mini|Die heilige Maria, Mutter Jesu, auch als Madonna bezeichnet In der psychoanalytischen Literatur ist ein Madonna-Hure-Komplex die Unfähigkeit, sexuelle Erregung innerhalb einer festen, liebenden Beziehung aufrechtzuerhalten. Erstmals von Sigmund Freud unter dem Begriff psychische Impotenz beschrieben, soll sich dieser psychologische Komplex bei Männern entwickeln, die Frauen entweder als heilige Madonna oder entwürdigte Prostituierte sehen. Männer mit diesem Komplex begehren eine Sexualpartnerin, die erniedrigt wurde (die Hure), während sie die respektierte Partnerin (die Madonna) nicht begehren können. Freud schrieb: Der klinische Psychologe Uwe Hartmann stellte 2009 fest, dass der Komplex .
Der Begriff wird im Volksmund ebenfalls verwendet, wenn auch eher mit leicht negativen Andeutungen.
Ursprung Freud vertrat die Ansicht, dass der Madonna-Hure-Komplex durch eine Spaltung zwischen der liebevollen und der sexuellen Strömung des männlichen Begehrens verursacht wird.Sigmund Freud, Über die Sexualität (PFL 7) S. 251 Ödipuskomplex und Kastrationsangst verbieten es, die Zuneigung, die man früh für inzestuöse Objekte empfindet, auf Frauen zu übertragen, die man sinnlich begehrt: "Die ganze Sphäre der Liebe bleibt bei solchen Personen in die beiden Richtungen geteilt, die in der Kunst als heilige und profane (oder tierische) Liebe personifiziert werden". Um die Angst zu minimieren, teilt der Mann die Frauen in zwei Gruppen ein: Frauen, die er bewundern kann, und Frauen, die er sexuell attraktiv findet. Während der Mann die Frauen der ersten Kategorie liebt, verachtet er die zweite Gruppe und wertet sie ab. Der Psychoanalytiker Richard Tuch schlägt vor, dass Freud mindestens eine alternative Erklärung für den Madonna-Hure-Komplex angeboten hat: Diese frühere Theorie basiert nicht auf ödipal bedingter Kastrationsangst, sondern auf dem primären Frauenhass des Mannes, der durch das Gefühl des Kindes stimuliert wird, dass es durch seine Mutter unerträgliche Frustration und/oder narzisstische Verletzung erfahren habe. Nach dieser Theorie versucht der zum Mann gewordene Junge im Erwachsenenalter, diese Misshandlungen durch sadistische Angriffe auf Frauen zu rächen, die stellvertretend für die Mutter stehen.
Es ist möglich, dass sich eine solche Spaltung verschlimmert, wenn der Betroffene von einer kalten, aber überfürsorglichen Mutter aufgezogen wurdeP. A. Sacco, Madonna Complex (2011) p. 48 - ein Mangel an emotionaler Fürsorge verstärke paradoxerweise eine inzestuöse Bindung.Neville Symington, Narcissism (1993) p. 99 Ein solcher Mann mache oft jemandem mit mütterlichen Eigenschaften den Hof, in der Hoffnung, ein in der Kindheit unbefriedigtes Bedürfnis nach mütterlicher Intimität zu befriedigen, nur damit die verdrängten Gefühle aus der früheren Beziehung zurückkehren und die sexuelle Befriedigung in der neuen Beziehung verhindern.
Eine andere Theorie behauptet, dass der Madonna-Hure-Komplex von den angeblichen Darstellungen der Frauen als Madonnen oder Huren in der Mythologie und der jüdisch-christlichen Theologie herrühre und nicht von Entwicklungsstörungen einzelner Männer.Feinman, Clarice. Women in the criminal justice system. Westport, CT: Praeger, 1994, S. 3–4.
Sexualpolitik Naomi Wolf war der Meinung, dass die sexuelle Revolution paradoxerweise die Bedeutung der Spaltung in Jungfrau und Hure verstärkt und die Frauen mit den schlimmsten Aspekten beider Bilder konfrontiert habe.Naomi Wolf: Promiscuities, 1997, S. 5 und S. 131. Andere sind der Meinung, dass es sowohl für Männer als auch für Frauen schwierig sei, Sinnlichkeit und eine ideale Weiblichkeit in ein und derselben Beziehung zu vereinen.Robert Bly, Marion Woodman: The Maiden King, 1999, S. 203.
Geschichte mini|Tiziano Sacred and Profane Love. mini|Hitchcock und Novak in VertigoTizianos Gemälde ist aus dem Jahr 1514 und stellt zwei Frauen dar, die auf einem Becken sitzen. Das Heilige und profane Liebe-Gemälde hat mehrere Interpretationen. Die bekleidete Frau soll als Braut gekleidet sein, eine Allegorie der heiligen Liebe, und die nackte Frau scheint auf den ersten Blick eine Allegorie der profanen Liebe zu sein. Die Wurzeln dieses dualistischen Frauenbildes reichen jedoch weit vor die Renaissance zurück und sind tief in der christlichen Ikonografie verankert. Bereits in der frühchristlichen Kunst und Theologie wurde das weibliche Rollenmodell in einen radikalen Zwiespalt gespalten: auf der einen Seite Eva als Sinnbild der Sünde, Verführung und körperlichen Profanität, auf der anderen Seite Maria als die unbefleckte, sakrale Gottesmutter.
James Joyce hat die Polarität Madonna - Hure in seinem Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann weithin verwendet. Sein Protagonist, Stephen Dedalus, sieht die Mädchen, die er bewundert, als unerreichbar an, quasi im Elfenbeinturm, und die Unterdrückung seiner sexuellen Gefühle für sie führt schließlich dazu, dass er eine Prostituierte anwirbt. Diese Todsünde ist der Auslöser für Stephens inneren Konflikt und seine letztendliche Wandlung gegen Ende des Romans.
Alfred Hitchcock benutzte die Dichotomie Madonna - Hure als eine wichtige Form der Darstellung von Frauen. In Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958) zum Beispiel stellt Kim Novak zwei Frauen dar, die der Held nicht miteinander vereinbaren kann: eine tugendhafte, blonde, kultivierte, sexuell unterdrückte "Madonna" und eine dunkelhaarige, alleinstehende, sinnliche, "gefallene Frau". Die Martin-Scorsese-Filme Taxi Driver und Raging Bull zeigen sexuell besessene Protagonisten, beide gespielt von Robert De Niro, die bei den Frauen, mit denen sie verkehren, den Madonna-Hure-Komplex aufweisen.
mini|Madonna hält eine Imitatorin, die ihr Like a Virgin-Brautkleid trägt, im Jahr 2008. Die Sängerin Madonna spielte mit beiden Identitäten, vor allem in ihrer frühen Karriere. Madonna selbst erklärte:
Literatur Sigmund Freud: Totem und Tabu. Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker (1913), in: Studienausgabe, Band IX, Frankfurt am Main.: Fischer 1975. Sigmund Freud: Das Ich und das Es (1923), in: Studienausgabe, Band III, Frankfurt am Main.: Fischer 1975. Sigmund Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (1924), in: Studienausgabe, Band V, Frankfurt am Main.: Fischer 1975. Erich Fromm: Sigmund Freuds Psychoanalyse. Größe und Grenzen, Stuttgart: DVA 1979. Jessica Benjamin: Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht; Basel 1990. Mathis Danelzik: Implizite Werte und unintendierte Effekte von Kampagnen (Kulturell sensible Kampagnen gegen Genitalverstümmelung), Springer VS, Wiesbaden, 2016. 341–368. Jacqueline Wieser, Tobias Unterhuber: Weiblichkeit und Geschlechterstereotype in Ecohorror-Filmen, Masterstudium Medien Sigmund Freud: Abriss der Psychoanalyse, Vol. 185. Anaconda Verlag, 2016. Sigmund Freud: Psychoanalyse und Libidotheorie, gesammelte Werke XIII: Jenseits des Lustprinzips/Massenpsychologie und Ich-Anallyse/Das Ich und das Es, 1998, S. 211–233.
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