Die Kirche der Gottesmutter von Częstochowa in Łukta () ist ein Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert, das 1407 abschließend zum heute noch vorhandenen Gebäude umgestaltet wurde. Bis 1945 war sie das zentrale Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Locken in Ostpreußen und ist heute römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Łukta liegt im Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 14 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Ostróda (). Das Dorf liegt im Kreuzungsbereich der Woiwodschaftsstraßen 527, 530 und 531. Die nächste Bahnstation ist Gamerki Wielkie (Groß Gemmern) an der Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo (). mini|150px|Der Turm der Kirche
Kirchengebäude Der Bau der Kirche in Locken fiel in das 13. Jahrhundert.ostpreussen.net: Łukta - Locken Oft wird das Jahr 1279 als Baujahr genannt, jedoch fehlt dafür jeglicher Beleg. Um 1407 wurde das Gotteshaus endgültig zu einem einschiffigen chorlosen Backsteinbau mit Feldsteinfundament umgestaltet,Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 137, Abb. 656–659 wobei zwei seitliche Eingänge und ein kunstvolles Westportal angesetzt wurden. Auf einen Unterbau von Feld- und Ziegelsteinen kam später der hölzerne Turm mit welscher Haube dazu. Die Wetterfahne auf der barocken Turmhaube, die um 1700 aufgesetzt wurde, zeigte die Jahreszahl 1876 (oder 1877) an.
1878/1879 fand eine grundlegende Restaurierung der Kirche statt. Man baute die nördliche Vorhalle an und gestaltete den Ostgiebel neu. Eine alte Kapelle an der Südostseite wurde abgebrochen.
Auch der Innenraum fand in dieser Zeit eine teilweise Neugestaltung. Er erhielt eine hölzerne Flachdecke, die auch die Orgel- und Seitenemporen überspannt. Spuren alter Wandmalereien sind noch erkennbar. mini|links|Rest der Turmuhr am Glockenstuhl Der schlichte Altar von 1580 wurde 1601 ergänzt und 1820 sowie 1950 restauriert. Die Kanzel entstand Ende des 16. Jahrhunderts. Das Altargerät stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Eine Taufschale aus Messing wurde 1615 von Gräfin Schlieben gestiftet. Ein Taufengel aus dem 17. Jahrhundert geriet 60 Jahre lang in Vergessenheit und fristete sein Dasein auf dem Kirchenboden, bis er am 1. März 2007 in die Werkstatt von Katarzyna Miczuk kam und restauriert werden konnte.
Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1854. Das Geläut besteht aus drei Glocken.
Die bis 1945 evangelische und seit 1950 römisch-katholische Pfarrkirche ist heute der Gottesmutter von Częstochowa (Tschenstochau) gewidmet. Seit dem 12. April 1959 ziert ein von Bolesław Rudkowski aus Częstochowa angefertigtes Gemälde der Schwarzen Madonna von Tschenstochau die Kirche. Mehrfach nahm man bis heute an dem Gotteshaus Arbeiten zur Umgestaltung speziell auch für die veränderten liturgischen Bräuche vor.
Kirchengemeinde Die Gründung der Kirche in Locken fiel in vorreformatorische Zeit. Mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen übernahm die Gemeinde 1525 die lutherische Konfession.
Evangelisch Kirchengeschichte Vor 1945 waren Locken und die Nachbargemeinde Langgut (polnisch Łęguty) vereinigte KirchengemeindenWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 499–500, die sich den Pfarrer „teilten“. Der Amtssitz des Geistlichen war Locken. Beide Gemeinden unterstandem adligem Patronat, wobei dieses für Locken dem Gutsbesitzer in Ramten (polnisch Ramoty) oblag.
Im Jahre 1925 waren insgesamt 5500 Gemeindeglieder zu versorgen, die in 39 Ortschaften wohnten: 4300 im Sprengel Locken (28 Orte) bzw. 1200 im Sprengel Langgut (11 Orte). Bis 1945 gehörten beiden Gemeinden zum Superintendenturbezirk Osterode in Ostpreußen (polnisch Ostróda) im Kirchenkreis Osterode innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Leben der evangelischen Kirchengemeinde in dem dann Łukta genannten Dorf ein Ende. Heute hier lebende evangelische Einwohner gehören zur Kirche Łęguty (Langgut), die den Protestanten als eine der wenigen Kirchen in Ostpreußen nach 1945 verblieb. Sie ist der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet.
Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Locken folgende Orte und Ortschaften:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Bärenwinkel Niedźwiady Luzeinen Lusajny * Brückendorf Mostkowo Magergut (Nord)Magergut (Süd) MaronieChudy Dwór Draglitz Dragolice Markusschöwen1938–1945: Markushöfen Markuszewo * Dungen Dąg * Moldsen Molza Eissingsheide Neu Ramten Nowe Ramoty Eissingsmühle Plichten Plichta Falkenstein Zajączkowo * Pulfnick Pelnik Friedrichsberg Kroninek Pupken Pupki * Gallinden Ględy Ramten Ramoty Gemmern, Groß~ Gemmern, Klein~ Gamerki WielkieGamerki Małe Sporken Spórka Hinzbruch Strzałkowo Taberbrück Tabórz * Kämmersdorf Komorowo * Wönicken Wynki * Koiden Kojdy * Worleinen Worliny * Locken Łukta Ziegenberg1926–1945: Schönhausen Kozia Góra
Pfarrer An der Kirche in Locken amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 87–88 N., Stanislaus, 1542 Albert Studeiski, bis 1564 Martin Cribanus, bis 1586 Johann Hoffmann, 1589 Daniel Hoffmann, 1599–1624 Maertin Aurifaber, bis 1604 Christoph Reimann, 1624–1626 Johann Ebel, 1626–1654 Georg Kirstenius, 1654 Matthäus Keller, bis 1672 Albert Luttermann, 1672–1709 Johann Andreas Poplawski, 1714–1732 Daniel Gotthard Plehwe, 1732–1761 Matthias Zacha, 1761–1768 Carl Richard Neumann, 1769–1794 Christoph Nadrowski, 1794–1808 Samuel Neumann, 1810–1820 Ernst Eduard Jeimke, 1821–1823 Gottlieb Skupch, 1823–1824 Johann Carl Hagenau, 1825–1828 Johann Ferdinand Biehahn, ab 1829 Gottlieb Kossobutzki, 1850–1888 Rudolf Leopold Kopkow, 1888–1921 G.C. Ernst Kroll, 1895–1901 Theodor H.H. Kaminski, 1901–1902 Franz Eduard Fritz Lörzer, 1903–1908 Leonhard Kirschner, 1921–1924 Arthur Kirstein, 1922–1936 Kurt Friedrich Sulimma, 1936 Erich Luckat, 1937 Konrad Buchholz, 1937–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Locken haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin (EZA) bzw. bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig (DZfG) aufbewahrt: Taufen: 1714–1874 (DZfG), 1900–1930 (EZA) Trauung: 1714–1733, 1735–1875 (DZfG), 1903, 1908, 1919–1920, 1925–1927, 1929 (EZA) Begräbnisse: 1733–1875 (DZfG), 1900–1931 (EZA).
Römisch-katholisch Vor 1945 war Locken in die Kirche Osterode in Ostpreußen eingepfarrt. Nach 1945 bildete sich in Łukta aufgrund des Zuzugs zahlreicher polnischer Neubürger eine römisch-katholische Gemeinde, der 1950 die bisher evangelische Kirche als Gotteshaus übereignet wurde. Am 1. Juni 1962 errichtete der ermländische Bischof Tomasz Wilczyński hier die Pfarrei der Gottesmutter von Częstowchowa.Erzbistum Ermland: Pfarrei Łukta (polnisch)
Die Pfarrei Łukta untersteht dem Erzbistum Ermland. Das Dorf ist selber Sitz eines Dekanats, dem fünf Pfarreien zugehörig sind: Florczaki (Eckersdorf) mit Ruś (Reußen) und Żabi Róg (Horn), Łukta mit Mostkowo (Brückendorf), Nowe Kawkowo (Neu Kockendorf) mit Szałstry (Schaustern), Skolity (Schlitt) mit Włodowo (Waltersdorf), sowie Wrzesina (Alt Schöneberg).
Am 4. Juli 2010 fand in der Kirche in Łukta eine besondere Messfeier statt: der Hochmeister des Deutschen Ordens, Abt Bruno Platter zelebrierte sie als Nachfolger des Ulrich von Jungingen, der 603 Jahre zuvor die Kirche weihte.
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Einzelnachweise
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