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Ökonomie des Terrorismus ist ein Zweig der Wirtschaftswissenschaften, der sich der Erforschung des Terrorismus widmet. Er beinhaltet die Verwendung der Instrumente der Wirtschaftsanalyse, um Fragen im Zusammenhang mit dem Terrorismus zu analysieren. Diese sind: der Zusammenhang zwischen Bildung, Armut und Terrorismus; die Auswirkungen makroökonomischer Bedingungen auf die Häufigkeit und Qualität des Terrorismus; die wirtschaftlichen Kosten des Terrorismus und die Ökonomie der Terrorismusbekämpfung.Enders, Walter (ed.), 2016. "The Economics of Terrorism," Books, Edward Elgar Publishing, number 16138

Die Forschung untersucht ausführlich die Beziehung zwischen Wirtschaft und Terrorismus, welche Rolle die Wirtschaft bei der Entstehung vom Terrorismus spielt und wie genau sich wirtschaftliche Erwägungen für das Verständnis und die Bekämpfung des Terrorismus als nützlich erweisen könnten.Gold, David (2004). "Economics of terrorism", Columbia University Press

Armut, Bildung und Terrorismus Nach der Wirtschaftstheorie sollten Menschen mit höherer Bildung und gutem Einkommen weniger geneigt sein, sich am Terrorismus zu beteiligen, weil sie mehr Möglichkeiten im Arbeitsmarkt haben. Ihre Opportunitätskosten sind höher als von den Menschen mit schlechterer Bildung und geringerem Einkommen. Daher ist es eine weit verbreitete Meinung, dass Armut und mangelnde Bildung die Ursachen des Terrorismus sind. Es gibt jedoch mehrere Studien, die dieser Idee widersprechen. In diesen Studien vergleichen Wissenschaftler die sozioökonomischen Merkmale von Terroristen mit denen der Zivilbevölkerung.

Alan Bennett Krueger und Jitka Malečková (2003) analysierten das dargestellte Problem anhand von drei Datensätzen:

129 Mitglieder der Hisbollah (Libanon), die von 1982 bis 1994 im Einsatz gestorben waren. 285 palästinensische Terroristen, die von 1987 bis 2002 Taten verübt hatten. 27 Israelis, die in den frühen 1980er Jahren an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen waren.

Claude Berrebi (2007) verwendete in seinen Recherchen die Daten aus den Biografien von 335 palästinensischen Terroristen, die von 1987 bis 2002 getötet oder aus Palästina vertrieben worden waren.

Die verfügbaren Belege aus allen diesen Studien deuten darauf hin, dass Mitglieder terroristischer Organisationen im Vergleich zur relevanten Bevölkerung eher aus wirtschaftlich wohlhabenden Familien stammen und ein relativ hohes Bildungsniveau aufweisen. Auf der Angebotsseite (Menschen bieten ihre Dienste einer Terrororganisation an) erfordert die politische Beteiligung ein gewisses Maß an Interesse, Wissen und Engagement, Lösungen zu finden. Es ist wahrscheinlicher, dass gebildete und wohlhabende Menschen all diese Eigenschaften haben. Auf der Nachfrageseite (Terrororganisationen suchen Rekruten) bevorzugen terroristische Organisationen möglicherweise gebildete, engagierte Einzelpersonen, weil sie komplexere Aufgaben erledigen können.Krueger, Alan Bennett and Jitka Malečková (2003). Education, Poverty and Terrorism: Is There a Causal Connection?, Journal of Economic Perspectives, 17 (4), Fall, 119-44Berrebi, Claude (2007). Evidence about the Link Between Education, Poverty and Terrorism among Palestinians, Peace Economics, Peace Science and Public Policy, 13 (1), i, 1-36

Die Partizipation gebildeter Menschen am Terrorismus könnte die Folge nationaler Armut sein. In Ländern mit niedrigem BIP pro Kopf und hoher Arbeitslosigkeit haben gebildete Menschen keine Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, weswegen sie auf Kriminalität zurückgreifen. Aus diesem Grund schließt die Beteiligung gebildeter und wohlhabender Menschen am Terrorismus nicht aus, dass nationale Armut zum Terrorismus beitragen kann. Alan Bennett Krueger und Jitka Malečková (2003), und Alberto Abadie (2006) beschäftigten sich mit diesem Thema. Die Ersten verwendeten in ihrer Analyse die Daten von 130 Terroranschlägen aus der jährlichen Liste bedeutender internationaler terroristischer Vorfälle des US-Außenministeriums, die im Zeitraum von 1997 bis 2002 stattgefunden hatten. Letzterer griff auf die Messung des Risikos von Terroranschlägen auf der Länderebene für 186 Staaten in den Jahren 2003-2004 zurück. Beide Studien kamen zum gleichen Ergebnis. Sobald die bürgerlichen Freiheiten berücksichtigt werden, steht das Einkommensniveau eines Landes in keinem Zusammenhang mit seiner Beteiligung am internationalen Terrorismus. Der Mangel an politischer Freiheit erklärt den Terrorismus auf nicht monotone Weise. Länder mit mittlerem Freiheitsniveau sind anfälliger für Terrorismus als Staaten mit hohem Freiheitsniveau oder mit stark autoritären Regimen. Der Übergang von einem autoritären Regime zu einer Demokratie kann mit einer vorübergehenden Zunahme am Terrorismus einhergehen.Abadie, Alberto (2006). Poverty, Political Freedom, and the Roots of Terrorism, American Economic Review, Papers and Proceedings, 96 (2), May, 50-56Krueger, Alan Bennett and Jitka Malečková (2003). Education, Poverty and Terrorism: Is There a Causal Connection?, Journal of Economic Perspectives, 17 (4), Fall, 119-44

Walter Enders, Gary A. Hoover and Todd Sandler (2016) argumentierten, dass die oben genannten Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen dem BIP pro Kopf und Terrorismus gefunden hätten, weil ein linearer Zusammenhang angenommen worden war. Es stellt sich jedoch heraus, dass zwischen dem BIP pro Kopf und dem Terrorismus ein nichtlinearer, nicht symmetrischer Zusammenhang besteht. Walter et al. verwendeten in ihrer Analyse Daten von den Terroranschlägen, die von 1970 bis 2010 stattgefunden hatten. Darüber hinaus teilten sie den Datensatz in zwei Teile auf, um der unterschiedlichen Natur des Terrorismus in der Neu-linken und Religiösen Welle Rechnung zu tragen. Die Länder mit sehr niedrigem Einkommen korrelieren mit gescheiterten und fragilen Staaten. Solche Staaten verfügen aufgrund der begrenzten Steuereinnahmen über wenig Möglichkeiten zur Terrorismusbekämpfung oder Strafverfolgungsvermögen und bieten deswegen terroristischen Gruppen die Möglichkeit, ungestraft zu agieren. Zudem hat die Bevölkerung in armen Ländern nur wenige Marktchancen. Mit dem realen Einkommenswachstum in diesen gescheiterten Staaten verbessern sich die Fähigkeiten zur Terrorismusbekämpfung und steigen die Opportunitätskosten der Bevölkerung, wodurch der Terrorismus eingedämmt wird. Ein Spitzenwert wird bei einem mittleren Einkommensniveau erreicht, abhängig vom Zeitpunkt, der Art des Terrorismus und aktiver oder passiver staatlicher Anti-Terror-Strategie. Ein hohes Einkommensniveau ermöglicht es dem Staat, sowohl den inländischen als auch den internationalen Terrorismus zu bekämpfen. Somit beeinflusst das Pro-Kopf-BIP die Anzahl der Terroranschläge.Enders, Walter, Gary A. Hoover, and Todd Sandler (2016). “The Changing Nonlinear Relationship between Income and Terrorism”, Journal of Conflict Resolution 60 (2): 195–225

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen jedoch nicht nur die Häufigkeit von Terroranschlägen, sondern auch deren Qualität. Efraim et al. befinden, dass hohe Arbeitslosigkeit und schlechte wirtschaftliche Bedingungen es Terrororganisationen ermöglichen, gebildetere, reifere und erfahrenere Terroristen zu rekrutieren, die wiederum wichtigere Ziele angreifen. Sie stützten ihre Analyse auf 157 palästinensische Selbstmordattentäter, die zwischen September 2000 und Dezember 2006 Ziele in Israel, in Westjordanland und in Gazastreifen angegriffen hatten oder versucht hatten, diese anzugreifen.Benmelech, Efraim, Claude Berrebi and Esteban F. Klor (2012). “Economic Conditions and the Quality of Suicide Terrorism”, Journal of Politics, 74 (1), January, 113-28

Wirtschaftliche Folgen des Terrorismus

Folgen des Terrorismus in Baskenland (1968 – 2000) mini|520x520px|Pro-Kopf-BIP in Baskenland von 1955 bis 1997 Zu Beginn der Terroranschläge in den 1970er Jahren war Baskenland eine der reichsten Regionen in Spanien. Unter 17 Regionen belegte Baskenland den 3. Platz in Bezug auf das Pro-Kopf-BIP. Nach 30 Jahren terroristischer Konflikte rutschte es auf den 6. Platz bei diesem makroökonomischen Indikator. Die terroristische Organisation ETA war für alle Terroranschläge verantwortlich, die sich in diesem Zeitraum in Baskenland ereigneten. Alle terroristischen Aktivitäten führten in ganz Spanien zum Tod von fast 800 Menschen. 70 % aller Opfer befanden sich jedoch in Baskenland. Das Ziel der ETA war die Ausrufung eines unabhängigen baskischen Staates. Alberto Abadie und Javier Gardeazabal (2003) untersuchten diesen Fall, um herauszufinden, welche Rolle 30 Jahre vom Terrorismus beim wirtschaftlichen Niedergang des Baskenlandes gespielt hatten. Zum Vergleich modellierten sie die wirtschaftliche Entwicklung im Baskenland ohne Terrorismus. Dafür schufen sie ein „synthetisches“ Baskenland, das eine gewichtete Summe der anderen Regionen Spaniens darstellt. Diese gewichtete Summe weist makroökonomische Indikatoren auf, die denen im realen Baskenland vor dem Ausbruch des Terrorismus ähneln. Die Regionen mit dem höchsten Gewicht in dieser gewichteten Summe waren im Untersuchungszeitraum keinem Terrorismus ausgesetzt. Folglich ist der Unterschied in der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen realem und „synthetischem“ Baskenland das Ergebnis von 30 Jahren des Terrorismus. Alberto Abadie und Javier Gardeazabal stellten fest, dass das Pro-Kopf-BIP in Baskenland ohne Terrorismus um 10 % höher gewesen wäre.Abadie, Alberto and Javier Gardeazabal (2003). "The Economic Costs of Conflict: A Case Study of the Basque Country", American Economic Review, 93 (1), March, 113-32 mini|520x520px|Zahl der durch Terrorismus getöteten Israelis

Folgen des Terrorismus in Israel (2001 – 2003) Der Staat Israel war seit seiner Gründung im Jahr 1948 in Kriege verwickelt und war das Ziel zahlreicher Terroranschläge. Die blutigsten Jahre waren jedoch von 2001 bis 2003, als 877 Israelis von Terroristen getötet wurden. Ein Zeitraum von 55 Jahren (1948–2003), gefüllt mit Kriegen und Terroranschlägen, lieferte Zvi Eckstein und Daniel Tsiddon (2004) eine ausreichend lange Datenreihe, um die Auswirkungen des Terrorismus auf die makroökonomischen Indikatoren des Staates zu identifizieren. Sie verwendeten ein VAR-Modell mit vierteljährlichen Daten für vier endogene Variablen (Pro-Kopf-BIP, Investitionen, Export und Konsum). Der Terrorismusindex aus der Vorperiode wurde aufgenommen, um seine Auswirkungen auf die endogenen Variablen zu kontrollieren. Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass das Pro-Kopf-BIP ohne den Terrorismus in Israel im Zeitraum von 2001 bis 2003 um 10–15 % höher als der reale Wert gewesen wäre.Eckstein, Zvi and Daniel Tsiddon (2004). "Macroeconomic Consequences of Terror: Theory and the Case of Israel", Journal of Monetary Economics, 51 (5), July, 971-1002

Folgen des Terrorismus für Industrie- und Entwicklungsländer