Nisshin (, auch als Nissin transkribiert) ist der Name eines Panzerkreuzers der Kasuga-Klasse der Kaiserlich Japanische Marine aus dem 1. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Gebaut wurde das Schiff auf der Ansaldo-Werft nach den Plänen der Giuseppe-Garibaldi-Klasse der Regia Marina. Zunächst von dieser als San Rocco im Jahr 1901 bestellt, wurde er im Jahr darauf unter dem Namen Mariano Moreno an Argentinien verkauft. Doch die abnehmenden Spannungen mit Chile und finanzielle Nöte zwangen die Argentinier zum Verkauf des Schiffes. Zu diesem Zeitpunkt gab es Spannungen zwischen dem Kaiserreich Japan und dem russischen Zarenreich. Die Argentinier boten das Schiff beiden Parteien an, letztendlich erwarben es die Japaner.

Im Russisch-Japanischen Krieg von 1904–1905 nahm die Nisshin an der Seeschlacht im Gelben Meer teil und wurde in der darauf folgenden Seeschlacht bei Tsushima beschädigt. Weiterhin wurde sie oft zum Beschuss der Verteidigungen von Port Arthur eingesetzt. Das Schiff hatte begrenzte Einsätze im Ersten Weltkrieg und wurde für die Eskorte von alliierten Konvois und die Suche nach deutschen Handelsstörern im Indischen Ozean und vor Australasien eingesetzt. Im Jahr 1918 wurde die Nisshin in das Mittelmeer verlegt und eskortierte dort die Japan zugedachten und nach dem Krieg an Großbritannien übergebenen U-Boote deutscher Herkunft. Im Jahr 1927 wandelte sich ihre Rolle zu der eines Schulschiffs und im Jahr 1936 wurde die Nisshin als Zielschiff versenkt. Irgendwann vor dem 18. Januar 1942 wurde das Wrack gehoben, schwimmfähig gemacht und erneut als Zielschiff verwendet. Geschleppt vom Schlachtschiff Mutsu versenkte die Yamato den Rumpf beim Test ihrer Hauptartillerie.

Geschichtlicher Hintergrund Die Nisshin war der letzte von zehn gebauten Panzerkreuzern der Giuseppe-Garibaldi-Klasse. Das erste Schiff dieser Klasse wurde 1895 fertiggestellt; die Schiffe waren im Export beliebt. Über die Jahre wurde der Entwurf sukzessive verbessert.Gardiner: Conway’s All the World’s Fighting Ships. S. 351; Milanovich: Armored Cruisers of the Imperial Japanese Navy. S. 92; Silverstone: Directory of the World’s Capital Ships. S. 314. Die letzten beiden Schiffe der Klasse wurden am 20. Dezember 1901 von der königlichen italienischen Marine bestellt und im Jahr 1902 an die argentinische Marine als Antwort auf die chilenische Bestellung zweier Panzerschiffe bei einer britischen Werft verkauft. Die Kriegsgefahr zwischen Argentinien und Chile verschwand allerdings, bevor die Schiffe fertiggestellt wurden, und eine Kombination aus finanziellen Problemen und britischem diplomatischen Druck zwang Argentinien, auf ihre Mariano Moreno und das Schwesterschiff Bernardino Rivadavia zu verzichten. Die argentinische Regierung versuchte, die Schiffe an Russland zu verkaufen, doch die Verhandlungen scheiterten aufgrund des von Argentinien verlangten Preises. Die japanische Regierung sprang schnell in die Bresche und kaufte beide Schiffe trotz des hohen Preises von 14.937.390 ¥ (1.530.000 £) vor dem Hintergrund der gestiegenen Spannungen mit Russland. Zu dem Zeitpunkt plante Japan bereits einen Angriff auf Russland. Die Regierung verzögerte den Überraschungsangriff auf Port Arthur bis zu einem Zeitpunkt, als die Kreuzer bereits aus dem Hafen von Singapur ausgelaufen waren, so dass sie von keiner ausländischen Macht ausgebremst oder interniert werden konnten.Milanovich: Armored Cruisers of the Imperial Japanese Navy. S. 83f.

Entwurf und Konstruktion mini|links|Seiten- und Aufriss der Kreuzer der Kasuga-Klasse aus Brassey’s Naval Annual 1906

Die Nisshin hatte eine Länge über alles von 111,73 m, eine Breite von 18,71 m, eine Raumtiefe von 12,1 m und einen größten Tiefgang von 7,35 m. Sie hatte eine Verdrängung von 7.700 metrischen Tonnen als „Normal displacement“ (d. h.: voll ausgestattet und 2/3 der Maximalmenge an Verbrauchsgütern wie Treibstoff, Munition und Lebensmitteln an Bord). Zwei Dreifachexpansionsdampfmaschinen, jede auf eine Welle wirkend und für eine Leistung von 10.100 kW zum Erreichen einer Geschwindigkeit von 20 Knoten ausgelegt, wurden mit Dampf aus acht kohlegefeuerten Großwasserraumkesseln (auch als schottische Kessel bekannt) versorgt. Ihre Testfahrten am 6. November 1903 ergaben, dass die Entwurfsgeschwindigkeit von 20 Knoten sehr geringfügig überschritten werden konnte (mit 20,15 Knoten). Die Maschinen gaben dabei eine Leistung von 11.108 kW ab. Ihre Reichweite betrug 5.500 Seemeilen (10.200 km) bei einer Geschwindigkeit von 10 kn.Milanovich: Armored Cruisers of the Imperial Japanese Navy. S. 87, 90. Die Besatzung bestand aus 560 Offizieren und Mannschaften.Silverstone: Directory of the World’s Capital Ships. S. 314.

Die Hauptbatterie bestand aus vier Kanonen im Kaliber 20,3 cm (20,3 cm/45 Typ 41) in zwei Zwillingstürmen vor und hinter den Aufbauten. Zehn Schnellfeuerkanonen, Kaliber 15,2 cm (QF 6 inch /40 naval gun), waren als Sekundärbewaffnung in Kasematten mittschiffs auf dem Hauptdeck verbaut, vier weitere Kanonen standen auf dem Oberdeck. Zur Abwehr von Torpedobooten trug der Kreuzer zehn Schnellfeuerkanonen des Typs QF 12 pounder 18 cwt naval gun und sechs des Typs QF 3 pounder Hotchkiss. Weiters verfügte das Schiff über vier unter Wasser paarweise an den Seiten gelegene Torpedorohre für 18-Zoll-Torpedos.

Der Panzergürtel hatte eine maximale Dicke von 150 mm mittschiffs, seine Dicke nahm zu 70 mm in Richtung der Schiffsenden ab. Er deckte die gesamte Schiffsseite zwischen den Hauptbatterie-Barbetten bis zur Höhe des oberen Decks ab. Die Enden dieser zentralen gepanzerten Zitadelle wurden durch Querschotten mit 120 mm Dicke abgeschlossen. Die vordere Barbette, der Kommandostand und die Geschütztürme waren ebenfalls mit 150 mm starken Panzer geschützt. Die hintere Barbette hatte nur eine Panzerstärke von 100 mm. Das Deck hatte eine Panzerstärke von 20–40 mm und die 6-Zoll-Kanonen auf dem Oberdeck verfügten über Splitterschutzschilde.Milanovich: Armored Cruisers of the Imperial Japanese Navy. S. 87, 89.

Geschichte des Schiffs Bau Die Kiellegung des Kreuzers fand am 29. März 1902 unter dem provisorischen Namen San Rocco statt. Am 9. Februar 1903 lief der Kreuzer, nunmehr von den Argentiniern Mariano Moreno genannt, vom Stapel. Am 30. Dezember 1903 erfolgte der Verkauf an Japan, die Umbenennung auf den Namen Nisshin zum 1. Januar 1904. Die Nisshin sowie ihr erst vor kurzem so genanntes Schwesterschiff Kasuga wurden offiziell an Japan am 7. Januar übergeben und in Dienst gestellt. Die beiden Schiffe liefen aus Genua am 9. Januar unter dem Befehl britischer Kapitäne mit Mannschaften aus britischen Seemännern und italienischen Heizern aus. Bei der Ankunft im ägyptischen Port Said fünf Tage später begegneten sie dem russischen geschützten Kreuzer Aurora. Sie erreichten Sues am 16. Januar in Begleitung des britischen Panzerkreuzers King Alfred. Am 2. Februar erreichten die beiden japanischen Schiffe Singapur, wo es zu geringen Verzögerungen der Fahrt aufgrund eines Streiks von Kulis kam.

Einsatzgeschichte Russisch-Japanischer Krieg mini|Eine Postkarte mit der Nisshin als Motiv, Anfang 1904

Nisshin und Kasuga erreichten Yokosuka am 16. Februar, just als Japan die Kampfhandlungen mit dem Überraschungsangriff auf Port Arthur begonnen hatte. Das Training japanischer Besatzungen auf beiden Schiffen begann unmittelbar. Beide Schwesterschiffe bekamen am 11. April den Auftrag zur Verstärkung der Schlachtschiffe der 1. Division der 1. Flotte unter dem Oberkommando des Admirals Tōgō Heihachirō. In einem Versuch, die russischen Schiffe in Port Arthur abzuriegeln, befahl Admiral Tōgō das Legen eines Minenfeldes an der Hafenmündung am 12. April, außerdem erhielten Nisshin und Kasuga den Auftrag, sich zu präsentieren als „eine Vorführung unserer Macht“.Warner, Warner: The Tide at Sunrise. S. 235f. Tōgō hatte Erfolg darin, einen Teil des russischen Pazifikgeschwaders aus dem Hafen herauszulocken, darunter das Flaggschiff von Vizeadmiral Stepan Makarow, das Schlachtschiff Petropawlowsk. Als Makarow der fünf japanischen Schlachtschiffe sowie Kasuga und Nisshin ansichtig wurde, drehte er ab, um zurück nach Port Arthur zu gelangen, was sein Flaggschiff in das jüngst gelegte Minenfeld der Japaner führte. Das Schiff sank in weniger als zwei Minuten, nachdem eines seiner Magazine explodierte, und Makarow war eines der 677 Todesopfer an Bord. Zusätzlich zu diesem Schiffsverlust wurde das Schlachtschiff Pobeda von einer weiteren Mine beschädigt.Forczyk: Russian Battleship vs Japanese Battleship. S. 45f. Durch seinen Erfolg ermutigt, nahm Tōgō den Beschuss auf große Reichweite unter Einsatz der Möglichkeiten der beiden Kreuzer wieder auf. Am 15. April schossen die Schiffe aus der Pigeon Bay an der südwestlichen Seite der Liaodong-Halbinsel, die Entfernung zum Zielbereich betrug 9,5 km. Die Kampfhandlungen waren nicht völlig einseitig, da am selben Tag das russische Schlachtschiff Peresvet einen Treffer auf der Nisshin landete.McLaughlin: Russian & Soviet Battleships. S. 115. Anfang Mai setzten die Schwesterschiffe ihre Schiffsartillerie auf Reichweiten von bis zu 18 km ein, was sich aber als ineffektiv herausstellte.Evans, Peattie: Kaigun. S. 99.

Am 15. Mai wurden die Schlachtschiffe Yashima und Hatsuse durch russische Minen versenkt.Warner, Warner: The Tide at Sunrise. S. 280ff. Aufgrund dieses Verlustes eines Drittels der japanischen Schlachtschiffstärke beschloss Tōgō den Einsatz von Nisshin und Kasuga in der Kampflinie zusammen mit seinen verbliebenen vier Schlachtschiffen.Forczyk: Russian Battleship vs Japanese Battleship. S. 48. Zum ersten Mal auf die Probe gestellt wurde diese Entscheidung am 23. Juni, als das Pazifikgeschwader einen, dann fehlschlagenden, Ausfall wagte, um Wladiwostok zu erreichen. Konteradmiral Wilhelm Withöft befahl dem Geschwader die Rückkehr nach Port Arthur, als es der japanischen Kampflinie (inklusive Nisshin und Kasuga) kurz vor Sonnenuntergang begegnete, da er den zahlenmäßig überlegenen Gegner nicht in einem Nachtgefecht angehen wollte.Warner, Warner: The Tide at Sunrise. S. 305f. Am 27. Juli zwangen die beiden Schwesterschiffe eine russische Streitmacht, bestehend aus einem Schlachtschiff, mehreren Kreuzern und Kanonenbooten, welche zur Feuerunterstützung der russischen Armee ausgelaufen waren, durch Beschuss auf große Reichweite zur Rückkehr in den Hafen.McLaughlin, Ahlberg: Retvizan. S. 62.

Die beiden Kreuzer nahmen an der Seeschlacht im Gelben Meer vom 10. August teil, spielten dort aber keine große Rolle, da sie meistens am hinteren Ende der japanischen Kampflinie fuhren. Für den kurzen Abschnitt nach Tōgōs Kursumkehr befand sich die Nisshin an der Spitze der Schlachtlinie. Sie wurde während des Kampfes dreimal getroffen und verlor dadurch 14 getötete und 25 verwundete Mannschaftsmitglieder. Nach der Schlacht kehrten die Schwesterschiffe zurück zur Pigeon Bay und bekämpften russische Befestigungen.Warner, Warner: The Tide at Sunrise. S. 339.