Die Straßenbahn Pirano–Portorose war ein Straßenbahnbetrieb in Istrien, der die Küsten-Orte an der seinerzeitigen Österreichischen Riviera erschloss. Die Strecke begann an der Piazza Tartini (Tartini-Platz) in Pirano (slowenisch: Piran) und führte am Adria-Ufer nach Portorose (slowenisch: Portorož). Am dortigen Bahnhof bestand ein direkter Anschluss zur Lokalbahn Triest–Parenzo. Damit konnten Bahnreisende mit einmaligem Umstieg von Pirano nach Triest fahren.

Wie einige weitere Straßenbahnbetriebe in Österreich-Ungarn war er in der Bosnischen Spurweite von 760 mm ausgeführt, die sonst weltweit unüblich war.

Geschichte Mit dem Ziel der verbesserten Verkehrserschließung für die Hafenstadt Pirano und der damaligen Österreichischen Riviera wurde im Jahr 1909 die Gleislose Bahn Pirano–Portorose erbaut. Sie verband den Tartini-Platz in Pirano mit dem Bahnhof Santa Lucia di Portorose der Lokalbahn Triest–Parenzo in Santa Lucia. Da dieser frühe Oberleitungsbusbetrieb nicht ausreichend befriedigte, wurde auf fast genau der gleichen Trasse eine Straßenbahn neu gebaut und im Jahr 1912 in Betrieb genommen. mini|hochkant|links|Fahrplan der Tramvia Pirano – Portorose, gültig ab 1. Juni 1923 Rechtsgrundlage war die Kundmachung des Eisenbahnministeriums, betreffend die Konzessionierung einer mit elektrischer Kraft zu betreibenden schmalspurigen Kleinbahn von Pirano nach Portorose vom 9. Juli 1912. Konzessionsinhaber war die Aktiengesellschaft Vereinigte Gaswerke in Augsburg, Repräsentanz für Österreich die bereits beim Vorgängerbetrieb, der Gleislosen Bahn die gleiche Funktion innegehabt hatte. August Riedinger, Gründer der Vereinigten Gaswerke in Augsburg war in Österreich bereits an der Localbahn Innsbruck–Hall in Tirol beteiligt. Betreiber der Strecke war die Elektrische Kleinbahn Pirano–Portorose.Egbert Peinhopf, Eisenbahnen in Istrien, S. 367 ff

Zwei Drittel der Investitionskosten trug die lokale Bezirksverwaltung. Die Stadt Pirano leistete den Restbetrag.Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983

Da die Konzession Güterverkehr und Anschlussbahnen erlaubte, wurde ein Anschluss an die Lokalbahn Triest–Parenzo vorgesehen und die Straßenbahn in der für derartige Verkehrsmittel eher ungewöhnlichen Bosnischen Spurweite von 760 Millimetern errichtet.Strassenbahn Magazin 2/2013, S. 72. Tatsächlich wurde niemals eine Gleisverbindung zwischen beiden Bahnen hergestellt.Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983 Die Trassenrevision der 1911 projektierten Linie fand Anfang Jänner 1912 statt, am 20. Juli 1912 wurde die Bahn dem Verkehr übergeben.Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983

Der Fahrplan sah grundsätzlich einen Takt von 40 Minuten vor. In der Hauptverkehrszeit verkehrten die Züge alle 20 Minuten.Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983

Die Stilllegung erfolgte am 31. August 1953,Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983 kurz bevor das Gebiet völkerrechtlich vom Freien Territorium Triest an Jugoslawien fiel.

Streckenbeschreibung Energieversorgung Der Fahrstrom wurde von der Elektrizitätszentrale in San Bernardino geliefert. Diese lieferte durch zwei Heißdampf-Compound-Lokomobile insgesamt zwei mal 100 PS Leistung, die wiederum zweimal 60 kW Gleichstrom mit 500 Volt Spannung abgaben. Zu einem späteren Zeitpunkt entschloss man sich zu einem Austausch der Lokomobile durch Dieselmotoren.Siemens-Schuckert. Die elektrische Kleinbahn Pirano – Portorose. Siemens-Schuckert.

Siemens-Schuckert bezeichnete die Errichtung der Fahrleitungsanlage in einer Werksschrift nicht als Neubau, sondern als Umbau.Siemens-Schuckert. Die elektrische Kleinbahn Pirano – Portorose. Siemens-Schuckert. Als Besonderheit gab das Unternehmen an, dass wegen des Einflusses der Meeresluft Siliziumbronze als Leitungsmaterial verwendet wurde.

Fahrbetriebsmittel

Übereinstimmend mit den ebenfalls in Istrien gelegenen Betrieben in Abbazia und in Pola wurden die Fahrbetriebsmittel um 150.000 KronenHans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983 ausschließlich bei der Grazer Waggonfabrik beschafft. Die elektrische Ausrüstung der Fahrzeuge wurde von den Österreichischen Siemens-Schuckert-Werken zugeliefert.

Die Bauart der Fahrzeuge war jener der Straßenbahn Klagenfurt – die von der gleichen Waggonfabrik ausgestattet worden war – sehr ähnlich.

Fahrzeuge der Straßenbahn Pirano–Portorose Nr. Baujahr Typ Mechanischer Teil Elektrischer Teil Dienstmasse Leistung Anmerkung 1–4 1912 Personentriebwagen Grazer Waggonfabrik ÖSSW 8700 kg 2 × 30 kW 5 1914 Personentriebwagen Grazer Waggonfabrik ÖSSW 8700 kg 2 × 30 kW Umbau aus Beiwagen 12 11–12 1912 Halboffener Personenbeiwagen Grazer Waggonfabrik 5870 kg Beiwagen 12 wurde 1914 zum Triebwagen umgebaut - 1912 Fahrleitungsmontagewagen (Turmwagen)Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983 Grazer Waggonfabrik 13 unbekannt Personenbeiwagen Grazer Waggonfabrik Umbau aus Fahrleitungsmontagewagen 21 (später 14) 1914 Offener Sommerbeiwagen Grazer Waggonfabrik 2900 kg

Nach der Stilllegung Nach der Einstellung des Betriebes gelangte der Großteil der Fahrzeuge auf dem Seeweg über Dubrovnik zur Straßenbahn SarajevoHans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, S. 58ff/1983, die bis zum Jahr 1960 die gleiche Spurweite verwendete.Jan Čihák: Straßenbahn und Trolleybus in Sarajevo Die Gleichrichteranlage wurde an eine technische Schule verschenkt.Egbert Peinhopf, Eisenbahnen in Istrien, S. 367 ff Heute erinnern in Piran nur noch einige wenige Oberleitungsrosetten an den früheren Straßenbahnbetrieb. Der öffentliche Nahverkehr wird heute auf gleicher Strecke durch eine Stadtbuslinie abgewickelt.

Galerie

Literatur

Egbert Peinhopf: Eisenbahnen in Istrien – einst und heute. bahnmedien.at, Wien 2017, ISBN 978-3-9503921-8-0 Hans Lehnhart, Die Straßenbahn Pirano–Portorose, in EISENBAHN, Bohmann Verlag, Wien, S. 58ff/1983 Jan Čihák: Straßenbahn und Trolleybus in Sarajevo. bahnmedien.at, Wien 2013. ISBN 978-3-9503304-2-7. Broschüre: Die elektrische Kleinbahn Pirano – Portorose. herausgegeben von Siemens-Schuckert

Weblinks

Piran Pèran Pirano: Piranski tramvaj - El tram de Piram https://www.youtube.com/watch?v=yJ69OnC3Xx0 Thread 100 Jahre Piraner Straßenbahn im Styria-Mobil-Forum http://www.styria-mobile.at/home/forum/index.php/topic,7551.0.html?PHPSESSID=ha4mjsm8i2a3pvi7hu1n5dlo67 “Cent’anni del tram di Pirano, 1912-2012” in mostra a Pirano, http://old.ilmandracchio.org/print.php?sid=2127

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Slowenien Kategorie:Spurweite 760 mm StraßenbahnPiranoPortorose