mini|Fachwerkdrehgestell mini|Diamond-Drehgestell mini|Three Piece Bogie

Das Diamond-Drehgestell ist ein in den Vereinigten Staaten entwickeltes Drehgestell für Güterwagen. Im englischen Sprachraum werden sie als archbar bogies oder diamond frame bogies, im amerikanischen Sprachgebrauch als diamond (railroad) truck oder archbar (railroad) trucks bezeichnet. bogie ist im englischen Sprachraum die bevorzugte Schreibweise, Diamond bogey oder Diamond bogy werden auch verwandt.

Geschichte Während in den Vereinigten Staaten Drehgestelle schon Mitte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet waren, blieben zweiachsige Wagen in Mitteleuropa auch Ende des 19. Jahrhunderts aus betriebstechnischen Gründen die Regel.Edmund Heusinger von Waldegg (Hrsg.), Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik, Zweiter Band, Leipzig 1874, Kapitel XIII., Offene Güterwagen etc., Seite 538, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Digitale Sammlungen

Auch aus sicherheitstechnischen Erwägungen sollte bei den Güterwagen noch um 1870 alles was nicht zweiachsig war, wieder verbannt werden. Aufgrund der Stückzahl erwähnenswert war bis dahin ohnehin nur eine Bauart vierachsiger gedeckter Güterwagen.Edmund Heusinger von Waldegg (Hrsg.), Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik, Zweiter Band, Leipzig 1874, Kapitel I., Die Eisenbahnwagen und ihre Beziehungen zum Bahnbau, Seite 9, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Digitale Sammlungen In den Vereinigten Staaten entwickelte sich diese Bauform zwischenzeitlich von den Anfängen dieser Konstruktion im 19. Jahrhundert bis zur folgenden Jahrtausendwende zum ausschließlich verbauten Drehgestell bei Güterwagen. Der Bedarf am Transport längerer Produkte der Stahlindustrie führte schnell auch in Europa zu Güterwagen mit Drehgestellen für Flach-, Rungen- und Schienenwagen.

Etwa ab Mitte der Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts wurden diese Drehgestelle amerikanischer Bauart in Europa serienmäßig gebaut. Auch in Europa wurde es das erste Universal-Güterwagendrehgestell. Die Preußische Staatseisenbahnen beschafften zeitweise fast ausschließlich Diamond-Drehgestelle. Aus den 1890er Jahren sind Konstruktionszeichnungen für die Serienfertigung (sogenannte Normalien beziehungsweise Musterzeichnungen) für Güterwagen der Länderbahnen in Deutschland bekannt. Die ersten Drehgestelle nach Zeichnung beziehungsweise Musterblatt VI d 7 (II. Auflage) wurden etwa 1890 gebautJahn, Hermann: Güterwagen-Drehgestelle (www.drehgestelle.de), 2001-2010 : Güterwagen-Drehgestelle: Diamond - preussisch, nach Zeichnung VId7 (1892) und fanden in den vierachsigen Schienenwagen nach Musterblatt II d 6a Verwendung. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Ausführung in allen europäischen Ländern verbaut.

Entwicklungsgeschichtlich lässt sich diese Bauart zeitlich zwischen Fachwerkdrehgestellen aus anfänglich hölzernen, später eisernen Rahmen und Blechdrehgestellen mit verstärkenden Winkelprofilen einerseits und andererseits solchen mit gepressten Seitenwangen und Querträger einordnen. Im Unterschied zu Westeuropa folgten entwicklungsgeschichtlich in Nordamerika, Australien, Afrika, Russland und Großbritannien sogenannte Three-Piece Bogies, die aus drei, beweglich miteinander verbundenen Teilen bestehen.Iwnicki S.D, Grassies S, Kik W., Track Settlement Prediction using Computer Simulation Tools

In Europa erlangte diese Bauart eine geringe Verbreitung. Je nach Einsatzart und Einsatzmöglichkeiten überschneiden sich Fortentwicklungen, Verbesserungen und Varianten der Bauarten zeitlich in erheblichem Maße.

Bauform Die Bezeichnung leitet sich von dem Erscheinungsbild der seitlichen Gitterkonstruktion aus flachen Eisen ab, die an die Form einer Raute oder eines Rhombus (englisch diamond) erinnern. In diese seitlichen Rahmen, welche die Radsatzlager (Achslager) aufnehmen, ragt der Querträger, der in der Anfangszeit noch aus Holz war, auf diesem Querträger liegt der Wagenkasten auf. Die Bezeichnung archbar truck, übersetzt etwa Bogendrehgestell, scheint im amerikanischen Sprachgebrauch gebräuchlicher als das im deutschen benutzte Diamond für die Bezeichnung des äußeren Rahmens.

Dieses namensgebende Fachwerk besteht aus drei gewinkelten Flacheisen, die zwischen den Achslagergehäusen durch zwei senkrechte Verbindungen um die Aufnahme des Querträgers herum fixiert werden und durch Schrauben mit den Achslagergehäusen fest verbunden sind. So lagern die Achsen ungefedert im Fachwerk. Sie haben keine Primärfederung. Es ist auch nur Platz für die Aufhängungen einer einfach (einseitig) wirkenden Bremse zur Mitte des Fachwerkrahmens hin. Aus Platzgründen waren die Bremsbacken über oder unter der Achsmitte angeordnet. Für zweiseitig wirkende Bremsen wurden später gelegentlich die Flacheisen zu den Wagenenden hin verlängert. Vor dem Einzug der Druckluftbremse war aus Gründen der Ansteuerung auch nur ein Drehgestell gebremst.Thomas Hey'l, Frankfurt, Eisenbahnmodelltechnik (THEMT), Wagen Vorbild: Bremsen, Umlenkung bei Diamond–Drehgestellen

Der die gesamte Wagenlast über eine Drehpfanne und Gleitstücke, die nur vertikale Kräfte aufnehmen, an den Außenenden ableitende Querbalken ist geführt, aber nicht fest mit den Seitenkonstruktionen des Drehgestells verbunden, sondern ruht über Federn auf einer mit beiden Drehgestell-Rahmen fest verbundenen Wanne (Federplanke) auf den beiden unteren Flacheisen. Die vertikalen Verbindungen übertragen ihrerseits Anteile der aus dem Gewicht des Wagens resultierenden Kräfte von den zwei unteren auf das oberste der drei Flacheisen. Die einzige feste Verbindung wären die Federn. Als Federn kamen Schraubenfedern oder Blattfedern oder eine Kombination aus beiden zur Verwendung.Jahn, Hermann: Güterwagen-Drehgestelle (www.drehgestelle.de), 2001-2010 : Diamond Hauptseite

Lieferbeispiele in Europa Normalspur

In Folge einer Studienreise des Entwicklungsdezernenten in die Vereinigten Staaten entstand in Preußen der erste Flachwagen mit Drehgestellen nach Musterblatt II d 6, der ab 1892 in knapp 1500 Exemplaren gebaut wurde und mit Rungen bestückt werden konnte. Die letzten wurden erst 1959 bei der Deutschen Bundesbahn ausgemustert.Sankt Augustiner Modellbahnern, Klaus Kosack, 05/2021, Preußische Flachwagen von Fleischmann Zwischen 1894 und 1896 beschaffte die K.Bay.Sts.B. 26 Regiekohlewagen für ein Ladegewicht von 30 t mit der Bezeichnung OOtm.Thomas Hey'l, Frankfurt, Eisenbahnmodelltechnik (THEMT), Wagen Vorbild: Fahrwerke

Ansonsten waren in Mitteleuropa Drehgestell-Güterwagen und solche mit Diamond-Drehgestellen lange Zeit vornehmlich besonderen Einsatzzwecken vorbehalten. Die Firma Kohlensäurewerke C. G. Rommenhöller hat 1898 bei van der Zypen & Charlier in Köln-Deutz für den Transport von Kohlensäure aus Bad Driburg Spezialwagen beschafft.petermodelbouw.nl : Vierachsiger Wagen für den Transport von flüssiger Kohlensäure der Fa. C.G. Rommenhöller Eine ähnliche Ausführung für Spezialtransporte von Wasserstoff beschaffte die Chemische Fabrik Griesheim-Elektron.petermodelbouw.nl : Wasserstoff- transportwagen Chemische Fabrik Griesheim – Elektron Von 1903 bis 1908 beschaffte die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen bei der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe und der Waggonfabrik Rastatt Gewichtswagen für die Prüfung und Eichung von Brückenwaagen.Wolfgang Hug Badische Eisenbahn Vorbildfahrzeuge : Gewichtswagen

In Jahren von 1910 bis 1924 beschafften alle im Deutschen Staatsbahnwagenverband organisierten Deutsche Länderbahnen unter anderem Güterwagen nach vereinheitlichen Richtlinien. Ein Typ dieser sogenannten Güterwagen der Verbandsbauart war ein vierachsiger Plattformwagen A3, basierend auf den preußischen Schienenwagen nach Musterblatt II d 7, bei denen anfangs Diamond-Drehgestelle verbaut waren. Bei den Länderbahnen wurden sie mit dem Gattungszeichen „SSml“ versehen, bei der Deutschen Reichsbahn wurden sie der Wagengattung „SS Köln“ zugeordnet.

Um den Zeitpunkt des Baus der ersten preußischen Flachwagen mit Drehgestellen nach Musterblatt II d 6 fand die Drehgestell-Bauart auch in Schweden und Dänemark Eingang. Im Jahre 1886 konstruierten und realisierten die Dänischen Staatsbahnen DSB mit Scandia zunächst vier Prototypeneines Flachwagens mit niederbordigen Seitenwänden, die mit der Typenbezeichnung TGA bis Anfang der 1960er Jahre im Einsatz standen. Dieser ersten Lieferung folgten weitere Bestellungen.Steckbrief DSB TGA bei Sebastian Tuschick : Dänische Eisenbahnen Von 1896 bis 1918 folgten insgesamt 71 TGC fast gleicher Bauweise.Steckbrief DSB TGC bei Sebastian Tuschick : Dänische Eisenbahnen

AB 1931 folgten weitere 20 Fahrzeuge einer wenig längeren Bauart als TGT. Nach ihrer Ausmusterung dienten einige als Bahndienstfahrzeuge weiter. Vier Fahrzeuge sollen bei Museumsbahnen erhalten geblieben sein.Steckbrief DSB TGT bei Sebastian Tuschick : Dänische Eisenbahnen 1929 bestellten die DSB bei Scandia drei Kesselwagen zum Transport von Herbiziden, die bis 1977 ausgemustert wurden.Steckbrief DSB Uahk bei Sebastian Tuschick : Dänische Eisenbahnen

Bei den k.k. österreichische Staatsbahnen gab es erst ab 1913 eine Musterzeichnung für Diamond-Drehgestell.Jahn, Hermann: Güterwagen-Drehgestelle (www.drehgestelle.de), 2001-2010 : Güterwagen-Drehgestelle: Diamond - Österreich, nach Blatt C VII 1 Die Witkowitzer Eisenwerke beschafften acht-achsige Spezialwagen mit einer Traglastfähigkeit von 80 t, bei denen zwei Diamond-Drehgestelle durch einen Zwischenträger verbunden waren, ähnlich einer Konstruktion eines ähnlichen Schwerlasttransporters der Allis-Chalmers Werke.Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens : Hochtonnige SpezialgüterwagenRöll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens : Hochtonnige Spezialgüterwagen Die Österreichische Bundesbahnen verwandten für eine Serie von ab dem Jahre 1956 gebauten Schmalspurtransportwagen die Diamond-Drehgestelle ausgemusterter US-Güterwagen.Mag. Markus Inderst, modellbahninfo.org : Modellbesprechung Liliput 235786 – ÖBB-Schmalspurtransportwagen

Ein Drehgestell erschien erstmals in Frankreich um 1840 für Personenwagen auf der Strecke zwischen St. Etienne und Lyon, für Güterwagen begann die Verwendung von Drehgestellen erst ab 1917 in Form von Diamond-Drehgestellen amerikanischer Bauart.Chemin de fer no 41, Paris, AFAC, décembre 1930, article détaillé sur ligne St Etienne - Lyon. Französische Drehgestelle werden mit Y und einer ungeraden Ziffer für Güterwagen-Drehgestelle bezeichnet.Göhmann & Co. GmbH, Eisenbahnbedarf, Moers : Drehgestelle Die Bauarten Y 1, Y 3 und Y 5 waren Diamond-Drehgestelle. Die Typen Y 9, Y 11 und Y 15 waren adaptierte, verstärkte Bauarten. Für die Rekonstruktion von Flachwagen wurde die Bauform Y 11 M noch in den 1960er Jahren neu gebaut.Jahn, Hermann: Güterwagen-Drehgestelle (www.drehgestelle.de), 2001-2010 : Güterwagen-Drehgestelle: Diamond - Y 11 MJahn, Hermann: Güterwagen-Drehgestelle (www.drehgestelle.de), 2001-2010 : Güterwagen-Drehgestelle: Güterwagen-Drehgestelle: Frankreich Abseits von Museumsbahnen dürfte das aus diesem Drehgestell weiterentwickelte, ab 1977 von Fauvet-Girel gebaute Y 11 Mk in Form von Castor-Transportwagen das verbliebene Drehgestell der Bauart Diamond auf deutschen Schienen sein.

Schmalspur Im Schmalspurbereich hatten die Diamond-Drehgestelle große Bedeutung. Die Bauart mit verlängerten Flacheisen und beidseitig wirkenden Bremsen war bei vielen Bahnen anzutreffen.Drehgestell-Flachwagen der Fichtelbergbahnvierachsiger offener Güterwagen der Sächsische StaatseisenbahnenSchmalspurgüterwagen in RadebeulFahrzeuge der Böhmetal KleinbahnSchotterwagen der Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbHbuntbahn.de, Vorbilder - Diamond-Drehgestelle Orenstein & Koppel lieferte im Jahre 1904 einen Kesselwagen mit einseitiger Bremserbühne an die Kreisbahn Emden–Pewsum–Greetsiel. Das Fahrzeug überlebte beim Deutschen Eisenbahn-Verein (DEV) in Bruchhausen-Vilsen.Deutscher Eisenbahn-Verein e.V. : DEV Fahrzeuge