Die Kongresshalle ist ein unvollendetes Gebäude auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Sie ist das größte noch bestehende Relikt nationalsozialistischer Herrschaftsarchitektur und nach Prora und dem Flughafen Berlin-Tempelhof der drittgrößte erhaltene nationalsozialistische Monumentalbau überhaupt. Sie sollte laut Grundsteinlegungsurkunde „auf Jahrtausende hinaus dem Parteikongreß der NSDAP eine Stätte“ bieten und als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien dienen. Die Kongresshalle steht seit 1973 unter Denkmalschutz. Im Jahr 2021 kam sie international in die Schlagzeilen, weil die Stadt Nürnberg während der auf acht Jahre veranschlagten Sanierung des Opernhauses dort dessen Interimsspielstätte unterbringen will und hierzu im Innenhof dauerhaft einen neuen Baukörper einfügt.

Gebäude mini|Ansicht von Süden. Die Kongresshalle wurde wegen der freien Sicht und der Spiegelung am Dutzendteich angelegt. Der Bau wäre bei Fertigstellung um ca. ⅓ höher ausgefallen, Bäume waren nicht vorgesehen. mini|Westseite mini|Nordostseite mit den beiden Vorbauten, der linke (südliche) wird heute von den Symphonikern, der rechte (nördliche) vom Dokumentationszentrum Reichsparteitage genutzt mini|Detail der Außenfassade (Granit) mit Öffnungen zum Arkadengang im Erdgeschoss und Lisenenrahmengestellen in den Obergeschossen. Im Sockelbereich sollte eine umlaufende Freitreppe installiert werden. mini|hochkant=0.7|Gewölbter Arkadengang (Granit) im Erdgeschoss Das U-förmige Gebäude, wegen der Fassaden-Spiegelung effektvoll am Dutzendteich platziert, ist entsprechend der Tradition antiker Theater konzipiert: eine Rundung in Form einer halben Ellipse mit abschließendem Riegel eines Bühnenraums. Vergleiche werden zum Marcellustheater gezogen, das einige Jahre vor Baubeginn der Kongresshalle in Rom teilweise freigelegt wurde. Die nationalsozialistische Propaganda nannte das Kolosseum als Vorbild, was aber lediglich für Teile der Außenfassade einsichtig erscheint. Entsprechend dem Marcellustheater schließt die Kongresshalle an der Nordostseite zum Dutzendteich hin mit zwei Kopfbauten ab, wobei ursprünglich die Ausrichtung nach Südosten geplant war (tatsächlich dann nach Nordost). Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. September 1935, der Bau blieb jedoch unvollendet, insbesondere kam es nicht mehr zur Überdachung der Hallen. Dementsprechend ist die geplante Haupthalle (s. u.) heute der große Innenhof, die projektierten Nebenhallen sind Innenhöfe der Vorbauten, darunter der Serenadenhof im südlichen Vorbau (s. u.). In den Vorbauten gibt es jeweils noch einen überdachten Saal mit ca. 600 m2, derzeit genutzt als Aufführungs- und Probensaal der Nürnberger Symphoniker sowie für Sonderausstellungen des Dokumentationszentrums.

Die Struktur des Gebäudes war drei- bzw. vierteilig geplant: der Hauptbau mit einer Grundfläche von 275 mal 265 Metern (in ihm die Haupthalle, heute Innenhof, 180 mal 160 Meter) und einer geplanten Höhe von 68,5 Metern (39 Meter verwirklicht), zwei Vorbauten 24 mal 57 Meter und eine nicht mehr begonnene Vorhalle mit Mitteltrakt. Die überbaute Fläche beträgt heute ca. 75.000 m² (inkl. ca. 28.500 m² Innenhof), die Brutto-Grundfläche des bestehenden Gebäudes (ohne Innenhof) ca. 118.000 m².Stadt Nürnberg: Kongresshalle Der Rundbau (ohne die Vorbauten) zeigt außen 67 Achsen und damit 138 Fenster sowie 69 Zugangstore (letztere heute größtenteils zugemauert). Die beiden Vorbauten zeigen auf der Längsseite (Nordost) jeweils 17 Achsen.

Der Bau besteht aus Ziegelsteinen, Beton und Granitquadern. Ausführende Unternehmen für den Rohbau waren maßgeblich die Siemens-Bauunion, Philipp Holzmann und Hochtief sowie hunderte weitere Baufirmen und Handwerksbetriebe.

Der Untergrund wurde mit rund 22.000 etwa zehn Meter langen, säurefesten Schotterpfählen aus Quarzsand und Granitsplitt sowie durch das Einrütteln von 670 Schottersäulen verdichtet und mit Spundwänden zum Dutzendteich hin abgesichert. Darauf wurde eine über drei Meter dicke Betonplatte gegossen, für die 95.000 Kubikmeter Fundamentbeton und ca. 5.000 Tonnen Rundeisenbewehrung benötigt wurden. Für den heute noch vorhandenen Rundbau wurden von 135 Ziegeleien 27,2 Millionen Hartbrandsteine, 12,4 Millionen Mauerklinker und 2,4 Millionen Wasserbauklinker, insgesamt also 42 Millionen Steine geliefert. Damit wurden in der Kongresshalle deutlich mehr Ziegel verbaut als in der Marienburg bei Danzig, die als der größte Backsteinbau Europas gilt. Bis zur Baueinstellung wurden sechs Mauerringe in 16 gleichförmigen Segmenten bis zum Abschlussgesims des zweiten Obergeschosses in eine Bauhöhe von 39 Metern hochgezogen und der Arkadengang im Erdgeschoss (mit hallenartigem Kreuzgewölbe) fertiggestellt. Der U-förmige Bau enthält vor allem das umlaufende, wellenartige Treppenhaus und im 1. und 2. Obergeschoss (über dem Arkadenumgang) zwei große, über acht Meter hohe Umgänge. Dazwischen sind der Versorgungstechnik vorbehaltene Zwischenetagen und Räume untergebracht.

Da der Innenraum nicht fertiggestellt wurde, ist im Innenhof das Ziegelsteinmauerwerk mit (wenigen) Beton- und Graniteinsätzen offen sichtbar. In der Halle sollte neben den Tribünen und dem zentralen Rednerpult mit Naturlichtbeleuchtung des teilweise verglasten Daches eine riesige Orgel eingebaut werden, um den Eindruck eines Sakralbaus zu erwecken.

Die beiden Flügelbauten mit Erd- und Mezzaningeschoss erreichten bis zur Einstellung der Arbeiten eine Höhe von 16 Metern; sie sollten in etwa die Höhe des heute vorhandenen Rundbaus erreichen, also ca. 39 Meter. Im Endausbau hätte die Gesamthöhe des Gebäudes einschließlich der nicht mehr begonnenen Dachkonstruktion ca. 80 Meter erreicht.

Die Außenfassade besteht aus Granitquadern im Verbund mit dem dahinter liegenden Ziegelmauerwerk. Der Granit stammte aus mehr als 100 Steinbrüchen fast aller deutschen Granitgebiete. Von Zwangsarbeitern gebrochene Steine wurden in den heute noch bestehenden Teilen nicht mehr verwendet, da die entsprechenden Konzentrationslager noch nicht liefern konnten.

Der U-förmige Teil sollte von einer umlaufenden Freitreppe umgeben werden, die zum ebenfalls umlaufenden, 435 Meter langen Arkadengang geführt hätte. Heute führen nur nachträglich angebrachte, teilweise gesperrte schmale Treppen und aufgeschüttete Rampen in den von Granitbögen geprägten Arkadengang, der im Erdgeschoss das Halbrund der Kongresshalle umschließt. Durch die heute vermauerten oder durch nüchterne Stahltüren verschlossenen, ca. sechs Meter hohen Eingangstüren wären die 50.000 Parteigenossen in den Innenraum gelangt. Der Sockel bzw. das Kellergeschoss des gesamten Gebäudes sollte ursprünglich von der Freitreppe verdeckt werden, er wurde 1961 teilweise aufgeschüttet und begrünt.

Vorgesehen waren zudem in einer späten Entwurfsfassung über dem nicht mehr begonnenen Mitteltrakt (zwischen und vor den Flügelbauten) eine Quadriga und davor Wasserspiele.Eckart Dietzfelbinger: Aus Stein gebauter Größenwahn. Baugeschichte der Kongresshalle 1935–1945. In: Hans-Christian Täubrich (Hrsg.): Die Kongresshalle Nürnberg. Architektur und Geschichte. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2014, ISBN 978-3-86568-995-5, S. 25 ff.Alexander Schmidt: Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2017, ISBN 978-3-930699-91-9, S. 35 ff., 55.

Die Kosten des Bautorsos bis zur Baueinstellung 1943 beliefen sich auf 82 Millionen Reichsmark.Alexander Schmidt: Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2017, ISBN 978-3-930699-91-9, S. 51. Auf die Kosten der Monumentalbauten am Reichsparteitagsgelände angesprochen, meinte Hitler gegenüber Speer, dass Schlachtschiffe mehr kosteten und schnell zerstört oder nach zehn Jahren „Schrott“ seien: „Aber dieser Bau, der steht noch in Jahrhunderten“.Albert Speer: Erinnerungen. Ullstein, Berlin 1969, ISBN 3-549-07184-1, S. 82. Tatsächlich kostete das in etwa zur gleichen Zeit gebaute und alsbald versenkte Schlachtschiff Bismarck 196,8 Millionen Reichsmark.

Baugeschichte mini|Speer, Hitler und Franz Ruff vor Plänen und Teilmodellen der Kongresshalle

Die Entstehung der Kongresshalle geht auf eine Initiative der Stadt Nürnberg zurück. Nachdem Hitler die Stadt 1933 zum Austragungsort aller zukünftigen Reichsparteitage bestimmte, galt diese Veranstaltungsreihe für die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Willy Liebel als wichtige Prestigeveranstaltung. In den Anfangsjahren war der Luitpoldhain der zentrale Veranstaltungsort, der erst später durch die Zeppelintribüne ergänzt wurde. Die Parkanlage des Luitpoldhains wurde ab 1933 zur Luitpoldarena umgebaut. Schon seit 1906 stand dort die sogenannte Luitpoldhalle, die Platz für bis zu 16.000 Menschen bot. Dort fanden im Rahmen der Reichsparteitage die Parteikongresse statt. Sie wurde nun als zu klein erachtet; zudem galt sie von ihrer Infrastruktur als nicht angemessen. Die Stadtverwaltung Nürnberg dachte deswegen an den Bau einer viel größeren Halle und lehnte sich dabei an ein Stadthallenprojekt an, das ursprünglich im Cramer-Klett-Park verwirklicht werden sollte. Der Nürnberger Architekt Ludwig Ruff hatte dazu 1931 einen eigenen Entwurf veröffentlicht und favorisierte schon damals das Gebiet des heutigen Volksparkes Dutzendteich.Eckart Dietzfelbinger: Aus Stein gebauter Größenwahn. Baugeschichte der Kongresshalle 1935–1945. In: Hans-Christian Täubrich (Hrsg.): Die Kongresshalle Nürnberg. Architektur und Geschichte. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2014, ISBN 978-3-86568-995-5, S. 25 f.

Albert Speer war nach dem Tod von Paul Ludwig Troost im Januar 1934 Leiter der Gesamtplanung nationalsozialistischer Repräsentationsbauten geworden. Oberbürgermeister Liebel nahm zunächst Kontakt mit dem Reichsfinanzministerium auf und konnte dort eine Zusage über 2,2 Millionen Reichsmark erlangen, die für weitere Planungen ausgegeben werden konnten. Liebel teilte daraufhin Speer mit, dass auch Hitler den Bau der Kongresshalle befürworte (was vermutlich zu dem Zeitpunkt noch nicht richtig war), und beauftragte Ruff am 29. März 1934 mit der Vorplanung. Nach Liebels späterer, unbestätigter Aussage hatte Hitler schon im November 1933 einen Neubau der Kongresshalle verlangt und in Nürnberg einige Modelle besichtigt. Nach einer ersten Absprache mit Hitler – wohl im April 1934 – entwarf Ruff ein Raumprogramm und den Grundriss entsprechend antiker Vorbilder in der Theaterarchitektur. Liebel sprach in einem angelegentlichen Brief an Fritz Reinhardt, Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, nun nicht mehr lediglich von einer Befürwortung der neuen Kongresshalle durch Hitler, sondern von dessen Anordnung zum Bau. Am 1. Juni 1934 konnten Liebels Stellvertreter Walter Eickemeyer, Gauleiter Julius Streicher und Ruff die Pläne Hitler persönlich vorlegen. Eickemeyer berichtete hierzu: Am 15. August 1934 starb Ludwig Ruff unerwartet. Dennoch besuchte Hitler sechs Tage später, am 21. August 1934, das Atelier Ludwig Ruffs in der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (heute Amtsgericht Nürnberg) und besichtigte in Anwesenheit des Sohnes Franz Ruff, Albert Speer, Oberbürgermeister Liebel und Gauleiter Streicher die Pläne und das Modell des Projektes in Nürnberg und erklärte, dass der Bau so ausgeführt werde wie von Ludwig Ruff projektiert. Die Bauleitung wurde dem städtischen Hauptbauamt und Franz Ruff übertragen.Eckart Dietzfelbinger: Aus Stein gebauter Größenwahn. Baugeschichte der Kongresshalle 1935–1945. In: Hans-Christian Täubrich (Hrsg.): Die Kongresshalle Nürnberg. Architektur und Geschichte. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2014, ISBN 978-3-86568-995-5, S. 26 ff.

mini|Grundsteinlegung, am Rednerpult Reichshandwerksmeister Wilhelm Schmidt, rechts daneben Hess, Kerrl, Hitler und Streicher, hinter Hitler Franz Ruff