Der Char D2 war ein französischer Panzer, der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges entwickelt wurde und nur in kleiner Stückzahl im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.
Hintergrund Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die französische Armee einen sehr großen Bestand an Infanteriepanzern vom Typ Renault FT. Diese „rollenden Maschinengewehre auf Ketten“ wurden in viele Länder exportiert, 2800 verblieben aber in französischen Beständen. Im Vereinigten Königreich waren in Folge des Kriegsendes eine Vielzahl an Panzerverbänden aufgelöst und die Fahrzeugbestände, hauptsächlich durch Verschrotten, reduziert worden. Frankreich sah ein solches Vorgehen als riskant an und behielt das Gros seiner Panzerverbände deshalb in aktivem Dienst oder allenfalls in Reserve. Damit hatte Frankreich zu Beginn der 1920er Jahre die größte und stärkste Panzertruppe der Welt. Dieses Erbe des Ersten Weltkrieges gab eine trügerische Sicherheit und führte zu einer ablehnenden Haltung bezüglich neuer Investitionen in die Entwicklung neuer Typen. Als General Jean Estienne 1922 ein Konzept für die langfristige Entwicklung von Infanteriepanzern vorstellte, wurde hierfür kein Budget bereitgestellt. Erst als sich die Aufrüstung der Sowjetunion und der deutschen Wehrmacht in den 1930er Jahren abzeichnete, begann man umzudenken. Neue Panzerprojekte wurden möglich und gleichzeitig bedrohten internationale Verhandlungen über eine allgemeine Abrüstung eines der für die Firma Renault wichtigsten Panzerprojekte, den Char B1. Nach den Vertragsentwürfen für ein internationales Abkommen bestand das Risiko, dass er zu groß und schwer sein würde und deshalb nie in Serie gehen würde. Deshalb arbeitete man bei Renault frühzeitig an einer Alternative, welche zugleich die Nachfolge des inzwischen bei der französischen Armee eingeführten, doch nicht besonders erfolgreichen, Char D1 antreten konnte.Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 16
Entwicklung Noch vor dem Abschluss des Projekte Char D1 verlangte die französische Armee ein weiteres Fahrzeug von Renault. Es ging um einen mittleren Panzer mit einer stärkeren frontalen Panzerung (+10 mm) für die Infanterie, der jedoch auch zumindest 22 km/h an Geschwindigkeit erreichen sollte. Dies würde einen stärkeren Motor als beim Char D1 erfordern. Die Verhandlungen über die Entwicklungen waren im April–Mai 1930 abgeschlossen und die Vereinbarung umfasste einen weiteren Typen, den Char D3, der für die Kolonialtruppen sein sollte. Erst verlief die Entwicklung zügig, doch als klar wurde, dass der Char B1 gebaut würde, sank die Priorität des Projektes. Der ursprüngliche Auftrag über 750 Fahrzeuge wurde zugunsten kleinerer, billigerer Panzertypen drastisch reduziertZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 18. Nur zwei Produktionsserien von 50 Fahrzeugen wurden realisiert. Die ersten Fahrzeuge des Modell 1935 wurden von 1936 bis 1937 ausgeliefert und eine zweite Serie mit einigen Verbesserungen, das Modell 1938, wurde 1940 ausgeliefert.
Es wurden drei Prototypen-Fahrzeuge gebaut. Das erste war im April 1932 der Renault UZ, der genietet war und den Turm des Renault FT hatteZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 16. Das Fahrzeug wurde dem 503e R.C.C. übergeben, welches in Rueil eine Erprobung vornahm, die zur Freigabe des Modells im Dezember 1933 führte. Im Jahr davor waren zwei weitere Fahrzeug-Prototypen bestellt und gebaut worden, die im November 1933 übergeben wurden. Da Renault für diese Fahrzeuge eine neue Schweißtechnik beschaffen musste, wurde von der Armee der erste Auftrag ohne eingehende Erprobung des als Serienfahrzeug bestimmten Modells erteilt, um für Renault die Kosten für die Einführung der neuen Technologie zu kompensieren. Die neue Fertigungstechnik von Renault sparte Zeit und vor allem Gewicht. Doch sie war kostspieliger und komplizierter. Die Firma Renault ging durch eine schwierige Phase und weil man schnell mit der Fertigung beginnen wollte, wurden schon bald die ersten Probleme offensichtlich. Es war ein Kompromiss, mit großen flachen Schrauben, die als Bolzen und Nieten dienten, die 40-mm-Panzerplatten waren teilweise verschweißt und miteinander verbunden.
Char D2 mod. 1935 Die für die Ausrüstung der Armee zuständige „Commission de Vincennes“ genehmigte die erste Produktion am 29. Dezember 1934Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 18. Grundlage für den Auftrag waren die Erprobungen mit den drei Prototypen, wobei ein Benzin- und ein Dieselmotor erprobt worden waren. Man entschied sich für den Benzinmotor. Wie bei den meisten französischen Panzerkampfwagen wurde der Turm für den Geschützturm separat bestellt. Für den Char D2 wurde beim Atelier de construction de Puteaux (APX) der APX-1 des Werkes Puteaux bestellt. Dieser verhältnismäßig moderne Gussturm, mit der kurzen 47-mm-Panzerkanone SA34 und einem koaxialen 7,5-mm-Reibel-Maschinengewehr, hatte eine halbkugelförmige Beobachtungskuppel. Wie bei anderen französischen Panzertürmen gab es auf der Turmrückseite eine Luke, auf welcher der Kommandant sitzen konnte, wenn das Fahrzeug nicht im Gefecht stand. Probleme bei der Fertigung dieser Türme verzögerten die Auslieferung erheblichZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 18. Der Turm kostete 200.000 FF und die Wanne von Renault kostete 410.000 FF, so dass sich die Gesamtkosten eines Char D2 auf 610.000 FF beliefen. Die ersten der bestellten 50 Panzer wurden im Mai 1935 ausgeliefert, die letzten trafen im Februar 1937 bei der Armee einSteven Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 16. Die SA34-Kanone hatte für einen Panzer dieses Typs zu wenig Durchschlagkraft gegen gegnerische Kampfwagen. Es standen eine Sprenggranate (Obus D) und eine Panzergranate (Model 1932) zur Verfügung. Zwei Fahrzeuge dieser Serie, No. 2016 und 2049, erhielten die erweiterte Funkausrüstung eines Führungspanzers, das zweite ER51.
Char D2 mod. 1938 Nach einer Freigabe im Mai 1937 wurde im Juni 1938 eine 2. Serie bei Renault bestelltZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 18, obwohl es inzwischen Rückmeldungen zu Problemen mit dem Fahrzeug gab. Renault hatte jedoch zugesichert von dem Panzer pro Jahr 200 Fahrzeuge herstellen zu können. Diese Behauptungen waren deutlich zu optimistisch gewesen, betrachtet man die Situation in Frankreich in den Jahren 1937 und 1938 mit Generalstreiks und einem knappen Budget der Armee. Die weitere Produktion wurde verschoben und Gespräche über Exporte nach Polen und Belgien wurden durch die Intervention des französischen Oberkommandierenden Maurice Gamelin beendet, da dieser keinen Technologietransfer ins Ausland wollte. Der Zustand der Fahrzeuge der ersten Fertigung war derart schlecht, dass man ernsthaft über eine Umrüstung zu Flammpanzern nachdachte. Dafür sollten neue Fahrzeuge die alten in den Kampfverbänden ersetzen. Als der Krieg ausbrach, gab Edouard Daladier die Freigabe für eine Massenproduktion, doch tatsächlich wurden nur drei bis fünf Fahrzeuge pro Monat produziert. Deshalb war die 2. Serie im Juni 1940 noch nicht fertig produziert. Es ist davon auszugehen, dass 15 Fahrzeuge nicht mehr fertig wurden. Technisch entsprachen die Modelle 1938 grundsätzlich dem älteren Vorgänger, doch wurde der neue APX-4-Turm mit der langen 47-mm-Panzerkanone SA35 verwendet, die im Kampf gegen feindliche Panzer sehr effektiv war und auch auf dem Char B1 bis verwendet wurdeZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 18. Eine neue Optik vom Typ PPLR X 160 ersetzte die älteren Chrétien-Optiken. Auf dem Panzerturm war eine Halterung vom Typ S 190 G, die für ein Flugabwehr-Maschinengewehr geeignet war. Ein verbessertes Schmiersystem, ein neues Leit- und Triebrad, Kugellager, kürze Kettenabdeckungen, ein neuer Vertex-Zündverteiler und ein Anlasser von Vlex zählten zu den Verbesserungen.
Gleichzeitig erhielten ältere Fahrzeuge aus der ersten Serie nachgerüstete APX-1A-TürmeZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 18 und wurden in den Werkstätten „Atelier de Rueil“ generalüberholt, um alle inzwischen bekannten Probleme systematisch zu beheben. Diese Überholung dauerte von März bis Mai 1940. Das Projekt „Flammpanzer D2“ wurde parallel weitergeführt, doch abgesehen von einem Prototyp 1939 wurde keine Fertigung realisiert.
Technische Beschreibung In der Gesamtbetrachtung war der Char D2 ein etwas vergrößerter Char D1, denn die meisten technischen Elemente wurden vom Vorgängerfahrzeug übernommen. Hierzu gehörte das Laufwerkkonzept mit dem vertikalen Federungssystem der Renault NC-27-(NC-1)-Familie. Der Char D2 war noch immer ein schmales Fahrzeug, der Turm war unmittelbar hinter dem Fahrerraum platziert und dahinter lag die lange geneigte Motorraumabdeckung. Die sechs großflächigen, seitlichen Panzerplatten mit Auswurföffnungen für Schlamm und Erde wurden von den vorherigen Entwicklungen übernommen und schützten die Laufrollen und das Fahrwerk. Erfahrungen hatten gezeigt, dass die oberen Stützrollen höher montiert werden mussten, um die Schwingungen der 35 Zentimeter breiten Kette zu reduzieren.
Das Fahrwerk bestand aus drei Laufrollenwagen mit je vier Einzellaufrollen, einer Sprungfeder und zwei Stoßdämpfern auf beiden Seiten. Die dreiköpfige Besatzung bestand aus dem Funker, der rechts neben dem Fahrer das Bug-MG bediente. Der Kommandant saß im Turm. Wie bei dieser Aufteilung üblich, musste der Kommandant wiederum alle Aufgaben am Hauptgeschütz alleine erledigen, laden, zielen, feuern und die Aufgaben des Kommandanten erledigen.
Der Char D2 hatte ein Vierganggetriebe und mit insgesamt vier Kraftstofftanks wurde eine maximale Reichweite von 100 km erreicht. Es konnten Gräben von 2,1 m Breite überwunden, 80 cm hohe Hindernisse überfahren, 45°-Steigungen bewältigt werden und die Watfähigkeit lag bei 1,2 m.
Einsatz Durch die geringe Zahl an gebauten Fahrzeugen beschränkt sich der Einsatz auf wenige Verbände.
De Gaulles Elite Im April 1937 wurde als erste Einheit das 507. Régiment de Chars de Combat (R.C.C.), das in Metz stationiert war und unter dem Befehl von Charles de Gaulle stand, mit dem neuen Panzertyp ausgerüstet. Es begann eine sukzessive Ausbildung von Besatzungen und als genügend Mannschaften vorhanden waren, wurden drei Kompanien gebildet. Diese konnten bereits am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, an einer Parade teilnehmen, die wie schon in der Vergangenheit genutzt wurde, um der Öffentlichkeit medienwirksam die neuen Panzertypen vorzustellen. Einige hatten in der Fabrik ein aufwändiges, achtfarbiges Tarnschema erhalten, bei dem die einzelnen Farbfelder durch schwarze Linien voneinander abgegrenzt waren. Dabei waren ungewöhnliche Farben wie ein dunkles Purpur, Lila und Himmelblau. Am 1. Oktober 1937 wurde mit Erreichen der Sollstärke an Panzern offiziell das 1. Bataillon des 507e régiment de chars de combat als Char D2-Verband aufgestellt. Der Verband hatte 45 Panzer: in jeder Kompanie vier Züge mit 3 Panzern und 2 Führungspanzer, weitere 3 Panzer als Battailonsreserve. Fünf Panzer verblieben in der zentralen Ausbildungsschule für Panzerfahrer. Seit dem 5. September war Lieutenant-Colonel Charles de Gaulle Befehlshaber der Einheit, hierzu erhielt er am 25. Dezember 1937 die Beförderung zum Colonel. De Gaulle, damals einer der führenden französischen Panzeroffiziere, nutzte seine Position, um neue Ideen und Techniken zu erproben. Insbesondere experimentierte er mit einer Sprechfunkausstattung, welche bis dahin in Frankreich völlig unüblich war. Der Char D2 war eine eindeutige Weiterentwicklung gegenüber dem Char D1, hatte aber von Beginn an einige Mängel. Durch einen zu schwachen Motor, schlechte Kühlung und zu schwache Auslegung des Antriebsstrangs gab es eine hohe mechanische Anfälligkeit, die überproportional viel Instandsetzungen erforderte. Dies war insbesondere deshalb problematisch, weil der Typ im Sommer 1937, nachdem die Char D1 nach Nordafrika geschickt worden waren, die Masse der Kampfpanzer mit 47-mm-Bewaffnung stellte. Zu diesem Zeitpunkt lief die Fertigung des Char B1 mit nur bis zu 3 Fahrzeugen pro Monat und der Somua S-35 wurde noch gar nicht produziert.