Philipp Schopf (* um 1540/45 in Pforzheim; † 1598 vermutlich in Durlach) war ein deutscher Mediziner, der als Stadtarzt in Kreuznach und Pforzheim sowie als Hofarzt und Professor für Naturlehre in der Residenzstadt Durlach der Markgrafschaft Baden-Durlach wirkte.

Leben Philipp Schopf wurde in Pforzheim geboren. Seine Eltern waren vermutlich Peter Schopff († 8. September 1574)Johann Georg Friedrich Pflüger: Geschichte der Stadt Pforzheim. J. M. Flammer, Pforzheim 1862, S. 293 und 299 (Google-Books), hielt Peter Schopff für einen möglichen Bruder von Philipp Schopf. und ElisabethSchultheiß und Gericht zu Cleebronn verschreiben dem Peter Schopf und seiner Ehefrau Elisabeth, Bürgern zu Pforzheim, für 100 Gulden Kapital eine jährliche Gült von 5 Gulden, Urkunde vom 22. Dezember 1561; Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (A 329 Brackenheim W und G, U 128). geborene Höslin († 28. September 1574), die als „Betagte“ () in der Brötzinger Vorstadt bei Pforzheim bestattet wurden.Anneliese Seeliger-Zeiss: Die Inschriften der Stadt Pforzheim. (Die deutschen Inschriften. Heidelberger Reihe 15). Reichert, Wiesbaden 2003, S. lviii und Nr. 181, S. 201 = Deutsche Inschriften 57, Stadt Pforzheim, Nr. 181 Hauptfriedhof 1574; aus dem Bereich der 1824 abgebrochenen Heiligkreuz-Kirche in der Brötzinger Vorstadt (online bei www.inschriften.net). Beide Eheleute starben an der Pest. Die Gestaltung des Grabdenkmals mit zwei Wappen und einem vierzeiligen lateinischen Grabgedicht (elegisches Distichon) in der Sockelzone weist auf eine Gelehrtenfamilie hin: Schopfius hoc saxo, chara cum coniuge, Petrus conditur. Heu! Victi peste fremente senes. E(rectum). p(arentibus). o(ptimis).Peter Schopf liegt mit seiner lieben Gemahlin unter diesem Stein

bestattet. Ach wehe! Die Betagten besiegt von der tobenden Pest!

Errichtet (wurde dieses Denkmal) für die besten Eltern).Text und Übersetzung nach Annelise Seeliger-Zeiss; typographisch an die Gedichtform angepasst. Philipp Schopf immatrikulierte sich 1560 an der Universität Basel und erwarb am 14. April 1562 das Baccalaureat. Zusammen mit ihm wurden Heinrich Erzberger (1547–1571),Auch Heinricus Ertzberg (Aerimontanus) aus Basel, Sohn des Professors für Griechisch Severin Erzberger (1519–1566); 1564 Pfarrer in Tüllingen, 1566–1571 (abgesetzt) Diakon an St. Peter in Basel, 1573 in Mülhausen, vgl. Historie seines Streites wider das Baslerische Luthertum, 1570–1571; Universitätsbibliothek Basel (A λ Basiliensia II 5a). Jonas Grasser († 1588),Jonas Grasser aus Basel, 1562 Pfarrer in Reinach, ab 1566 Diakon an St. Theodor in Basel. Michael Petreius († 1610),Michael Petreius (Petri; Peterlein) aus Hammelburg; 1557 immatrikuliert in Heidelberg, 1560 in Basel, seit 1564 badischer Pfarrer und seit 1601 Superintendent in Badenweiler. Johannes Wolff († nach 1589),Auch Johannes Wolfinger aus Reichweiler oder Reichenweier (Rychenwillensis), 1581 Pfarrer in Rappoltsweiler (Ribeauvillé), 1584–1589 in Allmannsweier. Ezechiel Turner († 1564)Auch Ezechiel Thornerus aus Basel, gestorben an der Pest; Paul Cherler: Ecclesiae et Academiae Basiliensis luctus, ob calamitatem recens acceptam. hoc est Epitaphia, seu elegiae funebres XXXII. virorum illustrium, & iuvenum studiosorum. Oporinus, Basel 1565, Nr. xix, Bl. K (Scan 85–87) (Digitalisat der Universitätsbibliothek Basel).Wahrscheinlich war Ezechiel Turner ein in Basel geborener Sohn von William Turner und seiner Frau (⚭ 1540) Jane Alder (Auder; ⚭ II. 1568 Richard Cox), die 1541 ins Exil gingen und zeitweise in Basel lebten, dann wäre er ein Bruder des Arztes Peter Turner (1542–1614), der sich 1564 in Cambridge, 1570 in Basel und 1571 in Heidelberg (Promotion) immatrikuliert hat. und Matthias Schroeter († 1609)Auch Matthaeus Schroterus aus Ortrand, 1564 Pfarrer in Opfingen, ab 1591 in Auggen. graduiert. Am 13. März 1565 immatrikulierte sich Schopf in Tübingen und wurde dort am 1. August 1565 Magister.Martin Crusius: Schwäbische Chronick. Band II. Metzler und Erhard, Frankfurt am Main 1773, S. 309 und 311 (Google-Books). Seine Magister-Promotion, an der Martin Crusius mitwirkt, wurde zusammen u. a. mit der von Nicodemus Frischlin und Nicolaus Taurellus begangen.Martin Crusius: Poematum Graecorum libri duo. Johannes Oporinus, Basel 1567, S. 97 (Google-Books); ders.: Annales suevici. Nicolaus Bassaeus, Frankfurt am Main 1596, S. 724 (Google-Books) = (deutsche Übersetzung) Schwäbische Chronick, Band II. Metzler und Erhard, Frankfurt am Main 1733, S. 311 (Google-Books); Sammlung aller Magister-Promotionen, Welche zu Tübingen von Anno 1477–1755. geschehen. Johann Nikolaus Stoll, Stuttgart 1756, S. 29 (Google-Books). Im November 1566 traf Crusius bei einem Gang durch Grossbasel mit dem Drucker und Verleger Johannes Oporinus auf Philipp Schopf.Martin Crusius: Germanograeciae libri sex. Leonardus Ostenius, Basel 1585, S. 118 (Google-Books). Schopf studierte bei seinem erneuten Studienaufenthalt in Basel Medizin; Nicolaus Taurellus trug ihn dort nachträglich in das Fakultätsalbum ein.Nachtrag – nach den Eintragungen zum Jahr 1568 platziert – von Nicolaus Taurellus am 1. September „Hoc an[n]o (= in diesem Jahr)“ (1568?) in das Album der medizinischen Fakultät. An der Universität Padua entrichtete Schopf am 16. September 1569 eine Gebühr von einer halben Krone, deren Empfang von den Prokuratoren der „deutschen Nation“ Guillaume Pieters († 1600)Auch Guilielmus (Willem) Peeters († 1600), Stadtarzt (huius Urbis Medicinae Doctor; médicine de la ville; Geneesheer der Stad), verheiratet mit Maria Houckx († 1613). Das von der Witwe gesetzte Epitaph befand sich in der 1817 zerstörten Église Sainte-Walburge (Burchtkerk) in Antwerpen; Inscriptions funéraires et monumentales de la province d'Anvers, Band II/1. J.-E. Buschmann, Antwerpen 1863, S. 348 (Google-Books); vgl. S. x, xii f, lxxiii und cxlv; Joseph Tricot-Royer, Augustin François Constantin Van Schevensteen: 1er Congrès de l'histoire de l'art de guérir: Anvers, 7-12 août 1920. Liber memorialis. De Vlijt, Antwerpen 1921, S. 307. aus Antwerpen und Wenzel Raphanus (* um 1538; † 1599)1558 immatrikuliert in Wittenberg, 1571 Arzt in Breslau, seit 1579 erster Stadtarzt von Troppau. aus Breslau bestätigt wurde;Luigi Sabbatani: La cura del morbo gallico nelle lezioni du Luca Chini. In: Atti del Reale Istituto veneto di scienze, lettere ed arti. (1927/28), S. 41–143, bes. S. 79f Anm. 6. dies könnte auf eine beabsichtigte Graduierung deuten.So Dietrich von Engelhardt: Luca Ghini (um 1490-1556) und die Botanik des 16. Jahrhunderts. Leben, Initiativen, Kontakte, Resonanz. In: Medizinhistorisches Journal. 30, 1995, S. 3–49, bes. S. 27; ders.: Luca Ghini (1490–1556). Il padre fondatore della botanica moderna nel contesto dei rapporti scientifici Europei del sedicesimo secolo. In Annali del Museo Civico di Rovereto. Sezione di Archeologia, Storia e Scienze naturali 27, 2011, S. 227–246, bes. S. 233, u. a. In Padua waren Girolamo Capivaccio (1523–1589)Auch Hieronymus Capivaccius; Arzt und Philosoph, seit 1552 Professor für Medizin in Padua. und Girolamo Mercuriale unter seinen Lehrern.Philipp Schopf: De Peste. Johann Spies, Heidelberg 1583, Bl. 17.

1570 kehrte Schopf nach Abschluss seiner Studien aus Italien zurück und blieb auf Wunsch seiner Eltern zunächst in seiner Heimat Pforzheim.Philipp Schopf (Hrsg.), Johannes Marquart: Practica theorica empirica morborum interiorum, a capite ad calcem usque, fere omnium. Bernard Albin, Speyer 1589, Widmungsbrief (datiert 1. August 1589), S. 422: „quum ex Italia ante annos nouemdecim (post absolutum studiorum meorum cursum) reversus essem (= als ich vor 19 Jahren (nach abgeschlossenem Verlauf meiner Studien) aus Italien zurückgekehrt war)“. Nachdem er die „Apollinische Kunst“ (Heilkunst)Apollon war u. a. als Apollon Epikurios Gott der Heilkunst. einige Jahre „mit großem Erfolg“ ausgeübt hatte,Johannes Nicolaus Stupanus: (Einblattdruck) Quod iam olim Hippocrates … dixit … Basel 1572. wurde er am 5. Februar 1572 in Basel unter Theodor Zwinger als Dekan der medizinischen Fakultät zum Dr. med. promoviert. Seiner Disputation über den Charakter von Wunden saß Professor Johannes Nicolaus Stupanus (1542–1621) vor.

Nachdem seine Eltern wahrscheinlich 1574 an der Pest gestorben waren, wurde Philipp Schopf 1575Philipp Schopf: Kurtzer aber doch außführlicher Bericht von dem Aussatz … Bernhard Jobin, Straßburg 1582, Bl. A2: „vor Siben Jaren ongefährlich“ Stadtarzt in Kreuznach, das als Teil der Vorderen Grafschaft Sponheim ein Kondominium der Kurpfalz () und Badens () war. Der Lehrer am Reformierten Gymnasium Kreuznach Thomas Poppel († 1583/84)Auch Poppelius oder Boppelius. aus Beilngries würdigte den Arzt (Phoebus) Philippus Schoppius 1575 in einer Veröffentlichung.Thomas Poppel: Epistolae dvae. Altera Mnemosyne ad Barbariem. Altera Barbariae ad Mnemosynem. Ad Illvs. Principes Fridericvm Pal. Rhe. … et Dvcem Philippvm March. Bad. &c. super schola apud Crucenacenses nuperrimè ab ipsis instituta. Elegiaco carmine conscriptae à Thoma Poppelio Beilngrisiensi. In gratiam magnifici senatus ciuitatis Crucenaci. Johann Meier, Heidelberg 1575, Bl. C1r (Google-Books). Anfang 1582 veröffentlichte Schopf eine Untersuchung über verschiedene Formen des „Aussatz“, die er den „Herren Schultheyß, Burgemeyster, Gericht und Raht der Statt Creutzenach“ widmete.

Außerhalb der Stadt Kreuznach gab es unterhalb des Dorfes Hargesheim ein Siechenhaus für Leprakranke, den sog. Gutleuthof. In Pforzheim lag das Leprosenhaus (St. Georgenstift) am Hang über der Vorstadt Au. Als Stadtarzt war Schopf für die Untersuchung und eventuelle Aussonderung von Personen zuständig gewesen, die im Verdacht standen, sich mit der Krankheit infiziert zu haben. Er unterschied Hautkrankheiten, wie sie im Alten Testament erwähnt werden, und sogenannten Griechischen Aussatz (Schuppenflechte) von der eigentlichen Lepra (dem ‚knolligen‘ Aussatz), die er als Elephantiasis bezeichnete (zu unterscheiden von der heutigen Krankheitsbezeichnung Elephantiasis).Philipp Schopf: Kurtzer aber doch außführlicher Bericht von dem Aussatz … Bernhard Jobin, Straßburg 1582, Bl. A4–A5. Schopf wurde als vermeintlicher Calvinist im September 1576 vom Rat der Stadt Kreuznach entlassen, nachdem Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz dort wieder das lutherische Bekenntnis eingeführt hatte.Jörn Kobes: 1573 – Tod des Humanisten und Arztes Achates Cornarius. In: Bad Kreuznacher Heimatblätter. (2023), S. 20–25, bes. S. 23 und 25 (rhein-zeitung.de); lies: „Calvinisten“ statt: „Clavinisten“. 1577 sammelte er für den mit einer württembergischen Prinzessin verheirateten Grafen Georg Ernst von Henneberg-SchleusingenJohannes Mötsch: Die Grafen von Henneberg und die „Neuen Zeitungen“. In: Holger Böning u. a. (Hrsg.): Medien – Kommunikation – Öffentlichkeit. Festschrift für Werner Greiling. Böhlau, Köln 2019, S. 31–49, bes. S. 37–39 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau), zum Informations-Netzwerk des Grafen. medizinische Rezepte und Informationen über Badekuren.