mini|hochkant|Yusuf und Zulaichā, Miniatur von Behzād, 1488, in Herat, Afghanistan Yūsuf und Zulaichā ist ein populärer islamischer Erzählstoff, der an die biblische Erzählung von Josef und der Frau des Potiphar aus dem Buch Genesis () anknüpft und auf der koranischen Erzählung über Yūsuf in der zwölften Sure fußt. Zahlreiche Autoren und Künstler haben im Laufe der Geschichte diesen Erzählstoff aufgegriffen und weiter ausgestaltet. Es existieren Gedichte, Erwähnungen, Ausgaben und Interpretationen auf Arabisch, Persisch, Türkisch, Panjabi und Urdu.Hanife Koncu: "YÛSUF ve ZÜLEYHÂ", TDV İslâm Ansiklopedisi, 2013, hier online einsehbar.Shackle: Between Scripture and Romance: the Yusuf-Zulaikha Story in Panjabi. 1995, S. 156, 161–162. Anders als in den biblischen und koranischen Versionen der Erzählung trägt hierbei der weibliche Part des Liebespaares einen Namen, nämlich Zulaichā.

Grundlagen: Die biblische Erzählung und jüdische Überlieferungen Siehe: Josefsgeschichte Schon in der Tora wird die Geschichte von Yūsuf behandelt. Die Josefsgeschichte, die in der hebräischen Bibel bzw. im Alten Testament im Buch Genesis () zu finden ist, befasst sich mit der gesamten Lebensgeschichte Josefs (der hebräische Name Yūsufs). Die 12. Sure im Koran erweist sich als teils thematisch erweiterte Zusammenfassung der biblischen Josefsgeschichte.Genesis (), Onlineversion hebräisch mit englischer Übersetzung.

Die Geschichte von Josef und der Frau des Potifar befindet sich in Genesis (). Wie im Koran befasst sich dieses Kapitel mit den Vorfällen zwischen Josef und der Frau des Beamten Potifar. Die Frau versucht mehrfach Josef zu verführen, durch Josefs festen Glauben kann dieser aber standhaft bleiben. Bei einem weiteren Verführungsversuch reißt Potifars Frau Josefs Gewand ab. Josef flieht und lässt sein Gewand zurück. Dies nutzt Potifars Frau als Beweis, um ihren Ehemann zu überzeugen, dass Josef sie verführen wollte. Potifar lässt daraufhin Josef ins Gefängnis werfen.Rad: Das erste Buch Mose. Genesis. 1976, S. 296–297.Genesis (), Onlineversion hebräisch mit englischer Übersetzung.

Zum gesungenen Vortrag im jüdischen Gottesdienst wurden in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten Betonungs- und Kantillationszeichen hinzugefügt, die sogenannten Teamim. Zu den seltensten dieser Zeichen gehört Schalschelet (wörtlich: Kette), das in der gesamten Torah nur insgesamt viermal auftaucht, darunter auch in der Josefsgeschichte. Die hebräische Entsprechung für „Er weigerte sich“ in trägt eine solche Schalschelet, die nach einigen rabbinischen Quellen und mittelalterlichen Kommentaren Josefs Zögern im Moment der Verführung zum Ausdruck bringt.Jonathan Sacks: On Not Trying To Be What You Are Not

Koran Die Geschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā befindet sich in der zwölften Sure des Korans, welche den Titel Yūsuf trägt. Die Sure konzentriert sich auf die Lebensgeschichte Yūsufs, beginnend mit seiner Kindheit, der Eifersucht seiner Brüder, seiner Sklaverei und der Begegnung mit der Frau eines reichen Mannes (Zulaichā), Inhaftierung, der Aufstieg zur Macht in Ägypten und die spätere Versöhnung mit seiner Familie.Koran, Sure 12:1-111

Die Geschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā wird in Sure 12:21-35 behandelt und beginnt mit dem Verkauf des jungen Yūsufs an einen Mann aus Ägypten,Koran, Sure 12:21, auf corpuscoranicum.de welcher später hochmögender Herr genannt wird ().Koran, Sure 12:30 Yūsuf wächst zu einem wunderschönen Mann heranKoran, Sure 12:22, sodass sich die Frau des hochmögenden Herren in ihn verliebt. Getrieben von ihrem Verlangen, sperrt sie ihn in einen Raum, um ihn zu verführen.Koran, Sure 12:23 Yūsuf kann ihr widerstehenKoran, Sure 12:24 und rennt zur Tür um ihr zu entkommen. Um ihn aufzuhalten, greift sie nach ihm und zerfetzt dabei den Rücken seines Gewandes.Koran, Sure 12:25 An der Tür erwartet sie der hochmögende Herr. Als die Frau fälschlicherweise Yūsuf der Verführung beschuldigt,Koran, Sure 12:25 meldet sich ein Zeuge: „Wenn sein Hemd vorne zerrissen ist, sagt sie die Wahrheit, und er ist einer von denen, die lügen.“Koran, Sure 12:26 Daraufhin: „Wenn es aber hinten zerrissen ist, dann lügt sie, und er ist einer von denen, die die Wahrheit sagen.“Koran, Sure 12:27

Nachdem der Ehemann sieht, dass das Gewand am Rücken zerrissen ist, befiehlt er seiner Frau Gott um Vergebung zu bitten für die Sünde, die sie begangen hatte.Koran, Sure 12:28 und Sure 12:29 Die Frau hört, wie andere Frauen in der Stadt ihr Verhalten verachten.Koran, Sure 12:30 Verärgert darüber, lädt sie die Frauen zu sich ein, gibt ihnen ein Obstmesser in die Hand und lässt nach Yūsuf rufen.Koran, Sure 12:31 Geblendet von seiner Schönheit, schneiden sich die Frauen selbst in die Hand: „Gott bewahre! Das ist kein Mensch. Das ist nichts als ein edler Engel.“Koran, Sure 12:31 Mit dem Beweis, dass jede Frau Yūsufs Schönheit verfallen würde, behauptet die Frau nun, dass Yūsuf sich dem Befehl der Frau seines Herren fügen müsse, ansonsten würde er ins Gefängnis kommen.Koran, Sure 12:32 Yūsuf bittet Gott daraufhin, ihn ins Gefängnis zu schicken, da er lieber ins Gefängnis gehen würde, als den Anweisungen der Frau folge zu leisten.Koran, Sure 12:33 Gott erhört ihn und bewirkt, dass Yūsuf für eine gewisse Zeit ins Gefängnis kommt.Koran, Sure 12:34 und Sure 12:25

Die Sure behandelt weiter das Leben Yūsufs. Die Geschichte zwischen Yūsuf und Zulaichā endet hier.

Qisas al-anbiyāʾ Der iranische Korangelehrte und Hadith-Sammler ath-Thaʿlabī veröffentlichte eines der wichtigsten Qisas al-anbiyāʾ-Werke, welches die Geschichte der vorislamischen Propheten und Glaubensgetreuen behandelt. Im fünften der dreißig Kapitel wird die Lebensgeschichte Yūsufs dargelegt. Die Handlung zwischen Yūsuf und Zulaichā, hier übersetzt als Joseph und die Frau, finden sich im bāb ("Tor" bzw. Abschnitt) „Joseph in Potiphars Haus“ und „Joseph widersteht der Verführung“.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 156, 157–161. Zu einigen koranischen Versen werden außerdem dazugehörige traditionelle Korankommentare präsentiert. So können Unterschiede in den Überlieferungen festgestellt werden.

Joseph wird auf einem Markt von einem reichen Mann und seiner Frau gekauft. Dabei gibt es unterschiedliche Angaben zum Namen der Frau. So soll sie den Namen Rāʿīl oder Bakkā getragen haben.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 156. Sie selbst ist wunderschön und verliebt sich beim ersten Anblick Josephs sofort in ihn. Getrieben von ihrer Liebe schließt sie ihn mit sich ein und versucht ihn zu verführen. Hier waren sich die Gelehrten über die Gefühle Josephs für die Frau uneinig. Einige waren der Meinung, dass durch die Schmeicheleien der Frau auch Joseph ihr zugeneigt war und sie auch im gewissen Maße begehrte.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 157. Andere waren der Meinung, dass Joseph sie nicht begehrte.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.

Nach Ibn ʿAbbās, soll sich Joseph ohne Hose zu der Frau gesetzt haben, „wie sich ein Mann zur Frau setzt“.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158. Durch ein Zeichen Gottes kann Joseph ihr widerstehen. Es gibt unterschiedliche Aussagen, wie dieses Zeichen aussah: Josephs Vater, Jakob, soll ihm mit der Hand auf die Brust geschlagen haben, weshalb die Begierde aus seinem Körper entschwand;Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158. Die Decke spaltete sich und Joseph soll seinen Vater Jakob gesehen haben, der sich in die Finger biss. Bei der Gestalt seines Vaters soll sich Joseph geschämt haben, weshalb er keine Begierde mehr verspürt haben soll;Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158. Jakob soll erschienen sein und zu Joseph gesagt haben, dass er so etwas Schamloses nicht tun sollBusse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158. Jemand soll Joseph zugerufen haben, dass er es nicht tun solle, da er sonst seinen hohen, wahrhaftigen Status unter Gott verlieren würde.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158. Drei Mal soll eine Hand mit Schriftzug erschienen sein: (1) „Jedoch sind Hüter über euch gesetzt, vornehme (Engel), die aufschreiben und wissen, was ihr tut.“; (2) „Und macht euch darauf gefaßt, einen Tag zu erleben, an dem ihr zu Gott zurückgebracht werdet, worauf jedem voll heimgezahlt wird, was er begangen hat! Und ihnen wird (dabei) nicht Unrecht getan.“ (3) „Und laßt euch nicht auf Unzucht ein! Das ist etwas Abscheuliches - eine üble Handlungsweise.“ Nach jeder erscheinenden Hand flüchteten Joseph und die Frau, beruhigten sich und setzten sich wieder. Nun schickte Gott den Engel Gabriel zu Joseph um ihn vor der frevelhaften Tat zu hindern.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 159. Dabei soll Gabriel Joseph in die Hand (oder die Finger) gebissen haben.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 158.

Als Joseph das Zeichen sieht, flüchtet er. Die Frau versucht ihn aufzuhalten und zerreißt dabei sein Hemd am Rücken. Als er dem Hochmögenden auf der Flucht begegnet, bezichtigt die Frau Joseph der Vergewaltigung. Ein Zeuge legt Zeugnis ab, dass wenn das Gewand vorne zerrissen ist, sie die Wahrheit sagt, wenn es hinten zerrissen ist, er die Wahrheit sagt. Hier gab es unter den Gelehrten Uneinigkeiten, wer dieser Zeuge gewesen sein soll: „ein Kind in der Wiege“; ein „weiser Mann, mit Vernunft begabt, es war ein spezieller Engel“; der Vetter väterlicherseits von der Frau.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 160. Als klar ist, dass Joseph die Wahrheit sagt, muss die Frau Buße tun.Busse: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʾ oder ʿArāʾis al-maǧālis von Abū Isḥāq Aḥmad b. Muḥammad b. Ibrāhīm aṯ-Ṯaʿlabī ; Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. 2006, S. 160.