Die Zwölfte Isonzoschlacht oder auch Schlacht von Karfreit (dem heutigen Kobarid), italienisch Battaglia di Caporetto, ist die Bezeichnung der letzten Isonzoschlacht im Ersten Weltkrieg. Sie begann am 24. Oktober 1917 und endete als solche am 27. Oktober 1917 mit dem Erreichen des von den Österreichern als Maximalziel festgesetzten Tagliamento. Häufig werden auch die anschließenden Kampfhandlungen bis zum Übergang in den Stellungskrieg am Piave mit zur Schlacht gerechnet. Die Schlacht war die erste große Bewegungsschlacht an der bisher im Stellungskrieg verharrenden Alpenfront und einer der größten militärischen Siege der Mittelmächte während des Krieges. Der Erfolg der österreichischen Offensive beruhte wesentlich auf der Unterstützung durch starke deutsche Kräfte und dem zusammen mit dem Artillerieschlag durchgeführten Einsatz von Giftgas.
Die Niederlage führte zu einer schweren Krise in der italienischen Militärführung und zur Entlassung des italienischen Oberbefehlshabers Cadorna. Eine Stabilisierung der Front konnte schließlich durch das Einschieben französischer und britischer Truppenteile gewährleistet werden; auch blieben der Abzug deutscher Truppen und die Überdehnung der Versorgungslinien nicht ohne Wirkung und stoppten den Vormarsch der Mittelmächte.
Ausgangslage mini|Kommandoverhältnisse auf österreichisch-ungarisch-deutscher Seite Im österreichisch-ungarischen Hauptquartier in Baden bei Wien war man zu der Erkenntnis gekommen, dass ein weiterer Angriff wie der vorangegangene (Elfte Isonzoschlacht) nicht mehr würde abgewehrt werden können. Man war daher zu einer Reaktion gezwungen und sah die einzige Möglichkeit darin, selbst zum Angriff überzugehen. Mit eigenen Kräften allein wäre dieses Vorhaben jedoch nicht durchführbar gewesen, sodass man den deutschen Bündnispartner um Unterstützung bat. Obwohl der deutsche Chef des Generalstabes Generalfeldmarschall von Hindenburg und mit ihm der „Erste Generalquartiermeister“ General der Infanterie Ludendorff den Schwerpunkt auf den Osten legen wollten, sahen sie ein, dass eine Entlastung Österreich-Ungarns notwendig sein würde. Als operatives Minimalziel war zunächst nur die Rückeroberung der verlorenen Gebiete bis zur Reichsgrenze und – falls der Angriffsschwung ausreichen sollte – ein Vordringen bis zum Tagliamento vorgesehen. Die deutschen Truppen sollten spätestens nach dem Erreichen des Flusses wieder abgezogen werden.
Wortlaut des Operationsbefehls BEFEHL Ziel der Operation ist, die Italiener über die Reichsgrenze und, wenn möglich, über den Tagliamento zurückzuwerfen. Hierzu wird die ganze Heeresfront an einem noch zu bestimmenden Tage gleichzeitig die Offensive ergreifen. Der deutschen 14. Armee wird die Aufgabe zufallen, die feindliche Front im Raume der Jeza-Höhe westlich Tolmein zu durchbrechen, dann zunächst die Linie: Höhen nördlich Cividale–Reichsgrenze nordwestlich der Korada zu gewinnen. Die Armee wird ferner dem rechten Flügel der 2. Isonzo-Armee das Überschreiten des Isonzo zu erleichtern haben. Dem Korps Krauß (k.u.k. I. Korps) wird obliegen, aus dem jetzigen Raum der k.u.k. 93. Infanterie-Truppendivisiondiese wurde jedoch noch vor Beginn der Offensive durch die 55. k.u.k. InfTrpDiv ersetzt. (bei Flitsch) vorbrechend, die rechte Flanke der 14. Armee zu decken. Die 2. Isonzo-Armee wird, den Nordflügel stark haltend, den Angriff gleichzeitig mit der 14. Armee aufnehmen und vorerst die Reichsgrenze nordwestlich Korada–Mt. Santo zu erreichen haben. Die 1. Isonzo-Armee wird zunächst durch kräftiges Anfassen möglichst starke feindliche Kräfte zu binden, bzw. auf sich zu ziehen haben. Als Angriffstag wird vorläufig der 22. Oktober in Aussicht genommen. Kdo. der Südwestfront
Truppen Neu aufgestellt wurde für diesen Zweck die 14. Armee, ein zunächst rein deutscher, später ein gemischter deutsch-österreichisch-ungarischer Verband unter dem Kommando des preußischen Generals Otto von Below, der den Hauptstoß (dieser zielte auf die linke Schultervon Osten aus gesehen der italienischen 2. Armee) führen sollte. mini|hochkant|Otto von Below, Oberbefehlshaber der deutschen 14. Armee
Österreich-Ungarn zog die bisherige 1. und 2. Isonzo-Armee zur „Heeresgruppe Boroević “ am linken Flügel zusammen und setzte zur Unterstützung die 10. (k.u.k) Armee unter dem Kommando von Feldmarschall Freiherr von Krobatin aus den Karnischen Alpen von Norden gegen die italienische Flanke an. In der Schlussphase griff auch noch die 11. (k.u.k) Armee der Südtiroler Front in die Schlacht ein.der Beginn war auf den 10. November festgelegt worden. An Verbänden standen sich 4128 Div. der 2. Armee, 13 Div. der 3. Armee italienische Divisionen mit 3626 Geschützen und 34 Divisionenpersonalmäßig schwächer als ihre Gegner der Verbündeten mit 3302 Geschützeninklusive Minenwerfer gegenüber.
Jeweils beteiligte Großverbände mini|k.u.k.-Truppen beim Angriff (eventuell gestellte Aufnahme)Typisch für diese Art von Aufnahmen, die im unmittelbaren Kampf mit der damaligen Technik nahezu ein Selbstmordkommando gewesen wäre mini|Italienischer Schutzraum bei Karfreit I. II. Heeresgruppe Tirol unter Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf 11. Armee (Österreich-Ungarn) unter Generaloberst Viktor von Scheuchenstuel
10. Armee (Öst.-Ungarn) unter Generaloberst Alexander Freiherr von Krobatin Südwestfront unter Feldmarschall Erzherzog Eugen 14. Armee (Deutsches Reich) unter General der Infanterie Otto von Below Heeresgruppe Boroević (Öst.-Ungarn) unter Generaloberst Svetozar Boroević 1. Isonzo-Armee (Öst.-Ungarn) unter General der Infanterie Johann Ritter von Henriquez
2. Isonzo-Armee (Öst.-Ungarn) unter Generaloberst Wenzel von Wurm 1ª Armata – General Guglielmo Pecori Giraldi (Judikarien, Trentino, Südtirol) 4ª Armata – General Mario Nicolis di Robilant (Fleimstal, Dolomitenfront)
Zona Carnia – General Giulio Cesare Tassoni (Karnische Alpen, Kärntner Grenze)
2ª Armata – General Luigi Capello (am Isonzo, im Hauptangriffsfeld bis südlich Görz)
3ª Armata – General Emanuel Philibert Herzog von Aosta (auf dem Karst, Südabschnitt südlich Görz bis zur Adria)
Lageentwicklung bis zum 24. Oktober 1917 mini|hochkant|Luigi Capello, Oberbefehlshaber der italienischen 2. Armee mini|hochkant|Emanuel Philibert, Herzog von Aosta, Oberbefehlshaber der italienischen 3. Armee Obwohl der Angriffszeitpunkt von zwei übergelaufenen tschechischenLeutnant in der Reserve Tichi und rumänischenOberleutnant Maxim, Ordonnanzoffizier der 50. (k.u.k.) InfTrpDiv Offizieren verraten worden war und auch die italienische Feindaufklärung bereits früher entsprechende Meldungen an die Heeresleitung weitergegeben hatte, konnte man sich auf italienischer Seite nicht rechtzeitig zu wirksamen Gegenmaßnahmen entschließen. Ein Untersuchungsausschuss unter Vorsitz von General Carlo Caneva stellte nach dem Krieg fest, dass die militärische Aufklärung folgende Erkenntnisse gewonnen und gemeldet habe: 14. September 1917: Sperrung der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz, Anwesenheit einer deutschen DivisionDas „Deutsche Alpenkorps“ war zur Täuschung nach Südtirol verlegt und dort auch eingesetzt worden. in Südtirol, Abzug österreich-ungarischer Truppenteile aus Südtirolmit Südtirol war damals das heutige Trentino gemeint und Verlegung an andere Fronten, Verlegung von etwa 15 österreich-ungarischen Divisionen von der russischen Front nach Kärnten und Krain. 30. September 1917: Deutsche Offiziere erscheinen in größerer Zahl an der Front bei Tolmein, deutsche Truppen treffen in Grahovo ein. 2. Oktober 1917: Eine österreich-ungarische Division wird in das Baca-Talbei Tolmein verlegt, die 12. deutsche Infanterie-Division wird aus dem Elsass nach Kärnten verlegt, deutsche Truppen erscheinen in Villach. 3. Oktober 1917: An der Front bei Tolmein trifft deutsche Infanterie und Artillerie ein. 18. Oktober 1917: Umfangreiche Truppenbewegungen von Villach nach Laibach.
Bereits am 12. Oktober schrieb der italienische General Grazioli an seine Vorgesetzten, er habe deutsches Artilleriefeuer gehört. Diese Befürchtungen wurden noch verstärkt, als die Italiener einen Toten des oberschlesischen Infanterieregiments 63 im Isonzo fanden.
General Cadorna war jedoch der Meinung, die Stellungen seien stark genug, um die Angreifer lange genug aufzuhalten, bis Verstärkungen herangeführt seien, um selbst eine neue Offensive zu beginnen. Aus diesem Grunde unternahm er nichts Gravierendes; es wurden lediglich Hindernisse ausgebaut sowie die Artillerie etwas verstärkt und einige Bersaglieri- und Alpini-Kompanien in die betroffenen Abschnitte gelegt. Durch die folgenden Ereignisse sah sich die 4. italienische Armee, die westlich der Linie Feltre – Belluno – Pieve stand und die Front nach Tirol hielt, daher plötzlich massiv im Rücken bedroht und war letztendlich gezwungen, sich schnellstens aus den Höhenstellungen der Dolomiten zurückzuziehen.
mini|Der Artillerieaufmarsch von Anfang September bis zum 20. Oktober 1917 Bereitstellungen der 14. Armee Links: „Gruppe Scotti“ mit 1. (k.u.k.) InfTrpDivInfanterie-Truppendivision bei Selo, dahinter 5. (d) InfDiv „Gruppe Berrer“ mit 200. (d) InfDiv im Südteil des Tolmeiner Brückenkopfes, dahinter die 26. (d) InfDiv Mitte: „Gruppe Stein“ (kgl. bay. III. Korps) mit Alpenkorps im Nordteil des Brückenkopfes, 12. (d) InfDiv nördl. Tolmein, 50. (k.u.k.) InfTrpDiv bis zum Krn. Hinter dem Alpenkorps östl. Sela die 117. (d) InfDiv Rechts: Gruppe Krauß: (I. k.u.k. Korps) mit 55. (k.u.k.) InfTrpDiv bis zum Becken von Flitsch, 22. (k.k.) SchtzDivdie k.k. Schützendivisionen hießen bis 1917 k.k. Landwehr-Divisionen im Becken von Flitsch, k.u.k. Edelweißdivision3. InfTrpDiv bis zum Rombon. Dahinter nordöstlich Soca die deutsche Jäger-Division. Armeereserven: Hinter dem linken Flügel in der Tiefe: 13. (k.k.) SchtzDiv, 4. (k.u.k.) InfTrpDiv und 33. (k.u.k.) InfTrpDiv
Die italienischen Streitkräfte standen 2. Armee: vom Rombon bei Flitsch bis zur Wippach bei Görz (28 Divisionen) 3. Armee: von der Wippach bei Görz über die südliche Karsthochfläche bis zum Meer (13 Divisionen)
Angriffsrichtungen „Gruppe Scotti“: Globocak – Tribil – Castel del Monte „Gruppe Berrer“: Monte Hum – Monte San Martino – Cividale „Gruppe Stein“: linker Flügel: Jeza – Kolowratrücken – Monte Matajur – Natisonetal rechter Flügel: Idersko – Karfreit – Monte Mia – Monte Juanes – Monte Madlessena „Gruppe Krauß“: Hauptstoß im Tal von Flitsch über Saga auf den Stol linker Flügel 55. (k.u.k.) InfTrp: Vrsic – Ravna – Starosela alle Kräfte dann: Monteaperta – Monte le Zuffine Nördliche Nebenkolonne im Gebirge: Prevalascharte – Neveasattel – Resiutta – Venzone
Chronologischer Ablauf der Ereignisse der Schlacht 24. Oktober 1917 Von dem um zwei Uhr einsetzenden Artillerieschlag der Mittelmächte wurden die italienischen Truppen völlig überrascht. Vor allem die deutschen Einheiten kämpften so, wie es an der Westfront inzwischen üblich geworden war. Der hohe Anteil an Gasgranaten sowie die von den italienischen Soldaten auf ihrer Seite bisher nicht gekannte Intensität des Artilleriefeuers führten unverzüglich nicht nur zu starken Verlusten in den viel zu dicht belegten vordersten Gräben, sondern auch zu ersten Auflösungserscheinungen. Der besonders angegriffene rechte Abschnitt der 2. italienischen Armee gab sehr schnell nach und begann die dadurch entstandene und in der Luft hängenden Flügel mitzureißen. Bereits am Morgen des gleichen Tages gelangen im Raum Flitsch (heute: Bovec) und Tolmein tiefe Einbrüche und unerwartet viele gegnerische Soldaten konnten gefangen genommen werden. Der 12. deutschen Infanteriedivision gelang es bis zum Abend, 27 Kilometer bis nahe Robic an der Landesgrenze vorzustoßen.
mini|Deutsche Gaswerfer mini|Gedenkstätte in der Naklo-Schlucht für den Giftgas-Angriff am 24. Oktober 1917