mini|Sofia Reyes de Veyra, 1921 mini|Sofia de Veyra (vorne, zweite von rechts) und weitere Mitglieder einer philippinischen Frauendelegation bei einem Empfang durch First Lady Florence Harding im Weißen Haus. mini|Sofia Reyes de Veyra in einer Veröffentlichung von 1919

Sofia Tiaozon Reyes de Veyra (* 30. September 1876 in Arevalo, Iloilo; † 1. Januar 1953) war eine philippinische Pädagogin, Sozialreformerin und Frauenrechtlerin, die eine wichtige Rolle in der philippinischen Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts spielte. Sie arbeitete als Lehrerin, wirkte am Aufbau einer der frühen Ausbildungsstätten für professionelle Krankenpflege auf den Philippinen mit und engagierte sich über Jahrzehnte in Frauenorganisationen, im Bildungswesen und in der Sozialfürsorge.

Frühes Leben und Bildungsarbeit

De Veyra wurde als Sofia Tiaozon Reyes als Tochter von Eulalia Tiaozon und Santiago Reyes geboren. In den 1890er Jahren besuchte sie eine Privatschule in Iloilo, die von der Familie des späteren Obersten Richters des Obersten Gerichtshofs der Philippinen, Ramón Avanceña, geleitet wurde; sie arbeitete dort als Assistentin, um ihre Studiengebühren sowie Unterkunft und Verpflegung zu finanzieren. Insgesamt erhielt sie nur wenige Jahre formaler Schulbildung. Im letzten Jahrzehnt der spanischen Herrschaft auf den Philippinen wurde sie auf Spanisch unterrichtet; nach dem Philippinisch-Amerikanischen Krieg lernte sie Englisch von amerikanischen Lehrkräften, darunter sogenannten Thomasites, denen sie im Gegenzug Spanisch beibrachte. De Veyra sprach drei Sprachen.

In Saravia auf Negros gehörte sie zu den frühen philippinischen Lehrkräften, die Englisch unterrichteten, und wurde später Leiterin eines Mädchenwohnheims in Bacolod. 1906 wurde sie Assistent Dean of Women an der damaligen Philippine Normal School, der heutigen Philippine Normal University. Dort wirkte sie an der Organisation des Normal Hall Dormitory mit, in dem auch frühe philippinische Krankenpflegeschülerinnen untergebracht und junge Frauen aus verschiedenen Landesteilen für die Ausbildung gewonnen wurden. Gemeinsam mit der Amerikanerin Mary E. Coleman beteiligte sie sich am Aufbau der frühen professionellen Krankenpflegeausbildung auf den Philippinen.

1907 heiratete sie den Journalisten und Politiker Jaime Carlos de Veyra; das Paar hatte vier Kinder. Ihr Sohn Manuel E. de Veyra war während des Zweiten Weltkriegs als Arzt tätig, während ihr Sohn Jesus de Veyra später Richter und von 1976 bis 1981 Dekan der Ateneo Law School war.

Frauenbewegung und soziale Reformarbeit

mini|Historischer Marker der National Federation of Women’s Clubs of the Philippines

Am 30. Juni 1905 wurde in Manila auf Initiative von Concepción Felix die Asociación Feminista Filipina gegründet; Sofia Reyes gehörte zu den Frauen, die an der Gründung der Vereinigung mitwirkten. Sie gilt als erster Frauenclub der Philippinen und widmete sich der Sozialfürsorge sowie einer stärkeren Beteiligung von Frauen an öffentlichen Angelegenheiten. Die Vereinigung setzte sich unter anderem für eine Trennung weiblicher und männlicher Häftlinge in den Bilibid-Gefängnissen ein, was zur Verbesserung der Haftbedingungen von Frauen beitrug. Zu den weiteren Reformanliegen der damaligen Frauenorganisationen gehörten weibliche Polizeimatronen für weibliche Häftlinge, Kindertagesstätten für berufstätige Mütter und Rechtshilfe für mittellose Frauen.

De Veyra half später dabei, Frauenclubs und -verbände auf den Philippinen miteinander zu vernetzen. Am 5. Februar 1921 kamen rund 300 Frauenclubs und -organisationen im Manila Hotel zusammen und gründeten die National Federation of Women’s Clubs of the Philippines (NFWC). Die Föderation entwickelte sich zu einer wichtigen Organisation der philippinischen Frauenbewegung und spielte insbesondere in der Kampagne für das Frauenwahlrecht eine zentrale Rolle.

Neben ihrem frauenpolitischen Engagement widmete sich de Veyra sozialen Fragen. Die hohe Kindersterblichkeit veranlasste sie, sich für die Einrichtung von La Protección de la Infancia zur Versorgung unterernährter Kinder einzusetzen. Später engagierte sie sich unter anderem für psychisch kranke Menschen, unverheiratete Mütter, an Lepra und Tuberkulose Erkrankte sowie andere gesellschaftlich marginalisierte Gruppen.

Aufenthalt in den Vereinigten Staaten

1917 zog de Veyra mit ihrer Familie für sechs Jahre nach Washington, D.C., nachdem ihr Ehemann Resident Commissioner geworden war und die Philippinen im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten vertrat. Sie und ihr Mann nahmen 1917 in Washington an der Tagung der National American Woman Suffrage Association (NAWSA) teil. Während ihres Aufenthalts schloss sie sich weiteren amerikanischen Frauenorganisationen an und knüpfte Verbindungen zur dortigen Frauenwahlrechtsbewegung.

Während des Ersten Weltkriegs engagierte sie sich in einer Einheit des Amerikanischen Roten Kreuzes, arbeitete zugleich als persönliche Sekretärin ihres Mannes und war in Frauenclubs aktiv. Für ihre Arbeit während des Krieges erhielt sie eine Anerkennung des Amerikanischen Roten Kreuzes. Darüber hinaus fungierte sie als Kulturbotschafterin der Philippinen und reiste durch die Vereinigten Staaten, um Vorträge über die philippinische Gesellschaft und Kultur zu halten. Sie schrieb außerdem Essays, die in amerikanischen Zeitungen veröffentlicht wurden.

De Veyra vertrat die Philippinen auf mehreren internationalen Frauenkongressen: 1921 nahm sie an der Tagung der National Woman’s Party in Washington, D.C., teil, 1922 an der Pan-American Conference of Women in Baltimore und 1928 an der Pan-Pacific Women’s Conference in Honolulu. 1922 gehörte sie zu einer philippinischen Frauendelegation, die von First Lady Florence Harding im Weißen Haus empfangen wurde. Während ihres Aufenthalts in den Vereinigten Staaten absolvierte sie außerdem beim Women’s Institute of Domestic Arts and Sciences in Scranton (Pennsylvania) einen Fernkurs in Kochen, Schneidern und anderen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten.

Rückkehr auf die Philippinen und spätere Jahre

Nach ihrer Rückkehr auf die Philippinen 1923 setzte de Veyra ihr gesellschaftliches und bildungspolitisches Engagement fort. Sie organisierte und leitete den Manila Women’s Club und wurde 1923 zur Präsidentin der National Federation of Women’s Clubs gewählt. Unter anderem über diese Organisation setzte sie sich weiterhin für das Frauenwahlrecht und andere gesellschaftliche und politische Rechte von Frauen ein. 1930 gehörte sie zu den beiden Frauen, die beim ersten philippinischen Independence Congress sprachen; dort forderte sie eine politische Mitwirkung von Frauen. Am 30. April 1937 erlangten die Philippinerinnen nach einem Plebiszit das Wahlrecht, für dessen Durchsetzung de Veyra und andere Aktivistinnen jahrelang gearbeitet hatten.

Im Bildungsbereich übernahm de Veyra nach ihrer Rückkehr die Leitung des Bereichs Domestic Science beziehungsweise Hauswirtschaft an der Centro Escolar University. Von 1934 bis zu ihrem Tod 1953 war sie Vizepräsidentin der Universität. Gemeinsam mit Ma. Paz Zamora Mascuñana veröffentlichte sie das Kochbuch Everyday Cookery for the Home, das in englischer und spanischer Sprache erschien.

De Veyra gehörte außerdem dem Leitungsgremium des Philippinischen Roten Kreuzes an und engagierte sich in der Catholic Women’s League. Sie wirkte im Board of Review for Motion Pictures sowie im Board of Parole and Pardons mit. 1951 zeichnete Präsident Elpidio Quirino sie für ihre Verdienste um die Sozialfürsorge aus.

De Veyra starb am 1. Januar 1953 im Alter von 76 Jahren. Die National Historical Commission of the Philippines beziehungsweise ihre Vorgängerinstitution würdigte sie 1976 mit historischen Markierungen in Manila und in ihrem Geburtsort Iloilo; die Inschriften heben ihre führende Rolle in zivilgesellschaftlichen und frauenpolitischen Bewegungen, ihre Arbeit als Pädagogin sowie ihre Tätigkeit als Vizepräsidentin der Centro Escolar University hervor.

Literatur Rosario Avila de Veyra: Faith, Work, Success: An Appraisal of the Life and Work of Sofia Reyes de Veyra. University of San Carlos, 1959. Albin J. Kowalewski (Hrsg.): Asian and Pacific Islander Americans in Congress, 1900–2017. U.S. Government Publishing Office, Washington, D.C. 2017, ISBN 978-0-16-094356-0.

Weblinks

Sofia de Veyra on marriage and women's clubs in the Philippines (1922) YouTube-Video: TODAY IN HISTORY - SEPTEMBER 30, 1876 | Birth of Sofia Reyes De Veyra

Einzelnachweise

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