Der Landkreis Pforzheim war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Geografie

Lage Der Landkreis Pforzheim lag im Westen Baden-Württembergs.

Geografisch hatte er Anteil am Kraichgau im Norden und an den Ausläufern der nördlichen Schwarzwalds.

Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Westen Karlsruhe, Vaihingen, Leonberg und Calw. Kreissitz war die Stadt Pforzheim, die selbst nicht zum Kreisgebiet gehörte. Sie teilte das Kreisgebiet in einen Hauptteil im Norden und Nordwesten Pforzheims, einen kleineren Teil im Südosten und einen dritten, allein aus der Gemeinde Büchenbronn bestehenden Teil im Südwesten der Stadt, der von dem Kreisteil im Südosten Pforzheims nur durch einen zum Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein gehörenden schmalen, schlauchartigen Gebietsstreifen entlang der Nagold abgetrennt war. Vom 1. September 1971 an bis zur Auflösung des Landkreises bildete die Gemeinde Langenalb für sechzehn Monate als Exklave einen vierten Gebietsteil des Landkreises, da durch den Wechsel von Ittersbach zum Landkreis Karlsruhe die vorherige Verbindung zum Hauptteil des Kreisgebietes weggefallen war.

Geschichte Das Gebiet des Landkreises Pforzheim gehört zu den ältesten Gebietsteilen des Landes Baden, das 1806 zum Großherzogtum erhoben wurde. Aus dem alten Amt Pforzheim wurde unter Einbeziehung einer Gemeinden zunächst eine Stadt und Erstes Landamt sowie ein Zweites Landamt gebildet, das 1813 unter Ausschluss der Stadt Pforzheim wieder vereinigt wurde. 1819 wurden auch die Stadt Pforzheim wieder eingegliedert und dadurch das Oberamt Pforzheim gebildet. Im Norden des Kreisgebiets gab es ferner das Amt Stein, das jedoch bereits 1821 aufgelöst wurde. Seine Gemeinden wurden auf die Ämter Pforzheim, Bretten und Durlach aufgeteilt. Das somit noch bestehende Oberamt Pforzheim (ab 1864 Bezirksamt), das zum Landeskommissärbezirk Karlsruhe gehörte, bestand in seinen Grenzen bis 1920 unverändert. Dann wurde die Gemeinde Stein vom Bezirksamt Bretten eingegliedert und bei der Auflösung des Bezirksamtes Bretten 1936 erhielt es noch die Gemeinde Nußbaum. Wie alle badischen Bezirksämter erhielt das Bezirksamt Pforzheim 1939 aufgrund des Gesetzes über die Landkreisselbstverwaltung die Bezeichnung Landkreis Pforzheim.

Der Landkreis Pforzheim kam 1945 mit dem nördlichen Teil des alten Landes Baden zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Pforzheim zum Regierungsbezirk Nordbaden. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in drei Fällen. Am 1. September 1971 wurde die Gemeinde Ittersbach dem Landkreis Karlsruhe zugeordnet, da sie am gleichen Tag Teil der neu gebildeten Gemeinde Karlsbad wurde. Gleichzeitig wurde die Gemeinde Würm in den Stadtkreis Pforzheim eingegliedert, ebenso die Gemeinde Hohenwart am 1. April 1972.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurden der Landkreis Pforzheim aufgelöst und seine Gemeinden Teil des neu gebildeten Enzkreises, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Pforzheim wurde. Doch gab dieser am 1. Januar 1974 noch die Gemeinde Büchenbronn, am 1. Januar 1975 die Gemeinde Huchenfeld und am 20. September 1975 die Gemeinde Eutingen an der Enz, die alle zum Landkreis Pforzheim gehört hatten, an den Stadtkreis Pforzheim ab.

Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 43.067 13. September 1950 55.930 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 63.080 27. Mai 1970 75.847

Politik Landrat Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Bezirksamts bzw. Landkreises Pforzheim 1807–1972:

Wappen Der Landkreis Pforzheim führte kein eigenes Wappen.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das Kreisgebiet führte von West nach Ost die Bundesautobahn 8 Karlsruhe-Stuttgart. Ferner führten die Bundesstraßen 10, 294 und 463 durch den Landkreis.

Gemeinden Zum Landkreis Pforzheim gehörten ab 1938 zunächst 34 Gemeinden. Es gab keine Städte im Kreisgebiet.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang machte am 1. Juli 1971 die Gemeinde Dietenhausen, die in die Gemeinde Ellmendingen eingegliedert wurde, die wiederum am 30. März 1972 Teil der neuen Gemeinde Keltern wurde. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Pforzheim schließlich am 1. Januar 1973 im Enzkreis aufging.

Die größte Gemeinde des Landkreises war Eutingen an der Enz. Die kleinste Gemeinde war Dietenhausen.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Pforzheim vor der Gemeindereform. Alle Gemeinden, mit Ausnahme von Ittersbach, gehören heute zum Enzkreis oder zum Stadtkreis Pforzheim. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde heutiger Landkreis Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Bauschlott Neulingen Enzkreis 987 1163 Bilfingen Kämpfelbach Enzkreis 1561 1741 Büchenbronn Pforzheim Pforzheim (Stadt) 3231 4415 Dietenhausen Keltern Enzkreis 201 228 Dietlingen Keltern Enzkreis 2876 3198 Dürrn Ölbronn-Dürrn Enzkreis 1046 1231 Eisingen Eisingen Enzkreis 1425 2360 Ellmendingen Keltern Enzkreis 1836 1995 Ersingen Kämpfelbach Enzkreis 3039 3489 Eutingen an der Enz Pforzheim Pforzheim (Stadt) 6129 6500 Göbrichen Neulingen Enzkreis 1197 1289 Hamberg Neuhausen Enzkreis 699 761 Hohenwart Pforzheim Pforzheim (Stadt) 745 791 Huchenfeld Pforzheim Pforzheim (Stadt) 2354 2652 Ispringen Ispringen Enzkreis 4111 6413 Ittersbach Karlsbad Karlsruhe 1941 2238 Kieselbronn Kieselbronn Enzkreis 1731 1919 Königsbach Königsbach-Stein Enzkreis 3765 4104 Langenalb Straubenhardt Enzkreis 880 975 Lehningen Tiefenbronn Enzkreis 346 452 Mühlhausen Tiefenbronn Enzkreis 734 824 Neuhausen Neuhausen Enzkreis 940 1088 Niefern Niefern-Öschelbronn Enzkreis 5644 6656 Nöttingen Remchingen Enzkreis 1351 1754 Nußbaum Neulingen Enzkreis 729 852 Öschelbronn Niefern-Öschelbronn Enzkreis 1892 2250 Schellbronn Neuhausen Enzkreis 623 718 Singen Remchingen Enzkreis 1819 2483 Stein Königsbach-Stein Enzkreis 2395 3027 Steinegg Neuhausen Enzkreis 392 514 Tiefenbronn Tiefenbronn Enzkreis 1293 1564 Weiler Keltern Enzkreis 962 1076 Wilferdingen Remchingen Enzkreis 2885 3413 Würm Pforzheim Pforzheim (Stadt) 1321 1714

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen PF zugewiesen. Es wird im Enzkreis und im Stadtkreis Pforzheim durchgängig bis heute ausgegeben.

Literatur Stadt- und Landkreis Pforzheim. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 33/34). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1967. Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl. Heft 33/34: Stadt- und Landkreis Pforzheim, Stuttgart 1966

Einzelnachweise

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