mini|Das Gymnasium in Salamis mini|Das Theater von Süden mini|Bodenmosaik der Basilika Kampanopetra in der Nähe des römischen Hafens mini|Römisches Mosaik der Personifikation des Flusses Eurotas neben den Flügeln eines Schwans im südlichen Sudaterium der Therme Salamis (assyrisch Ki-(i)-su, , , ) war ein eisenzeitliches Stadtkönigreich und eine antike Stadt an der Mündung des Pediaios im Osten der Mittelmeerinsel Zypern an einer weiten Bucht etwa 6 km nördlich des heutigen Famagusta. Es liegt heute im Stadtgebiet von Agios Sergios.
Grabung und Funde mini|Lageplan des nördlichen Bereiches von Salamis mini|Gymnasion und Therme mini|1/10th-Stater: Herakles mit Löwenfell/Liegende Ziege, Euagoras I. (411–374 v. Chr.), 0.71 g, SNG Copenhagen 733597
Die Ruinen der großen antiken Stadt wurden bis zum Krieg im Jahre 1974 unter Leitung von Vassos Karageorghis teilweise ausgegraben. Funde aus Salamis und dem landeinwärts benachbarten Enkomi belegen, dass beide Siedlungen kurze Zeit parallel existierten. Funde aus Salamis sind im naheliegenden Museum des St.-Barnabas-Klosters ausgestellt.
Gründungsmythos Der mythische Gründer von Salamis war Teukros, Sohn des Telamon, des Königs der gleichnamigen griechischen Insel Salamis. Er soll nach der Zerstörung Trojas auf Zypern gelandet sein, dort Zeus einen Tempel errichtet und Eune, die Tochter des Kinyras, geheiratet haben. Sein Schwiegervater, Kinyras, war – infolge einer Inzestverbindung mit seiner eigenen Tochter Smyrna (Myrrha), Eunes Schwester – der Vater des Adonis.
Teukros gründete auf Zypern eine Stadt, die er nach seiner Heimatinsel Salamis nannte.Velleius Paterculus. Historia Romana 1.1.1
Geschichte Seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. hatte Salamis die Führungsrolle unter den zypriotischen Stadtkönigtümern inne. Die zu Beginn relativ kleine Stadt mit einer Nekropole an ihrem westlichen Rand breitete sich seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. nach drei Seiten aus. Die alte Nekropole wurde überbaut und im Süden eine neue angelegt, die bis zum Kloster des heiligen Barnabas reicht. Handelsbeziehungen zeigen die Einflüsse der Hochkulturen Kleinasiens, des Vorderen Orients und Ägyptens.
Im 8. Jahrhundert v. Chr. ist verstärkter phönizischer Einfluss erkennbar. David W. RuppDavid W. Rupp: The „Royal Tombs“ at Salamis (Cyprus): Ideological Messages of Power and Authority. In: Journal of Mediterranean Archaeology 1/1, 1988, S. 111–139. nimmt sogar an, dass diese intensiven Handelsbeziehungen mit der Levante zur Herausbildung des Königtums von Salamis nach vorderasiatischem Muster führten. Er sieht die Beigaben in den Königsgräbern als „bewusstes politisches Statement“.David W. Rupp: Vive le roi: The Emergence of the State in Iron Age Cyprus. In: David W. Rupp (Hrsg.): Western Cyprus: Connections (= Studies in Mediterranean Archaeology, Band 77). Paul Astrom's Forlag, Göteborg 1987, S. 156. Anthony Snodgrass sieht die Gräber dagegen als Selbstdarstellung alteingesessener etablierter Herrscher.Anthony Snodgrass: Cyprus and early Greek history (= Fourth annual Lecture on History and Archaeology). Cultural Foundation of the Bank of Cyprus, Nicosia 1988, S. 10–11.
Die Herrschaft der Assyrer am Ende des 8. Jahrhunderts schlägt sich im verstärkten Vorkommen vorderasiatischer Elemente nieder. Belegt wird die führende Rolle von Salamis zur Zeit der ägyptischen Oberherrschaft durch die Münzen des Königs Euelthon (560–525 v. Chr.), auf denen er sich als Herrscher der Insel bezeichnet. Stärker als zuvor war die Geschichte von Salamis nun mit der der ganzen Insel verknüpft. Bei den Auseinandersetzungen mit dem Perserreich, im Ionischen Aufstand und in den Streitigkeiten um die Nachfolge Alexanders des Großen spielte sie eine Rolle.
König Euagoras I. war mit Athen und dem Pharao Hakor (393–380 v. Chr.) verbündet, und es gelang ihm kurzfristig, Tyros, Sidon und vielleicht auch Dor unter seine Kontrolle zu bringen. Inschriften in zyprisch-archaischer Schrift aus Dor könnten aus dieser Zeit stammen. Der letzte König von Salamis, Nikokreon, beging 311/310 mit seiner Familie Selbstmord. 306 v. Chr. fand bei Salamis eine entscheidende Seeschlacht der Diadochenkriege statt, in der Antigonos I. gemeinsam mit seinem Sohn Demetrios I. Poliorketes den ägyptischen Feldherren Ptolemaios I. besiegten, der Zypern bis dahin kontrolliert hatte.
Als erste Stadt Zyperns prägte Salamis etwa ab 515 v. Chr. Münzen.
Unter den Ptolemäern löste Paphos Salamis als wichtigste Stadt der Insel ab.
Ab 54 v. Chr. wird Zypern vorläufig, ab 31 v. Chr. endgültig römische Kolonie. Ca. 45–47 n. Chr. wird Salamis während der ersten Missionsreise von Paulus und Barnabas vom Christentum erreicht, wobei die Missionare sich an die dortige jüdische Gemeinde wandten (Apostelgeschichte 13, 5). Die Wasserversorgung der Stadt wurde durch ein Aquädukt von Chrytoi aus sichergestellt. Salamis wurde 332 und 342 n. Chr. durch Erdbeben heimgesucht, Letzteres mit einem Tsunami verbunden. Im Jahre 115 soll Salamis nach dem Bericht des Cassius Dio während des Aufstandes der Juden gegen Kaiser Trajan zerstört worden sein, wobei 240.000 Einwohner umgebracht wurden. Unter Constantius II. wurde sie auf beschränktem Areal wieder aufgebaut und führte den Namen „Constantia“. Zur Zeit des Bischofs Epiphanios (368–403 n. Chr.) löste sie Paphos als Inselmetropole ab.
In einer Inschrift aus den Thermen von Salamis werden Justinian und Theodora als Erneuerer der Stadt gelobt.A. H. S. Megaw: Byzantine architecture and decoration in Cyprus: Metropolitan or provincial? In: Dumbarton Oaks Papers 28, 1974, S. 71. Zu ihrer Zeit scheinen sowohl die Thermen als auch die Basilika des Epiphanius erneuert und verschönert worden zu sein. In den Thermen wurden Marmorsäulen errichtet, eine Säule im Zentrum der Palästra trug vermutlich ein Standbild des kaiserlichen Paares. In der Basilika wurde das halbrunde Synthronon erbaut und der Fußboden mit weißen Marmorplatten versehen. Das Hagiasma des Nikodemus in Constantia enthält Inschriften und Wandmalereien aus dem 6. Jahrhundert, unter anderem einen Christuskopf.
Constantia bestand nur 300 Jahre. Überfälle der Araber und Naturkatastrophen setzten ihr um die Mitte des 7. Jahrhunderts ein Ende und führten zum Aufschwung des benachbarten Ammochostos, des späteren Famagusta.Zu Constantia vgl. ausführlich
Könige von Salamis mini|Silber-Tetradrachme: Euagoras II., Cabinet des médailles Paris
Teukros (mythisch) Euelthon, 560–525 v. Chr. Gorgos (Salamis) nach dem ionischen Aufstand (500/499–494 v. Chr.) Euagoras I., 411–374/3 v. Chr. Nikokles, 374–368 v. Chr. Euagoras II., 368–351 v. Chr. Pnytagoras, 351–332 v. Chr., König von Salamis, unterwarf sich 332 Alexander von Makedonien Nikokreon, zur Zeit Alexanders Ptolemaios, 80–58 v. Chr. König von Zypern, danach Eingliederung in das römische Reich
Nekropole von Salamis mini|Lageplan der Nekropole
Grab 1 mini|Grab 1, Hintergrund rechts Cumulus-Grab 3 Mit diesem Grab begann 1957 die ausführliche Untersuchung der Nekropole von Salamis. Die Anlage der Grabes erfolgte, indem man in das anstehende tonhaltige Gestein einen tiefen Schnitt von Ost nach West einfügte (Anlage aller folgenden Gräber geschah auf dieselbe Art und Weise). Am westlichen Ende wurde die rechteckige Grabkammer eingearbeitet (4,70 × 5 × 2 m), deren hintere Seite durch Findlinge begrenzt wurde, während die Seitenwände verputzt waren und sich nach innen neigten. Damit wurde das Dach stabilisiert, das aus langen Schieferplatten bestand. Mittig gelegen befand sich die Eingangstür, die in ihrem Außenbereich möglicherweise ein Propylaeum (4,60 Meter breit, 1 m tief) besaß, von dem noch die Reste zweier Säulen gefunden wurden, die an den Außenseiten standen. Die Außenseite des Grabes (9,45 m breit) hatte man mit weißen Kalksteinblöcken verkleidet und am oberen Rand mit einem Fries verziert (nur noch in Resten erhalten). An diese Fassade schloss sich ein langer Dromos an.Vassos Karageorghis: Salamis: recent discoveries in Cyprus, 1969, S. 26
Im Inneren war das Grab beraubt, doch konnte man Hinweise darauf finden, dass es zwei verschiedene Belegungsphasen gab. Zur ersten gehört ein bronzener Kessel, in dem man Reste eines verbrannten Menschen (mit Kleidung) fand, sowie eine Kette, die Perlen aus Bergkristall und Gold besaß. Auf dem Dromos fand man außerdem Reste eines Scheiterhaufens, auf dem die Verstorbene (durch den Goldschmuck geht man davon aus, dass es sich um eine weibliche Person handelte) verbrannt wurde und wo man zusätzlich kleine goldene Scheiben fand. Anhand der sehr reichen Beigaben spekuliert man, dass es sich hierbei möglicherweise um die Bestattung einer cypriotischen Dame der Oberschicht oder sogar um eine Angehörige des Königshauses (Prinzessin) handelt. Zusätzlich zu den Schmuckbeigaben fanden sich Keramikgefäße geometrischen Typs, die eine Datierung des Grabes in die Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. nahelegen. Es wurde zusätzlich festgestellt, dass die Keramik möglicherweise euböischer Machart war und dass demnach euböische Einwanderer nach Zypern gekommen waren und die Keramik wie auch die Bestattungspraktiken mitgebracht haben.
Bei der zweiten Bestattung handelt es sich um eine Körperbestattung, die anhand der gefundenen Keramik (auch euböisch) in das frühe 7. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. Durch die spätere Ausraubung des Grabes ist hiervon kaum noch etwas vorhanden.Vassos Karageorghis: Salamis: recent discoveries in Cyprus, 1969, S. 27
Zusätzlich zu den Beigaben im Grab fanden sich auf Zypern immer wieder zahlreiche Sachen in den Dromoi. Man konnte auch hier zwei Schichten feststellen, in denen sich Beigaben befanden. In der älteren Schicht fand man zwei Pferdeskelette und Spuren eines Wagens, wobei beides stark zerstört worden war, als man es beiseite räumte, um die Sachen für die zweite Bestattung einzubringen. Die zweite Bestattung bestand dann aus vier Pferdeskeletten und Resten von zwei Streitwagen (nur die metallenen Teile wurden in situ gefunden, die hölzernen Teile sind vergangen).
Obwohl dieses Grab nicht das herausragendste und beste Beispiel der großen Gräber in der Nekropole in Salamis ist, stellt es doch den Anfangspunkt der Grabungstätigkeiten dar und machte den Weg frei für die Entdeckung einer kompletten cypriotischen Kultur, die sich vorwiegend durch funeräre Architektur auszeichnete.
Grab 2 An der Zufahrt liegen die 1962/63 entdeckten Gräber 2 und 3. Grab 2 erbrachte neben wertvollen Keramik- und Silberfunden einen Hinweis auf Menschenopfer im Kontext mit dem Kult des ausgehenden 8. und beginnenden 7. Jahrhunderts v. Chr.
Bei der Ausgrabung des Grabes 2 zeigte sich, dass nichts mehr vom ursprünglichen Tumulus erhalten geblieben war, da dieser durch die Landwirtschaft abgetragen war. Die Ausgräber machten sich keine Hoffnungen, in der Grabkammer etwas zu finden, da schon vorher bekannt war, dass man das Grab beraubt hatte, was sich auch als richtig erwies. Die einzigen Reste, die man neben der eingedrungenen Erde fand, waren Teile eines menschlichen Schädels, Knochenreste, Keramikscherben, ein Krug und eine Silberschüssel. Durch die menschlichen Knochen schloss der Ausgräber darauf, dass es sich hierbei um eine Körperbestattung, keine Verbrennung der Leiche handelte.Vassos Karageorghis: Excavations in the necropolis of Salamis I (Text and Plates), 1967, S. 8. Die Grabkammer bestand aus einem kleinen rechteckigen Raum (3,10 × 2,20 m), dessen Wände und Boden aus großen Quadersteinen errichtet wurden. Die Wände besitzen eine leichte Neigung nach innen, damit sie die Decke, die aus zwei großen Blöcken besteht, halten können. Außerhalb der Grabes befindet sich ein langer Dromos und eine aus Kalkstein gebaute Fassade, welche die Öffnung des Grabe rahmt. Den Eingang hatte man mit einem großen Kalksteinblock verschlossen.Vassos Karageorghis: Excavations in the necropolis of Salamis I (Text and Plates), 1967, S. 6–7.