Die Dorfkirche Vichel ist ein neoromanisches Kirchengebäude im Ortsteil Vichel der Gemeinde Temnitztal im Landkreis Ostprignitz-Ruppin des deutschen Bundeslandes Brandenburg.
mini|Südansicht
Geschichte Der erste bekannte Vicheler Kirchenbau verfiel während in Folge des Dreißigjährigen Krieges so stark, dass die Patronatsfamilie von Quast 1689 eine neue Kirche erbauen ließ. Sie war ungefähr 14 m × 7 m groß. Die Wände bestanden aus Holzfachwerk mit Mauersteinen, das Dach war mit Ziegeln gedeckt. Damit ähnelte der Bau wohl den die Kirche umgebenden Wohnhäusern, Scheunen und Ställen, ergänzt um einen hölzernen Dachreiter für Uhr und Glocken. Beide Kirchen befanden sich im Zentrum des damaligen Rundlingsdorfs.
mini|Albrecht von Quast (1813–1872), 1860er Jahre Im Jahr 1862 begannen die Planungen des Patrons Albrecht von Quast (1813–1872) und des Gemeindekirchenrats für den Bau einer neuen Kirche. Diese sollte weiter nordwestlich, jenseits der Straße von Garz nach Nackel (der heutigen Landesstraße 166), entstehen. Als Architekt beauftragt wurde der Berliner Baumeister Viktor von Weltzien (1836–1927), ein Cousin Albrecht von Quasts, der sich später zu einem herausragenden Vertreter des Historismus entwickelte.
Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1867. Am 22. Dezember 1868, nach nur anderthalb Jahren Bauzeit, wurde die Kirche mit einem Gottesdienst unter der Leitung des zuständigen Generalsuperintendenten Hoffmann eingeweiht. Aufgrund von Vernachlässigung in den Jahrzehnten der DDR und der Nachwendezeit verfiel die Bausubstanz, ungeachtet einer Restaurierung im Jahr 1958. Nachdem zu Beginn der 2000er Jahre Schwamm im Dachstuhl festgestellt worden war, wurde 2004 der Abriss der Kirche diskutiert.
Nach der Gründung des „Fördervereins Vicheler Dorfkirche e. V.“ im Jahr 2007 begannen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Im Folgejahr wurde die Sanierung des Schieferdaches, des Dachstuhls der Glockenanlage und der Turmuhr begonnen und 2009 abgeschlossen. 2025/26 folgten die Restaurierung des Kirchturms, des Kirchensockels sowie der beiden Sandsteinportale. Dabei wurden auch die in der Nachkriegszeit verlorenen gegangenen Sandsteinkreuze erneuert.
Die Kirche, die weiterhin für religiöse Zwecke genutzt wird, hat sich in den letzten Jahren auch zu einem kulturellen Ausstellungs- und Begegnungsort der Region entwickelt. Neben der Präsentation zeitgenössischer Kunst gab es Auftritte von Künstlern wie Frank Dornseif und Elke Wagner, Katharina Thalbach, Klaus Hoffmann und dem Barockensemble Lautten Compagney.
Architektur Die Dorfkirche Vichel ist ein Backsteinbau auf kreuzförmigem Grundriss mit außen polygonaler und innen halbkreisförmiger Apsis und quadratischem Westturm. Die Fassaden bestehen aus roten reichsformatigen Ziegeln mit farblich abgesetztem, ornamentiertem Rundbogenfriesband aus Ziegelformsteinen an Traufen und Giebeln. Die klassizistischen Portale und die Fenster- und Schallukenöffnungen des Turms sind aus Sandstein gefertigt. Die Portale und die Apsis sind von insgesamt vier Sandsteinkreuzen geschmückt.
mini|Inneres der Dorfkirche im Jahr 2025 Das Gewölbe über der Apsis war ursprünglich als Sternenhimmel auf blauem Grund ausgemalt. Der weiß-grau gemusterte Fliesenfußboden hat sich gut erhalten.
Die Orgel stammte von dem Berliner Orgelbauer Albert Lang (1825–1903). Im Jahr 2008 wurde sie wegen starker Beschädigung abgebaut. Der „Förderverein Vicheler Dorfkirche“ plant die Restaurierung und Wiederaufstellung.
Die beiden Bronzeglocken kamen von der Berliner Glockengießerei Hackenschmidt, von der unter anderem die Glocken für die Potsdamer Friedenskirche (1849) stammten. Diese Glocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und im Jahr 1921 durch gusseiserne Glocken ersetzt. Die größere trägt die Inschrift: „Mein Ruf leit euch her zu Gott, | auch weck er euch bei Feuers Not, | und die der Tod erloese von Leid, | die fuehr er hin zur Seligkeit.“ Auf der kleineren ist zu lesen: „Friede sei mit euch“ und „Bete und arbeite“.
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 1127. Sebastian Panwitz: Vichel. Hg. v. Sibylle Badstübner-Gröger (= Schlösser und Gärten der Mark, Heft 169). Hendrik Bäßler Berlin 2024, S. 20–23. Sebastian Panwitz: Vichel und Rohrlack. Zwei Quast’sche Rittergüter. Hg. v. André Schmitz (= Schriftenreihe zur Familie von Quast, Bd. 4). Edition Rieger, Karwe 2025, S. 42–47.
Weblinks
Eintrag auf der Website „Alte Kirchen“ Förderverein Vicheler Dorfkirche e. V.
Vichel Kategorie:Baudenkmal in Temnitztal Kategorie:Bauwerk in Temnitztal Vichel Kategorie:Erbaut 1868 Vichel Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus Kategorie:Bauwerk des Rundbogenstils in Brandenburg Vichel Kategorie:Bauwerk des Historismus im Landkreis Ostprignitz-Ruppin