Der Char D1 war ein französischer Panzer, der in der Zwischenkriegszeit entwickelt wurde, um den inzwischen veralteten Panzer Renault FT zu ersetzen.
Hintergrund Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die französische Armee einen sehr großen Bestand an Infanteriepanzern vom Typ Renault FT. Diese „rollenden Maschinengewehre auf Ketten“ wurden in viele Länder exportiert, 2.800 verblieben aber in französischen Beständen. Im Vereinigten Königreich waren infolge des Kriegsendes eine Vielzahl an Panzerverbänden aufgelöst und die Fahrzeugbestände, hauptsächlich durch Verschrotten, reduziert worden. Frankreich sah ein solches Vorgehen als riskant an und behielt das Gros seiner Panzerverbände deshalb in aktivem Dienst oder allenfalls in Reserve. Damit hatte Frankreich zu Beginn der 1920er die größte und stärkste Panzertruppe der Welt. Dieses Erbe des Ersten Weltkrieges gab eine trügerische Sicherheit und führte zu einer ablehnenden Haltung bezüglich neuer Investitionen in die Entwicklung neuer Typen. Als General Jean Estienne 1922 ein Konzept für die langfristige Entwicklung von Infanteriepanzern vorstellte, wurde hierfür kein Budget bereitgestellt.
Entwicklung Die Entwicklung hin zum letztlich für die französische Armee produzierten Typen Char D1 verlief über einige Zwischenschritte (Fahrzeugmodelle) die teils an das Ausland verkauft wurden, aber nie in relevanter Zahl in Frankreich eingeführt wurden.
FT Kégresse Die Renault FT waren, obwohl sie im Stellungskrieg des Weltkrieges ihren Wert bewiesen hatten, nicht auf die rasante technische Entwicklungen der Nachkriegszeit vorbereitet. Das allergrößte Problem war ihre geringe Marschgeschwindigkeit, welche für jede Verlegung spezielle Panzertransporter erforderlich machte, und sie waren dadurch in keiner Weise für die Patrouillen in den französischen Kolonien geeignet. Man entschied sich dafür, eine Kleinserie von Fahrzeugen mit einem leistungsfähigeren Laufwerk zu bauen. Das Laufwerk der Kégresse-Halbkettenfahrzeuge hatte sich auf Expeditionen als sehr effizient erwiesen. Hierbei waren anstelle der Metallketten Gummibänder mit Stahlverstärkung im Einsatz, was bei den zivilen Halbketten der Expeditionen den spezifischen Bodendruck verringerte und gleichzeitig höhere Geschwindigkeiten ermöglichte. Diese Laufwerke wurden an eine Serie von 42 Renault FT montiert. Als es 1926 zu Aufständen in Marokko kam, wurden die neuen Fahrzeuge gegen die rebellierenden Berber eingesetzt. Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Entwurfs lag bei 17 km/h, doch neigte diese Konstruktion dazu, dass die Gummikette bei Höchstgeschwindigkeit regelmäßig riss und dabei katastrophale Schäden am Fahrzeug verursachte. Man erkannte, dass dieses Konzept nicht weiterzuentwickeln war und verkaufte die verbliebenen Fahrzeuge.
Neun wurden an Jugoslawien abgegeben und fünf gingen nach Polen.
Renault NC Renault schaffte es 1923 trotz aller widriger Umstände einen Auftrag über die Entwicklung zweier verschiedener neuer Prototypen zu erhalten, welche die Bezeichnung Renault NC erhielten.
Renault NC 1 Der NC 1 hatte ein neues Laufwerk mit zwölf Laufrollen auf jeder Seite und drei große Rollenwagen. Die neue Konstruktion erlaubte eine Spitzengeschwindigkeit von 18,5 km/h. Dem Entwurf war ein gewisser kommerzieller Erfolg beschieden, da einige Fahrzeuge verkauft werden konnten, doch das große Ziel, einen Panzer für die französische Armee zu entwickeln, wurde nicht erreicht.
Renault NC 2 mini|Renault NC2 Der zweite Prototyp wurde im Dezember 1925 fertiggestellt und basierte auf einem modifizierten Laufwerkmodell von Kégresse und einem 62-PS-Motor. Es wurde auch unter der Bezeichnung Renault Modèle 24/25 geführt. Entsprechend dem „Plan 24“ war die Absicht von Louis Renault gewesen, einen besonders schnellen Panzer für die Kavallerie zu bauen. Doch die schlechten Erfahrungen mit den Kégresse-Laufwerken ließen dieses Konzept zu einem Ende kommen.
Renault NC 3 / NC 31 Im Jahr 1928 schaffte es Louis Renault, dass sein NC 1 als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung eines leichten Infanteriepanzers durch die Armeeführung akzeptiert wurde. Man erteilte ihm einen weiteren Entwicklungsauftrag. Bei Renault lief die Entwicklung unter der Typenbezeichnung NC 28, für die Armee war es der Char D.Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 8 Von den zwei Prototypen war der erste mit dem Zwillings-Maschinengewehrturm des Char-de-Bataille-Prototypen SR A versehen. Weiterhin wurde ein neues Fahrwerk erprobt, welches mit der von Colonel Balland entwickelten Chenille légère (Leichtkette) versehen war und besonders auf höhere Geschwindigkeit ausgelegt war. Da es eine Weiterentwicklung des NC 1 war, wurde nochmal die Bezeichnung NC 2 für dieses Projektfahrzeug verwendet, was heutzutage häufig Verwechslungen mit dem Fahrzeug von 1925 gleichen Namens verursacht.
Die französische Armee allerdings entschied sich im März 1929 für den zweiten Prototyp, den Renault NC 3. Der Panzer hatte eine Kanonenbewaffnung und im Dezember wurde eine 0-Serie von 10 Fahrzeugen bestellt. Intern wurde bei Renault eine neue Bezeichnung vergeben, Typ NC 31, dem Jahr, in dem die Fahrzeuge ausgeliefert werden sollten. In diesem Projekt baute Renault ausschließlich die Fahrzeuge als solche (damaliger Preis 400.000 FF pro Fahrzeug), während die Gusstürme, wie in Frankreich üblich, von einem anderen Lieferanten kamen. Montiert wurde der Schneider Tourelle 1 (ST1), der deutlich mehr Platz bot als die alten Renault FT-Türme der vorherigen Prototypen der NC-Serie. Renault musste die Wanne dafür breiter machen und die typische zulaufende Front des Renault FT entfiel. Zwischen Mai und November 1931 wurden 10 Fahrzeuge ohne Turm ausgeliefert. Nachdem zuletzt 1921 der französischen Armee der letzte Char 2C übergeben worden war, war diese Kleinserie nach nunmehr 10 Jahren die erste Lieferung von "Serienpanzern" an die eigene Armee. mini|Renault NC31 Die 10 Renault NC 31 Wannen wurden beim 503e RCC (Régiment de Chars de Combat) in die Erprobung geschickt. Die Meldungen an und von der "Commission de Bourges", zuständig für die Ausrüstung der Infanterie, füllten einen Katalog mit Problemen, die während der Erprobung auftauchten. Die Steuerung funktionierte nicht besonders gut, das Fahrwerk zeigte mechanische Schwächen und die Konstruktion der Auspuffanlage führte zur Überhitzung des Motorraumes. Da der Fahrzeugtyp jedoch bereits bestellt war, wurde dieser mit der Anforderung von Nachbesserungen letztlich freigegeben.
Der bestellte Turm ST1 wurde im November 1930 ausgeliefert, die Armee weigerte sich diesen Turm zu akzeptieren. Der Gussturm wirkte zusammengepresst und war mit den verschiedenen Installationen vollgestopft und schlecht ausbalanciert.Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 9 Am schlimmsten war allerdings, dass das Geschütz für jeden Ladevorgang nach oben gerichtet werden musste, da nur wenn der Verschluss nach unten in den Kampfraum zeigte, eine neue Patrone geladen werden konnte. So wurden die zwischenzeitlich montierten 10 Türme wieder von den Fahrzeugen entfernt und zurückgeschickt.
Char léger D (D1) Die Entscheidung für den Char D war im Herbst 1929 getroffen worden und am 23. Dezember wurde eine erste Serie von 70 Fahrzeugen bestellt. Am 12. Juli 1932 folgte eine Bestellung über weitere 30 Fahrzeuge und am 16. Dezember 1933 eine letzte Bestellung über 50 Fahrzeuge. Die Serienfahrzeuge von Renault kosteten 375.000 Französische Francs und wurden vollständig zwischen Januar 1932 und Mai 1935 ausgeliefert.Zaloga: French Tanks. 1, 2014, S. 9. Die Seriennummern waren 1.000 bis 1.010 für die 0-Serie (NC 31) und 1.011 bis 1.160 für die Hauptserie (Renault NC).
Nach den Beanstandungen durch die Kommission wurden für die Hauptserie viele Änderungen durchgeführt: Ein Differential von Cleveland, ein anderer Motor mit 74 statt 65 PS, der Auspuff wurde auf die rechte Seite verlegt und lief nicht mehr durch den Motorraum, neu montierte Stützlaufrollen für einen ruhigen Kettenlauf und abschließend wurde der Tank auf 165 Liter vergrößert, sowie ein neuer Kühler montiert.
Schon im Mai 1930 hatte man eine weitere Entwicklung des Modells verlangt. Es wurden die Typen Char D2 und Char D3 geplant. Dies machte den ursprünglichen Char D schon vor seiner Einführung im Oktober 1929 zum Char D1.Zaloga: French Tanks. 1, 2014, S. 8.
Technische Beschreibung Beim Char D1 kann man die Abstammung vom Renault FT immer noch an der schrägen Motorraumabdeckung und der Form der seitlichen Panzerung erkennen. Es handelt sich mit 2,16 m Höhe um ein verhältnismäßig niedriges Fahrzeug. Mit der montierten Heckstütze hatte das Fahrzeug eine Gesamtlänge von 5,76 m. Die genietete Panzerung der Wanne ist umlaufend 30 mm stark, die horizontalen Platten hatten allerdings nur eine Stärke von 10 mm. Mit dem Modell NC 31 wurde bei Renault erstmals eine seitliche Abdeckung des Laufwerks mit einer 10 mm starken Panzerplatte eingeführt. Die Wannenpanzerung dahinter dürfte wohl 16 oder 25 mm stark gewesen sein. Da entsprechende Aufzeichnungen nicht mehr vorliegen und kein Fahrzeug mehr existiert, gibt es diesbezüglich keine sichere Angabe. Mit 11 t Gewicht war der Char D1 für einen als leichter Panzer klassifiziertes Fahrzeug seiner Zeit verhältnismäßig schwer, was auf eine starke Panzerung zurückzuführen war. Der 6,08-ltr-Vierzylinder mit 74 PS (Renault 25CV) ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 18,6 km/h,Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 8 eine Reichweite von 90 km, eine Steigfähigkeit von 50 % und die Überwindung von Hindernissen mit 1,10 m Höhe. Der Char D1 konnte Gräben mit 2,2 m Breite überwinden und Gewässer bis zu 90 cm Tiefe durchfahren. All diese Parameter gaben einem Fahrzeug der frühen 1930er Jahre eine für seine Zeit vergleichsweise gute Mobilität. Die Besatzung bestand aus drei Mann, davon zwei in der Wanne. Der Fahrer saß wie beim Renault FT vorne. Wie beim Vorgänger hatte er zwei große klappbare Panzerplatten an der Front, durch die er aussteigen konnte. In der unteren Wanne war ein starres 7,5-mm-Reibel-Maschinengewehr eingebaut, welches der Fahrer mittels eines stählernen Seilzuges abfeuern konnte. Der zweite Mann in der Wanne bediente ein Funkgerät auf der rechten Seite des Kampfraumes.Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 8 Beim NC 31 war ein Émetteur-Récepteur (ER) 51 (Sender-Empfänger) eingebaut und bei den Serienfahrzeugen entweder ein ER 52 oder ein ER 53. Die Antenne für das Gerät war eine auffällige ein Dreieck bildende Konstruktion auf der hinteren rechten Fahrzeugseite, die am höchsten Punkt 2,4 m hoch war. Diese Antenne beschränkte den Drehbereich des Turms auf 345°. Der Funker half auch beim Laden des Geschützes, indem er dem Kommandanten, bzw. Schützen, der im Turm saß die Patronen aus dem Vorrat von 76 Schuss anreichte. Da der ST-1-Turm abgelehnt worden war, musste ein neuer Turm erst entwickelt werden. Um die Fahrzeuge einsetzen zu können, wurden dem Ersatzteillager des Renault FT übergangsweise für den Char D 160 FT-Türme entnommen.Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 9