Das Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris, Syn.: Senecio jacobaea), auch Jakob-Greiskraut und Jakobs-Kreuzkraut sowie Jakobskraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Jacobaea (früher zur Gattung Senecio gestellt) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Die Pflanze ist ursprünglich in Europa und Westasien beheimatet und kommt inzwischen auch in Amerika und Ozeanien vor. Alle ihre Teile sind giftig.

Der Artname bezieht sich auf den Blühtermin um Jacobi (25. Juli) – eigentlich beginnt die Blühzeit jedoch schon Anfang Juni mit schütteren Blütenständen. Voll ausgebildet sind die Blütenstände aber tatsächlich erst im Hochsommer.

Beschreibung mini|Grundständige Blattrosette im ersten Lebensjahr mini|Korbblütlertypische Blütenkörbchen mit Zungen- und Röhrenblüten mini|Illustration mini|Röhrenblüten im Detail mini|Illustration

Vegetative Merkmale Jacobaea vulgaris ist eine meist zweijährige, manchmal auch länger ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern. Im ersten Jahr wird eine grundständige Blattrosette aus etwa 20 Zentimeter langen Laubblättern gebildet. Eine oft dunkelrot überlaufene, aufrechte Sprossachse (Stängel) mit Blütenständen entwickelt sich erst im zweiten Jahr. Bei den leierförmig fiederteiligen Laubblättern sind die unregelmäßigen und stumpf gezähnten Abschnitte zum Ende hin verbreitert; an ihrer Basis weisen sie Öhrchen auf.

Generative Merkmale Im oberen Pflanzenteil befinden sich in einem weit verzweigten, schirmrispigen Gesamtblütenstand die zahlreichen gelben körbchenförmigen Teilblütenstände. Die Blütenkörbchen haben einen Durchmesser von etwa 15 bis 25 Millimetern. Die Blütenkörbchen besitzen eine Hülle aus 13 Hüllblättern sowie anliegenden (oder nur ein bis zwei abstehenden) Außenhüllblättern. Die Spitzen der Hüllblätter sind meistens schwarz gefärbt. Die gelben Zungenblüten sind meist gut ausgebildet, können aber auch fehlen; ihre Anzahl liegt gewöhnlich zwischen 12 und 15 je Blütenkörbchen.

Die Achänen sind von einem Pappus gekrönt. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40. Pro Blütenkopf entwickeln sich nach dem Abblühen etwa 70 Samen, welche teilweise mit Flug- und Hafthaaren ausgestattet sind.

mini|Widderchen als Blütenbesucher am Jakobs-Greiskraut mini|Jakobskrautbären-Raupen (Tyria jacobaeae) auf der zungenblütenlosen Unterart Dünen-Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea subsp. dunensis) mini|Getrocknetes Jakobs-Greiskraut

Verwechslung mit anderen Pflanzen Das Jakobs-Greiskraut kann mit anderen Pflanzen verwechselt werden. Ähnlichkeiten bestehen bei den Blättern mit Rucola, während die gelben Blüten an Johanniskraut oder Wiesen-Bocksbart erinnern können.

Eine sichere Unterscheidung ist anhand der Blütenstände möglich, die wie kleine Gänseblümchen aufgebaut sind, sowie durch den unangenehmen Geruch der Blätter beim Zerreiben. Anhand dieser Merkmale kann das Jakobs-Greiskraut nach Aussage der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft verlässlich erkannt werden.

Ökologie Das Jakobs-Greiskraut ist als heimische Pflanze ein natürlicher Bestandteil der Kulturlandschaft und gleichzeitig eine wichtige Futterpflanze für zahlreiche Insektenarten, insbesondere während seiner Blütezeit im Juli, wenn das übrige Nahrungsangebot knapp ist. Auch Bienen nutzen die Pflanze, obwohl Pyrrolizidinalkaloide über den Pollen in den Honig gelangen können.Schadet das Jakobskreuzkraut Bienen und Honig? auf Bienen & Natur vom 24. Juni 2020, abgerufen am 20. April 2021.

Die gelb-schwarz gestreiften Raupen des Jakobskrautbären (Tyria jacobaeae) sind im Sommer häufig auf dem Jakobs-Greiskraut zu beobachten. Diese Schmetterlingsart ist auf Greiskräuter spezialisiert. Die Raupen nehmen die Giftstoffe der Pflanze auf und werden dadurch für Fressfeinde ungenießbar.

Die Pflanze wird von verschiedenen Pilzen befallen, darunter der Rostpilz Coleosporium senecionis, der Aecidien und Basidiosori bildet. Weitere beobachtete Pilzarten sind Bolenidium caulicola, Leptosphaeria derasa, Ophiobolus jacobaeae, Pleospora vulgatissima, Erysibe cichoriacearum und Sphaerotheca humili. Zudem treten Gallbildungen durch Organismen wie Eriophyes lioproctus, Tephritis marginata, Conchylis atricapitana und Phorbia seneciella auf.

Die Ausbreitung der Samen erfolgt überwiegend durch Wind (Anemochorie). Der Pappus, der als Flugorgan dient, fällt jedoch leicht von den Achänen ab, was die Ausbreitungsdistanz begrenzen kann.

Vorkommen Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Jakobs-Greiskrautes sind die Ebenen bis mittleren Gebirgslagen der gemäßigten Klimazonen Europas und Westasiens. Es handelt sich für Mitteleuropa also nicht um einen Neophyten, sondern um eine einheimische Art. In Argentinien, Neuseeland, Australien, Kanada und in den USA kommt sie jedoch als invasiver Neophyt vor.

Das Jakobs-Greiskraut ist an Feldrändern, auf Wiesen, Ackerbrachen, Magerrasen und in anderen Gras- und Staudenfluren recht verbreitet. Seine Ansprüche an den Boden sind nicht besonders groß. Es gedeiht am besten auf mäßig frischen bzw. wechselfrischen, mehr oder weniger nährstoff- und basenreichen, humosen Lehm- und Sandböden in humidem Klima. Es gilt als eine Charakterart des Verbands Cynosurion, doch kommt es auch in Gesellschaften der Verbände Arrhenatherion, Mesobromion, Koelerio-Phleion oder Dauco-Melilotion vor.

Da die zur Windausbreitung geeigneten Samen des Jakobs-Greiskrauts auch gut beispielsweise an landwirtschaftlichen Maschinen, Verkehrsmitteln, Kleidung sowie Fell und Federn haften, kann es sich schnell verbreiten.

In den Allgäuer Alpen kommt es oberhalb der Ifenhütte am Hohen Ifen in Vorarlberg bis zu einer Höhe von 1710 Metern vor.

Systematik Die Gliederung der Großgattung Senecio durch Augustin-Pyrame de Candolle 1838 hatte im Kern bis in das 21. Jahrhundert Bestand. Erst mit dem Aufkommen neuer Techniken, denen die Verwandtschaft der Arten anhand des Vergleichs homologer DNA-Sequenzen zu untersuchen (Phylogenomik) gelang, war es möglich, die alte Großgattung in natürliche Einheiten zu zerlegen. Dabei zeigte es sich bald, dass die traditionelle Sektion Jacobaeae innerhalb der Gattung Senecio, deren Typusart Senecio jacobaea ist, einer Artengruppe angehört, die nur relativ entfernt mit der eigentlichen Gattung Senecio verwandt ist. Aus diesen und späteren Untersuchungen, die das Resultat bestätigten, zogen Taxonomen die Konsequenz, die frühere Sektion zur neuen Gattung Jacobaea (erneut) heraufzustufen. Um das nach den Regeln verbotene Tautonym „Jacobaea jacobaea“ zu vermeiden, wurde für das Jakobs-Greiskraut dabei der alte, synonyme Artname Jacobaea vulgaris reaktiviert. Die neue Artgliederung der Tribus Senecioneae ist fachlich zwar allgemein akzeptiert, aber in den meisten angewandten Werken noch nicht nachvollzogen worden, so dass das Jakobs-Greiskraut in den meisten Schriften noch unter dem alten wissenschaftlichen Namen Senecio jacobaea verzeichnet ist. Die Gattung Jacobaea ist überwiegend nach genetischen Merkmalen abgegrenzt, überzeugende morphologische Autapomorphien konnten bisher nicht angegeben werden.

Der Name Jacobaea vulgaris wurde 1791 durch Joseph Gaertner in De Fructibus et Seminibus Plantarum Band 2 Seite 445 veröffentlicht. Synonyme für Jacobaea vulgaris sind: Senecio jacobaea , Senecio flosculosus , Senecio foliosus , Senecio jacobaeoides , Senecio nemorosus , Senecio jacobaea subsp. nudus , Senecio praealtus subsp. foliosus , Senecio jacobaea var. nudus .

Es gibt etwa drei Unterarten: Dünen-Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris subsp. dunensis (Dumort.) , Syn.: Senecio jacobaea subsp. dunensis , Senecio dunensis ): Es zeichnet sich durch niedrigeren Wuchs, fehlende Zungenblüten und spinnwebartige, wollige Behaarung aus und kommt an den Küsten von Großbritannien, Irland, Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden und Polen vor. In Deutschland kommt es in Ostfriesland beispielsweise auf Borkum vor. Jacobaea vulgaris subsp. gotlandica (Syn.: Senecio jacobaea subsp. gotlandicus ): Sie kommt in Schweden, Italien, Österreich, Montenegro, Griechenland und Russland vor. Sie ist eine Steppensippe, die in Österreich in Niederösterreich und im Burgenland vorkommt. Gewöhnliches Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris subsp. vulgaris, Syn.: Senecio jacobaea subsp. jacobaea)

Innerhalb der Art können zudem zwei Chemotypen unterschieden werden: ein in Nordwesteuropa verbreiteter Jacobin-Chemotyp und ein in Südosteuropa verbreiteter Erucifolin-Chemotyp.

Inhaltsstoffe und Giftigkeit Landwirte und Pferdehalter fürchten das Jakobs-Greiskraut, da alle Teile der Pflanze giftige, leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide enthalten.

Der Alkaloid-Gehalt ist in den Blüten bis zu doppelt so hoch wie im Kraut. Im Einzelnen sind Acetyl-, E- und Z-Erucifolin, 21-Hydroxyintegerrimin, Integerrimin, Jacobin, Jacolin, Jaconin, Jacozin, Retrorsin, Ridellin, Senecionin, Seneciphyllin, Senecivernin, Spartioidin und Usaramin enthalten.Rudolf Hänsel et al. (Hrsg.): Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Drogen P–Z, Springer, Berlin 1994, S. 669 f.: Die Alkaloide bleiben im Gegensatz zu vielen anderen Giften bei der Konservierung in Heu oder Silage wirksam und werden auf diese Weise auch von Weidetieren mit aufgenommen, welche die im frischen Zustand bitter schmeckenden Kräuter ansonsten eigentlich meiden.Faltblatt Julius Kühn-Institut: Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea). Erkennung und Bekämpfungsmöglichkeiten im Grünland, 2. Aufl. Nov. 2010 (PDF; 903 kB) Deshalb wird auch dazu geraten, die Weiden vor der Mahd zu kontrollieren und gegebenenfalls vorhandene Pflanzen zu entfernen.