mini|hochkant|Stolpersteine in Kopenhagen Die Liste der Stolpersteine im Großraum Kopenhagen enthält die Stolpersteine, die in der dänischen Region Hovedstaden verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom deutschen Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden von ihm in der Regel selbst verlegt. Die Stolpersteine liegen zumeist vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers.
Die ersten Verlegungen in dieser Region erfolgten am 17. Juni 2019 in Frederiksberg und Kopenhagen.
Verlegte Stolpersteine Frederiksberg In Frederiksberg wurden neun Stolpersteine an sieben Stellen verlegt.
Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTESAMUEL 'SAM'BESEKOWGEBOREN 1911VERHAFTET 29.8.1943INTERNIERT IN HORSERØDFREIGELASSEN 15.10.1943FLUCHT NACH SCHWEDEN22.10.1943 Hollændervej 11Frederiksberg (1911–2001) 120px HIER WOHNTEADA ELVIRABOMHOFFGEB. ALS REICHMANN 1892UNTERSTÜTZTE DIEWIDERSTANDSBEWEGUNGVERHAFTET 4.9.1944INTERNIERUNGSLAGER FRØSLEVBEFREIT Harsdorffsvej/Bomhoffs HaveFrederiksberg geb. Reichmann wurde am 22. März 1892 in Kopenhagen geboren. Im Oktober 1914 heiratete sie Gunnar Johan Bomhoff, einen studierten Landwirt und Journalisten. Das Paar bekam drei Kinder, Aase (geboren 1915), Helmer (geboren 1916) und Verner (geboren 1918). Ihr Ehemann war ab 1916 als Großhändler tätig und übernahm als Inhaber die Firma A. Reichmann & Co. Nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Dänemark schloss er sich der Widerstandsorganisation Holger Danske an, er unterstützte deren Arbeit sowohl finanziell als auch logistisch. Ada Bomhoff war nicht direkt in der Widerstandsbewegung aktiv, unterstützte aber ihren Ehemann in allen Belangen. Auch ihr Sohn Helmer und dessen Frau Eva betätigten sich im Widerstand. Die Tochter und der jüngere Sohn mit seiner Familie flüchteten nach Schweden und waren somit in Sicherheit. Als die Bomhoff’sche Villa am 4. September 1944 von der Gestapo gestürmt wurde, wurde Ada Elvira Bomhoff verhaftet und verschleppt, ebenso einer der dort untergebrachten Widerstandskämpfer, Knud Larsen. Ein anderer Widerstandskämpfer, O.B. Bertelsen, wurde zwar verwundet, konnte aber flüchten und sich nach Schweden retten. Der Ehemann war zum Zeitpunkt des Übergriffs nicht im Haus. Am 19. September 1944 geriet Helmer Bomhoff in eine deutsche Straßensperre und wurde angeschossen, konnte aber flüchten. Am 21. Dezember 1944 sprengten die deutschen Besatzer als Racheexempel die Villa, wobei ihr Schwager ums Leben kam. Am 15. Oktober 1944 stürmte die Gestapo die Villa des Staatsanwalts Erik Nyegaard am Strandvejen 184, auch er im Widerstand tätig. Dort wurden Gunnar Bomhoff, sein rekonvaleszenter Sohn und dessen Frau sowie der Staatsanwalt verhaftet, in Lagern interniert und erst nach dem Untergang des NS-Regimes befreit. Einzig Gunnar Bomhoff wurde nach Deutschland verschleppt, zuerst in das KZ Dachau, dann nach KZ Neuengamme, wo er am 13. April 1945 umkam.sf9014: Gunnar Johan Bomhoff (1887–1945) og Ada Elvira Bomhoff (1892–1975). In: snublesten.org, 22. August 2021, abgerufen am 2. September 2021Frihedsmuseet, Modstandsdatabase: Biografi af Gunnar Johan Rudolf Bomhoff, abgerufen am 2. September 2021 Helmer und Eva Bomhoff konnten das NS-Regime überleben, ließen sich aber 1953 scheiden. Tochter Aase heiratete und wurde Mutter einer Tochter. Sohn Verner heiratete ebenso und bekam vier Kinder. Ada Elvira Bomhoff starb am 11. Oktober 1975 in Frederiksberg.
Die Stolpersteine für Sohn Helmer und Schwiegertochter Eva Bomhoff wurden in Kongens Lyngby verlegt, deren letzten frei gewählten Wohnort. 120px HIER WOHNTEGUNNAR JOHANBOMHOFFGEB. 1887VERHAFTET 18.10.1944DEPORTIERT 1945DACHAUERMORDET 13.4.1945NEUENGAMME Harsdorffsvej/Bomhoffs HaveFrederiksberg wurde am 30. Oktober 1887 in Frederiksberg geboren. Er hatte zumindest einen Bruder, Hakon Heinrich Heiberg Jensen, geboren 1880. Sieben Jahre studierte Gunnar Bomhoff Landwirtschaft. Eine ausgedehnte Studienreise führte ihn 1910–11 nach Norwegen. Danach war er vier Jahre lang bei der Tageszeitung Politiken angestellt. Am 30. Oktober 1914 heiratete er Adda Elvira Fælled-Nielsen. Das Paar bekam drei Kinder, Aase (geb. 1915), Helmer (geb. 1916) und Verner (geb. 1918). Er wurde schließlich 1916 Großhändler und übernahm als Inhaber die Firma A. Reichmann & Co. Nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf sein Land schloss er sich der Widerstandsorganisation Holger Danske an. Er unterstützte deren Arbeit sowohl finanziell als auch logistisch. Führende Widerstandskämpfer, die abgetaucht waren, fanden in seiner Villa Harsdorffsve einen lange Zeit sicheren Unterschlupf. Auch Sohn Helmer und dessen Frau hatten sich der Widerstandsbewegung angeschlossen. Als die Bomhoff’sche Villa am 4. September 1944 von der Gestapo gestürmt wurde, war Gunnar Bomhoff nicht zu Hause. So wurde seine Frau verhaftet und verschleppt, ebenso einer der dort untergebrachten Widerstandskämpfer, Knud Larsen. Ein anderer Widerstandskämpfer, O.B. Bertelsen, wurde zwar verwundet, konnte aber flüchten und sich nach Schweden retten. Am 21. Dezember 1944 sprengten die deutschen Besatzer als Racheexempel Bomhoffs Villa, wobei dessen Bruder umkam. Bereits am 19. September 1944 war sein Sohn Helmer Bomhoff in eine deutsche Straßensperre geraten und angeschossen worden. Am 15. Oktober 1944 kam ein Bomhoff-Kamerad, Jørgen Haagen Schmith, genannt Citronen, nach einem Feuergefecht mit den Deutschen ums Leben. Drei Tage später stürmte die Gestapo die Villa des Staatsanwalts Erik Nyegaard am Strandvejen 184, auch er im Widerstand tätig. Weil keine Waffen im Haus waren, nahm einer der Führer der Widerstandsbewegung, Bent Faurschou-Hviid, genannt Flammen, Zyankali. Er starb an Ort und Stelle. Gunnar Bomhoff, sein rekonvaleszenter Sohn und dessen Frau sowie der Staatsanwalt wurden verhaftet, in Lagern interniert und erst nach dem Untergang des NS-Regimes befreit. Einzig Gunnar Bomhoff wurde nach Deutschland verschleppt, zuerst in das KZ Dachau, dann nach KZ Neuengamme, wo er am 13. April 1945 umkam.
Helmer und Eva Bomhoff konnten das NS-Regime überleben, sie ließen sich 1953 scheiden. Tochter Aase heiratete Kaj Bagge Petersen und wurde Mutter einer Tochter. Sohn Verner heiratete ebenso und bekam vier Kinder. Die Stolpersteine für Sohn Helmer und Schwiegertochter Eva Bomhoff wurden in Kongens Lyngby verlegt, ihrem letzten frei gewählten Wohnort. 120px HIER WOHNTECARL JOSEPHGLÜCKSTADTGEBOREN 1882VERHAFTET 1943DEPORTIERTTHERESIENSTADTUMGEKOMMEN 15.11.1943 Forchhammersvej 5Frederiksberg wurde am 18. Dezember 1882 in Kopenhagen geboren. Seine Eltern waren der Großhändler Moritz Hartvig Glückstadt (1837–1897) und Rose Pauline geb. Jacobsen (1861–1916). Er hatte zwei jüngere Brüder, Robert Isak (geb. 1883), der nach 12 Wochen starb, und Vilhelm Salomon (1885–1939). Er schloss 1907 ein Studium als Bauingenieur ab und absolvierte danach Lehrgänge in Gärungsphysiologie. Zuerst arbeitete er als Chemiker bei Spritfabrikken Fortuna und der Firma Paul Bergsøe. Am 8. August 1909 heiratete er Olga Johanne geb. Wolff (1886-1976). Sein Bruder war Direktor der Filmgesellschaft Det Skandinavisk-Russiske Handelshus und verpflichtete ihn 1909 als Betriebsleiter. Von 1913 bis 1915 war er technischer Vertreter bei Ing. E. Hirschsprung, danach gründete er eine eigene Beratungsfirma. 1919 schrieb er für Salmonsens Konversationsleksikon einen umfassenden technisch-historischen Artikel zum Stichwort Filme. Er und seine Frau wurden festgenommen und am 13. Oktober 1943 von Horserødlejren mit dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt deportiert. Er kam dort am 15. November 1943 ums Leben.
Olga Glückstadt überlebte ihren Lageraufenthalt und kehrte nach Dänemark zurück. Sie starb 1976.sf9014: Carl Joseph Glückstadt (1882–1943). In: snublesten.org, 15. August 2020, abgerufen am 18. August 2021. 120px HIER WOHNTEMAX HARTWIG'GUBBEN'GEBOREN 1867VERHAFTET 1.10.1943DEPORTIERT 1943THERESIENSTADTBEFREIT Frydendalsvej 33Frederiksberg (1867–?) 120px HIER WOHNTEROSE HARTWIGGEB. SALOMON 1880VERHAFTET 1.10.1943DEPORTIERT 1943THERESIENSTADTERMORDET 25.2.1944 Frydendalsvej 33 (1880–1944) 120px HIER WOHNTEIRMA HERTZGEB. ALS LEVY 1878VERHAFTET 7.10.1943DEPORTIERTTHERESIENSTADTUMGEKOMMEN 21.12.1943 Vordruffslund 3Frederiksberg geb. Levy wurde am 21. Dezember 1878 in Heilbronn am Neckar in Deutschland geboren. Im Snublesten-Artikel zur Person wird sie als „eine echte Frederiksberger Bürgerin“ beschrieben. Sie war mit Edmund Emanuel Hertz verheiratet und lebte am Niels Ebbesensvej, später am Gammel Kongevej und zuletzt im Vodroffslund. Das Paar hatte zumindest drei Töchter – Helene, Ellen und Inger. Als sich die NS-Besatzer im Oktober 1943 anschickten, alle Juden des Landes zu verhaften und zu deportieren, war sie bereits Witwe. Sie rief ihre Töchter Helene und Ellen nach Gilleleje, ebenso Helenes Ehemann, Kinder, Schwägerin und Schwiegermutter. Geplant war, dass die ganze Familie mit einem Fischerboot nach Schweden übersetzen sollte. Die Familie versammelte sich bei Freunden in Holte und begab sich auf den Weg zum Hafen. Dann kam die Warnung, dass die Deutschen kommen. Auf der Hauptstraße öffnete eine Frau ihre Tür und bot der Familie an, sie am Dachboden zu verstecken. Irma Hertz und ihre Tochter Ellen fanden Zuflucht in der Kirche von Gilleleje. Am Dachboden wurden kurzfristig achtzig Juden einquartiert. Verraten von einem dänischen Mädchen kamen die Deutschen am Morgen des 7. Oktober 1943 und verhafteten alle. Nur Ellen wollten sie gehen lassen, weil sie mit einem nichtjüdischen Mann verheiratet war. Sie wollte bei ihrer Mutter bleiben, doch Irma Hertz schickte sie fort. Die Kirchenflüchtlinge wurden am 13. Oktober 1943 nach Theresienstadt deportiert. Die an Diabetes erkrankte Irma Hertz konnte die harten Bedingungen im Lager ohne Insulin nicht meistern. Sie starb am 21. Dezember 1943, ihrem Geburtstag.