Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke (Originaltitel How the Grinch Stole Christmas!) ist ein US-amerikanischer Fernsehfilm aus dem Jahr 1966. Er ist eine Verfilmung des Kinderbuchs Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat von Theodor Seuss Geisel und handelt vom Grinch, einem grünen Wesen, das Weihnachten verabscheut. Aus diesem Grund beschließt er, den Bewohnern des Dorfs Werstadt, über dem er wohnt, das Fest zu verderben, indem er ihre Dekorationen und Geschenke stiehlt.

Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke war die erste Zeichentrickverfilmung eines Werks von Dr. Seuss, der zunächst aufgrund negativer Erfahrungen mit dem Filmgeschäft der Adaption ablehnend gegenüberstand. Allerdings konnte ihn sein Bekannter Chuck Jones, der in den Vereinigten Staaten als Regisseur mehrerer Looney-Tunes-Produktionen bekannt wurde und die Idee zum Film hatte, erfolgreich umstimmen.

In den USA wurde der Film erstmals im Dezember 1966 auf CBS veröffentlicht. Seitdem gilt er im Land als Kultfilm und Weihnachtsklassiker, der in der Gegenwart im Dezember stets zwei Mal auf verschiedenen Fernsehsendern zu sehen ist. Diese Ausstrahlungen erreichen regelmäßig hohe Quoten.

Handlung Der Grinch, ein mürrisches, misanthropisches grünes Wesen, hat ein zwei Nummern zu kleines Herz und lebt mit seinem Hund Max allein in einer Höhle auf dem Berg Mount Crumpit. Unter dem Berg liegt das Dorf Werstadt, dessen Bewohner sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest freuen.

Dem Grinch missfällt vor allem Weihnachten, besonders das üppige Festmahl, die Lieder und der Krach, den die Bewohner jedes Jahr veranstalten. Nach 53 Jahren hat er endgültig genug und beschließt, Weihnachten dieses Mal zu verhindern. Er schneidert sich selbst einen roten Mantel und Mütze, damit er dem Weihnachtsmann ähnelt, und verkleidet Max als Rentier. Anschließend begibt der Grinch sich, nachdem er den Hund zu dessen Enttäuschung nicht in seinem Schlitten mitfahren, sondern ihn diesen ziehen lässt, mit leeren Säcken nachts nach Werstadt.

Er schleicht sich in das erste Haus der schlafenden Bewohner und entwendet alle Dekorationen, Geschenke sowie Leckereien. Dabei wird er von dem Mädchen Cindy-Lou Who überrascht, das sich etwas zu trinken holen wollte und ihn traurig fragt, warum er den Weihnachtsbaum mitnimmt. Der Grinch hat Mitleid mit Cindy-Lou und erklärt, den Baum in seine Werkstatt zu bringen und zu reparieren, da eine der Kugeln kaputt sei. Anschließend gibt er ihr ein Glas Wasser und schickt sie zurück ins Bett. Nachdem er alle Gegenstände im Sack verstaut hat, setzt er dies in den anderen Häusern im Dorf fort.

Der Grinch und Max kehren zum Berg zurück, wo Ersterer den Schlitten hinunterstürzen lassen will. Vorher lauscht er gespannt, weil er die verzweifelte Reaktion der Bewohner mitanhören will. Zu seiner Überraschung singen diese wie gewohnt ihre Weihnachtslieder. Als der Grinch begreift, dass es bei Weihnachten nicht um materielle Dinge geht, wächst sein Herz um drei Nummern. Das verleiht ihm die Kraft, den herunterrutschenden Schlitten aufzuhalten. Danach gibt er den Bewohnern ihre Sachen zurück und wird eingeladen, zum Weihnachtsessen zu bleiben. Der Grinch nimmt freudig an und darf den traditionellen Braten anschneiden. Für seine Mühen erhält Max, der vorher unter den Launen seines Besitzers leiden musste, die erste Scheibe.

Produktion Der Animations-Regisseur Chuck Jones hatte mit dem bekannten Kinderbuchautor Theodor Seuss Geisel, besser bekannt als Dr. Seuss, bereits während des Zweiten Weltkriegs an der Cartoonreihe Private Snafu zusammengearbeitet. Jones fand Gefallen an Geisels Büchern, weswegen er eine Fernseh-Zeichentrickadaption von einem seiner Werke produzieren wollte. Er wandte sich an Geisel und schlug ihm vor, Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat für die Weihnachts-Saison 1966 zu verfilmen.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 263. Dieser haderte zunächst mit dem Vorschlag, da er während der Produktion seiner Verfilmung Die 5000 Finger des Dr. T. unangenehme Erfahrungen gemacht hatte. Weil er aufgefordert wurde, den Film an übliche Hollywood-Standards anzupassen und seine eigenen, skurrilen Ideen herunterzufahren, war er der Ansicht, nicht zum Mainstream-Filmgeschäft zu passen.Judith Morgan, Neil Morgan: Dr. Seuss and Mr. Geisel: A Biography. Da Capo Press, Boston 1996, ISBN 0-306-80736-X, S. 136. Jones konnte ihn jedoch schließlich überreden, worauf Geisel seine eigene Filmproduktionsfirma The Cat in the Hat Productions beauftragte.William D. Crump: Happy Holidays--Animated! A Worldwide Encyclopedia of Christmas, Hanukkah, Kwanzaa and New Year's Cartoons on Television and Film. McFarland & Company, Jefferson 2019, ISBN 978-1-4766-3646-7, S. 88. Zusätzliche Unterstützung kam von Metro-Goldwyn-Mayer, bei der Jones damals angestellt war.Jeff Lenburg: Who’s Who in Animated Cartoons: An International Guide to Film & Television's Award-winning and Legendary Animators. Applause Theatre & Cinema Books, Montclair 2006, ISBN 1-55783-671-X, S. 351.

Ausstrahlender Sender war CBS, der Ende 1965 mit Die Peanuts – Fröhliche Weihnachten einen Überraschungserfolg gefeiert hatte. CBS überließ Jones und MGM für die Produktion einen Betrag von 315.000 Dollar (2021 entspräche dies knapp 3 Millionen Dollar); diese Summe war ungefähr viermal so hoch wie das Budget, das Bill Meléndez für den Peanuts-Film erhielt.Janet Giovanelli: The True Story of Santa Claus: The History, The Traditions, The Magic. Centennial Books, New York 2020, ISBN 978-1-951274-42-9, S. 118. Zu Jones’ Verblüffung fand er, nachdem mehrere andere Unternehmen abgelehnt hatten, im Bankenverband Foundation For Full-Service Banks einen Werbepartner. Jones merkte an, dass dies höchst ungewöhnlich war, nicht nur, weil der Film die Kommerzialisierung von Weihnachten kritisierte, sondern auch, da Jones die Zurückzahlung des vom Verband zur Verfügung gestellten Kredits aufgrund der unklaren Erfolgsaussichten der Produktion nicht garantieren konnte. Die Werbebotschaften des Verbands wurden bei späteren Wiederholungen aus dem Film geschnitten.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 276.

Als Erzähler und Grinch wurde der britische Schauspieler Boris Karloff besetzt. Geisel protestierte erfolglos gegen diese Entscheidung, da er seine Stimme als zu unheimlich empfand. Jones konnte Geisel jedoch überzeugen, dass Karloff die richtige Balance zwischen Angst einflößend und komisch finden werde. Karloff sprach den gesamten Film über in einer vornehmen, freundlichen Tonlage, für die Stellen als Grinch wurde daraus per Filtertechnik eine bedrohliche, raue Stimme. Karloff war zudem das einzige Ensemblemitglied, das im Abspann erwähnt wurde.Mark Voger: Holly Jolly. TwoMorrows Publishing, Raleigh 2020, ISBN 978-1-60549-097-7, S. 176.

Jones hatte zunächst Schwierigkeiten mit der Adaption, weil er nicht wusste, wie er einen Weihnachtsfilm ohne typische Elemente wie christliche Bezüge und den klassischen Weihnachtsmann produzieren sollte. Ihm kam schließlich die Idee, Geisel eigene Weihnachtslieder auf Seussian Latian, also einer Art Küchenlatein, schreiben zu lassen. Nach Jones’ Ansicht gäbe es für der lateinischen Sprache nicht mächtige Personen keinerlei Unterschiede zwischen Geisels Textstelle Fahoofores, Dahoodores und Adeste fideles.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 270. (Jones’ Vermutung bestätigte sich, als nach der Ausstrahlung mehrere Zuschauer CBS schriftlich um eine englische Übersetzung der „lateinischen“ Lieder baten).

Im Bezug auf die Figur Cindy-Lou Who nahm Jones einige Änderungen vor. Im Buch hat sie ein insektenähnliches Aussehen, anfangs nur ein paar dünne, nach oben abstehende Haarsträhnen und ist erst am Ende mit blonden Haaren und einer roten Schleife zu sehen. Im Film hat sie dagegen ein menschliches Aussehen, sowohl blonde Haare als auch einzelne abstehende schwarze Haare, zudem ähnelt ihr Gesicht an manchen Stellen dem des Grinchs. Obgleich sie in der Produktion eine etwas größere Rolle einnimmt als im Buch, musste Jones zu seiner Enttäuschung weitere Szenen mit ihr aus Zeitgründen streichen.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 272.

Der Hund Max wurde von Jones als stiller Beobachter der Aktion des Grinchs und Opfer seiner Gemeinheit ausgelegt, ähnlich den Figuren Daffy Duck und Schweinchen Dick in Jones’ Filmen Astro-Daffy und Robin Hood Daffy.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 271. Als Fellfarbe wählte Jones für den Grinch, der im Buch schwarz-weiß war, grün, weil alle Mietwagen, die er in dieser Zeit fuhr, nach seiner Aussage eine ähnliche Schattierung hatten. Insgesamt dauerte die Produktionsphase knapp ein Jahr, zählte 15.000 Cel-Zeichnungen und mehr als 1.000 Entwürfe, zudem waren 60 Musiker an der Aufnahme des Soundtracks beteiligt.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 278. Geisel war der Ansicht, dass die fertigen Zeichnungen zu sehr von seinen Originalzeichnungen abwichen und zu viel von Jones’ eigenem Stil enthielten. Insbesondere beim Anblick des Grinchs merkte er gegenüber Jones verärgert an, dass der Grinch nicht wie seine literarische Vorlage, sondern eher wie Jones selbst aussehe. Jones antwortete lediglich, dass so etwas eben manchmal vorkomme.

Veröffentlichung Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke wurde erstmals am 18. Dezember 1966 auf CBS ausgestrahlt.Brian Jay Jones: Becoming Dr. Seuss: Theodor Geisel and the Making of an American Imagination. Penguin Group, London 2019, ISBN 978-1-5247-4280-5, S. 337. Vor der Veröffentlichung kam es zu einem Wiedersehen zwischen Jones und seiner Jugendfreundin Marian Dern, die Geisel anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung im Auftrag von TV Guide interviewte. 15 Jahre nach dem Gespräch heirateten Jones und Dern.Chuck Jones: Chuck Reducks: Drawing From the Fun Side of Life. Warner Books, New York 1996, ISBN 0-446-51893-X, S. 281–283.

Auf CBS liefen bis 1988 in jeder Weihnachtssaison Wiederholungen des Films, danach war er auf den Kabelsendern TNT, TBS und The WB zu sehen. Nach dem Aus des Letzteren lagen die Ausstrahlungsrechte kurzzeitig bei ABC. Seit 2015 läuft der Film zweimal in der Weihnachtssaison auf TBS, TNT und NBC, das die Rechte in dem Jahr von Warner Bros. Entertainment erwarb.

In den 1990er Jahren wurde der Film von MGM unter anderem auf VHS veröffentlicht.Top Kid Video. Billboard, Eldridge Industries, New York 1994, Ausgabe vom 24. Dezember, S. 76. 1997 brachte MGM die Produktion zusammen mit der Geisel-Verfilmung Das sprechende Staubkorn auf DVD heraus,Early Stages of Divx, DVD Feud Set in Papers; VSDA to Study Vid Habits. Billboard, Eldridge Industries, New York 1997, Ausgabe vom 1. November 1997, S. 71. 2000 folgte von Warner Bros. eine weitere VHSTop Kid Video. Billboard, Eldridge Industries, New York 2000, Ausgabe vom 22. Januar, S. 108. sowie eine DVD. Auf letzterer waren zudem unter anderem ein Audiokommentar vom Animator Phil Roman und der Sprecherin June Foray, Interviews mit dem Komponisten Albert Hague und dem Sänger Thurl Ravenscroft sowie eine Dokumentation über das Produktionsgeschehen enthalten. Die DVD wurde in den Medien für diese Bonus-Materialien gelobt, gleichzeitig aber auch für die schlechte Bildqualität kritisiert.