Fly so far (auch Nuestra libertad) ist ein salvadorianisch-schwedischer Dokumentarfilm von Celina Escher aus dem Jahr 2021. Der erste Dokumentarfilm der schweizerisch-salvadorianischen Regisseurin zeigt, welche Auswirkungen das strenge Abtreibungsgesetz im zentralamerikanischen Land El Salvador auf Frauen im Falle von Schwangerschaftskomplikationen haben kann.
Handlung Im Zentrum des Films steht die Geschichte der salvadorianischen Bürgerrechtlerin Teodora del Carmen Vásquez, die im Alter von 24 Jahren nach einer Totgeburt im Jahr 2007 wegen Mordes zu einer 30-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Den vorgeworfenen Kindesmord konnte sie aufgrund fehlender finanzieller Mittel für einen Rechtsbeistand nicht abwehren. Diese Geschichte wird exemplarisch für viele weitere Frauen erzählt. 16 andere Frauen, die das Schicksal teilen, werden im Film gezeigt, aber nicht namentlich erwähnt. Die Protagonistin konnte mit Hilfe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International schließlich eine Wiederaufnahme des Falles vor Gericht und 2018 nach zehnjähriger Haft eine vorzeitige Freilassung erwirken.
Hintergrund El Salvador hat das weltweite strengste Abtreibungsgesetz, dass selbst Totgeburten unter Strafe stellt. Insgesamt waren 181 Frauen inhaftiert. 2021, zum Zeitpunkt der Filmveröffentlichung saßen noch 18 Frauen mit ähnlichen Schicksalen in Haft. Regisseurin Celina Escher versteht sich selbst als Feministin und erfuhr von den inhaftierten Frauen und beschloss deren Schicksal in einem Film zu thematisieren.
Produktion und Veröffentlichung Die Dreharbeiten fanden an originalen Schauplätzen statt. So wurde der 2018 stattfindende Prozess im Gerichtsgebäude sowie Teile der Inhaftierung von del Carmen von Prozessbeginn bis zur Freilassung im Gefängnis filmisch begleitet. Generell fanden die Arbeiten unter erschwerten Bedingungen statt. Escher wartete rund zwei Jahre, bis sie einen Zugang zu den Schlafsälen erhielt. Zudem hatte sie pro Besuch nur zwei Stunden Zeit zum Filmen. Finanzielle Unterstützung erhielt die Regisseurin vom schwedischen Filminstitut sowie dem IDFA Bertha Fund. Die Dreharbeiten dauerten ca. drei Jahre.
In Schweden wurde der Film unter dem Titel The Seventeen veröffentlicht. Die schwedische Uraufführung fand am 11. März 2021 beim Tempo dokumentärfestival in Stockholm statt. Nordamerikapremiere feierte der Film im April 2021 auf dem Seattle International Film Festival. Der Film wurde zunächst in El Salvador von der Regierung zensiert, durfte aber schließlich für Personen ab 18 Jahren gezeigt werden. Ein am 18. August 2022 geplanter Kinostart in El Salvador wurde nach einem Drohbrief von mindestens einem Dutzend Gruppen von Abtreibungsgegnern gegen das Kino, in dem der Film gezeigt werden sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Nachrichtensender Al Jazeera veröffentlichte im September 2021 eine 47-minütige Version des Films als Dokumentation mit dem Titel Miscarriage of Justice: A fight for women’s rights in El Salvador. Bis 2022 war der Film auf fast 60 Festivals gezeigt worden.
Rezeption Das Paulo Freire Zentrum in Österreich schrieb im Dezember 2021, dass die Kameraführung „die Distanz zu den Protagonist*innen auf[hebt]“ und, „dass die Zuseher*innen [...] das Gefühl [haben], nah am Erlebten dran zu sein.“ Es wurde zudem ein Vergleich mit den verschärften Abtreibungsgesetzen in Polen gezogen und geschlussfolgert, dass „die im Film gezeigte Realität auch als Warnung an Europa angesehen werden [kann]“.
Weblinks
The Seventeen (Fly so far / Nuestra Liberdad) - Trailer auf YouTube Festivalscreenings: Human Rights Film Festival Berlin, MOVE IT! Filmfestival, The Americas Film Festival New York (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Filmtitel 2021