Wölsenberg ist ein Ortsteil der Stadt Nabburg im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf (Bayern).

Geografie Wölsenberg liegt etwa 3,5 Kilometer südlich von Nabburg und 400 Meter östlich der Bundesautobahn 93, die hier auf dem Ostufer der Naab verläuft.

Der 500 Meter hohe Wölsenberg, 760 Meter nordöstlich der Ortschaft Wölsenberg, gab der Ortschaft ihren Namen. Die Ortschaft Wölsenberg liegt auf dem Südwesthang des 488 Meter hohen Vogelherds, der ein südwestlicher Vorberg des Wölsenberges ist.

Westlich von Wölsenberg fällt die Landschaft steil zur 90 Meter tiefer gelegenen Naab ab. Hier befindet sich der Naabdurchbruch, bei dem die eingeböschten Höhen nur 200 Meter auseinander liegen.

Geologie Wölsenberg liegt in einem alten Bergbaugebiet. Hier wurde bereits seit dem 12. Jahrhundert Bergbau betrieben. Dies ist 1534 in einer Bergwerksordnung von Pfalzgraf Ludwig V. bezeugt. Die Gesteine, auf denen Wölsenberg sich befindet, enthalten antozonhaltigen Flussspat (Stinkspat), Schwerspat, Quarz, Dolomit, Kalkspat, Pyrit, Markasit, Zinkblende, Uranpechblende, Eisenglanz und Bleiglanz. Außerdem kommt grobkörniger, bunter, porphyrartiger Granit vor. Im 16. Jahrhundert wurde hier Silber gefördert, im 17. und 18. Jahrhundert Blei, ab dem 20. Jahrhundert Flussspat (Staatsbruch, Weberbruch, Pfeifferbruch). Ein alter Stollen, der Rolandgang (oder Venezianer-Stollen), am Steilhang 330 Meter westlich von Wölsenberg, zeugt noch von dieser Bergwerkstätigkeit. Er ist als Geotop Nr. 376A020 registriert. Im Stollen findet sich variszischer Granit und Flussspat in den Farben weiß, grün, lila und schwarz. Das Gebiet wird als Gümbel-Eck bezeichnet, da es von Carl Wilhelm von Gümbel gezeichnet und beschrieben wurde.

Volkstümlich wurde der Taleinschnitt, der von Wölsenberg nach Westen zum Stollen hinabführt, als Hölgraben bezeichnet. Der Stolleneingang und die benachbarten Stolleneingänge wurden Wölsenberger Zwerglöcher genannt. Vom obersten Zwergloch wurde erzählt, dass es sich tief in den Berg hineinzieht.

Geschichte Im Salbuch von 1473/75 wird Wölsenberg (auch: Welsenperch, Welsenberg, Weltzenberg) mit einem Geldzins von 1 Schilling 8 Pfennig erwähnt. 1477 gehörte ein Hof in Wölsenberg zum Landsassengut Altendorf im Besitz der Familie Plankenfels.

Zum Burggut Nabburg gehörig: Im Herdstättenbuch von 1721 wird Wölsenberg mit 7 Anwesen, 8 Häusern und 9 Feuerstätten verzeichnet. Im Herdstättenbuch von 1762 erscheinen in Wölsenberg 7 Herdstätten, 3 Inwohner und eine Herdstätte im Hirtenhaus mit einem Inwohner. 1792 wohnten in Wölsenberg 18 hausgesessene Burggut-Hintersassen. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Wölsenberg 7 Anwesen und ein Hirtenhaus.

Zu Pilsach, Pflegamt Pfaffenhofen, gehörig: Im Herdstättenbuch von 1762 wird für Wölsenberg verzeichnet eine Herdstätte mit einem Inwohner. Im Steuerbuch von 1772 ist ein Anwesen aufgeführt, das Meillerischer Hof genannt wird. 1783 erscheint der einschichtige Hintersasse des Meilerhofs zu Wölsenberg mit einem Haus mit 5 Einwohnern. 1821 wird dieser Hintersasse an das Landgericht Nabburg übertragen.

1808 begann in Folge des Organischen Ediktes des Innenministers Maximilian von Montgelas in Bayern die Bildung von Gemeinden. Dabei wurde das Landgericht Nabburg zunächst in landgerichtische Obmannschaften geteilt. Wölsenberg kam zur Obmannschaft Diendorf. Zur Obmannschaft Diendorf gehörten: Diendorf, Girnitz, Wölsenberg, Eckendorf, Höflarn, Kumpfmühle und Bärnmühle.

Dann wurden 1811 in Bayern Steuerdistrikte gebildet. Dabei kam Wölsenberg zum Steuerdistrikt Diendorf. Der Steuerdistrikt Diendorf bestand aus den beiden Dörfern Diendorf und Wölsenberg und den Waldungen Wölsenberg, Haberkirch, Vogelherd und Rehberg. Er hatte 24 Häuser, 183 Seelen, 396 Morgen Äcker, 132 Morgen Wiesen, 1000 Morgen Holz, 3 Weiher, 20 Morgen öde Gründe und Wege, 3 Pferde, 46 Ochsen, 32 Kühe, 50 Stück Jungvieh, 70 Schafe und 28 Schweine.

Schließlich wurde 1818 mit dem Zweiten Gemeindeedikt die übertriebene Zentralisierung weitgehend rückgängig gemacht und es wurden relativ selbständige Landgemeinden mit eigenem Vermögen gebildet, über das sie frei verfügen konnten. Hierbei kam Wölsenberg zur Ruralgemeinde Diendorf. Die Gemeinde Diendorf bestand aus den Ortschaften Diendorf mit 23 Familien, Wölsenberg mit 8 Familien, Girnitz mit 10 Familien, Höflarn mit 9 Familien, Eckendorf mit 12 Familien, Kumpfmühle mit einer Familie, Bärnmühle mit einer Familie, Namsenbach mit 10 Familien und Perschen mit 19 Familien. 1842 wurde noch Wiesmühle zusätzlich zur Gemeinde Diendorf verzeichnet und 1946 kamen die Ortschaften Haindorf, Haselhof, Neusath und Richtmühle aus der aufgelösten Gemeinde Neusath zur Gemeinde Diendorf hinzu. Die Gemeinde Diendorf blieb bis 1975 bestehen und wurde dann nach Nabburg eingegliedert.

Wölsenberg gehörte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert zur Filialkirche St. Peter und Paul, Perschen, der Pfarrei Nabburg, Dekanat Nabburg.

Einwohnerentwicklung ab 1792 + 1792–1900 Jahr Einwohner Gebäude 1792 19 Hintersassen 9 1819 8 Familien k. A. 1828 39 8 1832 43 9 1838 47 8 1864 44 15 1875 41 26 1885 49 8 1900 37 8

+ 1913–2011 Jahr Einwohner Gebäude 1913 43 7 1925 43 6 1950 43 6 1961 25 6 1964 25 6 1970 24 k. A. 1987 19 6 2011 20 k. A.

Tourismus Einige Rad- und Wanderwege führen über Wölsenberg, darunter die Mountainbikeroute 7 Gipfel unserer Heimat in etwas mehr als 70 km. Ein Wanderweg berührt den Kocherstollen, der früher für Besichtigungen zugänglich war, dann aber aus Kostengründen geschlossen wurde.

Literatur Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7

Weblinks

Starke Radioaktivität durch Uranvererzungen bei Wölsendorf (Oberpfalz), 2020, deutsch This Mountain Has A Dark Secret: The Highly Radioactive Wölsenberg (Wölsendorf), 2020, englisch Uranvererzungen im Wölsendorfer Flussspatrevier, 2016, deutsch

Einzelnachweise Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 2–6 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 76 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 97 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 121 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 356 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 373 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 395 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 397 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 408 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 412 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 419 Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 435 Wölsenberg bei Bayernatlas. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Wölsenberg bei bavarikon.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021.

Zensus 2011 bei zensus2011.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Hohn, Karl Friedrich (1773–1845), Eisenmann, Joseph Anton (1775–1842): Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern, oder alphabetische Beschreibung aller im Königreiche Bayern enthaltenen Kreise, Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Höfe, Schlösser, Einöden, Gebirge, vorzüglichen Berge und Waldungen, Gewässer usw. Erlangen, 1832, S. 1119 Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern, S. 1119 bei bavarikon.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Silber- und Bleibergbauzeit bei mineralienatlas.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Carl Wilhelm von Gümbel: Geognostische Bemerkungen über das Vorkommen des antozonhaltigen Flußspates am Wölsenberge in der Oberpfalz, in "Sitzungsbericht der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften", Seite 301–329, München 14. März 1863. Carl Wilhelm von Gümbel: Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayern / 2. Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges, Verlag Justus Perthes, Gotha, 1868, S. 46, 274, 374 Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayern bei bavarikon.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Flussspatgang N von Wölsendorf, Geotop Nr. 376A020 bei umweltatlas.bayern.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Geschichte des Bergbaus im Wölsendorfer Flussspat-Revier bei stulln.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Bayerische Sagen und Bräuche: Beitrag zur deutschen Mythologie, München, 1848, S. 105 Bayerische Sagen und Bräuche, S. 105 bei bavarikon.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. 7 Gipfel unserer Heimat in etwas mehr als 70 km bei schmidgaden.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Wölsenberg - Schwarzachtal bei alltrails.com. Abgerufen am 12. Dezember 2021. Aussicht Wölsendorf – Heinrich-Kocher-Stollen Runde von Wölsenberg bei komoot.de. Abgerufen am 12. Dezember 2021.

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