Das III. Seebataillon war eine militärische Formation, die das Deutsche Kaiserreich im Pachtgebiet Kiautschou unterhielt. Es war das einzige Seebataillon der Kaiserlichen Marine, das dauerhaft in Übersee stationiert war. Die Geschichte dieses Bataillons ist eng mit der Entwicklung des Gouvernements von Tsingtau (heute Qingdao) verbunden.

Vorgeschichte und Formierung Im Unterschied zu allen anderen deutschen Überseegebieten wurde Kiautschou nicht von der Kolonialabteilung (später Reichskolonialamt), sondern vom Reichsmarineamt verwaltet. Die militärische Sicherung oblag daher auch nicht dem Kommando der Schutztruppen, sondern der Kaiserlichen Marine.

Nach dem Juye-Vorfall am 2. November 1897 wurde zwischen dem 3. und dem 13. Dezember 1897 ein gesondertes Marineinfanterie-Bataillon mit der 1. und 2. Kompanie aus Teilen des I. Seebataillons in Kiel und der 3. und 4. Kompanie aus Teilen des II. Seebataillons in Wilhelmshaven gebildet. Hinzu kamen 230 Freiwillige aus den Armeekorps des Heeres.Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 15. Mit dem Dampfschiff Darmstadt wurde das neue Bataillon am 16. Dezember 1897 von Wilhelmshaven ins deutsche Pachtgebiet Kiautschou nach Tsingtau in China verlegt, wo es am 26. Januar 1898 eintraf.Albert Röhr: Deutsche Marinechronik. Stalling, Oldenburg/Hamburg 1974, ISBN 3-7979-1845-3, S. 99.

Das Bataillon unterstand ab dem 16. April 1898 dem neuen Gouvernement von Kiautschou (fachlich auch der Inspektion der Marineinfanterie), das seinerseits dem Reichsmarineamt unterstand; als Gouverneur wurde Carl Rosendahl eingesetzt. Viele Offiziere der Seebataillone wurden für einige Jahre vom Heer zur Marine versetzt und kehrten später wieder zum Heer zurück. Für die Mannschaften wurde Gardeersatz gestellt.Brüninghaus: Marineinfanterie, in: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 2, Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 507 f. Am 6. Mai 1898 besuchte Prinz Heinrich von Preußen erstmalig die Garnison in Tsingtau. Am 15. Mai begleiteten Mannschaften des Seebataillons den Prinzen Heinrich zur Audienz beim Puyi, dem 12. Kaiser der Qing-Dynastie, im Sommerpalast von Peking. Am 1. Juni kamen die Abordnungen wieder mit Prinz Heinrich in Tsingtau an.

Garnisonsgeschichte des III. Seebataillons mini|links|Teilnahme des III. Seebataillons bei der Einweihung des Diederichsstein-Denkmals am 21. November 1898 Das III. Seebataillon leistete Dienst als Garnisons- und Kolonialtruppe. Die Hauptaufgabe bestand in der landseitigen Sicherung des deutschen Marinestützpunktes in Tsingtau, der wiederum eine zentrale Bedeutung für die ostasiatische Marinestation hatte. Detachements befanden sich zur Bewachung deutscher Niederlassungen oder zeitweise auch an anderen Orten Chinas. Längerfristige Nebenstandorte lagen in:Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 24f. Kaumi (Inland der Provinz Schantung): 5. (berittene) Kompanie, 1900–1906 Schatsykou (Außenseite der Kiautschou-Bucht): befestigter Posten, 1898–1914 Sifang (Innenseite der Kiautschou-Bucht): 1. Kompanie, 1906–1914

Durch Allerhöchste Kabinettsorder (A.K.O.) vom 13. Juni 1898 wurde der Name als III. Seebataillon bestimmt. Per A.K.O. vom gleichen Tage, wurde die Einführung eines Tropenanzuges mit Khaki-Stoff und Tropenhelm angeordnet. Am 28. August traf die erste Ablösung mit dem Dampfschiff Crefeld in Hafen von Tsintau ein, der Wechsel war zum 4. September abgeschlossen als die bisherigen Mannschaften an Bord des Dampfschiffes waren. Major von Lossow kehrte heim, dafür erhielt Major Dürr seine Dienststellung. Am 14. November 1898 war der erste Jahrestag der Besitzergreifung von Tsingtau; Prinz Heinrich weihte am 21. November 1898 den Diederichsstein am Signalberg ein, woran das III. Seebataillon teilnahm. Die neue Fahne des III. Seebataillon kam am 30. November mit dem Reichspostdampfer Apenrade an. Die Fahne mit der Devise „Pro Gloria et Patria“ wurde am 3. Dezember feierlich an das III. Seebataillon übergeben. Am 14. Juni 1901 wurden die vier Infanteriekompanien um eine berittene fünfte Kompanie ergänzt. Im September 1910 erhielt das Bataillon eine Pionier-Kompanie und eine Feldbatterie.Albert Röhr: Deutsche Marinechronik. Stalling, Oldenburg/Hamburg 1974, ISBN 3-7979-1845-3, S. 112.

Während der Garnisonszeit wurden von Anfang an in erheblichen Umfang Bauarbeiten durchgeführt, die einerseits direkt dem Bataillon zugutekamen und anderseits den Befestigungsanlagen und dem Hafen gewidmet waren. Erste Behelfsunterkünfte wurden 1898/99 erbaut und laufend verbessert. 1909 wurden die Fußtruppen in die neue Bismarck-Kaserne verlegt, die berittenen Abteilungen kamen mit der Marine-Feldartillerie-Kompanie in die Moltke-Kaserne. Das III. Stamm-Seebataillon hatte Unterkünfte in der Kiautschou-Kaserne (später Marien-Kaserne), die dem Marinestützpunkt Cuxhaven beigeordnet war.

Japan forderte mit dem Ultimatum vom 15. August 1914 die bedingungslose Übergabe von Tsingtau bis zum 15. September 1914. Ab dem 16. August 1914 war Tsingtau seeseitig blockiert sowie seit dem 28. September 1914 auch landseitig eingeschlossen und unter dauerndem Beschuss. Nach Verbrauch der letzten deutschen Munitionsvorräte rückten japanische Sturmtruppen nach Tsingtau ein. Mit der Einnahme Tsingtaus durch japanisch-britische Verbände am 7. November 1914 kapitulierten die deutschen Truppen des Pachtgebiets. Dadurch kamen die meisten Überlebenden des III. Seebataillons in japanische Kriegsgefangenschaft und das Bataillon hörte faktisch auf zu bestehen. Bei den Transporten nach Japan wurden auch Teile des zerstörten Diederichsstein nach Japan überführt. Die 50 Bataillonsangehörigen des Peking-Detachements wurde 1917 im Sommersitz des Prinzen Tsai-toa bei Peking interniert.Albert Röhr: Deutsche Marinechronik. Stalling, Oldenburg/Hamburg 1974, ISBN 3-7979-1845-3, S. 195.

Militärische Operationen mini|Denkmal für die Gefallenen und Verstorbenen des III. Seebataillons mini|hochkant|Gedenkblatt für die in Peking gefallenen Opfer des III. Seebataillons Das III. Seebataillon entsandte Truppen zur Verstärkung der Vereinigten Expedition der acht Staaten beim Boxeraufstand, führte eigene sogenannte Strafexpeditionen durch und war zeitweise auch an anderen Orten Chinas im Einsatz. Zuletzt verteidigte es Tsingtau bis zur Kapitulation 1914.Herbert von Kleist: Die Kämpfe des III. Seebataillons während der Wirren 1900/01. Herausgegeben vom Kommando des III. Seebataillons, Missionsdruckerei Tsingtau, S. 8 (online, PDF, ca. 200 kB).

Im Sommer 1900 beteiligte sich das III. Seebataillon an Kämpfen in und um Tientsin, wo internationale Vertretungen am 23. Juni durch das Seebataillon und weitere internationale Truppen entsetzt wurde. Am 4. Juli wurde das Bataillon wieder aus Tientsin abgezogen, da auch in der Region um Tsingtau der offene Ausbruch des Aufstandes drohte.Albert Röhr: Deutsche Marinechronik. Stalling, Oldenburg/Hamburg 1974, ISBN 3-7979-1845-3, S. 102 f. Einzelne Abteilungen waren an Gefechten im Gesandtschaftsviertel von Peking und in der Provinz Shandong beteiligt. Von der 2. und 4. Kompanie in Tientsin sowie dem Zug in Peking fielen 21 Mann.Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 26, 45. Die Gefallenen und Verstorbenen dieser Zeit wurden später mit einem Kriegerdenkmal in der Bismarck-Kaserne geehrt.

Im Ersten Weltkrieg trugen die Soldaten des III. Seebataillons die Hauptlast der Kämpfe an der Landfront von Kiautschou und verteidigten Tsingtau bis zum 7. November 1914. Den Kompanien des Seebataillons oblag die Verteidigung von fünf Infanteriewerken im Hinterland von Tsingtau.Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 61 f. Das Stammbataillon wurde schon früher aufgelöst; mit der Gefangennahmen der Überlebenden von Tsingtau endete die Bataillonsgeschichte.

Organisation Die Organisation des III. Seebataillons unterstand von Anfang an der Reichsmarine mit dem Kaiser als dem obersten Dienstherrn. Neben anderen Bestimmungen basierte die Entsendung der Soldaten auf der damaligen Wehrverfassung des deutschen Reiches und der Verfügung „Organisatorische Bestimmungen für die Besatzung des Schutzgebietes und deren Stammkompanien.“ vom 17. August 1898, vom 1. Oktober 1902 und weiteren Änderungen zum Kriegseintritt 1914. Zusätzlich gab es Anlagen über „Besondere Bestimmungen zur Ergänzung, Beförderung und Ablösung der Besatzung des Schutzgebiets Kiautschou“ mit weiteren Bestimmungen für Wehrpflichtige. Die übliche Dienstzeit bis zur Ablösung in Kiautschou lag für Mannschaften bei zwei Jahren, die mit Grundausbildung und Reisenzeiten und restlicher Beurlaubung damit auf eine dreijährige Dienstzeit kamen. Offiziere hatten in der Regel längere Dienstzeiten. Das Reichsmarineamt veranlasste vor Ort eine umfangreiche Verwaltung, wobei das III. Seebataillon den militärischen Kern darstellte und vom Gouvernement mit zahlreichen Einrichtungen ergänzt wurde.

Gliederung Die Gliederung des III. Seebataillons unterlag in seiner 17-jährigen Laufbahn zahlreichen Veränderungen, die mit dem Wachstum in Tsingtau und den politischen Ereignissen in China einher gingen.

Bei Kriegsbeginn 1914 bestand das Bataillon aus folgenden Einheiten: vier Marineinfanterie-Kompanien eine berittene (5.) Kompanie, ab 29. März 1902Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 16. eine Marine-Feldartillerie-Batterie per A.K.O. ab 4. Dezember 1899 eine Marine-Pionier-Kompanie, per A.K.O. vom 27. September 1910, ab 1911 per Ranglisten eine Maschinengewehr-Kompanie, ab 12. Juli 1904 in Zugstärke, am 25. Februar 1908 auf Kompaniestärke verdoppeltKurt Aßmann: Die Kämpfe der kaiserlichen Marine in den deutschen Kolonien. Mittler & Sohn, Berlin 1935. eine Militärkapelle

Die spätere Entwicklung der Zahlen zur Kriegsstärke in Tsingtau wird in Quellen unterschiedlich wiedergegeben. Auch die Gliederung der Einsatzkräfte wird unterschiedlich dargestellt, was mit den besonderen Umständen der Verteidigung in den letzten Monaten der Garnison zusammenhängen kann. Im Ersten Weltkrieg wurden in Tsingtau zusätzlich zu den oben genannten Einheiten noch die 6. und 7. (Reserve-)Infanteriekompanie und eine (Reserve-)Marine-Feldartillerie-Batterie aufgestellt.Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 60.

Chinesische Abteilungen mini|Die Chinesen-Compagnie auf einer zeitgenössischen Postkarte aus Tsingtau-Kiautschou. Die Aufstellung und Rekrutierung einer Kompanie mit Chinesen erfolgte ab Oktober 1899. Die Stärke dieser separat in Litzun kasernierten Chinesen-Kompanie betrug 120 Mann Infanterie und 20 Reiter unter Führung von drei deutschen Offizieren und zehn Unteroffizieren. Die Kommandosprache war Deutsch, daher wurden chinesische Dolmetscher angestellt. Da die Einheit als unzuverlässig galt – 26 Soldaten desertierten im „Boxer“-Krieg – wurde die Stärke der Kompanie im November 1900 auf 68 Mann, darunter 12 Reiter, reduziert. Im September 1901 folgte die Auflösung. Die Reiter wurden der 5. (berittenen) Kompanie zugewiesen.Rolf Klodt: Zur See und an Land. Report, Bonn 2008, ISBN 978-3-932385-28-5, S. 106. Die verbliebenen Mannschaften wurden in die Polizeitruppe eingegliedert.Curt Huguenin: Geschichte des III. See-Bataillons. Adolf Haupt, Tsingtau 1912, S. 68–72.Horst Gründer: Tsingtau – eine deutsche Musterkolonie in China? In: Horst Gründer, Hermann Hiery (Hrsg.): Die Deutschen und ihr Kolonialreich. be.bra Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-89809-137-4, S. 123–143 (hier: S. 129 f.).

III. Stamm-Seebataillon