mini|Exponat im Museum der zerbrochenen Beziehungen in Zagreb, Kroatien Unter einer Trennung versteht man die Beendigung einer Liebesbeziehung oder Partnerschaft, insbesondere den Abbruch des bis dahin bestehenden, für romantische Beziehungen grundlegenden emotional und sexuell intimen Umgangs der Partner, unabhängig davon, ob diese bis zum Trennungszeitpunkt einen gemeinsamen Haushalt geführt haben oder verheiratet waren oder keines von der beidem. Ein Beziehungsabbruch erfolgt entweder auf der Grundlage eines einvernehmlichen Willensaktes beider Partner oder – weitaus öfter – durch den Willensakt eines der Partner.

Trennung in diesem Sinne ist von Getrenntleben zu unterscheiden, das bei Verheirateten – in vielen Ländern als rechtliche Voraussetzung einer Ehescheidung – eine faktische Trennung der häuslichen Gemeinschaft bezeichnet.

Unter den Pionieren der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Trennung als sozialem Prozess sind vor allem die amerikanischen Soziologen Willard W. Waller (1930) und William J. Goode (1956) zu nennen. Heute sind Trennungen und die Auflösung von Paarbeziehungen Themen, die von Sozialpsychologen, Soziologen und Kommunikationswissenschaftlern gut untersucht sind, wobei ein Großteil der theoretischen Grundlegung und der empirischen Forschung in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich erfolgt ist. In jüngerer Zeit sind entsprechende Studien aber auch im deutschsprachigen Raum entstanden.

Sozialgeschichtlicher Kontext Mit dem Verlust der Monopolstellung der Ehe haben sich in der Westlichen Welt im Laufe des 20. Jahrhunderts viele alternative Formen von sexueller Gemeinschaft ausgebreitet. Nicht nur ist der – noch in der bürgerlichen Gesellschaft idealisierte – Aufschub der Sexualität auf die Ehe obsolet geworden, sondern feste Beziehungen werden heute auch nicht mehr zwingend als Vorstufe einer (möglichen) Eheschließung gesehen. „Im Vordergrund steht“, wie der Soziologe Karl Lenz es formuliert hat, „nicht die Suche nach einem geeigneten Partner bzw. einer geeigneten Partnerin, sondern es werden Beziehungen gelebt, die einen Eigenwert haben und sich nicht als Partnersuche instrumentalisieren lassen.“ Auch feste Beziehungen werden oft wieder abgebrochen, mit der Folge, dass Trennungen, ebenso wie der Aufbau neuer Beziehungen, zu sich wiederholende Erfahrungen im individuellen Lebenslauf geworden sind. Die „leichte Scheidung“ ist, wie der französische Soziologe Louis Roussel 1980 aufgewiesen hat, geradezu zur Voraussetzung dafür geworden, dass die Ehe in einer von Differenzierung und Pluralisierung geprägten Gesellschaft als Institution überhaupt noch zu bestehen vermag.

Statistik Die Scheidungsrate, also die Zahl der Ehescheidungen pro neu geschlossener Ehe, lag in Deutschland im Jahre 2020 bei 38,5 %, in Österreich bei 37,6 % und in der Schweiz bei 46,1 %. Jedoch wird keineswegs jede Ehe, die in die Brüche geht, geschieden; als Maßzahl für Häufigkeit von Trennungen in einer Gesellschaft ist die Scheidungsrate auch deshalb wenig geeignet, weil unverheiratete Paare nicht berücksichtigt werden. Wie die Soziologin Marina Rupp 1996 in einer Studie gezeigt hat, ist in Deutschland die Trennungsanfälligkeit bei unverheirateten Paaren in den ersten sechs Jahren des Zusammenlebens dreimal so hoch wie bei verheirateten Paaren. Dieser Befund konnte in späteren Studien bestätigt werden, wobei damit noch gar keine Aussage über eine Kausalität gemacht wird, also etwa darüber, ob die Ehe Beziehungen tatsächlich zu stabilisieren vermag oder ob nicht etwa umgekehrt Problempaare dazu neigen, länger oder dauerhaft unverheiratet zu bleiben.

Verlauf Krisen und Konflikte Alle Liebesbeziehungen und Partnerschaften machen im Verlauf sowohl ihrer Aufbau- als auch ihrer Bestandsphase Krisen durch. Diese sind weder Hinweise für eine Verschlechterung der Beziehung, noch sind sie Vorboten einer Trennung, denn die Bewältigung von Krisen kann eine Beziehung im Gegenteil auch stabilisieren. Krisen können in einer Beziehung in Konflikte münden, also in Situationen, in denen die Partner sich aneinander reiben bzw. in offensichtlichen Widerstreit geraten, wobei die Auseinandersetzungen verbal oder mit anderen Mitteln ausgetragen werden können. Da Liebesbeziehungen und Partnerschaften heute „durch maximale Anforderungen an die Wertschätzung der beidseitigen Individualität geprägt“ sind (Lenz), erscheint in solchen Situationen insbesondere die Anwendung von Gewalt als mit den Vorgaben der Liebe absolut unvereinbar. Wie Krisen und Konflikte in Zweierbeziehungen entstehen und verlaufen, ist in der Fachliteratur einschlägig beschrieben worden, etwa bei Lenz.

Ebenso wie Krisen, so sind auch Konflikte nicht an sich schon Hinweise auf eine Verschlechterung der Beziehung; geradezu funktional können sie etwa bei Paaren sein, die über keine anderen Mittel als den Streit verfügen, um auf auflösende Tendenzen in einer Zweierbeziehung aufmerksam zu machen oder um schlimmere Formen der Eskalation zu vermeiden; funktional können sie unter Umständen auch sein, wenn es gelingt, darüber Spannungen zwischen den Partnern aufzulösen oder wenn sie den Partnern vor Augen führen, dass ihre Beziehung über alle Dissonanzen hinweg wichtig ist.

Bei den Formen der Krisenbewältigung unterscheiden Forscher zwischen solchen mit konstruktivem und solchen mit destruktivem Charakter; zu den letzteren wird, neben der Vernachlässigung, vor allem die Trennung gezählt. Durch eine Trennung wird ein Konflikt beendet, ohne ihn zu lösen (sei es als Sieg, Niederlage oder Kompromiss), aber auch, ohne dass er weiter eskaliert.

Trennungsverlauf In der soziologischen und psychologischen Fachliteratur werden Trennungen meist nicht als singuläre Ereignisse beschrieben, sondern vielmehr als Prozesse. Die eigentliche Trennung, das „Schlussmachen“ ist, wie Lenz schreibt, „immer nur eine Episode in einer längergestreckten Trennungsphase. Für die Soziologie der Zweierbeziehung geht es nicht primär um dieses Ereignis, sondern um die Verlaufsstrukturen der Auflösungsphase.“ Der Prozess der Trennung beginnt nicht nur lange vor dem Beziehungsabbruch, sondern geht auch weit darüber hinaus. Nach Vaughan (1988) findet er seinen Abschluss erst, „wenn beide Partner sich als voneinander getrennt und unabhängig definieren und auch von ihrem Umfeld so definiert werden“.

Trennungsverlauf nach Duck (1982) Eine einschlägige Verlaufsbeschreibung des Beziehungszusammenbruchs hat über eine ganze Reihe von Publikationen hinweg der britische Sozialpsychologe Steven W. Duck geliefert. Er trat damit kritisch der bis dahin gängigen Forschungspraxis entgegen, in der Trennungen als bloße Ereignisse begriffen und mit einfachen Erklärungsmodellen (fehlende Kompatibilität, Fehlverhalten der Partner usw.) gedeutet wurden. Obwohl sich in den Auflösungsprozessen charakteristische Muster beschreiben lassen, verlaufen die individuellen Fälle meist chaotisch, unkontrolliert und mit unvorhersehbarem Ausgang, und die Verhaltensweisen, die zur Auflösung führen, sind nicht notwendigerweise bewusst gesteuert.

Duck unterscheidet bei der Auflösung von Zweierbeziehungen vier Phasen: Erste, intra-psychische Phase Der Eintritt in diese Phase wird dadurch markiert, dass der unzufriedene Partner zur Überzeugung gelangt: „Ich kann das nicht mehr aushalten.“ Er beginnt, viel Zeit damit zu verbringen, über seine Unzufriedenheit mit der Beziehung nachzudenken. Im Vordergrund stehen die Beschäftigung mit dem Verhalten des Partners und mit den unliebsamen Aspekten der Beziehung, eine Analyse der Rückzugkosten, eine Abschätzung der günstigen Aspekte einer Beziehung mit einem anderen Partner sowie das Dilemma, ob die Unzufriedenheit dem Partner mitgeteilt werden soll oder nicht. Zweite, dyadische Phase Diese Phase beginnt mit der Entscheidung des trennungswilligen Partners: „Ich ziehe mich mit gutem Recht zurück.“ Hier steht zunächst eine Beschäftigung mit dem Dilemma im Vordergrund, ob eine Konfrontation mit dem Partner gesucht oder im Gegenteil gemieden werden soll. Fällt die Entscheidung zugunsten der Konfrontation, so folgen eine Offenlegung der Unzufriedenheit (explizit verbal [oft durch Sich-Beklagen], durch Veränderung eingespielter Routinen oder durch Gereiztheit) und eventuell auch Beziehungsgespräche mit Verhandlungen. In allen Fällen muss abgewägt werden, ob Reparatur- und Versöhnungsversuche sich lohnen und welche gemeinsamen Kosten Rückzug und reduzierte Intimität mit sich bringen würden. Dritte, soziale Phase Der trennungswillige Partner vertritt darin die Position: „Es ist mir ernst.“ Mit dem zu verlassenden Partner wird nun das Trennungsergebnis ausgehandelt; im sozialen Netzwerk, dessen Effekte erwogen werden müssen, werden Klatschgespräche initiiert, einschließlich Erfindung öffentlicher Gesichtswahrungs- und Schuldzuweisungen. Eventuell werden Beratungsstellen konsultiert. Die vom Paar eingeladene Einmischung Dritter beschleunigt den Zusammenbruch der Beziehung meist. (Dies gilt insbesondere für jüngere Paare; älteren rät das Umfeld eher, zusammenzubleiben.) Vierte Phase, „Grabpflege“ Von hier an agiert der trennungswillige Partner nach dem Motto: „Es ist nun unvermeidbar.“ Geprägt ist diese Phase durch Überwindungsaktivitäten, Rückblicke, nachträgliche Zuschreibungen und die Verbreitung der eigenen Version der Auflösungsgeschichte, in der die eigenen Fehler kleingeredet und die des Partners übertrieben werden.

Zu den Einwänden, die gegen Ducks Modell vorgebracht worden sind, zählt der, dass die Phasen in Wirklichkeit oft nicht so klar voneinander geschieden seien, wie ihr Autor das suggeriert; dennoch gilt dieses Modell derzeit als das beste, das die Forschung hat. Duck selbst hat später eingeräumt, dass bei manchen Trennungen die dyadische Phase vollständig entfällt; der trennungswillige Partner verschwindet dann einfach, ohne sich zu erklären (siehe auch Ghosting).

Trennungsverlauf nach Baxter (1984) mini|Leslie A. Baxters Konzept der Beziehungsauflösung (1984) als Flussdiagramm Die amerikanische Kommunikationswissenschaftlerin Leslie A. Baxter hat Ducks Modell im Anschluss an umfangreiche eigene Trennungsstudien erweitert und dabei insbesondere eine Reihe von Parametern untersucht, durch die Auflösungsprozesse sich voneinander unterscheiden können: Beziehungsprobleme kumulieren sich meist; nur in jedem vierten Fall hat Baxter als erste Stufe einer Trennung einen sogenannten „kritischen Zwischenfall“ beobachtet. In zwei Dritteln der von Baxter untersuchten Fälle war der Wunsch nach einer Trennung einseitig; nur in einem Drittel der Fälle wollten beide Beteiligten eine Trennung. Nur etwa ein Viertel der Befragten, in denen der Wunsch nach einer Trennung gereift war, beschritt bei der Umsetzung einen direkten Weg und sprach mit dem Partner entweder offen über die Beziehungsprobleme oder erklärte die Beziehung für beendet (Fait accompli). Die Mehrzahl schlug einen indirekten Weg ein und zog sich entweder zurück (Reduktion der Intimität und/oder Häufigkeit des Kontakts) oder wählte eine „Pseudo-Deeskalation“ (falsche Deklaration des Wunsches nach einer veränderten, weniger engen Beziehung) oder eine „Kosten-Eskalation“ (Verhaltensweisen, durch die für den anderen Partner die Beziehungskosten erhöht werden, damit dieser die Beziehung von sich aus beendet). Viertens unterschied Baxter Fälle, in denen der mit dem Trennungswunsch konfrontierte Partner die Unausweichlichkeit der Trennung anerkennt oder im Gegenteil Widerstand dagegen leistet, letzteres besonders dadurch, dass dem trennungswilligen Partner Belohnungen versprochen oder Sanktionen bzw. Kosten angedroht werden. Eine Anerkennung des Trennungswunsches dagegen war umso wahrscheinlicher, je offener dieser Wunsch vorgebracht worden war.