mini|Koçak als Redner der Genug-ist-Genug-Kampagne (2022) Ferat Ali Koçak [] (* 26. Mai 1979Kandidatur von Ferat Koçak für den Die Linke-Bezirksvorstand in Neukölln vom 16. November 2016, abgerufen am 2. Februar 2023. in West-Berlin) ist ein deutscher Politiker (Die Linke). Er war von 2021 bis 2025 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er gewann das Direktmandat im Wahlkreis Neukölln und ist damit der erste Politiker seiner Partei, der einen Wahlkreis im Gebiet außerhalb der ehemaligen DDR gewinnen konnte. Koçaks Verbindungen zu einem Vertreter einer palästinensischen Terrororganisation und zu Angehörigen der organisierten Kriminalität sorgten nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 für erhebliche Kontroversen und veranlassten ihn, seine Mitgliedschaft im Innenausschuss des Bundestags aufzugeben.

Leben Koçak wurde 1979 im Bezirk Kreuzberg als Sohn kurdisch-alevitischer Einwanderer geboren. Sein Vater kam in den 1970er Jahren vor einem türkischen Militärputsch nach Deutschland, um Sozialwissenschaften zu studieren, war Gewerkschafter, gründete 1986 eine Versicherungsagentur und wurde durch die Allianz AG für seine Vertriebsleistungen mit einer Mitgliedschaft im Dr.-Hans-Heß-Club geehrt. Die Mutter, eine Frauenrechtlerin, war Tochter von Gastarbeitern, die in den 1960ern nach Berlin kamen.

Koçak leistete seinen Zivildienst im Berliner Kurdistan Kultur- und Hilfsverein. Danach studierte er Wirtschaftswissenschaften an der FU Berlin und schloss das Studium als Diplom-Volkswirt ab. Im Anschluss war Koçak zunächst als Trainee und dann im Management für die Allianz-Gruppe tätig. Ab 2012 war er Geschäftsführer der Versicherungsagentur seines Vaters. Anschließend arbeitete er als Marketing Director mit dem Schwerpunkt Digitales Marketing an der Berlin International University of Applied Sciences (BAU) sowie an der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (hwtk) und der Internationalen Berufsakademie (iba), später als Campaigner bei Campact.

Koçak ist Atheist und lebt mit seiner jüdischen Lebenspartnerin im Süden Berlin-Neuköllns.

Politik Durch seine Eltern wurde Koçak in Berliner linken kurdischen und türkischen Kreisen sozialisiert. Seinen Eintritt in die Partei Die Linke im Jahr 2016 begründete er mit dem Erstarken rechter Gruppierungen, insbesondere der Partei AfD, deren Bekämpfung er unterstützen wollte. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 kandidierte Koçak für Die Linke im Wahlkreis Neukölln 6. Obwohl die Partei ihren Stimmanteil bei dieser Wahl verdoppelte, verfehlte er den Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Abgeordneter Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2021 kandidierte er im Wahlkreis Neukölln 5 und wurde über die Landesliste der Linken gewählt. Bei der Wiederholungswahl 2023 zog er erneut ins Abgeordnetenhaus ein. Koçak war Sprecher für die Fraktion zu den Themenfeldern antifaschistische Politik sowie Flucht- und Klimapolitik. Er war Mitglied der Ausschüsse für Inneres, Sicherheit und Ordnung sowie Umwelt- und Klimaschutz. Er war stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verfassungsschutz. Außerdem war er Beisitzer im Präsidium des Abgeordnetenhauses. Als er in den Bundestag gewählt worden war, legte er sein Mandat im Abgeordnetenhaus Ende April 2025 nieder; für ihn rückte Franziska Leschewitz nach.

Zur Bundestagswahl 2025 kandidierte er für Die Linke im Bundestagswahlkreis Berlin-Neukölln und holte mit 30,0 % der Erststimmen ein Direktmandat. Er wurde ordentliches Mitglied im Innenausschuss des Bundestags. Zudem ist er für seine Fraktion Sprecher für Antirassismus und für Antifaschismus. Nach der Kontroverse um Kontakte zum Remmo-Clan gab er am 30. September 2026 seine Mitgliedschaft im Innenausschuss auf.Vorwurf der Nähe zu Organisierter Kriminalität. Linke-Politiker Kocak gibt Sitz im Bundestags-Innenausschuss auf. Meldung des Rbb24 vom 30. September 2026.

Neukölln-Komplex

Koçaks Bekanntheit als linker Aktivist in Neukölln führte wiederholt zu rechten Angriffen auf ihn. Sie standen im Zusammenhang mit einer Serie rechtsextremer Anschläge im Süden Berlins, die auch als Neukölln-Komplex bezeichnet werden. Im Jahr 2018 verübten mutmaßlich der Neonazi-Szene zugehörige Täter einen Brandanschlag auf das Haus seiner Familie in Süd-Neukölln. Der Angriff gehört zu einer Serie rechter Anschläge auf Politiker, Gewerkschafter, Menschen mit Migrationshintergrund und antifaschistische Aktivisten in Neukölln, die unter anderem auch den Buchhändler Heinz Ostermann, die Gewerkschafterin Mirjam Blumenthal (SPD) und die Politologin Claudia von Gélieu trafen. Gemeinsam mit anderen Betroffenen der Terrorserie kämpft Koçak für die Aufklärung der Anschläge. Dabei kam ans Licht, dass sowohl das Berliner Landeskriminalamt als auch der Verfassungsschutz darüber informiert waren, dass zwei bekannte Neuköllner Neonazis in den Wochen vor dem Brandanschlag Koçak beobachtet und verfolgt hatten. Koçak behauptete daraufhin öffentlich Verstrickungen der Neuköllner Nazi-Szene mit Berliner Sicherheitsbehörden.

In einem Strafprozess, zu dem Koçak erst nach Einspruch als Nebenkläger zugelassen wurde, wurden die beiden angeklagten Neonazis Thilo P. und Sebastian T. im Dezember 2022 aufgrund mangelnder Beweise vom Vorwurf der Beihilfe zur Brandstiftung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte dagegen Berufung ein.

Der Berufungsprozess vor dem Berliner Landgericht begann im September 2024. In dem Prozess wurde auch die Frage potenzieller Verstrickungen zwischen den Sicherheitsbehörden, der Justiz und der rechtsextremen Szene aufgeworfen. Der Staatsanwalt aus der ersten Verhandlung wurde abgezogen. Im Dezember 2024 wurden die Angeklagten zu Haftstrafen von jeweils 3 Jahren und 6 Monaten sowie 2 Jahren und 10 Monaten verurteilt.Der Rechte Rand 212/2025, S. 37 Die eingelegte Revision gegen das Urteil verwarf das Kammergericht im August 2025, wodurch es rechtskräftig wurde.Täter der Neuköllner Anschlagsserie müssen in Haft – Revisionsanträge abgelehnt. In: rbb. 5. August 2025, abgerufen am 27. September 2026.

Politische Schwerpunkte Koçak engagiert sich politisch in den Bereichen Antirassismus, Antifaschismus und Klimagerechtigkeit.

Insbesondere setzt er sich für die lückenlose Aufklärung allfälliger rechter Verstrickungen in den Berliner Sicherheitsbehörden ein. Koçak gehört der innerparteilichen Strömung Bewegungslinke an.

Außerdem beschäftigt sich Koçak mit den Themen Klimapolitik und Klimagerechtigkeit. Er sprach auf zahlreichen Veranstaltungen der Klimabewegung, wie beispielsweise Kundgebungen von Fridays for Future oder Ende Gelände. Dabei fordert er eine Verbindung antirassistischer, antifaschistischer und ökologischer Kämpfe.

Kurdenpolitik Koçak engagiert sich seit seinem Studium in kurdischen Verbänden und kritisierte mehrmals die türkische Regierung wegen des Vorgehens gegen kurdische Gruppierungen und Unabhängigkeitsbestrebungen, auch im Nordirak.

Im Oktober 2024 besuchte er ein kurdisches Kulturzentrum in Berlin-Reinickendorf und wurde hierbei Zeuge eines versuchten Brandanschlags. Zum Zeitpunkt des Anschlagsversuchs hielten sich bis zu 40 Personen in den Räumen des Zentrums auf, verletzt wurde jedoch niemand. Sein Besuch erfolgte anlässlich einer polizeilichen Durchsuchung des Zentrums am Vortag, bei welcher der Ko-Vorsitzende des Zentrums Hüseyin Yılmaz und eine weitere Person vorläufig festgenommen worden waren. Yılmaz war von 1999 bis 2004 Bürgermeister der türkischen Stadt Ağrı für die Partei HADEP, deren Politik auch von der PKK beeinflusst wird. Koçak und der Vereinsvorstand gingen von einer Tat türkischer Nationalisten aus. Yılmaz verwies auch auf die zeitgleich stattfindenden „Global Free Öcalan Days“, mit denen linke Gruppen sich für die Freilassung Abdullah Öcalans einsetzten. Koçak kritisierte nach der Razzia das PKK-Verbot: „Immer wieder nutzt die deutsche Politik das PKK-Verbot, um willkürlich gegen kurdische Vereine und Aktivistinnen vorzugehen. Die deutsche Politik macht sich zum Komplizen des türkischen Faschismus!“

Nahostkonflikt Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 betonte Koçak: „Terror ist durch nichts zu rechtfertigen.“ Gleichzeitig kritisierte er aber auch den daran anschließenden Krieg und sprach von „Israels brutale[m] Angriff mit zehntausenden Toten“, welcher „noch viel weniger“ zu rechtfertigen sei. Eigenen Aussagen zufolge steht er „an der Seite des Völkerrechts und der Menschenrechte“. Laut Tagesspiegel hat er „enge[n] Kontakt zu propalästinensischen Aktivisten“ und hat propalästinensische Demonstrationen angemeldet, auf denen es zu antisemitischen Vorfällen gekommen sei. Die Haltung von Islamisten lehne er jedoch ab und äußerte: „Natürlich sind wir gegen Antisemitismus.“ Einen Brandanschlag auf eine proisraelische Bar in Neukölln verurteilte er. Zum Nahostkonflikt veröffentlichte Koçak gemeinsame Beiträge mit der russischen Propagandaplattform Red.

Bundesweite Berichterstattung wurde Koçak erstmals zuteil, nachdem er die Falschbehauptung verbreitet hatte, eine Berliner Grundschule habe via Fragebogen die Einstellung ihrer Schüler zur palästinensischen national-islamistischen Terrororganisation Hamas abgefragt.Z.B. Süddeutsche Zeitung, 18. Oktober 2023, Verwaltung: Angeblicher Fragebogen zu Hamas ist "Fake-News".

Zur Beurteilung von Antisemitismus nutzt Koçak die Jerusalemer Erklärung zu Antisemitismus. Der Tagesspiegel kritisierte 2024, dass Koçak als Beobachter von Palästina-Demonstrationen zum Krieg in Israel und Gaza eher angebliche Polizeigewalt als israelfeindliche Sprüche anprangere. Im Februar 2025 lud Koçak den britischen Politiker Jeremy Corbyn, der für die Verharmlosung der Hamas in der Kritik steht, zu einer Wahlkampfveranstaltung ein. Nach Kritik wurde die Veranstaltung abgesagt. Laut Zeit Online halfen Koçak die Positionen zum Nahostkonflikt sowie ein Haustürwahlkampf dabei, das Direktmandat zu erringen.

Mitgliedschaften Koçak ist Mitglied von ver.di, VVN-BdA und sitzt im Vorstand der Linken Medienakademie (LiMA)LiMA: Die Vorstandsmitglieder. Er unterstützt Migrantifa, die Interventionistische Linke, Aufstehen gegen Rassismus, unterschiedliche klimapolitische Initiativen, Gruppen der türkischen und kurdischen Linken (so auch die HDP, deren Politik auch von der PKK beeinflusst wird), The Left, das Aktionsnetzwerk Antirassismus, LinksKanax, die Bewegungslinke und Marx21. Koçak ist Mitbegründer der polizeikritischen Struktur Ihr seid keine Sicherheit und von Kein Generalverdacht.

Kontroversen Auftritte mit Rapper Dahabflex Im Juni 2025 veröffentlichte Ferat Koçak vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ein Playback-Video zum Song „Rot“ des Rappers Dahabflex. In dem Song finden sich Liedzeilen wie „Da-Da-Dahabflex kommt wie Mao und Stalin“, „Kurdistan her biji hau den Nazi“ und „Jedes Bullenschwein ist 'ne Missgeburt“. Der Song, der auch einen Aufruf zur Intifada beinhaltet, wird von Dahabflex mit einem abgeänderten RAF-Logo, das einen Molotowcocktail enthält, beworben. Die FDP-Politikerin Linda Teuteberg nannte das Lied „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in gesichert linksextremer Variante“. Koçak reagierte auf Kritik mit der Aussage, dass es sich um einen Song für Kurdistan und gegen Nazis handele. Rap sei „eine Kunstform, die oft bewusst übertreibt“.

Mehrere Wochen später veröffentlichte Koçak ein Video, das zeigt, wie er vor dem Reichstagsgebäude zusammen mit Dahabflex zu dessen Song „Fck AfD“ performt. In dem Stück finden sich Zeilen wie „Ro-Ro-Roter Block, guck’, wir lassen Faschos brennen“ und „Keine Toleranz, Fascho, er wird ausgeknockt“. Der Dahabflex-Song „Stop the Genocide“, der Passagen wie „Yalla yalla intifada – Westbank, Palästina, Gaza“, „Death, death to the IDF“ und „Intifada wie die PFLP“ enthält und auf Veranstaltungen der Partei „Die Linke“ abgespielt wurde, sorgte während des Wahlkampfes für das Berliner Abgeordnetenhaus 2026 für Kritik und Antisemitismusvorwürfe.