mini|1982 Wadim Michailowitsch Koschewnikow (; * im Dorf Narym, Gouvernement Tomsk; † 20. Oktober 1984 in Moskau) war ein sowjetischer Schriftsteller und Journalist.
Leben Die Eltern waren nach Sibirien verbannte Sozialdemokraten. Von 1910 bis 1925 lebte er mit den Eltern in Tomsk. 1925 übersiedelten sie nach Moskau.
Koschewnikow studierte an der Moskauer Universität in der Literaturabteilung der Ethnologischen Fakultät. Er beendete das Studium 1933. Seine erste Erzählung wurde 1929 in der Zeitschrift Rost veröffentlicht. Ab 1933 arbeitete er als Journalist bei der Komsomolskaja Prawda und den Zeitschriften Ogonjok, Smena, Naschi dostischenija (Unsere Erfolge). Seit 1930 veröffentlichte er Erzählungen. 1939 erschien der erste Sammelband mit Erzählungen Notschnoi rasgowor (Nächtliches Gespräch). Seit 1940 war Koschewnikow Mitglied des Schriftstellerverbands der UdSSR.
In den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges war Koschewnikow Kriegskorrespondent der sowjetischen Armeezeitung an der Westfront im Range eines Oberstleutnants, später als Major. Ab 1943 berichtete er für die Prawda an der 1. Ukrainischen Front.Vadim+Kozhevnikov in der The Great Soviet Encyclopedia, Dritte Auflage, englische Ausgabe Er nahm an der Schlacht um Berlin teil.
1947/48 war Koschewnikow Redakteur in der Redaktion für Literatur und Kunst bei der Prawda. Ab 1949 bis zu seinem Tod 1984 war er Chefredakteur der literarisch-künstlerischen und gesellschaftspolitischen Zeitschrift Snamja. Entsprechend mehrerer Quellen übergab er dem KGB (nach anderen Quellen dem ZK der KPdSU) das Manuskript des Romans Leben und Schicksal von Wassili Grossman.Leben und Schicksal bei Google BoocksJuri Arabow: Однажды в “Знамени” (russisch)Wjatscheslaw Ogrysko: Кто запрещал Гроссмана (Wer hat Grossman verboten?), Literaturnaja gaseta, № 2012 / 42, 23. Februar 2015 (russisch) Koschewnikows Tochter Nadeschda Koschewnikowa meint dazu, dass auf jeden Fall „… nach den damals herrschenden Regeln ein Manuskript solchen Umfangs, und mit derart gefährlichen Ansichten, der Vergleich von Hitler mit Stalin sowie des Faschismus mit dem Kommunismus an das Zentralkomitee geschickt werden musste, in die Abteilung für Ideologie“.Nadeschda Koschewnikowa: Ничего нового (Nichts Neues), Tschaika, 16. Juni 2011 Der Kunsthistoriker Michail Tubli unterstützt die Ansicht der Tochter und merkt an, dass keine Dokumente bekannt sind, die beweisen, dass die Initiative zur Übergabe des Manuskripts und der Informationen über den Roman von Koschewnikow ausging.Michail Tubli: Дочь за отца отвечает (Die Tochter antwortet für den Vater), Sem iskustw,№ 9(46) September 2013 Alexander Solschenizyn, der über die Vorgänge in der Redaktion der Zeitschrift Nowy Mir gut informiert war, schrieb im Buch Die Eiche und das Kalb: „Ich erinnere mich, dass der Roman Grossmans aus dem Safe von Nowy Mir entwendet wurde.“
Koschewnikow war Sekretär des Schriftstellerverbands der UdSSR seit 1967 und der RSFSR seit 1970. Er war 1981 Delegierter des XXVI. Parteitags der KPdSU. Von 1966 bis 1984 war er in der Oblast Samarkand gewählter Abgeordneter des Unionssowjets des Obersten Sowjets der UdSSR.
Am 31. August 1973 unterschrieb Koschewnikow einen Brief einer Gruppe sowjetischer Schriftsteller an die Redaktion der Prawda über Solschenyzin und Sacharow. Dort hieß es: „Solschenizyn verletzt offen sowjetische Gesetze und tritt gegen die sowjetische Verfassung auf. Er unterstützt Kriegspropagada und tritt gegen die Entspannungspolitik auf. Wir müssen das Problem seiner Ausweisung aus der UdSSR ruhig lösen.“
Koschewnikow wurde auf dem Friedhof in Peredelkino begraben.
Werk Wadim Koschewnikow schrieb hauptsächlich Powests und Erzählungen. Er schrieb die Romane Darf ich vorstellen – Balujew und Schild und Schwert, nach denen die gleichnamigen Filme gedreht wurden (siehe auch Schild und Schwert). Gemeinsam mit dem Dramaturgen Iossif Prut schrieb er 1947 das Stück Das Schicksal des Reginald Davis. Am erfolgreichsten waren seine Prosawerke über den Großen Vaterländischen Krieg.Вадим Кожевников auf Шпиономания
Schriften Gesammelte Werke in 9 Bänden, Verlag Chudoschestwennaja Literatura, Moskau, 1985–1988 Gesammelte Werke in 6 Bänden, Verlag Chudoschestwennaja Literatura, Moskau, 1968–1971 In der großen Volksrepublik China, Verlag Prawda, Moskau, 1952
Romane «Заре навстречу» (Sare nawstretschu, Dem Morgenrot entgegen) 1956–1957 (Roman über die Revolution und Errichtung der Sowjetmacht in Sibirien) «Знакомьтесь, Балуев!» (Darf ich vorstellen – Balujew), Moskau, 1960 (Roman über den Ingenieur und Organisator, den Kommunisten Balujew, der in Sibirien eine Gasleitung baut) Darf ich vorstellen – Balujew, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1962, «Щит и меч» (Schtschit i metsch), Moskau, 1965 (Roman über einen sowjetischen Kundschafter, der im Zweiten Weltkrieg in die deutsche Abwehr eingeschleust wird) Im Labyrinth der Abwehr, Verlag Neues Leben, Berlin, 1969, «В полдень на солнечной стороне» (W polden na solnetschnoi storone), Wojenisdat, Moskau, 1973 Mittags auf der Sonnenseite, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1974,Siehe zur Editionsgeschichte und insbesondere zum Urteil des Gutachters Leonhard Kossuth: Siegfried Lokatis: Ein heimlicher Stalin-Diskurs in der DDR. Die Zensur sowjetischer Kriegsromane beim Verlag „Volk und Welt“. (PDF auf zeitgeschichte-online.de) «Корни и крона» (Korni i krona), Moskau, 1983.
Powests «Великий призыв» (Weliki Prisyw, Der große Aufruf), Verlag Sowetski Pissatel, Moskau, 1940. Степной поход (Stepnoi pochod, Ausflug in die Steppe), Moskau, 1940. «Грозное оружие» (Grosnoje oruschije, Bedrohliche Waffe), 1941. День летящий (Den letjaschtschi, Fliegender Tag), Moskau, 1963. «Особое подразделение» (Ossoboje podrasdelenije), Moskau, 1969. Sonderabteilung. Erzählungen, Verlag Progress, Moskau, 1975, «Сидор Цыплаков» (Sidor Zyplakow) «Пётр Рябинкин» (Pjotr Rjabinkin) «Степан Буков» (Stepan Bukow; über einen sowjetischen Arbeiter, der sich neben seiner Arbeit weiterqualifiziert, ein Ingenieurdiplom erhält und schließlich Parteifunktionär wird) Годы огневые (Gody ognewyje, Kriegerische Jahre), Moskau, 1972 Воинское счастье (Woinskoje Stschastje), Moskau, 1977 «Повести» (Erzählungen), 1979, (повести «Полюшко-поле», «Пустыня», «Белая ночь», «Лилась река» и «В дальнем плавании») Так было (Tak bylo, So war es), Moskau, 1980. Полюшко-поле (Poljuschko Pole), Moskau, 1982.
Erzählungen und Essays «Порт» (Port, Der Hafen), 1930 «Девятое знамя» (Dewjatoje snamja, Das neunte Banner), 1933 «Ночной разговор» (Notschnoi rasgowor, Nächtliches Gespräch), Moskau, 1939 (Sammelband mit Erzählungen) «Тяжёлая рука» (Tjascholaja ruka, Die schwere Hand), 1941 (Sammelband) «Март-апрель» (Mart-Aprel, März-April), 1942 «Мера твёрдости» (Mera twjordosti, Ein Maß für die die Standhaftigkeit), Moskau, Verlag Molodaja Gwardija, 1942 «Рассказы о войне» (Rasskasy o woine, Erzählungen von Krieg), 1942 (Sammelband) «Дом без номера» (Dom bes nomera, Haus ohne Nummer), 1943 «Любимые товарищи» (Ljubimyje towarischtschi, Die besten Freude), Moskau, Verlag Sowetski Pissatel, 1943 «Труженики войны» (Truscheniki Woiny, Arbeiter des Krieges), Moskau, 1944 (Sammelband) Рассказы, (Rasskasy, Erzählungen), Moskau, Verlag Sowetski Pissatel, 1946 «Это сильнее всего» (Eto silneje wsewo, Das ist stärker als alles), Moskau, Verlag Prawda, 1947 (Sammelband) Мальчик с окраины. (Maltschik s okrainy, Der Junge vom Stadtrand), Moskau, 1953 Живой мост (Schiwoi most, Die lebende Brücke), Moskau, 1954 Люди нового Китая (Ljudi nowowo Kitaja, Die Menschen im neuen China), Moskau, 1954 Такими гордится народ (Takimi gorditsja narod, Darauf ist das Volk stolz), Moskau, 1955 Дорогами войны (Dorogami woiny, Auf den Wegen des Krieges), Moskau, 1955 Тысяча цзиней. Moskau, 1955 Дерево жизни (Derewo schisni, Der Baum des Lebens), Moskau, 1979 Уменье побеждать (Umenje pobeschat, Die Fähigkeit zu gewinnen) Moskau, 1987
Stücke Das Schicksal des Reginald Davis, 1947 (zusammen mit Iossif Prut) «Огненная река» (Ognennaja reka, Der brennende Fluss), 1949 Stücke, Moskau, Verlag Iskusstwo, 1949
Drehbücher und Verfilmungen März-April, 1943 (nach der gleichnamigen Erzählung, Drehbuch zusammen mit Nikolai Roschkow) Der Junge vom Stadtrand, 1947 (Drehbuch zusammen mit Iossif Prut) W jedinom stroju, 1959 (Drehbuch) Dem Morgenrot entgegen, 1959 (nach dem gleichnamigen Roman) Sdrawstui Gnat, 1962 Darf ich vorstellen – Balujew, 1963 (nach dem gleichnamigen Roman, Drehbuchautor zusammen mit Wiktor Komissarschewski) Schild und Schwert, 1968 (der Autor schrieb das Szenarium nach seinem Roman Im Labyrinth der Abwehr gemeinsam mit Wladimir Bassow) Pjotr Rjabinkin, 1972 (nach der gleichnamigen Erzählung, gemeinsam mit Damir Wjatitsch-Bereschnych)
Auszeichnungen Staatspreis der UdSSR (1971) — für die Powests Pjotr Rjabinkin (1968) und Sonderabteilung (1969) Held der sozialistischen Arbeit (1974) zweimal Leninorden (28. Oktober 1967; 27. September 1974) Orden der Oktoberrevolution (2. Juli 1971) zweimal Orden des Vaterländischen Krieges I. Klasse (16. Juni 1945; 23. September 1945) zweimal Orden des Roten Banners der Arbeit (29. April 1959; 20. April 1979) Orden des Roten Sterns (7. Oktober 1942)
Privates Koschewnikow war seit 1945 mit Wiktorija Jurjewna (1917–1977) verheiratet, die in erster Ehe mit dem sowjetischen Polarflieger Ilja Pawlowitsch Masuruk liiert war. Die Tochter der Ehefrau aus erster Ehe, die Szenaristin Irina Masuruk (1936–1985) heiratete später den Schriftsteller Wil Lipatow. Koschewnikow hatte zwei Töchter: die Schriftstellerin und Journalistin Nadeschda Koschewnikowa (* 1949) und die Komponistin Jekaterina Koschewnikowa (* 1954).
Weblinks Koschewnikow, Wadim Michailowitsch in der elektronischen Bibliothek Russische Literatur und Folklore Koschewnikow, Wadim Michailowitsch in der Populärwissenschaftlichen Enzyklopädie (russ.)
Einzelnachweise
Kategorie:Absolvent der Lomonossow-Universität Moskau Kategorie:Träger des Ordens des Roten Sterns Kategorie:Träger des Ordens des Roten Banners der Arbeit Kategorie:Träger des Ordens des Vaterländischen Krieges I. Klasse Kategorie:Träger des Ordens der Oktoberrevolution Kategorie:Träger des Leninordens Kategorie:Held der sozialistischen Arbeit Kategorie:Träger des Staatspreises der UdSSR Kategorie:Abgeordneter (Oberster Sowjet der UdSSR) Kategorie:Träger der Medaille „Sieg über Deutschland“ Kategorie:KPdSU-Mitglied Kategorie:Kriegsberichterstatter (Zweiter Weltkrieg) Kategorie:Literatur des Sozialistischen Realismus Kategorie:Chefredakteur Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Russisch) Kategorie:Literatur (Sowjetunion) Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann