mini|Friedrich Philipp Eisenberg (Frontispiz aus Denkwürdigkeiten und Tagesgeschichte der Mark Brandenburg 1796) Friedrich Philipp Eisenberg (* 25. November 1757 in Treptow/Rega; † 6. März 1804 in Berlin) war Stadtpräsident und Polizeidirektor in Berlin von 1794 bis 1804. Er führte die Hausnummerierung in Berlin ein. Er war Mitglied der Johannisloge „Zur Verschwiegenheit“ in Berlin und seit 1792 Mitglied im Montagsklub.

Leben Friedrich Philipp Eisenberg wurde am 25. November 1757 als Sohn von Johann Albrecht Christian Eisenberg und seiner Ehefrau Sophie Dorothee geb. Bettführ in Treptow an der Rega geboren. Der Vater wird 1776 als maitre d’hotel in Mömpelgard bezeichnet. So ist anzunehmen, dass die Familie zum erweiterten Umkreis des Prinzen Friedrich Eugen von Württemberg gehörte, der als preußischer Offizier von 1750 bis 1763 das Schloss in Treptow bewohnte. Fünf Kinder des Prinzen wurden dort geboren, u. a. Friedrich Wilhelm Karl 1754, der spätere erste König von Württemberg. 1769 verlegte er seinen Wohnsitz nach Mömpelgard.Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806 Teil 1, K.G.Saur, München 2009, S. 240 f.

Schule und Studium Am 19. April 1772 wurde Friedrich Philipp Eisenberg in die Karlsschule auf der Solitude, 1770 vom Herzog Karl Eugen als militärische Pflanzschule gegründet, aufgenommen. Dort herrschte ein strenges Reglement. Eisenberg zeigte hier seine Begabung für Geschichte und Sprachen. 1772 bekam er Preise in Mythologie und Geschichte, 1773 in mathematischer Geographie und später in dogmatischer Religion, französischer Sprache sowie württembergischer Geschichte.Heinrich Wagner: Geschichte der Hohen Carls-Schule, Würzburg 1857 Verlag von Etlinger Ein Mitschüler aus dieser Zeit war Friedrich Schiller, der die Schule von 1773 bis 1781 besuchte. Eine besondere pädagogische Maßnahme war die gegenseitige Beurteilung der Schüler. Eisenberg beurteilte Schiller sehr positiv:

Die Beurteilung über Eisenberg, die Schiller verfasste, war dann doch deutlich negativer. Schiller attestiert ihm äußerlich ein „rechtschaffendes Gemüt, ein Herz, welches das Wohl der Freunde zu befördern sucht, allein gewiß würde er auf Wege sinnen, dieselben in Unglück zu stürzen wenn ihm Gelegenheit und Umstände solches zuließen.“ Eisenberg würde sich nur beim Fürsten einschmeicheln und besäße eine „stolze Eigenliebe“. Eisenberg verderbe sich durch „Ausweniglernen“. Immerhin attestiert Schiller ihm ein besonderes Faible für die Historie.Ludwig Bellermann (Hrsg.): Schillers Werke 13. Band, Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut Ob diese Beurteilung mit ausschlaggebend dafür war, dass Eisenberg am 3. November 1775 „heimgewiesen“, das heißt entlassen wurde, ist nicht bekannt.Heinrich Wagner: Geschichte der Hohen-Carlsschule, Zweiter Band, Verlag von Etlinger, Würzburg 1857 Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er für den weiteren Militärdienst nicht vorgesehen war, denn schon am 18. Dezember 1875 schrieb sich Eisenberg in die Juristische Fakultät der Universität Strassburg ein. Obwohl Eisenberg nur für ein halbes Jahr in Strassburg blieb, bekam er sofort Kontakt zur Strassburger Deutschen Gesellschaft, die sich um Jakob Michael Reinhold Lenz beim Aktuarius Johann Daniel Salzmann zusammengefunden hatte.6. Die Deutsche Gesellschaft in Straßburg, auf jmrlenz.schobert.de Die Gesellschaft bestand hauptsächlich aus Juristen und Theologen. Man traf sich einmal wöchentlich und es wurden Vorträge moralischen Inhalts im Sinne der Aufklärung gehalten. Goethe bekam hier in Strassburg Kontakt mit Lenz und lud ihn nach Weimar ein. Lenz folgte diesem Ruf im März 1776. Der Aufenthalt dort endete aber, wie bekannt, in einer Katastrophe. Am 12. Juli 1776 schrieb sich Eisenberg schließlich in Halle für das Studium der Rechte ein. Auch dort hielt er noch Kontakt mit Reinhold Lenz, wie aus einem Brief vom 3. August 1776 hervorgeht.

Laufbahn Nach einem kurzen Intermezzo als Referendar beim Berliner Stadtgericht 1779 verdingte er sich 1780 als geheimer Sekretär beim Prinzen Friedrich von Württemberg, der ihm sicherlich aus seiner Kindheit nicht unbekannt war. Aber schon 1781 wechselte er die Stellung, vielleicht, da Prinz Friedrich sich in die Dienste der russischen Zarin Katharina der Großen begab. 1781 bewarb sich Eisenberg als Referendar beim Kammergericht und bei der neumärkischen Regierung. Am 6. Mai 1784 bestand er das große Staatsexamen erfolgreich und wurde 1785 Assistenzrat in Küstrin. Am 22. Dezember 1786 wurde er zum Berliner Kammergericht als Assistenzrat versetzt und am 10. Mai 1787 zum Kammergerichtsrat der ersten Klasse bestellt.

Polizeidirektor und Stadtpräsident Mit dem Erlass vom 29. Oktober 1794 ernannte Friedrich Wilhelm II. ihn zum Berliner Polizeidirektor und Stadtpräsidenten. Als Nachfolger von v. Eisenhardt trat Eisenberg im Februar 1795 die Stelle als Polizeidirektor an. Am 21. Januar 1795 war ein neues Polizeireglement in Kraft getreten, das ein Kollegium konstituierte, dem der Polizeidirektor vorstand. Weitere Mitglieder waren ein Justiziar, drei Polizeiräte, Polizeimeister und weitere Polizeikommissare. Das Kollegium tagte drei Mal wöchentlich.Albert Ballhorn: Das Polizei-Präsidium zu Berlin, Verlag der Deckerschen Geheimen Hofbuchdruckerei, Berlin 1852. Neben seinen Aufgaben bei der Polizei war Eisenberg in einer Vielzahl von Aufsichtsgremien vertreten. So saß er im Direktorium des großen Hospitals la Charité und des neuen Hospitals, im Direktorium des großen Friedrichs-Waysenhauses und des Arbeits-Hauses, genauso, wie er dem Berliner Armendirektorium vorstand.Adreß-Kalender der Königlich Preußischen Haupt- und Residenz-Städte Berlin und Potsdam, Verlag bei Johann Friedrich Unger, Berlin 1803 Interessant als Hinweis auf seine vielfältigen Betätigungen ist der Briefwechsel mit August Wilhelm Iffland, der von 1796 bis 1814 Direktor am Berliner Nationaltheater war. Seine vielen Nebentätigkeiten ließen Eisenberg anscheinend aber nicht genügend Zeit für die Polizeiarbeit. So kam es im Laufe des Jahres 1800 zu erheblichen Anschuldigungen seiner Arbeitsweise. Mangelnde Präsenz, aggressives Verhalten, ja sogar Trunkenheit wurde ihm vorgeworfen und ihm die ansteigende Kriminalität zur Last gelegt. Seine Ablösung wurde diskutiert, es fand sich jedoch kein geeigneter Posten. Dabei blieb es bis zu seinem Tode nach längerer Krankheit am 6. März 1804. Er wurde im Falkenberg’schen Gewölbe der Nikolaikirche in Berlin beigesetzt. mini|Visitenkarte Stadtpräsident Eisenberg

Einige seiner öffentlichen Reden erschienen auch im Druck. So z. B. die Rede anlässlich der Gründung der Luisenstadt vor den Toren Berlins am 5. April 1802. Im Namen der Königin Luise überreichte Eisenberg eine Fahne an die neue Bürgerschaft der Luisenstadt.Rede bei der Uebergabe der von Ihrer Majestät der regierenden Königinn Luise den Bürgern der Luisenstadt geschenkten Fahne, gehalten auf dem Berliner Rathause am 5ten April 1802, Gedruckt bei Dieterici, Berlin 1802 Ein weiteres herausragendes Ereignis für Friedrich Philipp Eisenberg waren sicherlich die Huldigungsfeierlichkeiten für Friedrich Wilhelm III., die am 6. Juli 1798 im Lustgarten vor dem Berliner Stadtschloss abgehalten wurden. Vor über 60000 Menschen, Deputationen aus allen preußischen Staaten Deutschlands, Vertretern des Adels, Klerus und aller Stände, hatte Eisenberg die Ehre, eine Huldigungsansprache an den König zu halten.Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks, Jahrgang 1898, Zweiter Band Julius bis December, gedruckt bei Friedrich Maurer, Berlin 1798 Als Antwort auf die gerade stattfindende französische Revolution rief Friedrich Philipp Eisenberg den anderen Völkern zu: „Völker, seht auf uns, wir haben einen gemeinschaftlichen Vater; wir alle sind seine Kinder; Er liebt uns; wir verehren ihn; lernt an unserem Beispiel, wahrhaftig glücklich zu sein! Wir sind es, und wir werden es bleiben, so lange Friedrich Wilhelm und seine Nachfolger uns beherrschen; mit Freuden wollen wir ihnen Treue schwören; nur der Tod allein, soll und von dieser Verpflichtung befreien....“.

Als Polizeidirektor oblag Friedrich Philipp Eisenberg auch die Zensur. Mit der Cabinetts-Order vom 8. November 1795 war ihm diese über die periodischen Schriften aufgetragen worden.Ludwig Geiger: Geschichte der Juden in Berlin. Teil II., Verlag von J. Guttentag, Berlin 1871 Dieses Aufgabengebiet war bei der damaligen Publikationshäufigkeit kaum zu bewältigen, so dass schon Zeitgenossen eine mangelnde Gewissenhaftigkeit hierbei attestierten.Die preußischen Staaten vor und seit dem 16ten November 1797, Erstes Heft. Paris 1798. Das bekannteste Ereignis aus diesem Bereich ist sicherlich, als er einem Werk Immanuel Kants die Druckerlaubnis versagte. In einem Brief an Johann Heinrich Tieftrunk schildert Kant dieses Ereignis: „…allein es hat sich ein anderer Mißfall im Gebähren meines Genius zugetragen, daß nämlich eine neuere Schrift unter dem Titel Erneute Frage, ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Bessern sey von mir dem Bibliothekar Biester für seine Berl. Blätter zugeschickt, ich weiß nicht wie, dem Stadtpräsidenten Eisenberg zur Censur eingereicht wurde u. zwar den 23ten Octobr. 1797, also noch bei Lebzeiten des vorigen Königs, u. ihm das imprimatur abgeschlagen wurde….“.Kant: Briefwechsel, Brief 805, An Johann Heinrich Tieftrunk Friedrich Wilhelm III. war der Pressefreiheit wesentlich mehr zugetan als sein Vorgänger. So konnte Kants Schrift 1789 unter dem Gesamttitel Streit der Fakultäten publiziert werden. Ein weiteres Zeichen für die größere Liberalität Friedrich Wilhelm III. gegenüber der Presse war der Skandal um den Justizkommissar am Berliner Kammergericht Grattenauer. Carl Wilhelm Friedrich Grattenauer veröffentlichte 1803 ein antisemitisches Pamphlet „Wider die Juden“Carl Wilhelm Friedrich Grattenauer: Wider die Juden. Ein Wort der Warnung an alle christlichen Mitbürger, bei Joh. Wilh. Schmidt, Berlin 1803. Dieser antisemitische Ausbruch mitten aus der Gesellschaft heraus erregte ungeheure Aufmerksamkeit, sowohl bei Befürwortern als auch bei Gegner dieses Textes. Innerhalb kurzer Zeit mussten von dem Buch sechs Auflagen gedruckt werden. Zehn weitere antijüdische Schriften erschienen innerhalb eines Jahres und etwa 20 Gegenschriften, darunter besonders herausragend das Werk von Kosmann „Für die Juden“Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig , Band 11, S. 588–590. Dieser Aufruhr wurde den Behörden zu viel. Am 20. September 1803 machte der Polizeidirektor Eisenberg dem ein Ende: „Der Unfug, der seit einiger Zeit durch Druckschriften wider und für die Juden und deren Verkündigungen durch die öffentlichen Blätter veranlaßt und getrieben worden, macht es nothwendig, hiermit auf Befehl eines hohen General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Directoriums festzusetzen und bekannt zu machen: Daß zur Steuerung dieses Unfuges die ernsthaftesten Vorkehrungen getroffen sind. Besonders ist es verfügt worden, daß Schriften dieser Art nicht weiter die Zensur passieren, und keine Anzeigen von Schriften dieses Gegenstandes in die hiesigen Zeitungen und Intelligenz-Blätter aufgenommen werden dürfen, welches zur Nachricht und Achtung hiermit bekannt gegeben wird.“. Ein Verbot sämtlicher Schriften über die Juden ging Friedrich Wilhelm III. denn doch deutlich zu weit. Durch eine Verfügung vom 1. Oktober 1803 hob er diese Anordnung u. a. mit dem Hinweis auf die Pressefreiheit wieder auf.Zeitung für die elegante Welt, Nr. 123 vom 13. Oktober 1803.

Literarische Tätigkeit