Die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (kurz IBA’27) wird 2027 in der Stadtregion Stuttgart stattfinden. Internationale Bauausstellungen sind ein Instrument der Stadtplanung und des Städtebaus. Einhundert Jahre nach dem Aufbruch der Architekturmoderne am Stuttgarter Weißenhof sucht die IBA’27 nach der Zukunft des Bauens und Zusammenlebens in der Region Stuttgart.
Der Weg zur IBA’27 2016 brachten sich rund fünfhundert Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung, Planung, Architektur, Kultur und Wirtschaft in den partizipativen Prozess zur Themenfindung für die IBA’27 ein. Organisiert von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) im Auftrag der Regionalversammlung, entwickelten sie in Veranstaltungen und Workshops die Leitthemen der IBA’27: die Baukultur einer Neuen Moderne, Integrierte Quartiere, neue Technologien für eine lebenswerte Stadtregion sowie die Suche nach einer grenzüberschreitenden regionalen Identität.
Der Plattformprozess schuf die Grundlage für die IBA’27. Die Gremien von Stadt und Region Stuttgart gründeten gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der Architektenkammer Baden-Württemberg die IBA 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH und beauftragten sie mit der Organisation und Durchführung der Bauausstellung. Jedoch wird die mangelnde Unterstützung der Stadtverwaltung Stuttgart kritisiert.
Struktur und Projekte Für den Weg ins Ausstellungsjahr 2027 hat die IBA’27 unterschiedliche Formate entwickelt.
Ins IBA’27-Netz werden alle Vorhaben aufgenommen, die sich beworben haben und die gleichzeitig den Prinzipien der innovativen und nachhaltigen Vorgehensweise gerecht werden, die sich die IBA'27 zum Ziel gesetzt hat. Aus dem IBA'27-Netz werden herausragende Vorhaben als IBA-Projekte ausgewählt, die sich mit einem Vertrag verpflichten, mit dem IBA-Team zusammenzuarbeiten.
IBA-Projekte
IBA’27-Projekte sind Bauvorhaben, denen die Projektträger ein Potenzial für eine Weiterentwicklung als Ausstellungsorte im Jahr 2027 zutrauen. Aktuell hat die IBA’27 folgende Projekte ernannt:mini|hochkant|Das erste fertige IBA-Projekt: Das Adaptive Demonstrator-Hochhaus D1244 Quartier Hangweide in Kernen im Remstal: Das Areal Hangweide bot über viele Jahre Menschen mit Behinderung eine Heimat. Nun plant eine Projektgemeinschaft hier ein urbanes Dorf für mehr als 1.000 Menschen: Auf dem acht Hektar großen Grundstück sollen die Vorzüge von Dorf und Stadt vereint werden. Eine Dorfgenossenschaft soll die ökologische Infrastruktur, die Mobilität und die gemeinschaftlichen Räume betreiben und die verschiedenen Interessen im Quartier vertreten. Postareal Böblingen: Das Postareal in Böblingen liegt an einer Schlüsselstelle zwischen Bahnhof und Fußgängerzone. Derzeit wird die Fläche gewerblich genutzt. Der Siegerentwurf des offenen internationalen Wettbewerbs von 2021 sieht insgesamt drei gemischt genutzte Baukörper vor mit einem zwanziggeschossigen Hochhaus in Holzhybridbauweise als städtebaulichem Akzent. Bahnstadt Nürtingen: In zentraler Lage im Umfeld des Nürtinger Bahnhofs werden insgesamt acht Hektar neu entwickelt. Es entsteht ein neues Stadtviertel für Wohnen, Gewerbe und Freizeit, das durch seine Lage gleichzeitig das zukünftige Mobilitätszentrum der Stadt bilden soll – geplant als energieautarkes Quartier und Modell für Klimaschutz und Klimaanpassung. Es soll mit den umliegenden Stadtgebieten vernetzt werden und dabei helfen, die trennende Bahntrasse zu überwinden. Quartier Mühlkanal in Salach: Das Areal der ehemaligen Textilfabrik Schachenmayr zwischen der Bahntrasse Stuttgart-Ulm und der Fils wird neu geordnet, zusammen mit der ehemaligen Kleingartenanlage Krautländer. Auf der Industriebrache soll ein sozial durchmischtes Quartier für rund 800 Bewohnerinnen entstehen. Neben seriellen und modularen ökologischen Neubauten werden die vorhandenen denkmalgeschützten Gebäude saniert und für eine neue Nutzung vorbereitet. Quartier C1 Wagenhallen in Stuttgart-Nord: Nach Fertigstellung des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs ist auf den freiwerdenden Gleisflächen der neue Stadtteil Rosenstein geplant. Als erster Teil des neuen Quartiers ist das Areal um die Wagenhallen vorgesehen. Auf Teilen der bereits von der Bahn an die Stadt übergebenen Fläche C1 entsteht dort die sogenannte Maker-City. Aus einem Beteiligungsprozess werden Pilotprojekte zu Kulturproduktion, Wohnen und Arbeiten entwickelt. Neue Mitte Leonhardsvorstadt in Stuttgart-Mitte: Das Bohnenviertel und das Leonhardsviertel sind zusammen das älteste Stadterweiterungsgebiet Stuttgarts. Die nach dem Zweiten Weltkrieg getrennten Viertel sollen mit der IBA’27 wieder zur Leonhardsvorstadt zusammengeführt werden. Im Mittelpunkt des IBA’27-Projekts steht das Areal des Züblin-Parkhauses: Durch eine Transformation des Parkhausareals soll hier die Verknüpfung beider Viertel stattfinden. Der neue Stöckach in Stuttgart-Ost: Auf dem freiwerdenden Werksgelände der EnBW am Stöckach im Stuttgarter Osten soll ein neues Quartier entstehen. Vorgesehen ist ein Wohnquartier für alle Gesellschaftsschichten verbunden mit neuartigen Arbeitswelten. Im Fokus stehen zudem Beiträge für ressourcenschonendes Bauen und Fragen zur Energieautonomie und Digitalisierung. Rund 800 Wohnungen sind geplant, verbunden mit Angeboten für soziales Miteinander, Freizeit, Nahversorgung, Gesundheit und Mobilität. Quartier Böckinger Straße in Stuttgart-Rot: Auf dem Areal Böckinger Straße im Stuttgarter Norden soll ein sozial durchmischtes dichtes Stadtquartier entstehen. Die städtische Wohnbaugesellschaft SWSG will hier experimentelle Bautypen und Wohnformen realisieren und neue Erkenntnisse für den sozialen Wohnungsbau generieren. Der städtebauliche Entwurf des Büros Hild und K nimmt die Blockstruktur der Umgebung auf und schlägt eine produktive Mitte vor. Ein Begegnungszentrum für Ältere Plus, eine Kita sowie ein dialogisch entwickeltes experimentelles Haus sollen Angebote und Begegnungsorte für das Quartier und Stuttgart-Rot schaffen. Sindelfinger Krankenhausareal: Durch den Umzug der Sindelfinger Klinik wird ein etwa acht Hektar großes Areal mitten im Wald frei. Dabei wird untersucht, wie die bestehenden Gebäude so weit es geht erhalten bleiben. Ziel ist es, in dem abgelegenen Quartier Wohnen, Arbeiten und soziale Funktionen anzubieten. Die Bebauung soll abschließend bis 2030, einzelne Bereiche für die IBA’27 schon bis 2027 realisiert werden. Quartier Backnang West: Auf einem vormals industriellen knapp 17 Hektar großen Gelände westlich der Backnanger Altstadt entsteht ein neues Stadtquartier. Der Entwurf des Büros Teleinternetcafe (Berlin) zusammen mit Treibhaus Landschaftsarchitektur (Hamburg) sieht drei dicht bebaute Teilquartiere in der Nähe der Murr. Vorgesehen sind Flächen für Gewerbe und Industrie, soziale und kulturelle Nutzungen, Einzelhandel sowie Wohnungen für alle Gesellschaftsschichten. Produktives Stadtquartier Winnenden: Winnenden plant auf einer Fläche von 5,5 Hektar ein dichtes, gemischt genutztes Quartier. Im Nordwesten der Stadt soll ein neues Viertel entstehen, das wenig Fläche verbraucht und gleichzeitig mehr Wohnraum und Gewerbeflächen erschließt. 2021 hat das Büro JOTT architecture and urbanism aus Frankfurt am Main den Städtebauwettbewerb gewonnen. Der Entwurf sieht Höfe aus eng gesetzten Gebäuden vor, die in einen Grünraum eingebettet sind. Neue Gewerbe-, Arbeits- und Wohnformen sollen dort ihren Platz finden. KaepseLE Goldäcker in Leinfelden-Echterdingen: Am westlichen Rand von Echterdingen entwickeln Investoren, Verwaltung und Planungsteams ein Wohngebiet, das ressourcensparend und CO2 einsparend gebaut wird. Zudem soll der Wohnraum bezahlbar sein. Agriculture meets Manufacturing in Fellbach: Landwirtschaft trifft Industrie. Im Westen von Fellbach liegen zwei Produktions-Standorte in direkter Nachbarschaft. Auf der einen Seite einer Hauptverkehrsachse befinden sich intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen, auf der anderen das größte Gewerbegebiet der Stadt. Nun möchte die Stadt Fellbach dieses 110 Hektar große Gebiet mit Unterstützung der IBA’27 neu ordnen. Dabei geht es unter anderem um Möglichkeiten einer Durchmischung und Nachverdichtung des Gewerbegebiets, um die Qualität der öffentlichen Räume und Optionen zur Stärkung der urbanen Landwirtschaft. Quartier Am Rotweg in Stuttgart-Rot: Rot war die erste Nachkriegssiedlung Stuttgarts. Zwei Stuttgarter Baugenossenschaften möchten das Viertel nun weiterentwickeln. Dabei sollen baukulturelle Qualitäten, experimentelle Bauweisen, soziale und ökologische Aspekte zusammengebracht werden. Herzstück ist der Neubau des Quartiers Am Rotweg: Auf Grundlage des städtebaulichen Entwurfs von ISSS research and urbanism (Berlin) entsteht im Dialog mit zwei weiteren Büros (Studio VlayStreeruwitz, Wien und emt, Stuttgart) ein Quartier mit 250 bis 280 Wohnungen. Hinzu kommen Flächen für verschiedene gemeinschaftliche und gewerbliche Nutzungen. Quartier der Generationen in Schorndorf: In einem gewerblich genutzten Gebiet nördlich des Bahnhofs an der Rems planen Stadtverwaltung, Bürgerschaft und Expertinnen unter Beteiligung der IBA’27 ein dichtes, gemischtes Viertel zum Wohnen und Arbeiten. Quartier Neckarspinnerei in Wendlingen am Neckar: Das denkmalgeschützte Neckarspinnerei-Areal der Textilfirma Otto in Wendlingen-Unterboihingen soll zu einem gemischt genutzten Quartier entwickelt werden. Schon beim Bau im Jahr 1861 wurde die Verbindung von Arbeiten und Wohnen berücksichtigt. Geplant ist, dass Kreative, Planerinnen und Unternehmer zusammen mit den Menschen in der Region das Quartier gemeinschaftlich entwickeln. Von der Idee bis zur Realisierung soll die Umgestaltung zudem international begleitet werden. Adaptives Demonstrator-Hochhaus auf dem Campus Vaihingen der Universität Stuttgart: Beim Forschungsprojekt des SFB 1244 Adaptive Hüllen und Strukturen für die gebaute Umwelt von morgen forschen 14 Institute der Universität Stuttgart in interdisziplinärer Zusammenarbeit an der Integration sich selbst an Umweltbedingungen anpassender – also adaptiver – Elemente in tragende Konstruktionen, Fassaden und Innenausbauten. Das Ziel ist es, den Material- und Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig den Nutzerkomfort von Gebäuden zu steigern. Auf dem Campus Stuttgart-Vaihingen ist dazu das weltweit erste adaptive Hochhaus als Großexperiment errichtet worden. Neues Wohnen Korber Höhe in Waiblingen: Am nordöstlichen Stadtrand von Waiblingen auf der Korber Höhe liegt eine ab den 1970er-Jahren entstandene Großsiedlung. Unter Beteiligung der Anwohnerschaft entwickeln Stadtverwaltung, Fachleute und IBA’27 die stetig gewachsene Wohnstruktur auf einem naturnahen Grundstück weiter. Wohngebäudes mit Multifunktionsräumen in der Weimarstraße in Stuttgart-West: Auf einem landeseigenen Grundstück wird in ressourcenschonender Hybridbauweise ein mehrstöckiges Wohnhaus errichtet. Bisher vorhandene Bäume sollen erhalten bleiben. Das Gebäude wird in den unteren Etagen Co-Working-, Ausstellungs- und Versammlungsräume enthalten und in den oberen Etagen unterschiedlich große Mitarbeiterwohnungen. Zukunft Münster 2050: Die Baugenossenschaft Münster am Neckar eG (BGM) entwickelt ein neues Quartier im Ortskern des Stuttgarter Stadtteils Münster. Nicht erhaltbare Bestandshäuser sollen durch Neubauten ersetzt werden. Vorgesehen sind rund 220 neue Wohnungen – etwa 60 mehr als heute. Wohnen am Fluss in Untertürkheim: Am Rand von Stuttgart-Untertürkheim verschwindet das Neckarufer an vielen Stellen hinter Industrieanlagen. An einem grünen Seitenkanal, wo die Ortsstruktur bis ans Wasser reicht, plant die Bietigheimer Wohnbau GmbH ein Quartier, das Wohnen und Arbeiten am Fluss zusammenbringt.