Unter einem seriellen Komma (engl. serial comma) oder (volkstümlich) Oxfordkomma (auch Oxford-Komma; engl. Oxford comma; engl. auch Harvard comma, series comma) versteht man ein Komma, das in der englischen Schriftsprache unter bestimmten Voraussetzungen in drei- oder mehrteiligen Aufzählungen, die durch die Konjunktion and („und“) verbunden sind, unmittelbar vor das and gesetzt wird. Beispiel:
Gelegentlich erscheint es auch vor der Konjunktion or („oder“) oder in Aufzählungen mit nur zwei Elementen. Im Deutschen wird an entsprechender Stelle kein Komma gesetzt.
Beim seriellen Komma handelt es sich um einen Spezialfall des listing comma („Auflistungskomma“), einem – neben joining comma, gapping comma und bracketing comma – der in der englischen Schriftsprache verbreiteten vier Typen von Kommata.
Die meisten Englischsprecher sind sich darüber einig, dass das serielle Komma in bestimmten Fällen gesetzt werden muss. Die Frage, ob es in allen anwendbaren Fällen gesetzt werden muss, wird im englischen Sprachraum jedoch uneinheitlich beantwortet und ist überdies immer wieder Gegenstand emotional geführter privater und auch gesellschaftlicher Diskurse:
Die amerikanische Linguistin Arika Okrent sprach 2015 sogar von einem „Oxfordkomma-Krieg“.
Geschichte Das serielle Komma hat im Englischen eine lange Tradition und findet sich bereits in den ersten Drucken der Werke Shakespeares:
Bis in die frühen 1990er Jahre war das serielle Komma auch unter der Bezeichnung „Harvard-Komma“ geläufig, was vor allem an John Wilson (1802–1868) liegt. Der in Glasgow geborene Anglist Wilson wirkte in Harvard seit 1843 und publizierte dort 1844 sein Standardwerk A Treatise On English Punctuation, in dem er den Gebrauch des seriellen Kommas für verbindlich erklärte:
Im Vereinigten Königreich begann der Verlag Oxford University Press 1893, einen Oxford Guide to Style (auch: Hart’s Rules, nach seinem ersten Autor, Horace Hart) herauszugeben, der sich zu einer für die englische Schriftsprache autoritativen Schreibrichtlinie entwickelte. Auch in diesem Werk wurde die Verwendung des seriellen Kommas für verbindlich erklärt:
Weder Wilson noch Hart hatten dem Komma vor dem and einen speziellen Namen gegeben. Dies unternahm erst der amerikanische Anglist George Summey, der das Komma in seinem 1919 veröffentlichten Werk Modern Punctuation als „Reihenkomma“ (series comma) bezeichnete. Anders als Wilson und Hart empfahl Summey, dieses Komma nie routinemäßig, sondern nur da zu setzen, wo die Situation eine besondere Klarstellung erfordert. Einer der ersten Autoren, die den von Sprachwissenschaftlern heute oft bevorzugten Terminus „serielles Komma“ verwendeten, war der amerikanische Anglist R. J. McCutcheon, der 1940 – ganz ohne sich für oder wider den Gebrauch auszusprechen – eine Übersicht über die Verbreitung dieses Kommas in den verschiedenen Bereichen des zeitgenössischen Schriftwesens bot.
Der populäre Terminus Oxford comma kann seit mindestens 1974 nachgewiesen werden. Gegen seine Verwendung ist vorgebracht worden, dass dieser Ausdruck dem seriellen Komma einen akademischen Glamour verleihe, der ihm gar nicht zukomme. Da die Oxford University Press, die in Europa für das Komma mehr als ein Jahrhundert lang prominent eingetreten war, in dieser Sache 2011 eine vollständige Kehrtwende vollzog und gegen die unnötige Verwendung des seriellen Kommas inzwischen deutlich Position bezieht, lässt sich auch darüber streiten, ob die Bezeichnung Oxfordkomma sachlich überhaupt noch passend oder nicht vielmehr längst obsolet geworden ist.
Funktion des seriellen Kommas: Vermeidung von Mehrdeutigkeit Obwohl der Oxford Guide to Style das serielle Komma seit 2011 nicht mehr wie zuvor in jedem theoretisch möglichen Fall vorschreibt, enthält dieser Text nach wie vor eine einschlägige Beschreibung der Funktion des seriellen Kommas: Es soll gesetzt werden, wenn es der Klärung von Mehrdeutigkeit dient:
Kommata werden im Englischen generell dazu verwendet, kurze Unterbrechungen im Sprechfluss anzuzeigen. Im Falle von Aufzählungen markieren diese Pausen, welche Elemente (zu einem Aufzählungspunkt) zusammengehören und welche nicht. Eine zusätzlich eingefügte kurze Sprechpause bzw. das serielle Komma kann insofern die Aussage einer Aufzählung entscheidend verändern.
In der Literatur werden immer wieder Beispiele für Mehrdeutigkeiten genannt, die durch Einfügung eines seriellen Kommas behoben werden können. Diese Mehrdeutigkeiten lassen sich in drei Gruppen aufteilen: 1. Mehrdeutigkeiten in Verbindung mit Appositionen, 2. mit Attributen und 3. mit Zusammengehörigem bzw. mit idiomatischen Wendungen.
Appositionen Wie andere Sätze auch enthalten Aufzählungen oft Appositionen, d. h. nähere Bestimmungen von Satzgliedern, die mit Kommata abgeschieden werden (der Pate, Don Vito Corleone). In vielen Fällen sind in einer Aufzählung offensichtlich keine Appositionen enthalten: “Josh plays with Melanie, Jess and Noel.”(„Josh spielt mit Melanie, Jess und Noel.“) “Josh plays with the neighbors’ son, his sister and his cousin.”(„Josh spielt mit dem Sohn der Nachbarn, seiner Schwester und seiner Cousine.“)
In den Beispielen, die zur Erläuterung der Funktion des seriellen Kommas genannt werden, liegt beim drittletzten Aufzählungselement aber oft eine Mehrdeutigkeit: “Josh plays with his siblings, Jess(,) and Noel.”(„Josh spielt mit seinen Geschwistern, Jess und Noel.“) Wenn hier kein Komma gesetzt wird, ist unklar, mit wie vielen Kindern Josh spielt, insbesondere, ob Jess und Noel Joshs Geschwister sind. Um zweifelsfrei zu signalisieren, dass Jess und Noel nicht seine Geschwister sind, muss ein serielles Komma eingefügt werden. Entsprechendes gilt auch für ein singularisches drittletztes Element: “Josh plays with his sister, Jess(,) and Noel.”(„Josh spielt mit seiner Schwester, Jess[,] und Noel.“) “Sam took his dog for a walk and ran into Deirdre, a friend and his dentist.”(„Sam ging mit seinem Hund spazieren und begegnete Deirdre, [die] eine Freundin und seine Zahnärztin [ist].“)
Attribute Wenn das vorletzte Aufzählungselement ein vorangestelltes oder das letzte Element ein nachgestelltes Attribut hat, wird die Verwendung des seriellen Kommas gelegentlich sogar für Fälle mit nur zwei Elementen empfohlen.
Vorangestelltes Attribut im vorletzten Element In vielen Beispielen, die herangezogen werden, um die Zweckmäßigkeit der Verwendung serieller Kommata zu veranschaulichen, enthält das vorletzte Aufzählungselement ein vorangestelltes Attribut, wobei unklar ist, ob dieses sich auch auf das letzte Aufzählungselement bezieht: “She likes cookies, hot milk(,) and chocolate.”(„Sie mag Kekse, heiße Milch und [heiße?] Schokolade.“) Plasma is a hot gas comprising positively charged ions, and electrons.(„Plasma ist ein heißes Gas, das aus positiv geladenen Ionen und [aus] Elektronen besteht.“) Mit dem seriellen Komma kann klargestellt werden, dass die beiden letzten Aufzählungselemente kein gemeinsames Attribut haben.
Nachgestelltes Attribut im letzten Element Entsprechendes gilt für den Fall, dass dem letzten Element einer Aufzählung ein Attribut nachfolgt: “We sell handbags, jewelry boxes, and leather belts for men.”(„Wir verkaufen Handtaschen, Schmuckkästchen [für Frauen] und Ledergürtel für Männer.“)
Zusammengehöriges und idiomatische Wendungen Nicht nur Appositionen und Attribute, sondern etwa auch idiomatische Wendungen können durch gezieltes Setzen bzw. Weglassen des seriellen Kommas als solche kenntlich gemacht werden. Beispiele: “We had coffee, cheese and crackers, and grapes.”(„Wir hatten Kaffee, Käse und Cracker [= einen Snack namens ‚Käse und Cracker‘] und Trauben.“)
Entsprechendes gilt generell für Zusammengehöriges: “Lia ordered three smoothies: strawberry, peach and mango, and pineapple.”(„Lia bestellte drei Smoothies: Erdbeere, Pfirsich und Mango [= Pfirsich-Mango-Smoothie] und Ananas“)
Gebrauch in Sätzen ohne Mehrdeutigkeitsrisiko Alle Autoren sind sich darüber einig, dass in Sätzen, die ohne Komma mehrdeutig wären, die Verwendung des seriellen Kommas zwingend geboten oder zumindest ratsam ist. In der Mehrzahl aller Fälle handelt es sich jedoch um Aufzählungen gleichwertiger Elemente, in denen die Situation vollkommen eindeutig ist. Beispiele: “The recipe requires potatoes, onions(,) and carrots.”(„Für das Rezept werden Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten gebraucht.“) “They’re cute, they’re cuddly, they’re sweet(,) and they want us out of the way.”(„Sie sind niedlich, sie sind zum Liebhaben, sie sind süß und sie wollen uns aus dem Weg haben.“) “He opened the letter, read it(,) and made a note of its contents.”(„Er öffnete den Brief, las ihn und machte über den Inhalt eine Notiz.“)
Das serielle Komma ist bei all diesen Beispielen redundant, sodass Kritiker gelegentlich sogar von Tautologie sprechen. Im Falle von solchen eindeutigen Sätzen – und nur hier – sind die Auffassungen, ob ein serielles Komma dennoch zu setzen sei, nicht nur uneinheitlich, sondern sogar stark polarisiert.
Schreibgepflogenheiten in einzelnen Ländern Vereinigtes Königreich Obwohl Oxford University Press mehr als ein Jahrhundert lang prominent für das serielle Komma eingetreten war, zählt der Verlag seit 2011 zu dessen einflussreichsten Gegnern. Mit seiner Kehrtwende hat das Unternehmen sich nicht zuletzt auch dem gebeugt, was im Vereinigten Königreich auch gemeinhin Schreibpraxis war und ist. Alle anderen bedeutenden Style Guides des Landes waren dem redundanten Gebrauch des seriellen Kommas schon früher entgegengetreten bzw. hatten seine Verwendung dem Ermessen der Schreibenden überlassen, darunter Fowler’s Modern English Usage, der MHRA Style Guide, The Economist Style Guide, The Times Style and Usage Guide, The Cambridge Guide to English Usage und The Guardian Book of English Language. Für den Schulunterricht hat das National Curriculum for England Entsprechendes empfohlen.
Immer wieder haben britische Rechtschreibratgeber geäußert, dass das unnötige Setzen eines seriellen Kommas als „pedantisch und töricht“ oder „pompös“ empfunden werde, dass es das Schriftbild unnötig überlade und dass es suggeriere, der Leser sei nicht intelligent genug, den Sinn eines Satzes auch ohne Einsatz des Komma-Hilfsmittels korrekt zu erfassen.
Vereinigte Staaten In den Vereinigten Staaten wird das serielle Komma sehr viel häufiger verwendet als im Vereinigten Königreich. Die große Mehrzahl der amerikanischen Rechtschreibleitfäden empfiehlt die Verwendung des seriellen Kommas auch in eindeutigen Fällen, darunter das United States Government Printing Office Style Manual, das Chicago Manual of Style, Strunk & Whites The Elements of Style, das Plain English Handbook, der APA Style Guide, das AMA Manual of Style, Wilson Folletts Modern American Usage, das MLA Style Manual, das The CSE Manual for Authors, Editors, and Publishers und Garner's Modern English Usage.
Überdurchschnittlich stark verbreitet ist das serielle Komma – aufgrund der starken internationalen Verflechtung der Forschung auch außerhalb der USA – in wissenschaftlichen Texten.
Pressesprachlich wird es dagegen auch innerhalb der USA kaum verwendet. So haben sich in ihren Schreibrichtlinien nicht nur die Nachrichtenagentur Associated Press, sondern etwa auch die New York Times und die Los Angeles Times explizit für den Verzicht auf redundante serielle Kommata ausgesprochen.
Weitere Länder In den englischsprachigen Provinzen Kanadas ist das serielle Komma etwas weniger gebräuchlich als im Nachbarland USA. Eine Umfrage hat hier 2011 ergeben, dass 65 % der Befragten das Komma immer verwenden, während 24 % darauf verzichten und 11 % keine Präferenz haben. Die Schreibrichtlinien der Canadian Press enthalten ein explizites Bekenntnis zum Nichtgebrauch des seriellen Kommas.