Isis ist eine Tragédie lyrique (Oper) in einem Prolog und fünf Akten von Jean-Baptiste Lully (Musik) mit einem Libretto von Philippe Quinault nach den Metamorphosen des Ovid. Die Uraufführung fand am 5. Januar 1677 am französischen Königshof im Schloss Saint-Germain-en-Laye statt.
Handlung
Kurzfassung
Prolog. Die allegorische Figur des Ruhms und sein Gefolge preisen König Ludwig XIV. als den größten Helden. Neptune weist auf dessen militärische Erfolge auf See hin. Die Musen, Apollon und die freien Künste proklamieren ein großes Fest.
Erster Akt. Hiérax liebt die Nymphe Io. Er befürchtet, dass sie einen anderen Geliebten hat, da sie die Hochzeit immer wieder aufschiebt. Sein Freund Pirante rät ihm, mit ihr darüber zu sprechen. Io redet sich mit einem bösen Omen heraus, und es kommt zum Streit. Ihrer Vertrauten Mycène gesteht Io jedoch, dass der Gott Jupiter ihr durch seinen Boten Mercure seine Liebe erklärt habe und sie nicht glaube, ihm lange widerstehen zu können. Kurz darauf kündigt Mercure den Besuch Jupiters an. Gottheiten der Erde empfangen ihn mit großem Prunk.
Zweiter Akt. Jupiter verhüllt die Erde mit dichten Wolken, um der Welt und vor allem seiner eifersüchtigen Frau Junon sein Verhältnis mit Io zu verbergen. Diese sucht bereits mit ihrer Vertrauten Iris nach ihm. Jupiter bittet Mercure, Iris abzulenken, während er Io den Hof macht. Io widersteht seinen Bemühungen und flieht. Mercure flirtet eine Weile mit Iris, um sie zu verwirren. Junon teilt Jupiter mit, dass sie Io in ihr Gefolge aufnehmen wolle. Ihre Nymphen empfangen Io im Garten der Hébé.
Dritter Akt. Junon hat Io unter die Aufsicht des vieläugigen Riesen Argus gestellt, um sie von Jupiter fernzuhalten. Hiérax erfährt bei einem Rettungsversuch, dass es sich bei seinem Rivalen um Jupiter persönlich handelt. Im Auftrag des Letzteren lässt Mercure von Hirten, Satyrn, Silvanen und Nymphen ein Schauspiel über die Geschichte von Syrinx und Pan aufführen. Dieses macht Argus schläfrig, und Mercure versucht, Io aus seiner Hütte zu entführen. Er wird von dem wachsamen Hiérax entdeckt, der Argus weckt und Junon herbeiruft. Mercure tötet Argus und verwandelt Hiérax in einen Raubvogel. Das Erscheinen Junons verhindert die Entführung. Sie verwandelt Argus in einen Pfau und ruft die Furie Erinnis herbei, um Io zu peinigen.
Vierter Akt. Die Furie bringt Io erst in die eisigste Gegend Skythiens und dann in die Gluthitze der Stahlschmieden der Chalybes. Da Io die Qualen nicht mehr ertragen kann, versucht sie, sich durch einen Sprung ins Meer in den Tod zu retten. Sie gelangt in die Höhle der Parzen und fleht diese um Erlösung an. Die Parzen können jedoch nicht gegen den Wunsch der Göttin Junon handeln. Sie verkünden, dass Io erst dann sterben dürfe, wenn sie Junon versöhnt habe.
Fünfter Akt. Von der Furie wieder an Land gebracht, ruft Io Jupiter um Beistand an. Der ist jedoch an das Urteil des Schicksals gebunden. Er ruft Junon herbei, bittet sie um Gnade für Io und schwört, seine Gefühle für sie aufzugeben und sich wieder seinen ehelichen Pflichten zuzuwenden. Besänftigt entlässt Junon die Furie, verleiht Io unter dem Namen „Isis“ Unsterblichkeit und ernennt sie zur Schutzgöttin der Ägypter.
Prolog
Der Palast des Ruhms; im Hintergrund das Meer
Der Palast ist an allen Seiten offen, um Nachrichten von allen großen Errungenschaften an Land und allen denkwürdigen Ereignissen auf See zu empfangen. Die in diesem Palast präsidierende Göttin erscheint mit einer Trompete und in Begleitung ihres üblichen Gefolges: den Gerüchten und Meldungen, die in großer Zahl aus verschiedenen Teilen der Welt eintreffen und jeweils wie sie eine Trompete in der Hand halten.
Szene 1. Der Ruhm und sein Gefolge preisen den „triumphierenden Wert des größten der Helden“ (Ludwig XIV.), der von den Göttern auserwählt wurde, um das Glück des französischen Reichs zu sichern.
Szene 2. Zwei Tritonen und einige Meeresgötter stimmen in den Lobgesang ein. Neptune bestätigt, dass der genannte Held auch zu See triumphierte (gemeint sind Siege der französischen Flotte 1676 im Holländischen Krieg, beispielsweise in der Seeschlacht vor Palermo).
Szene 3. Die neun Musen verkünden, dass sie eine große Feier für den Helden planen. Apollon erscheint zusammen mit den freien Künsten und erklärt, dass jetzt nicht mehr vom Krieg, sondern nur noch von Vergnügungen gesprochen werden soll. Alle eilen, um an dem Spektakel teilzunehmen.
Erster Akt
Liebliche Wiese, durch die sich der Fluss Inachus windet
Szene 1. Hiérax denkt darüber nach, seine Verlobung mit der Nymphe Io, der Tochter des Flussgottes Inachus, zu lösen. Er glaubt, sie liebe ihn nicht wirklich und habe bereits einen anderen Geliebten.
Szene 2. Sein Freund Pirante versucht, ihn von seinen trüben Gedanken abzulenken. Er solle lieber die schöne Natur genießen. Für Hiérax hat sich jedoch seit Ios Betrug alles verändert. Die einst so schöne Gegend macht ihm keine Freude mehr. Auch Pirantes Hinweis, dass Io ihn tausend anderen Verehrern vorziehe und ihr Vater der Verbindung zustimme, bessert seine Laune nicht. Er versteht nicht, warum sie die Hochzeit immer wieder aufschiebt. Pirante rät ihm, mit Io zu sprechen, um die Angelegenheit zu klären.
Szene 3. Io versichert Hiérax, dass sie ihn noch immer liebe. Sie erzählt ihm aber von einem bösen Omen: Ein Adler habe einen Singvogel erbeutet, dessen Gesang sie gelauscht habe. Hiérax hält dies für eine Ausrede. Io hingegen wirft ihm grundlose Eifersucht vor. Beide suchen die Schuld beim jeweils anderen.
Szene 4. Io gesteht ihrer Vertrauten Mycène, dass Hiérax’ Verdacht begründet ist. Jupiter habe ihr durch seinen Boten Mercure seine Liebe erklärt. Seitdem versuche sie, dieser Versuchung zu widerstehen.
Szene 5. Mercure steigt auf einer Wolke herab und verkündet, dass Jupiter noch heute die Erde besuchen werde und gebührend empfangen werden müsse. Echos wiederholen seine Worte (Chor: „Échos, retentissez dans ces lieux pleins d’appas“). Anschließend weist Mercure Io darauf hin, dass Jupiter nur ihretwegen komme und es nicht unehrenhaft sei, wenn sie ihre bisherige Liebe für ihn aufgebe.
Szene 6. Reich geschmückte Gottheiten der Erde, der Gewässer und der unterirdischen Reiche empfangen und ehren den auf die Erde herabsteigenden Jupiter. Der verkündet, dass er zwar mit Donnerschlägen bewaffnet sei, aber der Erde Segen und Frieden bringen wolle.
Zweiter Akt
Dichte Wolken verdüstern die Szene von allen Seiten
Szene 1. Io ist erschrocken über die plötzliche Dunkelheit.
Szene 2. Beim Erscheinen Jupiters erstrahlen die Wolken in den hellsten und schönsten Farben. Er erklärt, dass er die Erde verhüllt habe, um Io und sich selbst vor den eifersüchtigen Augen seiner Frau Junon zu verbergen. Er habe sein Reich verlassen, um Io seine Liebe zu erklären, und hoffe, ihre Gefühle zu wecken. Io weist ihn darauf hin, dass sie bereits anderweitig gebunden sei. Sie will sich zurückziehen.
Szene 3. Mercure warnt Jupiter, dass sich Junons Vertraute Iris bereits auf der Erde befinde und auch diese selbst ihm gefolgt sein könnte. Jupiter bittet ihn, Iris abzulenken, während er sich um Io bemüht. Diese versucht zu fliehen, und Jupiter folgt ihr.
Szene 4. Um Iris aufzuhalten, flirtet Mercure eine Weile mit ihr, bevor sich ihr Gespräch Jupiter und Junon zuwendet. Als letztere selbst in einer Wolke sichtbar wird, bekennen beide, dass sie einander nicht trauen, und Mercure zieht sich zurück.
Szene 5. Obwohl weder Junon noch Iris eine Spur von Jupiter gefunden haben, ist Junon fest überzeugt von seiner Untreue. Sie geht davon aus, dass er die Wolke erschaffen hat, um sich vor ihr zu verstecken, und nimmt die Herausforderung an.
Szene 6. Jupiter erscheint. Er gibt sich überrascht, Junon hier statt in den Gärten der Hébé anzutreffen, wo sie nach einer weiteren Nymphe für ihren Hofstaat suchen wollte. Junon teilt ihm mit, dass sie bereits eine Nymphe erwählt habe und ihn nun um seine Zustimmung bitten wolle. Jupiter ist einverstanden. Als sie nun die Tochter Inachus’ nennt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Einverständnis zu bestätigen.
Die Gärten von Hébé, der Göttin der Jugend
Szene 7. Spiele, Vergnügungen und Junons Nymphen tanzen und singen für die Göttin Hébé, während sie auf die neue Nymphe warten.
Szene 8. Mercure und Iris führen Io herein. Die anderen begrüßen sie freundlich und loben ihre Jugend und Schönheit.
Dritter Akt
Argus’ einsamer Wohnsitz an einem See im Wald
Szene 1. Da Jupiters Vorliebe für Io offensichtlich war, hat Junon sie isoliert und unter die Aufsicht des Riesen Argus gestellt. Er kann sie rund um die Uhr überwachen, da niemals alle seiner vielen Augen gleichzeitig schlafen.
Szene 2. Hiérax will Io befreien. Er wird aber von Argus abgefangen und erfährt nun zu seinem Entsetzen, dass Jupiter selbst sein Rivale ist. Argus rät ihm, sich von seinen negativen Gefühlen zu befreien.
Szene 3. Argus’ und Hiérax’ Proklamation der Freiheit lockt eine Gruppe von als Jägerinnen gekleideten Nymphen herbei. Eine von ihnen repräsentiert Syrinx. Für sie gibt es nichts Wichtigeres als die Freiheit.
Szene 4. Der als Hirte verkleidete Mercure erscheint mit einer Gruppe weiterer Hirten, Satyrn und Silvanen. Er erklärt, dass der Gott Pan zu Ehren seiner einstigen Geliebten Syrinx ein Schauspiel veranstalten wolle, und bittet Argus um sein Einverständnis. Argus gibt dieses gerne. Er ahnt nicht, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt, das Mercure im Auftrag Jupiters ausführt.
Szene 5. Syrinx und die Nymphen beginnen die Darbietung mit einem weiteren Lobpreis auf die Freiheit.
Szene 6. Die Hirten und Silvanen umwerben Syrinx mit Musik, Tanz und Geschenken. Ein als Pan verkleideter Silvan erklärt Syrinx seine Liebe, wird von ihr aber abgewiesen (Pan: „Ah! Quel dommage“). Die Silvanen, Satyrn und Hirten wollen weiterhin der Liebe dienen, während die Nymphen ihren Verzicht darauf beschwören. Syrinx und ihre Begleiterinnen beschließen, auf die zu Jagd gehen. Pan folgt ihnen, und die Satyrn und Silvanen umringen Syrinx. Diese ruft Götter, Najaden und Wassernymphen um Hilfe an und stürzt sich in den See. Dort wird sie vor Pans Augen in Schilfrohr verwandelt, das durch den Wind klagende Geräusche macht (Pan: „Hélas, hélas! quel bruit“). Pan gibt seinen Begleitern von dem Schilfrohr, und sie spielen Klagelieder auf diesen Panflöten. Argus beginnt zu dösen, und Mercure versetzt ihn mit seinem Zauberstab vollends in Schlaf. Das Schauspiel hat somit seinen Zweck erfüllt.
Szene 7. Mercure befreit Io aus Argus’ Hütte und will mit ihr fliehen. Er wird jedoch von dem eifersüchtigen Hiérax aufgehalten, der sich nicht vor der Rache Jupiters fürchtet, sondern einen tödlichen Donnerschlag sogar seinem jetzigen Liebesschmerz vorziehen würde. Er weckt Argus auf, und beide rufen nach Junon. Daraufhin tötet Mercure Argus mit seinem Stab und verwandelt Hiérax in einen Raubvogel, der davonfliegt. Die Silvanen, Satyrn und Hirten fliehen vor der sich nahenden Göttin.
Szene 8. Junon erscheint auf ihrem Wagen. Sie verwandelt Argus in einen Pfau, der vor dem Wagen ein Rad schlägt, auf dem seine vielen Augen zu sehen sind. Dann beschwört sie die Furie Erinnis, die Io verfolgt und schließlich fortträgt. Junon kehrt in den Himmel zurück.
Vierter Akt
Die eisigste Gegend Skythiens
Szene 1. Die Bewohner der Eisregionen („Trembleurs“) klagen zitternd über die Kälte (Chor: „L’hiver qui nous tourmente“).
Szene 2. Die Furie bringt Io herbei und macht sich über ihre Qualen lustig. Das Volk zeigt Mitgefühl für sie. Die Furie trägt Io fort, um sie in anderen Klimazonen weiter zu peinigen.
Die Schmieden der für ihren Stahl berühmten Chalybes; im Hintergrund das Meer
Szene 3. Unter Aufsicht zweier Vorarbeiter arbeiten acht Chalybes unermüdlich am glühenden Feuer, um Stahl zu schmieden (Chalybes: „Tôt, tôt, tôt“).