; 1929 waren 23 Schülerinnen nachweisbar. Mit Maria Weschke legte 1930 erstmals eine Schülerin an der Cusanus-Schule das Abitur ab.

Im Dezember 1931 wurde eine erneute Initiative der Stadt, die Aufbauschule in ein Realgymnasium umzuwandeln, abgelehnt.

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde der Schulleiter Johannes Gürtler 1933 aus dem Schuldienst entlassen. Nach Darstellung der Schulchronik galt er dem neuen Regime als nicht hinreichend linientreu.

Die Schule war zuvor auch von jüdischen Kindern und Jugendlichen besucht worden. Nach Untersuchungen des Historikers Franz-Josef Schmit besuchten bis 1935 insgesamt zehn jüdische Jungen und drei jüdische Mädchen die Aufbauschule. Hans Fred Ermann und Liesel Marcks legten 1932 als erste jüdische Schüler an der Schule das Abitur ab. Beide nahmen anschließend ein Medizinstudium in Bonn auf, das sie unter der nationalsozialistischen Herrschaft aufgeben mussten.

Hans Siegfried Ermann bestand im März 1933 als letzter jüdischer Schüler der Cusanus-Schule die Reifeprüfung. Anfang 1935 verließ mit Hilde Ermann die letzte jüdische Schülerin die Anstalt. Schmit dokumentiert in seiner Untersuchung die weiteren Lebenswege mehrerer ehemaliger jüdischer Schüler, darunter Emigration und Verfolgung während der nationalsozialistischen Herrschaft.

Zu Ostern 1937 wurde die bisherige Aufbauschule in eine „Staatliche Oberschule für Jungen“ umgewandelt und damit zu einem Vollgymnasium.

Am 1. September 1944 wurde der Schulbetrieb wegen fehlender Lehrkräfte und der Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs eingestellt.

Wiedereröffnung und Nachkriegszeit

Am 1. Oktober 1945 wurde der Unterricht im ehemaligen Seminargebäude wieder aufgenommen. Die Schule besuchten zu diesem Zeitpunkt 350 Schülerinnen und Schüler, darunter 75 Mädchen.

1947 wurde zusätzlich ein Pädagogium eingerichtet, das später um ein Internat für Mädchen ergänzt wurde. Im Jahr 1954 entstand der „Wittlicher Cusanus-Ring“ als Vereinigung ehemaliger Schülerinnen und Schüler.

Seit 1955 trägt die Schule die Bezeichnung „Cusanus-Gymnasium“.

Im Jahr 1960 wurde auf Initiative der Schülerschaft erneut eine Schülermitverwaltung gegründet. Die erste entsprechende Initiative war bereits im Schuljahr 1925/26 dokumentiert worden.

Neubau und weitere Entwicklung

In den 1960er Jahren begannen Planungen für einen Neubau des Gymnasiums. Das bisher genutzte Seminargebäude, das aufgrund seiner roten Fassade als „Roter Kasten“ bezeichnet wurde, wurde abgerissen. Der Neubau wurde am 6. Juni 1970 feierlich eingeweiht.

Zum Schuljahr 1969/70 wurde erstmals ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig eingerichtet. Im Schuljahr 1975/76 führte die Schule die Mainzer Studienstufe als neue Form der gymnasialen Oberstufe ein.

1992 wurde der Förderverein der Schule gegründet.

Im Jahr 2010 wurde das Cusanus-Gymnasium zur Ganztagsschule in Angebotsform.

Zwischen 2013 und 2015 entstanden eine neue Mensa und eine neue Schulbibliothek. Die Einweihung fand 2015 statt.

Zum Schuljahr 2021/22 wurde ein bilingualer Zweig mit Englisch als erster Fremdsprache eingerichtet.

Im Jahr 2022 beging das Gymnasium sein 100-jähriges Bestehen mit Jubiläumsveranstaltungen. Anlässlich des Jubiläums erschien eine umfangreiche Festschrift zur Geschichte der Schule.

Schulprofil

Ganztagsangebot

Das Cusanus-Gymnasium ist seit 2010 Ganztagsschule in Angebotsform. Die Teilnahme erfolgt nach Anmeldung und ist jeweils für ein Schuljahr verbindlich. Das Angebot erstreckt sich von Montag bis Donnerstag und umfasst unter anderem betreute Lernzeiten und Arbeitsgemeinschaften.

Bilingualer Zweig

Seit dem Schuljahr 2021/22 bietet die Schule einen bilingualen Zweig mit Englisch als erster Fremdsprache an. Das Konzept sieht die Anwendung der Fremdsprache auch außerhalb des regulären Englischunterrichts vor. Hierzu gehören unter anderem Unterrichtsanteile in Sport und Musik.

Schulgebäude und Bibliothek

Das Cusanus-Gymnasium befindet sich in der Kurfürstenstraße in Wittlich.

Das ursprüngliche Schulgebäude war das ehemalige Wittlicher Lehrerseminar, das zwischen 1876 und 1925 der Ausbildung von Volksschullehrern gedient hatte. Wegen seiner roten Fassade wurde es als „Roter Kasten“ bezeichnet. Im Zuge des Schulneubaus in den 1960er Jahren wurde das Gebäude abgerissen. Die feierliche Einweihung des neuen Gymnasiums erfolgte am 6. Juni 1970.

Im Jahr 2015 wurden eine neue Mensa und eine neue Schulbibliothek eingeweiht. Der Neubau wird gemeinsam mit der benachbarten Kurfürst-Balduin-Realschule plus genutzt.

Persönlichkeiten Ehemalige Schüler Kurt Ermann (1915–2008), Koch, der nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten in leitender Position im New Yorker Hotel Waldorf-Astoria tätig war. Er besuchte die Cusanus-Schule bis 1932. Walther J. Habscheid (1924–2015), Rechtswissenschaftler und Rektor der Universität Würzburg. Er legte 1942 das Abitur an der Cusanus-Oberschule ab. Richard Jakoby (1929–2017), Musikpädagoge und Hochschulleiter. Er legte 1949 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab. Hans Friderichs (1931–2025), Politiker (FDP), Bundesminister für Wirtschaft von 1972 bis 1977 und später Vorstandssprecher der Dresdner Bank. Er legte 1950 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab. Gerhard Schwetje (1936–2020), Landrat des Landkreises Südliche Weinstraße und von 1982 bis 1991 Regierungspräsident in Trier. Der ehemalige Schüler war 1992 an der Gründung des Fördervereins des Gymnasiums beteiligt. Hermann Simon (* 1947), Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmensberater und Mitgründer der Unternehmensberatung Simon-Kucher. Er legte 1966 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab. Robert Sausen (1955–2025), Atmosphärenphysiker und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Er legte 1974 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab. Werner Schüßler (* 1955), Philosoph und ehemaliger Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät Trier. Er legte 1975 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab. Johannes Berg (1958–2001), Rechtsanwalt und Politiker (CDU). Er legte 1977 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab und gehörte von 1996 bis zu seinem Tod dem Landtag Rheinland-Pfalz an.

Andreas Steffens (* 1967), Jazzmusiker und Saxophonist. Er legte 1987 das Abitur am Cusanus-Gymnasium ab.

Ehemalige Lehrkräfte Johannes Gürtler (1893–1970), Schulleiter, der 1933 aus dem Schuldienst entlassen wurde. Hedwig Schulze (1912–2005), Künstlerin und Kunsterzieherin. Sie unterrichtete von 1941 bis 1951 am Cusanus-Gymnasium und schuf die Serie der Wittlicher Holzschnitte. Franz-Josef Schmit, ehemaliger Lehrer für Deutsch und Ethik sowie Autor zahlreicher lokalhistorischer Veröffentlichungen, insbesondere zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Wittlichs.

Literatur Monika Escher-Apsner (Hrsg.): Begreif’ die Welt, bewahr’ den Kern! 100 Jahre Cusanus-Gymnasium Wittlich 1922–2022. Cusanus-Gymnasium Wittlich, Wittlich 2022, ISBN 978-3-89801-392-5. Franz-Josef Schmit: Gründung des Wittlicher Cusanus-Gymnasiums vor 90 Jahren. Eine Erinnerung an die jüdischen Schüler der Anstalt. In: Der Säubrenner. 2012, S. 110–113. Digitalisat (PDF).

Weblinks Offizielle Website des Cusanus-Gymnasiums Wittlich Schulchronik des Cusanus-Gymnasiums

Einzelnachweise

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