Eberhard Rudolf Hilscher (* 9. Oktober 1921 in Leer; † 31. März 2017 in Neuhausen/Erzgeb.) war ein deutscher Bildhauer, der überwiegend in Sachsen-Anhalt tätig war.
Leben und Werk mini|hochkant|Akrobatengruppe von Rudolf Hilscher und Martin Hadelich, Dessau (1972 aufgestellt) mini|Vater und Sohn, Halle-Neustadt Hilscher absolvierte von 1937 bis 1940 in Zeitz eine Lehre als Steinmetz. Von 1940 bis 1945 nahm er als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete er in seinem Beruf als Steinmetz in Zeitz. In dieser Zeit begann er, sich auch künstlerisch zu betätigen und beteiligte sich am ersten Zirkel für bildnerisches Volksschaffen. Als Laie schuf er neben ersten Plastiken auch ein Monument gegen den Krieg, das seinen Standort vor dem Eingang zum Chemiewerk Lützkendorf fand (Stand 1972).Müller, S. 224.
Vorkenntnisse und Talent qualifizierten Hilscher für eine staatliche Förderung. So studierte er von 1948 bis 1951 an der Halleschen Kunstschule, der heutigen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Gustav Weidanz. Nach dem Studium war er in Berlin als Mitarbeiter des Architekten Richard Paulick am Wiederaufbau der Staatsoper Unter den Linden Berlin beteiligt.Müller, S. 225. Ab 1952 arbeitete er freischaffend in Köthen;, Stadt Halle (Saale), abgerufen am 16. Dezember 2021. dort befand sich sein Atelier mit breiten Fensterfronten an der Fußgängerpromenade im Zentrum der Stadt gegenüber einem kleinen Park.
Hilscher schuf zahlreiche Skulpturen und Plastiken. Themen waren Tiere, Akrobaten, Kinder, sozialistischer Arbeitsalltag (z. B. Studentin im Landeinsatz), aber auch Kriegs-/Friedenssymbolik. So übernahm er beispielsweise 1975 die künstlerische Gestaltung der VVN-Gedenkstätte mit Ehrenhain in Dittersbach und schuf die Plastik Taubenflug mit den Tauben als Friedensymbolen. Aufgrund von Auftragsarbeiten entstanden auch ein Leninporträt in Bronze, eine Mozartbüste mit Händen für das Theater in Köthen, die Bronzegruppe Basketballspieler für das Sportzentrum Halle-Neustadt sowie Ausbauten in Keramik und Betonguss für Kirchen in Hasselfelde und Colbitz.
Als Aufhebung von Rollenklischees verstand Hilscher seine Plastik Vater und Sohn. Er erklärte hierzu:
1972/73 wurde seine Bronzestatuette Braumeister in der VII. Kunstausstellung der DDR im Dresdner Albertinum gezeigt und anschließend als Leihgabe in Ungarn ausgestellt.
Mehrere seiner Werke fertigte Hilscher für den öffentlichen Raum; einige stehen in Halle-Neustadt, weitere in anderen sachsen-anhaltischen Städten sowie in Gera und Berlin. Zu seinen größeren Arbeiten zählen die Akrobatengruppe, eine zusammen mit Martin Hadelich geschaffene Steinguss-Menschenpyramide, die (1971 angefertigt) im Herbst 1972 in Dessau vor dem Museum Aufstellung fand und das anlässlich des 25. Jahrestages der DDR konzipierte Fahnenmonument, ebenfalls in Dessau. Das über 13 Meter hohe stählerne Monument wurde im „Mach-mit“-Wettbewerb von Werktätigen errichtet.
Von 1952 bis 1990 war Hilscher Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR. Er war außerdem Mitglied des Kulturbeirats der Stadt Köthen.
Rudolf Hilscher starb am 31. März 2017 im Alter von 95 Jahren in Neuhausen.
Auszeichnungen 1976: Kunstpreis der Stadt Halle
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Völkerfreundschaft und Friedenswillen (1959) mini|Turnende Kinder, Halle-Neustadt mini|Von Hilscher gestaltetes Mahnmal an der Gedenkstätte in Dittersbach
Werke im öffentlichen Raum Aufbauhelfer, Reliefstele, 1975, Halle-Neustadt Drei Ballspieler (auch Basketballspieler), Bronze, 1970, Halle-Neustadt (die gleiche Plastik ist in Gera und Berlin aufgestellt) Sportliche Übung, Bronze, Entwurf 1962, in Halle-Neustadt aufgestellt 1983 Völkerfreundschaft und Friedenswillen (1959 aufgestellt), KöthenSiehe den Beitrag in der Zeitung Freiheit vom 15. Juli 1959. Taubenbrunnen (1960, aufgestellt 1970), Halle-Neustadt Turnender Vater mit Sohn, Porphyr-Plastik, Aschersleben (1963) Turnende Kinder, Halle-Neustadt
Pelikan mit Schalen (1965, Bronze bzw. Kupfer; Brunnenanlage mit Plastik; Gesamthöhe 2,00 m; Köthen-Süd, Friedrich-Ebert-Straße, damalige Oberschule, Innenhof)Erika Neumann (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 2 Halle/Leipzig. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1969, S. 106 Erstes Rendezvous, Bronze, Weißenfels, 1969Müller, S. 226.
Akrobatengruppe, Dessau-Roßlau, 1971 Die Sitzende auf der Hürde, Merseburg, 1981 Turnende Kinder, Dessau-Roßlau, 1983 (Signatur und Inschrift im Sockel) Vater und Sohn, 1964, Betonguss, Halle-Neustadt
Weitere Werke Studentin im Landeinsatz (Statuette, Bronze) Porträt eines Traktoristen (Porträt-Büste, Gips, getönt, 1958; ausgestellt auf der Vierten Deutschen Kunstausstellung) Braumeister (Statuette, Bronze, 1969; ausgestellt auf der VII. Kunstausstellung der DDR) (Foto von Gerhard Döring)
Ausstellungen (Auswahl) 1957: Staatliche Galerie Moritzburg, Halle 1958/59, 1962/63 und 1972/73: Dresden, Vierte und Fünfte Deutsche Kunstausstellung und VII. Kunstausstellung der DDR 1961: Berlin, Akademie der Künste („Junge Künstler in der DAK“) 1969 und 1979: Halle/Saale, Bezirkskunstausstellungen 1973: Dessau, Schloss Mosigkau („10. Sommerausstellung. Bildhauer des Bezirks Halle“) 1983: Leipzig, Messehaus am Markt („Kunst und Sport“)
Literatur
Hilscher, (Eberhard) Rudolf. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, S. 362.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (DDR) Kategorie:Künstler des Sozialistischen Realismus Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 2017 Kategorie:Mann