Dieser Artikel behandelt die französische Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Dies war für Frankreichs Männer, die als Titelverteidiger nach Katar gereist sind und dort erneut das Finale erreichten, die 16. Teilnahme an einer Weltmeisterschaftsendrunde.
Qualifikation Frankreich traf in der Europa-Gruppe D zwischen März und November 2021 auf folgende Gegner: Rang Mannschaft Tore Punkte 1 Frankreich 18:3 18 2 Ukraine 11:8 12 3 Finnland 10:10 11 4 Bosnien-Herzegowina 9:12 7 5 Kasachstan 5:20 3
Frankreich – Ukraine 1:1 und 1:1 Kasachstan – Frankreich 0:2 und 0:8 Bosnien-Herzegowina – Frankreich 0:1 und 1:1 Frankreich – Finnland 2:0 und 2:0
Gegen diese keineswegs als übermäßig schwierig betrachteten Qualifikationsgegner tat sich der amtierende Weltmeister vor allem nach der Sommerpause relativ schwer, leistete sich gegen die Bosnier sogar im Stade de France ein – eher noch schmeichelhaftes – Unentschieden. Nachdem die Franzosen allerdings im Oktober das Endrundenturnier der UEFA Nations League für sich entschieden hatten, lösten sie auch ihre restlichen Aufgaben gegen Finnland und Kasachstan ohne weitere Probleme und qualifizierten sich als Gruppensieger direkt für die WM-Endrunde in Katar.
In diesen acht Begegnungen hat Trainer Didier Deschamps häufig umgestellt, auch mehrfach mit unterschiedlichen Spielsystemen – insbesondere dem 4-2-3-1 und dem 4-3-3, aber auch der defensiven Vierer- beziehungsweise Dreierkette − experimentiert sowie insgesamt 31 Spieler eingesetzt, von denen lediglich zwei (Lloris und Griezmann) an sämtlichen Partien teilgenommen haben. Besonders betroffen war die Abwehr mit gleich elf eingesetzten Akteuren, weil hier auch noch Verletzungen und eine Rot-Sperre Wechsel erforderlich machten.Im Einzelnen wurden berücksichtigt (Zahl der Einsätze in Klammern, wobei beispielsweise „3+2e“ bedeutet, dass der betreffende Spieler dreimal in der Startelf stand und weitere zweimal eingewechselt wurde):
Tor Hugo Lloris (8)
Abwehr Presnel Kimpembe (5), Léo Dubois (4+1e), Raphaël Varane (4), Lucas Digne (4), Kurt Zouma (4), Benjamin Pavard (2+2e), Lucas Hernández (3), Jules Koundé (3), Clément Lenglet (1+2e), Theo Hernández (2), Dayot Upamecano (2), Nordi Mukiele (1e)
Mittelfeld Adrien Rabiot (6+1e), Kingsley Coman (4+3e), Paul Pogba (5+1e), Aurélien Tchouaméni (2+2e), Thomas Lemar (3), Jordan Veretout (1+2e), N’Golo Kanté (2), Moussa Sissoko (2e), Tanguy Ndombele (1), Mattéo Guendouzi (1e)
Angriff Antoine Griezmann (8), Kylian Mbappé (5+1e), Anthony Martial (3+2e), Karim Benzema (3+2e), Moussa Diaby (1+3e), Wissam Ben Yedder (3e), Olivier Giroud (1+1e), Ousmane Dembélé (1+1e)
Torschützen Frankreichs 18 Treffer erzielten Griezmann (6), Mbappé (5), Benzema (3), Dembélé, Martial und Rabiot (je 1); dazu kam ein Eigentor des Kasachen Sergei Maly.
Aufgebot Trainer Deschamps berief folgende Spieler für diese Weltmeisterschaftsendrunde,Deschamps: „Ich habe Vertrauen in meine Gruppe“ vom 9. November 2022 bei fff.fr wobei er am letzten Tag der Meldefrist den zunächst nominierten Presnel Kimpembe aus Verletzungsgründen durch Axel Disasi ersetzen musste und zudem Marcus Thuram nachträglich als 26. Spieler in seinen Kader holte.Frankreich vergibt letztes Ticket an Thuram vom 14. November 2022 bei kicker.de Einen Tag darauf verletzte sich Christopher Nkunku im Mannschaftstraining;Nkunku muss passen! vom 15. November 2022 bei fff.fr ihn ersetzte Randal Kolo Muani. Drei Tage vor dem ersten Gruppenspiel fiel außerdem der aktuelle Ballon-d’Or-Gewinner Karim Benzema mit einem Riss des Quadrizeps aus; auf eine weitere Nachnominierung verzichtete Deschamps,Benzema erlitt einen Muskelriss im Oberschenkel vom 19. und Nach Benzemas Ausfall bleibt Deschamps bei seiner 25er-Liste vom 20. November 2022, beide bei lequipe.fr womit die FIFA Benzema offiziell weiterhin zum WM-Aufgebot zählte.WM-Kader, fifa.com, abgerufen am 15. Dezember 2022.
Nr. Name Verein Geburtstag Spiele(Tore) WM-Spiele Spiel-Min. WM-Tore 12px|klasse=noviewer 18px|klasse=noviewer 12px|klasse=noviewer Tor 23 Alphonse Aréola West Ham United 27.02.1993 5 (0) ohne Einsatz 1 Hugo Lloris Tottenham Hotspur 26.12.1986 139 (0) 6 570 16 Steve Mandanda Stade Rennes 28.03.1985 34 (0) 1 90 Abwehr 3 Axel Disasi AS Monaco 11.03.1998 0 (0) 3 92 21 Lucas Hernández Bayern München 14.02.1996 32 (0) 1 12 22 Theo Hernández AC Mailand 06.10.1997 7 (1) 6 509 1 (1) 24 Ibrahima Konaté FC Liverpool 25.05.1999 2 (0) 5 293 5 Jules Koundé FC Barcelona 12.11.1998 12 (0) 6 483 (1) 2 Benjamin Pavard Bayern München 28.03.1996 46 (2) 1 88 17 William Saliba FC Arsenal 24.03.2001 7 (0) 1 27 18 Dayot Upamecano Bayern München 27.10.1998 7 (1) 5 480 4 Raphaël Varane Manchester United 25.04.1993 87 (5) 6 520 Mittelfeld 25 Eduardo Camavinga Real Madrid 10.11.2002 4 (1) 2 139 13 Youssouf Fofana AS Monaco 10.01.1999 2 (0) 6 218 6 Mattéo Guendouzi Olympique Marseille 14.04.1999 6 (1) 1 79 14 Adrien Rabiot Juventus Turin 03.04.1995 29 (2) 6 483 1 1 8 Aurélien Tchouaméni Real Madrid 27.01.2000 14 (1) 7 623 1 (1) 15 Jordan Veretout Olympique Marseille 01.03.1993 5 (0) 1 63 Angriff 19 Karim Benzema Real Madrid 19.12.1987 97 (37) abwesend 20 Kingsley Coman Bayern München 13.06.1996 40 (5) 6 167 11 Ousmane Dembélé FC Barcelona 15.05.1997 28 (4) 7 435 (1) 9 Olivier Giroud AC Mailand 30.09.1986 114 (49) 6 421 4 1 7 Antoine Griezmann Atlético Madrid 21.03.1991 110 (42) 7 538 (1) 12 Randal Kolo Muani Eintracht Frankfurt 05.12.1998 2 (0) 3 181 1 10 Kylian Mbappé Paris Saint-Germain 20.12.1998 59 (28) 7 597 8 26 Marcus Thuram Borussia Mönchengladbach 06.08.1997 4 (0) 5 150 1 Trainerstab Didier Deschamps (Cheftrainer) 15.10.1968 131 7 Guy Stéphan (Trainerassistent) 17.10.1956 1 Franck Raviot (Torwarttrainer) 12.07.1973
Lediglich sechs der schlussendlich in Katar anwesenden 25 Fußballer spielten zu diesem Zeitpunkt in der französischen Liga – genauso viele wie in der deutschen. Je fünf waren bei spanischen und englischen, drei bei italienischen Erstligisten aktiv. Das mittlere Alter des Aufgebots, dem mit Giroud, Mandanda und Lloris drei Spieler angehörten, die die 35 bereits überschritten hatten, betrug bei Turnierbeginn 26 Jahre und 10 Monate, war also um mehr als ein dreiviertel Jahr höher als beim Titelgewinn 2018. Mit 24 Jahren und 7 Monaten fiel das mittlere Alter allerdings bei den Mittelfeldspielern deutlich jünger aus, die zudem auch eine besonders geringe Zahl an A-Länderspielen vorzuweisen hatten.
Zwei Stammkräfte im Mittelfeld, die vier Jahre zuvor Weltmeister geworden waren, konnte der Trainer nicht berücksichtigen: N’Golo Kanté (FC Chelsea) musste sich einen Monat vor Turnierbeginn einer Operation der Oberschenkelmuskulatur unterziehenN’Golo Kanté muss für die WM absagen vom 18. Oktober 2022 bei francetvinfo.fr und Paul Pogba (Juventus Turin) laborierte noch immer an seinem operierten rechten Knie.Pogbas Anwalt gibt dessen endgültige Absage für die WM in Katar bekannt vom 31. Oktober 2022 bei rmcsport.bfmtv.com Drei andere, die das Kicker-Sonderheft – es wurde einen Tag nach Deschamps’ Pressekonferenz ausgeliefert – zum französischen Aufgebot zählte,Kicker Sonderheft WM 2022, S. 117 blieben hingegen unberücksichtigt: Jonathan Clauss, Ferland Mendy sowie Boubacar Kamara.
Für fünf Spieler war dies bereits die zweite, für vier weitere sogar die dritte Weltmeisterschafts-Teilnahme (in Klammern Zahl der damaligen Einsätze): Aréola (0), Lucas Hernández (5), Pavard (6), Dembélé (4) und Mbappé (7) gehörten 2018 in Russland zum französischen Kader, Varane (5 und 7), Giroud (5 und 7) sowie Griezmann (5 und 7) darüber hinaus auch schon 2014 in Brasilien; Mandanda (0 und 1) war 2010 und 2018 dabei. Bei dem „Fiasko in Südafrika“ 2010 war auch Lloris (3, 5 und 6) schon aufgeboten worden, der 2022 somit an seiner vierten WM teilnahm.
Mit dem Erreichen des Finales sind die Spieler und Trainer um rund 295.000 € pro Kopf reicher geworden; hätten sie den Titel gewonnen, hätte sich diese Prämie, die insgesamt 30 % der von der FIFA an den französischen Verband FFF ausgeschütteten Zuweisungen ausmacht, um etwa 100.000 € erhöht.Geldregen für die FFF dank des Finaleinzugs vom 15. Dezember 2022 bei lequipe.fr
Unterkunft Die Franzosen hatten für die Dauer ihrer Teilnahme eine 5-Sterne-Unterkunft (Al Messila Luxury Collection Resort & Spa) an der westlichen Stadtgrenze zwischen Doha und ar-Rayyan bezogen. In ar-Rayyan liegt auch das Jassim-Bin-Hamad-Stadion, das ihnen als Trainingsgelände dienteFédération Française de Football: Guide Médias Coupe du Monde 2022. Paris 2022, S. 7 und 8 und in dem normalerweise der al-Sadd Sports Club seine Heimspiele austrägt.
Nachdem der TV-Sender France 2 über die Arbeits- und vor allem die Unterbringungssituation eines großen Teils der Beschäftigten des zur Marriott-Gruppe gehörenden Hotels berichtet hatte, entsponn in Frankreich eine Kontroverse, wie die FFF darauf reagieren solle. Deren Präsident Noël Le Graët hatte die Information über den Zustand der Angestelltenunterkünfte mit den Worten „Das ist ein lösbares Problem, braucht lediglich ein paar Eimer Farbe“ heruntergespielt. Frankreichs Sportministerin Amélie Oudéa-Castéra bezeichnete diese Bemerkung als „abgehoben [und] von einem Mangel an Menschlichkeit und Scharfblick“ zeugend; ähnlich wie die Internationale Arbeitsorganisation forderte sie den Verband auf, seinen Einfluss vor Ort für eine Verbesserung der dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen geltend zu machen.Ein bisschen Farbe und eine erste Polemik über das Hotel der Bleus vom 16. November 2022 bei lemonde.fr
Spiele bei der WM-Endrunde Vorrunde Bei der Weltmeisterschaftsendrunde traf Frankreich in der Vorrundengruppe D auf Dänemark, Tunesien sowie auf Australien. Zum Auslosungszeitpunkt stand der Auftaktgegner noch nicht fest, weil neben den Australiern auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Peru die Möglichkeit hatten, sich in den anschließenden interkontinentalen Ausscheidungsspielen zu qualifizieren. Zufälligerweise war Frankreich auch bei der vorangehenden WM in eine Vorrundengruppe mit Dänemark, Australien und Peru gelost worden.
Bezüglich des sogenannten „Weltmeisterfluchs“ – Frankreichs drei Vorgänger Italien, Spanien und Deutschland waren vier Jahre nach ihrem letzten Titelgewinn jeweils schon in der Gruppenphase ausgeschieden – machte der Trainer sich im Vorfeld zumindest nach außen hin keinen Kopf. Auf die Frage eines Journalisten, was er gegen die Gefahr zu tun gedenke, dass auch seine Mannschaft nach drei Spielen wieder abreisen muss, antwortete er „Ich nehme eine Aspirin dagegen“.Deschamps über Weltmeisterfluch: „Nehme eine Aspirin“ vom 21. November 2022 bei sueddeutsche.de Dabei war den Franzosen ein solches Missgeschick auch schon selbst widerfahren: Bei der WM 2002 schieden sie als Titelverteidiger in der Vorrunde aus.
Gegen Australien wiesen die Bleus eine positive Bilanz mit drei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage bei 10:3 Toren auf. Gegen die Dänen standen je acht gewonnene und verlorene Partien sowie zwei Unentschieden zu Buche; das Gesamt-Torverhältnis von 21:41 hängt wesentlich damit zusammen, dass Frankreich diesem Gegner beim olympischen Fußballturnier 1908 mit 0:9 und 1:17 unterlegen war. Aktuell bedeutender war die Tatsache, dass die Skandinavier die jüngsten beiden Spiele in der Nations League im Sommer 2022 für sich entschieden hatten. Tunesien wurde zweimal bezwungen, zweimal – so auch bei dem bis dahin letzten Aufeinandertreffen (2010) – teilte man sich die Punkte (7:3 Tore).Fédération Française de Football: Guide Médias Coupe du Monde 2022. Paris 2022, S. 74, 76 und 78
Rang Mannschaft Tore Punkte 1 Frankreich 6:3 6 2 Australien 3:4 6 3 Tunesien 1:1 4 4 Dänemark 1:3 1