Florian Lorz, auch Franz Peter Lorz oder sowie ; (* 14. Januar 1900 in München; † 9. Juni 1961 in Hannover) war ein Diplomlandwirt, der als Agrarjournalist und Agrarpolitiker (NSDAP) wirkte. Im besetzten Generalgouvernement und im Reichskommissariat Ukraine wurde er als Mitglied der SS zur publizistischen Agitation unter der ländlichen polnischen und ukrainischen Bevölkerung eingesetzt und leitete die Agrarpresse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er in Westdeutschland Chefredakteur landwirtschaftlicher Zeitschriften und war als Verbandsfunktionär für seinen Berufsstand tätig.

Leben Herkunft und Ausbildung Florian Lorz war vermutlich ein Sohn des an der Technischen Universität München beschäftigten Kanzleiassistenten Florian Lorz d. Ä. († nach 1910).Personalstand der Königlich Bayerischen Technischen Hochschule zu München im Winter-Semester 1906/07. F. Straub, München 1906, S. 18 („Aktuar“); … im Sommer-Semester 1910. F. Straub, München 1910, S. 19. Er studierte an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der TU München (Weihenstephan) und wurde Diplomlandwirt. 1925 erfolgte in Weihenstephan seine Promotion zum Dr. agr. (Doktor der Landwirtschaft).

Publizistische, gewerkschaftliche und politische Tätigkeit in der Weimarer Republik Lorz war von etwa 1928 bis 1931 Redakteur der Süddeutschen Mitteilungen des Gaus (Bezirksverbands) Bayern des 1919 gegründeten Reichsverbands deutscher Guts- und Forstbeamten (RDGF) in München.Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch. 54. Auflage Börsenverein der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1928, S. 181; 55. Auflage Leipzig 1929, S. 189; 57. Leipzig 1931, S. 205. Mit dem Jahrgang 14 (1931) wurde das Erscheinen eingestellt; aufgegangen in: Deutsche Beamtenzeitung. Vorsitzender des Bezirksverbands BayernName bis etwa 1925: Reichsverband land- und forstwirtschaftlicher Fach- und Körperschaftsbeamten, Bezirksverein Bayern; danach umbenannt. war Georg Eber.„gräflicher Buchhalter“; Adreßbuch für München und Umgebung. Verlag der Industrie- u. Handelskammer, München 1926, S. 115; Georg Eber: Darlegungen zur Frage der Besteuerung der deutschen Landwirtschaft. München 1924; ders.: Die Krisis in der deutschen Landwirtschaft, ihre Ursachen und Auswirkungen. Vortrag in der Arbeitnehmervertretung bei der Bayerischen Landesbauernkammer in München am 18. Dezember 1928, hrsg. vom Reichsverband deutscher Guts- und Forstbeamten. Klinkicht, Meißen 1929. 1931 wurde Lorz Nachfolger von Wilhelm WallbaumDeutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 281, vom 2. Dezember 1930, S. 3 (digi.bib.uni-mannheim.de Digitalisat der Universitätsbibliothek Mannheim). (DNVP) als Hauptgeschäftsführer des RDGF in Berlin. Dieser Verband hatte etwa 20.000 Mitglieder, gab die Deutsche Gutsbeamten-Zeitung heraus und war dem Gesamtverband deutscher Angestelltengewerkschaften (Gedag) und damit dem christlich-nationalen Deutschen Gewerkschaftsbund angeschlossen. Lorz löste Wallbaum 1931 auch ab als Beisitzer im Fachausschuss für Land- und Forstwirtschaft bei der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.Vgl. § 27 des Gesetzes über Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927; Reichsarbeitsblatt, Teil I (1931), S. 216. Zum 1. Februar 1932 trat Florian Lorz der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 925.469).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/26471451 Der Gedag wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Mai 1933 gleichgeschaltet und schloss sich der Deutschen Arbeitsfront an. Auch der Reichsverband deutscher Guts- und Forstbeamten wurde 1933 in einen Reichs-Einheitsverband überführt, und Lorz wurde Vorsitzender des neuen Verbandes deutscher land- und forstwirtschaftlicher Angestellter innerhalb der Deutschen Arbeitsfront.Deutsche Forst-Zeitung 48,29 (1933), S. 617f. Er leitete das Reichsamt I (Organisations- und Werbewesen, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Fachgruppenwesen) des Verbands.Deutsche Forst-Zeitung 48,29 (1933), S. 915.

Stabsleiter im Reichsnährstand im NS-Staat Seit etwa 1933/34 war Lorz Stabsleiter (Abteilungsleiter) der Nachrichtenstelle in der Stabshauptabteilung E (Aufklärung) im Reichsnährstand. Er war dabei als Mitglied der SS (SS-Nummer 251.169; Eintritt vermutlich 1934)Personalakte Lorz, Florian, Dr., geb. 14.1.1900; Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (R 9361-III Sammlung Berlin Document Center, Personenbezogene Unterlagen der SS und SA, Nr. 541144). zum Stab des Rasse- und Siedlungshauptamts abgeordnet, das von SS-Gruppenführer Walther Darré geleitet wurde. Darré war „Reichsbauernführer“ und als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft zugleich auch der Chef des Reichsnährstands. Im Sommer 1936 nahm Lorz am 6. Weltgeflügelkongreß in Leipzig und Berlin teil, der vom Reichsbauernführer eröffnet wurde.Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Wissenschaftliche Berichte des VI. Weltgeflügelkongresses, Bd. III. Schlussbericht des 6. Weltgeflügelkongresses. 24. Juli bis 2. August 1936. Generalsekretariat des VI. Weltgeflügelkongresses, Berlin / Leipzig 1936, S. 33 und 42. 1936 wurde Florian Lorz SS-Untersturmführer. Propagandistisch stellte er in diesem Jahr die Massenschlachtung von Schweinen 1915 und „die spätere Fleischnot im ganzen Kriege“ dar als ein Komplott der „vorwiegend jüdischen“ und „kommunistischen“ Professoren Paul EltzbacherFriedrich Aereboe, Paul Eltzbacher (Hrsg.) u. a.: Die deutsche Volksernährung und der englische Aushungerungsplan. Eine Denkschrift. Vieweg & Teubner, Wiesbaden 1914. (DNVP, trat später für Nationalbolschewismus ein), Robert René Kuczynski (später der KPD nahestehend), Nathan Zuntz, Max Rubner und Max Sering mit Carl Ballod (später der USPD nahestehend), dem späteren Reichswirtschaftsminister Hermann Warmbold (parteilos), der „deutschnationalen Reichstagsabgeordneten“ Hedwig HeylDie nationalliberale Frauenrechtlerin und Ernährungsfachfrau Hedwig Heyl, die allerdings dem Reichstag nicht angehörte, hatte sich 1914 an der Eltzbacher-Denkschrift beteiligt. (NLP, später DVP) und Pfarrer Friedrich Naumann (FVP, später DDP), die teilweise schon 1914 kriegsmüde gewesen seien.Florian Lorz: Was wir vom Ernährungswesen des Weltkrieges nicht wissen. In: Walter Jost, Friedrich Felger (Hrsg.): Was wir vom Weltkriege nicht wissen. Fikentscher, Leipzig 1936 (2. Auflage Fikentscher, Leipzig 1938), S. 386–398, bes. S. 394f und 398; vgl. ähnlich Richard Walther Darré: Der Schweinemord. Eher, München 1937. Auf der 3. Reichstagung der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums vom 19. bis 22. November 1936 in Berlin, bei der der Reichsleiter der NSDAP Alfred Rosenberg das Hauptreferat hielt, sprach Reichsredner Lorz, der am letzten Tag für seinen verhinderten Chef Hauptabteilungsleiter Wilhelm Staudinger einsprang, über Deutschland und seine Ernährung.Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 103 (1936), S. 6307. 1937 wurde Florian Lorz im Handbuch der deutschen Tagespresse aufgeführt als Ansprechpartner des 1934 gegründeten Presse- und Werbenachrichtendienstes (PWND) der Nationalsozialistischen Reichsfachschaft Deutscher Werbefachleute e. V. (NSRDW) für das Stoffgebiet Wirtschaft und Werbung (Werbemittel, Organisation, in- und ausländische Werbefragen Werberecht, Veranstaltungen).Institut für Zeitungswissenschaft, Carl Schneider (Hrsg.): Handbuch der deutschen Tagespresse. 6. Auflage Armanen, Leipzig 1937, Nr. 242, S. 326. Hermann Maria Lorz (1902–1966),Aus München, 1923 Teilnahme am Putschversuch in München, Mitbegründer der SA-Standarte 106 in Berlin, Mitbegründer der NSDAP-Ortsgruppe Mommsen in Berlin-Charlottenburg; Hermann August Ludwig Degener (Hrsg.): Degener’s Wer ist? Hermann Degener, Berlin 1935, S. 997; Erich Stockhorst: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Blick & Bild, Velbert 1967, S. 277.Hermann M. und Hans Lorz († nach 1966), Werbeagentur Lorz OHG in München, Herzogstraße 97 und Ala-Lorz Werbung KG, Brienner Straße 23, angeblich Erfinder der Propaganda-Slogans „Achtung: Kohlenklau!“, „Psst… Feind hört mit“ oder „Räder müssen rollen für den Sieg!“; Hanns G. Zagler: Sternschnuppen. epubli, Berlin 2014, S. 263. der Geschäftsführer der NSRDW und Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Innerbetriebliche Werbung (AIW),Peer Heinelt: ‚PR-Päpste‘. Die kontinuierlichen Karrieren von Carl Hundhausen, Albert Oeckl und Franz Ronneberger. (diss. phil. Marburg 2002; Rosa-Luxemburg-Stiftung. Manuskripte 37). Karl Dietz, Berlin 2003, S. 47 ( PDF, 734 KB). war sehr wahrscheinlich sein Bruder; Florian und Hermann M. Lorz könnten bei dem Eintrag im Handbuch verwechselt worden sein.