Der Passfälscher (internationaler englischsprachiger Titel The Forger) ist ein Filmdrama von Maggie Peren, das im Februar 2022 im Rahmen der Filmfestspiele in Berlin seine Premiere feierte und im Oktober 2022 in die deutschen Kinos kam. Es handelt sich um eine Filmbiografie über Cioma Schönhaus, der den Zweiten Weltkrieg überlebte, indem er unter anderem Pässe fälschte.
Handlung In Berlin im Jahr 1942. Seit seine Eltern in den Osten deportiert wurden, lebt Cioma Schönhaus alleine in der geräumigen Wohnung, bis zu dem Tag, an dem er seinen Freund Det bei sich aufnimmt. Der junge Schneider kommt gut bei den Frauen an, und dank seines Charmes und seines guten Kontakts zu Marktfrauen kann er Cioma und sich Vieles ermöglichen, das man nicht für Geld bekommt. Cioma ist Jude, lässt sich aber weder von den Nationalsozialisten einschüchtern noch die Lebensfreude nehmen. Daher mischen sich er und Det regelmäßig unter die Menschen, da ihm die Öffentlichkeit als ein gutes Versteck erscheint. Mit der Identität von Marineoffizieren, die sie für sich selbst geschaffen haben, werfen sie sich mit erfundenen Namen und Geschichten aus dem Krieg in das Nachtleben der Stadt. An diesem Abend lernt Cioma Gerda kennen, die beiden werden ein Paar.
Cioma besuchte vor dem Krieg eine Grafikschule und arbeitet nun in einem Rüstungsbetrieb, weswegen er vom Dienst an der Front befreit ist. Eines Tages wird er von Anwalt Kaufmann beauftragt, Ausweispapiere für Menschen zu fälschen, die aus Deutschland flüchten wollen. Der gläubige Mann tut dies aus christlicher Nächstenliebe und bittet Cioma, immer eine Krawatte bei sich zu tragen, um sich damit aufhängen zu können, sollte die Gestapo bei ihm auftauchen. Kaufmann sammelt Originalpapiere in den Opferstöcken der Kirche seiner Gemeinde, solidarische Christen werfen sie dort ein. Für seine Arbeit erhält Cioma Lebensmittelkarten und macht sich mit Freude ans Werk. Tagsüber fälscht er nun Ausweise mit nur einem Pinsel, etwas Tinte und seiner ruhigen Hand und rettet vielen hierdurch das Leben.
Eines Tages versiegelt Kriminalbeamter Heiner die leerstehenden Zimmer seiner Eltern, um zu verhindern, dass die Möbelstücke, die nun Staatseigentum sind, verschwinden. Als er weg ist, entfernt Cioma das Siegel und bereitet für den Fall einer Kontrolle ein gefälschtes vor. Det lädt Marktfrauen ein, sich in der Wohnung nach Sachen umzuschauen, die sie von den beiden kaufen möchten. Die Verkaufsveranstaltung wird von Frau Peters gestört, der Witwe des ehemaligen Blockwarts aus dem Erdgeschoss, die genau weiß, was in allen Wohnungen im Haus geschieht. Sie macht Cioma den Vorschlag, die Sachen für ihn zu veräußern. Wenn dies abgeschlossen sei, müssten die beiden jungen Männer die Wohnung verlassen. Cioma kann dieses Angebot nicht ablehnen.
Auch wenn alle ihm sagen, er solle vorsichtig sein und die Öffentlichkeit meiden, fährt Cioma meist mit dem Bus, was Juden verboten ist. Nachdem Cioma und Kaufmann länger nicht mehr zusammengearbeitet haben, Cioma seine Arbeit in der Rüstungsfabrik wegen mehrmaligen Zuspätkommens verloren hat und nun keine Lebensmittelmarken mehr erhält, widmet er sich fortan ganz dem Fälschen von Pässen. In einem leer stehenden Lebensmittelladen richten sie eine Druckerei ein. Dort fälscht Cioma tagsüber gemeinsam mit dem 20 Jahre älteren Ludwig Lichtwitz Ausweise. Mit dem Geld, das Frau Peters für die Möbel seiner Eltern bekommen hat, leisten sich Det und Cioma eine kleine Wohnung. Cioma nennt sich nun Peter Schönhausen und spielt vor den neuen Nachbarn einen Mitarbeiter der Regierung, der an einem geheimen Projekt arbeitet. Seine Unverfrorenheit rettet ihn wiederholt aus brenzligen Situationen.
Doch seine Fälschungen und sein unerschrockenes Auftreten in der Öffentlichkeit bringen ihn auch immer wieder in Gefahr. Inzwischen ist den Behörden bekannt, dass er bereits über 300 Pässe angefertigt hat. Nachdem Det in einem Luxuslokal vor seinen Augen enttarnt und verhaftet worden ist, will Cioma einen Wehrmachtsausweis für sich fälschen, braucht dafür aber eine echte Vorlage und überredet Frau Peters, ihm eine zu besorgen. Als er in seiner alten Wohnung bei der Arbeit ist, sucht dort ein Beamter nach ihm. Ein Bombenalarm verhindert Ciomas Entdeckung.Letzte Klappe für Perens „Der Passfälscher“. In: x-verleih.de, 3. März 2021.Der Passfälscher. In: berlinale.de. Abgerufen am 3. Februar 2022.
Biografisches mini|hochkant=0.8|Cioma Schönhaus im Jahr seiner Flucht in die Schweiz Samson „Cioma“ Schönhaus wurde am 28. September 1922 in Berlin geboren. Ein paar Jahre zuvor waren seine Eltern Fanja und Boris Schönhaus aus Minsk eingewandert, um sich in Deutschland ein besseres Leben aufzubauen. Er wuchs im heutigen Berlin-Mitte auf. Ab 1926 lebte er mit seiner Familie für ein Jahr in einem Kibbuz in Haifa, im damaligen Palästina. Zurück in Berlin gründete sein Vater eine Mineralwasserfabrik, betrieb ab 1928 ein Geschäft in der Sophienstraße, und die Familie zählte sich einige Jahre lang zum soliden Mittelstand.Beate Kosmala: In: museumsportal-berlin.de. Abgerufen am 20. Oktober 2022. Im Juni 1942 wurden seine Eltern deportiert und ermordet. Cioma Schönhaus selbst wurde wegen seiner Tätigkeit in der Rüstungsindustrie von der Deportation zurückgestellt.Samson Cioma Schönhaus. In: gdw-berlin.de. Abgerufen am 3. Februar 2022.
Mit seiner Ausbildung als Graphiker an der privaten Hausdorfer Kunstgewerbeschule einige Jahre zuvor und seinem zeichnerischen Geschick gelang es ihm, Ausweise täuschend echt zu fälschen. Diese Dokumente ermöglichten es anderen Verfolgten, im Untergrund zu überleben. Er richtete sich in einem von Mittelsleuten gemieteten Laden in Berlin-Moabit, den er sich mit dem ebenfalls „illegal“ lebenden jüdischen Drucker Ludwig Lichtwitz und dem im Untergrund tätigen jüdischen Elektriker Werner Scharff teilte, seine Werkstatt ein. Ende September 1943 musste Schönhaus selbst mit einem gefälschten Wehrpass und einem fingierten Urlaubsschein aus Berlin fliehen. Bei Öhningen (Baden) gelang ihm einen Monat später die Flucht in die Schweiz, die sein Zuhause blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2015.Doris Kuhn: „Der Passfälscher“ im Kino: Unter Nazis. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2022. Auch Ludwig Lichtwitz überlebte den Krieg, wie man im Abspann des Films erfährt.
Produktion Filmstab Besetzung und Dreharbeiten
Regie führte Maggie Peren, die auch das Drehbuch schrieb, nach der Vorlage der Biografie des echten Cioma Schönhaus, der sich während des Zweiten Weltkriegs unter anderem durch Passfälschung vor dem Zugriff der Gestapo retten konnte, worauf sich der Titel des Films bezieht. Sie hatte mehr als acht Jahre an dem Projekt gearbeitet. Bevor Schönhaus 2015 mit 92 Jahren starb, hatte er Interviews gegeben, die in den Dokumentarfilm Die Unsichtbaren – Wir wollen leben einflossen. Auch Peren konnte vor dessen Tod noch mit ihm sprechen.Christian Schröder: NS-Kinodrama „Der Passfälscher“: Übermut und Lebenshunger. In: Der Tagesspiegel, 12. Oktober 2022.
Louis Hofmann spielt in der Hauptrolle Cioma Schönhaus, Jonathan Berlin seinen Freund Det und Luna Wedler seine Freundin Gerda. Nina Gummich spielt Frau Peters, die Witwe des ehemaligen Blockwarts des Hauses, in dem die Familie Schönhaus lebte. Yotam Ishay ist in der Rolle von Ludwig Lichtwitz zu sehen, der gemeinsam mit Cioma Dokumente fälscht. Marc Limpach stellt Herrn Kaufmann dar, der solche Fälschungen für seine Klienten in Auftrag gibt.
Die Dreharbeiten fanden von 18. Januar bis 2. März 2021 in Deutschland und Luxemburg statt. Als Kameramann fungierte Christian Stangassinger. Er studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in seiner Heimatstadt München. Im Jahr 2012 wurde er für seine Arbeit an dem Kurzfilm Silent River mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet.Christian Stangassinger. In: deutscher-kamerapreis.de. Abgerufen am 3. Februar 2022.
Filmmusik und Veröffentlichung Die Filmmusik komponierte Mario Grigorov, der in der Vergangenheit mit den Regisseuren Josef Rusnak und Lee Daniels zusammenarbeitete.Mario Grigorov Scoring Maggie Peren’s 'The Forger' ('Der Passfälscher'). In: filmmusicreporter.com, 5. Februar 2022. Das Soundtrack-Album mit insgesamt 14 Musikstücken wurde am 13. Oktober 2022 von MovieScore Media als Download veröffentlicht.'The Forger' Soundtrack Album Details. In: filmmusicreporter.com, 11. Oktober 2022.
Erste Vorstellungen des Films erfolgten ab dem 13. Februar 2022 bei den Filmfestspielen in Berlin.Erste Filme für das Berlinale Special bestätigt. In: berlinale.de, 15. Dezember 2021. Im März 2022 wurde er beim Luxembourg City Film Festival gezeigt. In: luxfilmfest.lu. Abgerufen am 26. Februar 2022. Von Ende Mai bis Mitte Juni 2022 wurde er beim German Film Festival in Melbourne gezeigt.The Forger. In: germanfilmfestival.com. Abgerufen am 6. Mai 2022. Ebenfalls im Juni 2022 wurde er beim Filmfest Emden-Norderney vorgestelltDer Passfälscher. In: filmfest-emden.de. Abgerufen am 21. Mai 2022. und nochmals im Rahmen von Berlinale Goes Open Air gezeigt.Jochen Müller: Programm von „Berlinale Goes Open Air“ steht. In: Blickpunkt:Film, 1. Juni 2022. Anfang Juli 2022 wurde er beim Filmfestival im kroatischen Vukovar gezeigt.Krivotvoritelj / Der Passfalscher / The Forger. In: vukovarfilmfestival.com. Abgerufen am 20. September 2022. (Kroatisch) Im September 2022 sind Vorstellungen bei der Filmkunstmesse Leipzig geplant. In: filmkunstmesse.de, 11. August 2022.Filmliste der Filmkunstmesse Leipzig 2022. In: mcusercontent.com. Abgerufen am 12. August 2022. (PDF; 67 KB). Anfang Oktober 2022 wird er beim Vancouver International Film Festival gezeigt. In: deed.news, 14. September 2022. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 13. Oktober 2022 und in Österreich am darauffolgenden Tag.Der Passfälscher – Kritik und Trailer zum Film. In: vienna.at, 12. Oktober 2022. Am 24. November 2022 kam der Film in die Kinos in der Deutschschweiz.Der Passfälscher. In: outnow.ch. Abgerufen am 1. Dezember 2022. Der Passfälscher wurde im Jahr 2023 zudem im Rahmen der SchulKinoWochen in Bayern vorgestellt.SchulKinoWoche Bayern. In: bayern.de. Abgerufen am 2. Dezember 2023. (PDF; 4,3 MB) Kino Lorber will den Film auch in die US-Kinos bringen.Jochen Müller: US-Verleih für Maggie Perens „Der Passfälscher“. In: Blickpunkt:Film, 6. Mai 2022.
Rezeption Kritiken
Doris Kuhn erklärt in ihrer Kritik in der Süddeutschen Zeitung, im Film gehe es darum zu zeigen, wie weit einen Mimikry bringt und wie viel man mit Chuzpe erreichen kann. Maggie Perens Film halte sich über weite Strecken ans Abenteuerliche und erzähle von zwei Jungs, die sich der Lebensgefahr nicht unterordnen wollen. Die Außenwelt, von der man gar nicht so viel sieht, liefere dagegen eine Atmosphäre, die der Lässigkeit von Cioma und Det diametral gegenübersteht. Mit ihr mache Peren die überall vorhandene Bedrohung spürbar, die Denunzianten, die Nazis, die den beiden stetig näher rücken. Letztlich, als Peren den Film zum Kern der Geschichte führt und Cioma Schönhaus in jenem Berliner Winter genug Pässe herstellt, um zahlreichen jüdischen Mitmenschen das Leben zu retten, wandele sich der Wagemut, der dem Film anfangs seine Leichtigkeit gibt, und verleihe ihm Gewicht.
Gaby Sikorski schreibt in ihrer Funktion als Filmkorrespondentin der Gilde deutscher Filmkunsttheater, dankenswerterweise verzichte Regisseurin Peren auf jede Form der Gewaltdarstellung, und teilweise erinnere der Film an ein Kammerspiel, wobei begleitet von leichten Klezmerklängen und Bildern in sanften Farben eine leicht klaustrophobische Stimmung erzeugt werde. Auch wenn der Krieg im Hintergrund bleibe, sei er ebenso wie die Verfolgung und Verschleppung der Juden allgegenwärtig, ohne dies ständig zu thematisieren.Gaby Sikorski: Der Passfälscher. In: programmkino.de. Abgerufen am 20. September 2022.