mini|Goldschatz von Košice Der Goldschatz von Košice (slow. Košický zlatý poklad) besteht aus 2920 goldenen Münzen (Dukaten), drei Goldmedaillen und einer Renaissance-Goldkette aus der Zeit des 15. bis 17. Jahrhunderts. Er wurde 1935 beim Bau des neuen Gebäudes des Finanzdirektoriums an der Hlavná ulica 68 (dt. Hauptstraße) in Košice (deutsch Kaschau) in der Ostslowakei entdeckt und gilt als einer der größten Depotfunde dieser Art in Europa.One of the European artistic gems found in the historic heart of Košice, In: spectator.sme.sk vom 25. Mai 2021, abgerufen am 10. Dezember 2021.
Entdeckung
Inhalt mini|Ausstellung im Tresor im Ostslowakischen Museum Der Goldschatz wiegt insgesamt 11,5 kg und war in einem brotlaibförmigen Kupfergefäß aufbewahrt, das aus zwei ineinanderpassenden Töpfen besteht. Die Schatzgegenstände waren möglicherweise von einer nicht näher bestimmten Textilie bedeckt. Die Oberfläche des oberen Topfs ist mit Zeichnungen von Fabelwesen und Tieren verziert, mit einem Hirsch in der Mitte, je einem Einhorn ober- und unterhalb des Hirsches, einem Bären und einem kleineren Lebewesen (möglicherweise einem Hasen) an der oberen Seite, einer Eule unterhalb des Hasen sowie einem springenden Hund und einem Vogel am unteren Rand. Der eigentliche Zweck des Gefäßes sowie Schöpfungsort und -zeit sind unbekanntBudaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 37–38. Es wird vermutet, dass es sich um ein in der Renaissance populäres Jagdmotiv handelt.
Die Renaissance-Goldkette ist 2,14 m lang bei einem Gewicht von 587,14 g. Gemäß einer Qualitätsprüfung aus dem Jahr 2006 beträgt der Feingehalt etwa 990/1000. Eine Goldkette symbolisierte damals die soziale Stellung in der Gesellschaft, daher spielen sowohl das Gewicht als auch die Länge eine Rolle. Die genaue Entstehungszeit und auch die Identität des Goldschmiedes sind unbekannt, das Schmuckstück trägt keine Stempelung.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 33–36
Die älteste Goldmedaille zeigt König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn und wurde 1525 im Münzhaus Kremnitz geprägt. Der Schöpfer dieses Motivs ist unbekannt. Die zwei anderen Goldmedaillen sind ein Werk des Kremnitzer Medailleurs Christopher Fueszl: Die erste aus dem Jahr 1544 zeigt ebenfalls Ludwig II., entstand aber erst zur Regierungszeit von Ferdinand I. Das dritte Stück ist eine Reitmedaille von Ferdinand I. aus dem Jahr 1541 mit künstlerischen Einflüssen aus Hall in Tirol und wird als besonders wertvoll betrachtet, da silberne Renaissancemedaillen mit gleichem Motiv relativ häufig an Auktionen in Europa anzutreffen sind, während Goldmedaillen außer jener im Goldschatz von Košice nicht bekannt sind.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 32
Die 2920 Münzen stammen aus 81 Münzprägestätten in verschiedenen Regionen Europas,Košický zlatý poklad, In: historyweb.dennikn.sk vom 10. Juni 2013, abgerufen am 11. Dezember 2021. wobei eine der Münzen, ein westfriesischer Dukaten, wahrscheinlich in den 1970er Jahren verloren ging. Der durchschnittliche Feingehalt der Münzen beträgt etwa 950/1000. Am häufigsten vertreten sind Münzen aus dem Königreich Ungarn mit 1187 Münzen. Ihr Prägedatum umfasst einen Zeitraum von fast 280 Jahren von etwa 1402/1404 bis 1679, von Sigismund von Luxemburg bis Leopold I., und es sind nahezu alle Herrscher des Königreichs Ungarn vom 15. bis zum 17. Jahrhundert abgebildet. Bei den ungarischen Münzen sind zwei Dukaten mit Gegenstempeln der Stadt Danzig hervorzuheben. Die meisten Münzen stammen aus den 1640er und 1650er Jahren. Ebenfalls mit dem Königreich Ungarn verbunden sind die 251 siebenbürgischen Münzen, da die damals oberungarischen, heute ostslowakischen Städte, darunter auch das damalige Kaschau, einen regen Handel mit Siebenbürgen betrieben.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 30–32
Die zweitgrößte Gruppe bilden mit einer Anzahl von 1016 Einzelstücken (inklusive der verlorenen Münze) Münzen aus verschiedenen Provinzen und Städten der niederen Lande beziehungsweise teilweise später der Republik der Vereinigten Niederlande, die im damaligen Europa wegen großer Stückzahl und relativ guter Qualität verbreitet waren. Recht häufig sind Münzen aus der Provinz Utrecht (346), weiter Westfriesen (238), Geldern (151) und der Stadt Zwolle (100).Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 19 und 29 Insgesamt machen ungarische, siebenbürgische und niederländische Münzen etwa 85 Prozent aller Münzen im Schatz aus.
Ebenfalls mit dem Fundort auf Grund weitreichender Handelsbeziehungen verbunden sind 111 Münzen aus den Gebieten der polnischen Krone. 57 davon stammen aus der Hafenstadt Danzig, 17 aus Thorn, eine aus Elbing, während auf den übrigen 36 Münzen der polnische König Johann II. Kasimir abgebildet ist.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 25–27 In immer kleineren Gruppen folgen Einzelstücke aus dem Fürsterzbistum Salzburg (31), aus Böhmen (26), aus österreichischen Ländern (24, davon 22 aus Niederösterreich sowie je ein Stück aus Kärnten und Steiermark), je 22 Münzen aus Schlesien und Oberitalien (17 aus der Republik Venedig, je zwei aus Savoyen und Modena und eine aus Mirandola), aus Spanien (13), Dänemark (8), Schweden (3) sowie je ein Einzelstück aus England, Glatz, Livland (unter schwedischer Besetzung) und Reval.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 20
Weitere 201 Münzen stammen aus anderen Herrschaften und Städten des Heiligen Römischen Reiches (außer den niederen Landen, Schlesien, Böhmen, Glatz und Österreich). Darin enthalten sind Stücke aus Stralsund (10), Wismar (1) und Erfurt (3), die zeitweise unter schwedischer Herrschaft standen, sowie je ein Stück aus den heute französischen Städten Besançon und Straßburg. Aus Herrschaften stammen bspw. Brandenburg-Preußen (14), Kurmainz (11), Brandenburg-Ansbach und Sachsen (je 6), aus den Städten sind Hamburg (37), Frankfurt am Main (29), Nürnberg (17), Augsburg (14) und Lübeck (13) zu nennen.
Einen Sonderfall bildet ein Stater mit der Abbildung des thrakischen Herrschers Lysimachos (323–281 v. Chr.), der aber möglicherweise nicht aus dessen Zeit stammt. Eventuell handelt es sich um eine keltische oder auch siebenbürgische Nachbildung.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 31
Geschichte mini|Nachbildung des Fundorts Die jüngste Münze stammt aus dem Münzhaus Kremnitz mit Prägungsjahr 1679. Im Zusammenhang mit der politischen Situation in Ungarn wird die Eingrabung im Zeitraum von 1680 bis 1682 datiert. Zu dieser Zeit marschierten die aufständischen Kuruzen unter der Führung von Emmerich Thököly, die die Stadt Kaschau erobern wollten, was tatsächlich auch 1682 geschah, nachdem die Stadt am 15. Oktober gegen eine Kuruzenarmee von etwa 14.000 Mann und einem osmanischen Heer von 40.000 Mann kapituliert hatte. Vermutlich war der Eigentümer des Schatzes ein reicher Anhänger der Habsburger (mehr siehe unten), der den Schatz aus Angst vor den Plünderungen bei der Eroberung unter dem Gebäude der Zipser Kammer, der Zweigstelle der obersten Finanzbehörde in Wien für das damalige Oberungarn, einmauerte. Die Habsburger eroberten die Stadt am 25. Oktober 1685 auch mit der Hilfe von einem der Kuruzen-Befehlshaber zurück.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 39–40 Das Gebäude der Zipser Kammer wurde 1770 wesentlich umgebaut, der Schatz blieb aber unentdeckt.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 16
Das Barockgebäude der Zipser Kammer wurde 1935 abgerissen, um Platz für ein neues Gebäude des Finanzdirektoriums an der damaligen Straße Štefánikova Nr. 74 (heute Straße Hlavná Nr. 68) zu schaffen. Der Kupferkasten wurde vom Arbeiter Peter Staho am 24. August 1935 um 11:45 Uhr beim Grundbau entdeckt. Nach der Übergabe an den Bauleiter zählte man zuerst 2796 Münzen. Die Arbeiter wollten Teile des Schatzes an sich nehmen und einem Goldschmied verkaufen. Weil ihr Plan verraten wurde, konnten sie beim Versuch, die Münzen in einem Stadtpark zu verkaufen, von der Polizei festgenommen werden. Durch den versuchten Diebstahl verloren die Finder den Anspruch auf eine Belohnung, die zu dieser Zeit ein Drittel des Fundwerts betrug. Die Polizei konnte 126 (nach anderen Quellen 130) gestohlene Münzen sicherstellen.Marián Gladiš: Košický zlatý poklad lákal Göringa i Horthyho, In: cassovia.sk vom 9. Februar 2007, abgerufen am 10. Dezember 2021. Somit soll es 2922 Münzen gegeben haben. Allerdings ist heute unklar, ob die zwei fehlenden Münzen verloren gegangen sind, ob es zu einem Zählungsfehler kam oder ob die Polizei überhaupt alle gestohlene Münzen gesichert hatte. Der Schatz wurde zuerst im Gebäude des Finanzdirektoriums in Košice aufbewahrt, später kam er in die Generalfinanzkasse und das Heimatmuseum (heute Teil des Slowakischen Nationalmuseums) in Bratislava, wo die Münzen zum ersten Mal inventarisiert wurden. 1940 kam der Schatz in die Zentralstaatskasse und wurde anschließend in der Numismatik-Abteilung des Nationalmuseums in Prag deponiert, wo die detaillierte Beschreibung und Analyse bis 1942 dauerte. Während des Zweiten Weltkriegs interessierten sich Regierungskreise im Dritten Reich und Königreich Ungarn (1920–1944), darunter Reichsmarschall Hermann Göring, Staatssekretär beim Reichsprotektor Karl Hermann Frank, und das ungarische Staatsoberhaupt Miklós Horthy, für den Schatz. Daher wurde er in zwei Kisten verpackt und an einer geheimen Stelle bei Prag vergraben.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 13–14
Der Goldschatz überstand die Kriegswirren unbeschädigt und kam 1947 zurück in die Numismatik-Abteilung. Im selben Jahr erschienen die detaillierten Informationen im Sammelwerk des Nationalmuseums, ein Jahr später veröffentlichte Emanuela Nohejlová-Prátová in Prag die erste Monografie (Košický zlatý poklad. Nález mincí 15. - 17. století v Košicích r. 1935). Zum ersten Mal wurde der Schatz 1953 in Prag ausgestellt, 1956 wurden Teile nach Košice zwecks einer Ausstellung gebracht und noch einmal 1967, beide Male von hohem Besucherinteresse begleitet. Nach dem Ende der Ausstellung 1967 verblieb der Schatz zuerst im Tresor der Staatsbankfiliale in Košice, ein Teil wurde inzwischen auch im Stadtmuseum Bratislava ausgestellt. Um den Schatz permanent in Košice aufzubewahren, wurde 1969 ein großer unterirdischer Tresor unter dem Hauptgebäude des Ostslowakischen Museums errichtet. Seit 1970 ist die Dauerausstellung des Goldschatzes von Košice der Öffentlichkeit zugänglich. 1974 wurde die Verwaltung des Schatzes vom tschechoslowakischen Finanzministerium an das Finanzministerium der Slowakischen Sozialistischen Republik (SSR) übertragen. 1980 schlossen das Finanzministerium der SSR, das Bezirksfinanzdirektorium Košice, der Bezirksnationalausschuss Košice und das Ostslowakische Museum im Februar ein Abkommen über Pflichten, Berechtigungen und Zusammenarbeit bei der Verwaltung ab. Demzufolge hatte das Finanzministerium das Recht, jährliche Inventarisierungen durchzuführen. Diese fanden von 1981 bis 1991 statt, weitere folgten erst 1995 und 2006. 1998 kam es zu einer weiteren Übertragung vom Finanzministerium der nunmehr unabhängigen Slowakischen Republik an das Kulturministerium. Seit dem 30. März 1998 stehen die Schatzgegenstände unter Verwaltung des Slowakischen Nationalmuseums in Bratislava, physisch bleiben sie aber weiter in Košice.Budaj: Košický zlatý poklad – The Košice Gold Treasure, S. 14–15