Die Bahnstrecke Lutzelbourg–Drulingen (Lützelburg–Drulingen, im Volksmund: Eselbahn) war eine 22 km lange Meterspur-Sekundärbahnverbindung zwischen dem lothringischen Lützelburg und dem elsässischen Drulingen, heute in der französischen Region Grand Est gelegen. Eine Stichstrecke führte in den Ortskern von Pfalzburg.
Die Strecke wurde 1883/1913 im damaligen deutschen Reichsland Elsaß-Lothringen eröffnet, lag seit 1919 in Frankreich und wurde 1949/53 stillgelegt. Heute sind kaum noch Spuren der ehemaligen Trasse sichtbar.
Die kleine Bahnstrecke hatte im Laufe ihres Bestehens fünf private und öffentliche Betreibergesellschaften: Rappoltsweiler Straßenbahn-Gesellschaft (RSB), privat, 1883-1889 Pfalzburger Straßenbahngesellschaft (Pf.Str.B.), privat, 1889-1891 Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL), Landesbahn, 1893-1919 Administration des chemins de fer d’Alsace et de Lorraine (AL), Staatsbahn, 1919-1938 Société nationale des chemins de fer français (SNCF), Staatsbahn, 1938-1953
Geschichte Gründe für den Bau der Strecke waren der Transport der Abbauprodukte des Steinbruchs bei Wilsberg und die Erschließung der Garnisonsstadt Pfalzburg.
Zunächst ging am 1. September 1883 der 5,8 km lange, südliche Teil zwischen Lützelburg und Pfalzburg in Betrieb. Konzessionärin war die Rappoltsweiler Straßenbahn-Gesellschaft (RSB), deren Kernbetrieb seit 1879 die Strecke Rappoltsweiler-Bahnhof–Rappoltsweiler-Stadt war. Gleichzeitig mit der Eröffnung ging eine 810 Meter lange Stichstrecke in den Ortskern von Pfalzburg in BetriebSie trug später bei der SNCF die Streckennummer 158 000., die von der „Hauptstrecke“ im Bahnhof Rothhäuser (später Phalsbourg-Maison-Rouges) abzweigte.Maisons-Rouges – Phalsbourg: Eselbahn. auf Wayback Machine
1889 wurde der Betrieb von der Pfalzburger Straßenbahngesellschaft (Pf.Str.B.) übernommenLes Chemins de Fer Secondaires de France. 57: Département Moselle. Amis des Chemin de fer secondaires (FACS) auf Wayback Machine, 20. Juli 2011. und schon zwei Jahre später, am 11. Mai 1891 von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) aufgekauft.
Diese Landesbahn verlängerte die Strecke nach Norden zunächst bis Graufthal und von dort weiter bis Drulingen-Ost, insgesamt 14,3 km, sodass bis 1903 etwa 20 km Schienenstrang in Betrieb waren, plus die Stichstrecke nach Pfalzburg.
1913 wurde die Strecke von Drulingen-Ost um 2 km bis zum im Bau befindlichen Normalspurbahnhof von Drulingen an der Bahnstrecke Réding–Diemeringen verlängert.Maisons-Rouges – Drulingen, Ligne N°37 / Eselbahn. auf Wayback Machine Die Schmalspurbahn nahm ihren Betrieb hierhin noch vor der normalspurigen Eisenbahn auf.Jean-Georges Trouillet: Schmalspurbahnen. Elsassbahn, 2000–2004.
Ab 1919 – das Reichsland Elsaß-Lothringen war nach dem Ersten Weltkrieg an Frankreich zurückgefallen – verwaltete die französische Nachfolgegesellschaft der EL, die Administration des chemins de fer d’Alsace et de Lorraine (AL), die Strecke und ab 1938 bis zu ihrer Stilllegung die französische Staatsbahn SNCF.Archéologie ferroviaire. Atlas des lignes de chemins de fer disparues. Moselle / Lutzelbourg Phalsbourg Drulingen.
Infrastruktur
In Rothhäuser bei Pfalzburg befand sich das Bahnbetriebswerk (Bw) der Bahn. Dazu gehörte auch eine Lokschuppen mit fünf Gleisen. Organisatorisch gehörte es zum Schluss zum Bw Zabern.Buchmann, S. 214.
Der Bahnhof Graufthal war als Spitzkehre angelegt.
Betrieb Alle Personenzüge verkehrten mit der 2. und 3. Klasse und hielten an allen Stationen. Im Sommerfahrplan 1932 sind bei einer Fahrzeit von 80 bis 85 Minuten vier durchgehende Fahrten und vier bis/ab Phalsbourg angegeben sowie eine bis/ab Graufthal.
1939 besaß die Bahn acht Dampflokomotiven,Buchmann, S. 214. fünf davon waren ehemals Preußische T 37.
Bis 1949 fand auf der Strecke Personenbeförderung statt, bis 1953 Güterverkehr.Joël Forthoffer: Les chemins de fer secondaires d’Alsace, hier et demain. In: Revue d’histoire des chemins de fer. Le chemin de fer à la conquête des campagnes, 24-25, 2002, S. 209.
Literatur Jean Buchmann, Jean-Marc Dupuy, Andreas Knipping, Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahngeschichte Elsass-Lothringen. EK-Verlag, Freiburg 2021, ISBN 978-3-8446-6429-4.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Lothringen Kategorie:Bahnstrecke im Elsass Kategorie:Bahnstrecke der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen