mini|hochkant=1.5|Die Lage des Grabenwerkes Albersdorf-Dieksknöll LA 68. In einigen hundert Metern Entfernung sind zahlreiche Grabmonumente vorhanden und vom Grabenwerk über die Gieselau gut zu erreichen.

Das Grabenwerk Albersdorf-Dieksknöll LA 68 ist eine Anlage des vierten Jahrtausends v. Chr. Es stellt eines der drei bis vier bekannten Grabenwerke in Schleswig-Holstein und der 47 bekannten Anlagen der Trichterbecherkultur dar.Klatt 2009 S. Klatt, Die neolithischen Einhegungen im westlichen Ostseeraum: Forschungsstand und Forschungsperspektiven. In: Terberger 2009: T. Terberger (Hrsg.), Neue Forschungen zum Neolithikum im Ostseeraum, Archäologie und Geschichte im Ostseeraum 5 (2009) 7–134. Es bildet einen Bestandteil der Megalithregion Albersdorf, zu der auch das Megalithgrab LA 5 (Brutkamp) oder LA 56 gehören.Kelm 2018: R. Kelm, Großsteingräber, Riesenbetten und Schalensteine: Spuren der Steinzeit auf der Dithmarscher Geest. Archäologisch-Ökologisches Zentrum Albersdorf.

Das Grabenwerk Albersdorf-Dieksknöll wurde 1992–1994 von Volker Arnold und im Jahre 2010 vom DFG-Schwerpunktprogramm 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung“ untersucht. Dabei konnten viele Nutzungsphasen differenziert werden. Ein besonderes Ergebnis ist die lange Nutzungsdauer. Die meisten Grabenwerke im nördlichen Mitteleuropa wurden während des Mittelneolithikums (Spätneolithikum in mitteldeutscher Terminologie) aufgegeben. Albersdorf-Dieksknöll LA 68 hingegen wurde noch während des Jungneolithikums (Endneolithikum) genutzt.

Allgemeines Verschiedene Arten von Grabenwerken wurden in der Urgeschichte Europas errichtet. Im Unterschied zu in mitteldeutscher Terminologie früh- und mittelneolithischen sowie endneolithisch und bronzezeitlichen Grabenwerken, sind die Grabenwerke des Jung- und Spätneolithikums (Früh- und Mittelneolithikum in Nordischer Terminologie) nicht rund, von sehr unterschiedlicher Größe und besitzen mehrere Durchlässe. Diese Art der Grabenwerke sind in Kontexten der Michelsberger Kultur, dem Chaséen, der Baalberger Kultur sowie der Trichterbecherkultur zu beobachten. Die ältesten Befunde stammen aus Frankreich (um 4400 v. Chr.). Sukzessive scheint sich die Idee gen Osten verbreitet zu haben. Im heutigen Westdeutschland kommt sie um 4000 v. Chr. an, in Mitteldeutschland vor 3800 v. Chr. Auf dem Weg nach Südskandinavien stellt Albersdorf-Dieksknöll eine Wegmarke dar.Kelm 2018: R. Kelm, Großsteingräber, Riesenbetten und Schalensteine: Spuren der Steinzeit auf der Dithmarscher Geest. Archäologisch-Ökologisches Zentrum Albersdorf.Müller 2017: J. Müller, Großsteingräber, Grabenwerke, Langhügel: Frühe Monumentalbauten Mitteleuropas. Sonderheft Archäologie in Deutschland (WBG Darmstadt 2017). Dieses Grabenwerk wurde ca. 3800/3700 v. Chr. errichtet. In Jütland sind Grabenwerke ab 3600 v. Chr. belegt, auf den Dänischen Inseln ab 3400 v. Chr. Hier und in Schonen wurde sie bis ins beginnende dritte Jahrtausend errichtet, wobei architektonische Unterschiede zu beobachten sind – letztere sind wieder von eher runder Gestalt und recht klein.Müller 2017: J. Müller, Großsteingräber, Grabenwerke, Langhügel: Frühe Monumentalbauten Mitteleuropas. Sonderheft Archäologie in Deutschland (WBG Darmstadt 2017).

Die Deutungen von Grabenwerken sind sehr unterschiedlich. Die Idee, es handele sich um umzäunte Areale für Viehherden oder um Verteidigungsanlagen, stellen nicht mehr den rezenten Konsens dar. Die Nutzung wird als kollektiv erachtet.Klatt 2009 S. Klatt, Die neolithischen Einhegungen im westlichen Ostseeraum: Forschungsstand und Forschungsperspektiven. In: Terberger 2009: T. Terberger (Hrsg.), Neue Forschungen zum Neolithikum im Ostseeraum, Archäologie und Geschichte im Ostseeraum 5 (2009) 7–134. Die Gräben wurden wiederholt ausgehoben und zugeschüttet (oder natürlich aufgefüllt). Die wiederholte Nutzung liegt oft einige bis viele Jahrzehnte auseinander, was auf eine orale Tradition schließen lässt. Das Ausheben der Gräben bedarf des Einsatzes vieler Menschen. Hieraus ergibt sich, dass Grabenwerke als Orte zyklischer Zusammentreffen angesehen werden und wichtige Orte für die kollektive Erinnerung darstellen. Diese galt es in regelmäßigen Abständen wiederaufzufrischen.Müller 2018: J. Müller, Social memories and site biographies: construction and perception in non-literate societies. In: C.C. Bakels / Q.P.J. Bourgeois / D.R. Fontijn / R. Jansen (Hrsg.), Local communities in the Big Words of prehistoric Northwest Europe. Sidestone Press, (Leiden 2018) 9–17.

Lage mini|338x338px|Der von den beiden Flussläufen eingegrenzte Geländesporn, auf dessen Spitze das Grabenwerk (in schwarz markiert) errichtet wurde.

Die Region Albersdorf liegt in der durch sanfte Hügel geprägten Altmoränenlandschaft Dithmarschens. Die Region ist durch zahlreiche neolithische Monumente geprägt. Hier steht auch das Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen (Archäologisch-Ökologisches Zentrum Albersdorf), wo einige rekonstruierte Megalithgräber zu besuchen sind. Innerhalb der Gemeindegrenze von Albersdorf sind 15 monumentale Grabanlagen der Trichterbecherkultur belegt, wovon elf noch heute sichtbar sind. Hier ist das Gräberfeld Bredenhoop mit seinen acht Megalithgräbern und Langbetten zu nennen. Daneben sind zahlreiche jungneolithische Grabhügel sowie bronzezeitliche Grabhügel belegt (s. Liste).Kelm 2018: R. Kelm, Großsteingräber, Riesenbetten und Schalensteine: Spuren der Steinzeit auf der Dithmarscher Geest. Archäologisch-Ökologisches Zentrum Albersdorf.

Die Flussläufe Fockbek und Gieselau fließen am Fuße eines Geländesporns namens Dieksknöll zusammen und weiter in östliche Richtung. Der Geländesporn zeichnet sich deutlich im Relief ab. Er wird durch die etwa 10 m tieferliegenden Niederungen der Flussläufe begrenzt. Das Grabenwerk nimmt ca. 2,5 ha der südöstlichen Spitze des Geländesporns ein. In etwa einem Kilometer Entfernung zum Geländesporn ist am Nordufer des Flusslaufes die genannte Konzentration Bredenhoop lokalisiert. Die Gieselau fließt heute in den Nord-Ostsee-Kanal, doch früher in die Eider. Das West–Ost verlaufende Flusssystem der Eider bildete in der Urgeschichte ein wichtiges Verkehrssystem. Demnach vernetzte die Gieselau die Mikroregion sowohl intern als auch extern.

Forschungsgeschichte Bekannt wurde das Grabenwerk 1992 durch flugarchäologische Prospektionen Volker Arnolds.Arnold 1992: V. Arnold, Aus der Luft gegriffen: Jungsteinzeitliches Erdwerk auf dem Dieksknöll bei Albersdorf, Kreis Dithmarschen, Arch. Nachr. Schleswig-Holstein 3, 1992, 22–28. Im selben Jahr erfolgten geophysikalische Untersuchungen, die die Befunde der Luftbilder verifizierten und zudem den weiteren Verlauf des Grabens klären konnten (Lorra 1996). Zwischen 1992 und 1994 führte Volker Arnold Oberflächenbegehungen durch und legte vier Schnitte unterschiedlicher Größe (256 m², 150 m², 40 m², 4 m²) an. Ab dem Jahre 2010 führte die Universität Kiel im Zuge der SPP 1400 Untersuchungen durch. Zunächst erfolgte eine weitere geophysikalische Untersuchung (Georadar) in einem kleinen Areal in Norden der Anlage, um Details der Strukturen erkennen zu können. Im selben Jahr wurde eine Grabung durchgeführt.

Im Rahmen des von Johannes Müller geleiteten SPP-Teilprojektes „Monumentale Grabenwerke, nichtmegalithische und megalithische Grabbauten des Früh- und Mittelneolithikums in Schleswig-Holstein: Untersuchungen zu Baugeschichte, Datierung, Funktion und Landschafts­bezug der Kleinregionen Büdelsdorf und Albersdorf“, wurden mehrere Gräber und dieses Grabenwerk von Hauke Dibbern gegraben und umfassend publiziert.

Ausgrabung Bei der Ausgrabung wurde eine Fläche von 550 m² untersucht, die einige der alten Schnitte mit einbezog, Grabensegmente, Durchlasskonstruktion, die Palisade sowie den Innenraum und Außenbereich anschnitt.

Es wurden vier Grabensegmente untersucht. Im etwa 13 m langen und bis 1,8 m unter der Pflugschicht erhaltenen Segment 1 konnten acht Schichten (1 unten, 8 oben) anhand ihrer Zusammensetzung differenziert werden. So sind die einzelnen Schichten durch höhere oder geringere Anteile von Holzkohlepartikeln sowie verschiedenfarbigen, sandigen Substraten versetzt. Alle Schichten ab 2 aufwärts wurden als anthropogene Schichten, d. h. künstliche Schichten angesprochen. Diese sind für die Rekonstruktion der Biographie des Monumentes wichtig.

Die Durchlasskonstruktion erwies sich als 2 m tiefer, steilwandiger Befund zwischen den Grabensegmenten 1 und 2. Hier ließen sich ganze 10 Schichten differenzieren. Die höhere Anzahl an Schichten ergibt sich aus den unteren Bereichen, wo im Gegensatz zu den Grabensegmenten Hinweise für eine Holzkonstruktion gefunden wurden.

In etwa drei Meter Entfernung verläuft parallel zum Graben eine Palisade. Das Georadar hat sie aufgrund ihres höheren Feuchtigkeitsspeicherungsvermögens erfassen können. In der Ausgrabung konnte das Palisadengräbchen teilweise aufgrund einer Holzkohleschicht im oberen Bereich nachgewiesen werden, einzelne Pfosten konnten hingegen nicht dokumentiert werden.

Im Innenbereich konnten keine eindeutigen Nachweise für eine Innengliederung oder oberflächlich sichtbare Strukturen erbracht werden. Eine vermutlich neolithische Grube wurde entdeckt sowie zwei deutliche, aber wesentlich jüngere Gruben (jüngere Bronzezeit bis Eisenzeit).

Architektur und Phasen Das Grabenwerk ist von einer Reihe von Grabensegmenten umgeben. Die einzelnen Grabensegmente sind nicht direkt miteinander verbunden. Die Schichten, die besonders im Segment 1 dokumentiert wurden, zeugen von einer dynamischen Biographie des Grabenwerkes. Die einzelnen Schichten werden als eine Reihe von Einfüllschichten und Wiederausgrabungsereignissen gedeutet. Während der Ausgrabung wurde Sand eingeweht. Da dieser in den jeweils homogen zusammengesetzten Schichten fehlt oder sehr geringer Konzentration vorliegt, ist von schnell durchgeführten Verfüllungsereignissen auszugehen. In Segment 2 sind drei, in Segment 5 sogar fünf Eingrabungs- und Verfüllereignisse feststellbar.

Die Schichtenfüllungen der Segmente und der Durchlasskonstruktion sind einander ähnlich, nur ist ganz unten in der Durchlasskonstruktion eine potenzielle Holzkonstruktion vorhanden. Diese war vermutlich massiv, da die Pfostenspuren (von gezogenen Pfosten) sehr breit und tief waren. Vermutlich war die ehemalige obertägig sichtbare Konstruktion entweder sehr hoch oder sehr schwer.

Aufgrund der Schichtenabfolgen kann eine relative Chronologie erstellt werden und diese wurde mittels der sog. 14C-Methode absolutdatiert. Auf dieser Grundlage wurde ein Phasenmodell erstellt.

In der Phase 1 (3820–3630 v. Chr.) wurden die Grabensegmente sowie die Durchlasskonstruktion zum ersten Mal ausgehoben und nach kurzem Offenstehen wiederverfüllt. Auch die Konstruktion wurde in dieser Phase errichtet. Für das Ende (Subphase 1.2, 3660–3630 v. Chr.) lässt sich ein Feuerereignis durch die Ablagerung von Brandschutt im Segment 2 rekonstruieren.

In der Phase 2 (3630–3520 v. Chr.) wurden die Segmente und die Durchlasskonstruktion erneut ausgehoben und wiederverfüllt. Vermutlich wurde in der Phase 2 auch die parallel zu den Segmenten verlaufende Palisade abgebrannt.

In der Phase 3 (3520–2910 v. Chr.) lassen sich insgesamt acht Ausgrabungs- und Verfüllereignisse erkennen, die eine Unterteilung in drei untergeordnete Phasen zulassen. In der Phase 3.1 (3520–3370 v. Chr.) fand mindestens ein Zyklus von Ausgrabung und Einfüllung in der Durchlasskonstruktion und im Segment 2 statt. In der Phase 3.2 (3370–3100 v. Chr.) lässt sich ein Zyklus in beiden Segmente 1 und 2 sowie im Durchlass erkennen. In der Phase 3.3 (3100–2910 v. Chr.) lässt sich ein weiterer Zyklus in allen drei Strukturen beobachten.