mini|Der NVA Stahlhelm mit Tarnnetz Der Stahlhelm Modell 56 (kurz M56) ist ein Stahlhelm-Baumuster aus DDR-Entwicklung, welcher auf den Helmentwurf M45 aus dem Zweiten Weltkrieg basiert. Als Standard-Stahlhelm der Nationalen Volksarmee der DDR war er von 1957 bis 1990 in Gebrauch.

Geschichte

Entwurf als Helmtyp B II Durch eine Denkschrift der Heeressanitätsinspektion, in der auf eine zunehmende Zahl von Kopfverletzungen und andere Mängel der bisherigen deutschen Helmmodelle M35 und M40 verwiesen wurde, wurde im Jahre 1942 vom Heereswaffenamt – unter Umgehung des Rüstungsministeriums und Adolf Hitlers Verbot von neuen Helmentwürfen – die Entwicklung eines neuen Stahlhelmes vom Chef des Heereswaffenamtes, General der Artillerie Leeb, genehmigt.

Daraufhin wurden in der Chemisch-Technischen Reichsanstalt vom Institut für Wehrtechnische Werkstoffkunde Berlin durch Leiter Adolf Fry und Günther Hänsel die Entwürfe A, B und C geschaffen. Die Eisen- und Hüttenwerke AG Thale/Harz, die mit der Herstellung der Versuchsmuster beauftragt worden waren, legte von sich aus zusätzlich den „Vorschlag Thale“ (B II), als abgewandelte Form B, vor. Trotz positiver Bewertungen kam es zu keiner Serienfertigung.

Fertigung als NVA Stahlhelm Aufgrund der geforderten eigenen nationalen Tradition und Identität der neu gegründeten NVA mit einer Abkehr von sowjetisch inspirierten Uniformen, kam auch die Forderung nach einem neuen Stahlhelm auf. Bis dahin wurde in den Einheiten der Deutschen Grenzpolizei und Kasernierte Volkspolizei zumeist der sowjetische Stahlhelm SSch-40 benutzt. Eine DDR-Eigenkonstruktion, der Stahlhelm Modell M54 (Kesslerbombe) kam zu keiner Einführung in der NVA.

Auf der Suche nach einem geeigneten Helmkonzept wurde der aus Thale bekannte Entwurf B II aufgegriffen. Sein Design unterschied sich maßgebend von den alten Wehrmachtshelmen und war zudem weder den sowjetischen, noch den Bundeswehrhelmen ähnlich.

Im Januar 1956 begann unter Erich Kiesan die Erprobung mit Beschusstests des B II. Dieser erhielt für die Arbeit am neuen Stahlhelm der NVA später die Verdienstmedaille der NVA in Bronze. Damit begann man mit der ersten Fertigung von Stahlhelmen mit der internen Bezeichnung Gerät 604.

1957 erhielt die NVA die ersten 50.000 Helme. Zur Parade am 1. Mai 1957 in Ost-Berlin wurde der Helm offiziell das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Sie trugen die Bezeichnung S1/56, die zugehörigen Paradehelme T1/56.

Ab 1965 wurde ein neues Helmfutter entwickelt, welches ab etwa 1967 flächendeckend eingeführt wurde. Damit wurden auch noch nutzbare Bestandshelme umgerüstet. Ebenso wurden in dem Zug drei verschiedene Glockengrößen zu einer einzigen Größe zusammengefasst. Eine spätere Herstellungsänderung der Helmglocke blieb dagegen nahezu ohne sichtbarer Änderung am Design. Diese Bauform blieb so bis 1990 nahezu unverändert bestehen.

Aufbau mini|NVA-Paradehelm aus Kunststoff. Man beachte die deutlich weniger stark gebördelte Kante Der Stahlhelm M56 hat eine einfach gewölbte Glocke mit weit abstehenden Seiten. Die Vorderseite ist im Sichtbereich weiter nach oben gezogen. Die Helmkante ist im Gegensatz zum Entwurf B II ringsum gebördelt. Die Glockenfarbe ist Khaki-Beige (Deutsche Grenzpolizei), Grau (Heer) oder Hellgrau (Marine). Eine Belüftung durch die Glocke ist nicht vorhanden.

Das Helmfutter ist innen anfangs mit einem Zinkring, später mit Kunststoffclipsen an der Glocke befestigt. Diese Clipse sollten Genickverletzungen durch Hängenbleiben des Helms beim Absteigen von Fahrzeugen durch Ablösen verhindern. Ältere Helme mit altem Futter wurde später größtenteils auf das neue Futter umgerüstet.

Der Stahlhelm war anfangs in den Glockengrößen I, II und III verfügbar. Die Größe I war nur für Frauen und Kadetten der Marine vorgesehen und entfiel 1967, Größe III für sehr große Köpfe. Später entfiel auch diese Größe. Das Kunststofffutter ist in der Kopfweite individuell einstellbar; das alte mit Zinkring war in jedem gängigen Kopfumfang verfügbar und nicht einstellbar. Bei beiden Varianten war der Kinnriemen an vier Punkten mit dem Futter verbunden.

Ab Anfang der 70er Jahre wurden die Glocken entmagnetisiert, was an einem E-Tintenstempel erkennbar ist.

Aufgrund von Testversuchen stellte man Anfang der 70er Jahre fest, dass das bisherige Verfahren des Tiefziehens die Scheitel des Helmes nur unzureichend ausformt und ihn zum dünnsten Teil des Helmes macht. So wurde das Verfahren ab etwa 1976 auf ein Fließdruckverfahren umgestellt und der Scheitel zum dicksten Helmpunkt gemacht. Diese Helme sind nur an einer etwas schärfer und breiteren Kante erkennbar. Er trägt in Sammlerkreisen zur Unterscheidung auch die Bezeichnung M56/76.

Das Gewicht und die Dicke des Helmes liegt je nach Herstellungsjahr bei 1314 g und 1,3 mm (1956) bis 1484 g und 1,36 mm (1989). Als Mindestanforderung im Jahr 1966 musste der Helm aus einer Höhe von 155 cm 4 Kilopond Fallgewicht mit einer höchstzulässigen Federtoleranz von 8,4 cm aushalten. Aus 25 m Entfernung durfte eine Tokarew TT-33 mit 7,62 x 25 mit Bleikern weder von vorn, seitlich oder am Scheitel durchschlagen noch Rissbildung verursachen. Die Einbeultiefe beträgt dabei vorn 3 mm, seitlich 10 mm und am Scheitel 13 mm.

Für Paradezwecke wurde ein Helm mit Kunststoffglocke hergestellt. Dieser ist anhand der deutlich weniger starken Bördelung erkennbar.

Weiterentwicklung Gerät 605 mini|Ein syrischer Soldat trägt ein Gerät 605 (1992) Im Frühjahr 1980 wurde im VEB Schwerter-Emaillierwerk Lauter ein Konzept für einen neuen Stahlhelm mit der internen Bezeichnung Gerät 605 in Auftrag gegeben. Dabei sollten neue Gefechtsfeld-Anforderungen und verbesserte Schutzwirkungen erreicht werden. Eine Abkehr des abstehenden Rands war ebenso angestrebt wie eine Verbesserung der Materialbeschaffenheit und der besseren Ausnutzung von Glockengröße zum Gewicht. Als Orientierung wurden auch ausländische Konzepte berücksichtigt, wobei das Design aber mehr auf russische Vorbilder liegen sollte.

Der Gesamtbedarf an Helmen für die NVA wurde auf 600.000 beziffert. Die Nutzung der Glocke wurde auf 20 Jahre, die des Futters auf 1,5 Jahre festgelegt.

Entwicklungsbeginn war für das vierte Quartal 1983, Produktionsbeginn für das vierte Quartal 1985 geplant. Eine Einführung sollte 1986 mit zunächst 20.000 Helmen sein. In den Folgejahren je mit 50.000 Stück.

Aufgrund eines offiziellen Schreibens vom 23. März 1984 wurde das Projekt eingestellt. Der Helm wurde danach für den Export freigegeben.

Das Helmgewicht betrug etwa 1600 g bei 1,3 mm Materialstärke. Damit war der Helm etwa 200 g schwerer als der M56.

Grund für die Nichteinführung in der NVA dürfte wohl die Tatsache gewesen sein, dass dieser Helm keine wesentlichen Vorteile gegenüber den M56 besaß. So war dieser schwerer und damit teuer in der Anfertigung. Ebenso waren die Scheitel weniger Stark geneigt und damit weniger für eine Splitter- / Geschossablenkung geeignet. Eine Umstellung der Produktionsstätten auf das neue Muster war daher wohl nicht ausreichend begründet.

Bilder belegen, dass der Helm unter Anderen in Syrien und Guyana Verwendung fand. Der Helm wird auch als M82 bezeichnet.

Spätere Nutzung im Ausland Nach der Wende 1990 wurden die ehemaligen NVA Stahlhelme zu Großen Teil in Länder wie die Türkei exportiert. Auch sind Bilder von Soldaten mit dem M56 aus den Jugoslawienkriegen bekannt.

Weblinks und Quellen

Der NVA-Stahlhelm bei www.nva-stahlhelme.de M56 Stahlhelm bei ddrmilitaria.wordpress.com Stahlhelm M56 / Gerät 604 bei www.stahlhelmsammlung.de NVA Stahlhelm Modell 1956 bei daspanzermuseum.de Der NVA Stahlhelm (Memento vom 25. September 2016 im Internet Archive) auf ddr-uniformen.com

Einzelnachweise

Stahlhelm M56 Kategorie:Technik und Bewaffnung (NVA)