Die Kirche St. Peter und Paul () im ermländischen Lidzbark Warmiński (Heilsberg) ist eine ursprünglich evangelische Kirche, die seit der Vertreibung der eingesessenen Bevölkerung von der Polnisch-Orthodoxen Kirche genutzt wird.

Geschichte Die Kirche wurde im Rahmen des königlich preußischen Bauprogramms evangelischer Kirchen im katholischen Ermland erbaut. Um Kosten zu sparen, wurde der Bau 1822–23 in Holzbauweise errichtet, nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel, der jedoch von einem Bau in Stein ausging. Trotz des Baumaterials überstand die Kirche den Stadtbrand von 1865 und den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Die heutige Gemeinde geht auf umgesiedelte Polen aus der Ukraine zurück. Der Chor wurde zur Umnutzung als orthodoxe Kirche durch eine Ikonostase abgetrennt.

Bauwerk Die Kirche ist als holzverkleideter Fachwerkbau, der aber als Putzbau entworfen wurde, von großer baugeschichtlicher Bedeutung. Der Bau ist eine dreischiffige Basilika unter Sattel- und Pultdächern. Als eine der wenigen basilikalen Bauten Schinkels ist sie auch im kirchlichen Bauen Schinkels bemerkenswert.

Zwischen den sechsgeschossigen Türmen befindet sich ein viergeschossiger Mittelbau, der Orgelempore und Vorhalle birgt. In der Front des Mittelbaus befinden sich Fünferarkaden rundbogiger Fenster, in den Turmgeschossen und im Obergaden des Hauptbaus Dreierarkaden.

Kirchengemeinde Evangelisch (bis 1945) Geschichte Die Betreuung der evangelischen Bewohner im fast ausnahmslos römisch-katholischen Heilsberg und Umgebung wurde nach der Inbesitznahme durch Preußen 1772 zunächst dem Pfarrer in Gallingen (polnisch Galiny) übertragen.Friedwald Moeller. Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 53 Ab 1775 wurde die Pfarrstelle in Heilsberg durch einen eigenen Geistlichen versorgt, ab 1838 unterstützt von Predigern und Hilfspredigern.

Im Jahre 1818 wurde in Heilsberg eine eigene Kirchengemeinde errichtet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 453 für deren Kirche am 18. Oktober 1821 der Grundstein gelegt wurde.

Im Jahre 1925 zählte das weitflächige Diaspora-Kirchspiel 1.700 Gemeindeglieder. Es gehörte bis 1945 zum Superintendenturbezirk Braunsberg des Kirchenkreises Ermland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bewohner vor und nach 1945 setzte der evangelischen Gemeinde der Stadt Heilsberg ein Ende. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören nun zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel der evangelischen Kirche Heilsberg gehörten bis 1845 neben der Stadt Heilsberg mehr als sechzig Dörfer, Orte und Wohnplätze:

Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Albertshof Dobrujewo Kobeln Kobiela Reichenberg Kraszewo Bewernick Bobrownik Kolm Chełm Reichsen Rejsy Blankensee Blanki Konitten Konity Reimerswalde Ignalin Bleichenbarth Bartniki Konnegen Koniewo Retsch Redy Blumenau Czarny Kierz Konnegenhof Koniewo-Osadavormals: Kunówko Roggenhausen Rogóż Bogen Bugi Krekollen Krekole Schwansberg Łabno Bundien Budniki Langwiese Długołęka Schweden Wojdyty Elmswalde Elmina Launau Łaniewo Settau Żytowo Frauenwalde Świętno Lauterhagen Samolubie Siegfriedswalde Żegoty Galitten Gajlity Lawden Lauda Soritten Suryty Großendorf Wielochowo Liewenberg Miłogórze Sperlings Wróblik Großendorf, Forst Jagodów Lisettenhof Gościechowo Sperwatten Zaręby Heiligenfelde Świętnik Makohlen Maków Springborn, mit: Kloster Springborn Stoczek, mit:Stoczek Klasztorny Heilsberg mit Maurachshof Lidzbark Warmińskimit Murowanka Maraunen Morawa Stolzhagen Kochanówka Jegothen Jagoty Markeim Markajmy Süßenberg Jarandowo Katzen Kotowo Medien Medyny Termlack Tremlak Kerschdorf Kiersnowo Naprattenmit Mathildenhof Napratymit Napratki Thiergarten,ab 1926: Launau, Forst Łaniewo-Leśnictwo Kerschen Kierz Neuendorf bei Heilsberg Nowa Wieś Wielka Tollnigk Tolniki Wielkie Kiwitten Kiwity Neuhof Pilnik Wernegitten Kłębowo Kleidtten Klejdyty Parkittenmit Waldhof Parkitymit Polanka Widdrichs Widryki Kleitz Kłajty Pomehren Pomorowo Workeim Workiejmy Klotainen Klutajny Raunau Runowo Wosseden Nowosady Knipstein Knipy Rehagen Sarnowo Zechern Urbanowo

Pfarrer: An der Evangelischen Pfarrkirche in Heilsberg amtierten die Geistlichen: Theodor David Lentzki, 1775–1801 August Gottfried Reimer, 1801–1806 Karl Jonas Gronenberg, 1806–1809 August Hoyer, 1809–1815 Friedrich Wilhelm Böhncke, 1816–1867 Friedrich Wilhelm Julius Kleist, 1838–1842 Karl Johann Emil Nietzki, 1847–1854 Adolf Julius Schröder, 1854–1856 Johann Benjamin Baske, 1856–1860 Franz Georg Ferdinand Schulz, 1861–1862 Friedrich Richard Otto Wiebe, 1863–1874 Carl F.W.A. Seidenstücker, 1867–1875 Friedrich Wilhelm Karl Kuntze, 1874–1876 August Wolfgang Adalbert Kähler, 1876–1888 Friedrich Benj. Richard Rahn, 1887–1889 Oskar Wald. Emil Ristow, 1890 Albert Leonhard Helm. Wodaege, 1890–1892 Hugo Ernst Wolff, 1890–1895 Reinhold Naubereit, 1893–1902 Carl Richard Hildebrandt, 1902–1934 Walter von Knebel, 1922 Johann Hundsdörffer, 1923 Bernhard Raffel, 1934–1945 Friedrich Wilhelm Grunz, 1936–1937

Polnisch-Orthodox mini|150px|Blick zur Ikonostase der jetzigen Kirche Heute dient das jetzt nach Petrus und Paulus benannte evangelische Gotteshaus der Polnisch-Orthodoxen Kirche zu Gottesdienst und Andacht.Informationszentrum Ostpreußen: Evangelische Kirche Heilsberg, in: Weitere Bauwerke in Heilsberg Die Polnisch-Orthodoxe Kirche gehört zum Patriarchat von Konstantinopel.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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