mini|hochkant=2|Briefkopf (1918)

Das Unternehmen A. Riccius, königlich bayerischer Hofkürschner in München, nannte als Gründungsjahr 1574. Damit war es in den letzten Jahren seines Bestehens wohl das älteste Pelzfachgeschäft Deutschlands. Seit Ende des 20. Jahrhunderts hatte es seinen Firmensitz mit Ladenlokal auf der Residenzstraße 14–15. Der letzte Inhaber war der Kürschnermeister Max Riccius (* 16. September 1914).

Firmen- und Familiengeschichte Urkundlich erwähnt wurde die Kürschnerei erstmals im Jahr 1574.400 Jahre Pelzhaus A. Riccius. In: Winckelmann Pelzmarkt, Nr. 252, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, 20. September 1974, S. 14. Über die weitere Generationenfolge der Kürschnerdynastie in den etwa 270 folgenden Jahre wurde offenbar nur wenig veröffentlicht.

271 Jahre später, im Münchner Adressbuch des Jahres 1845, ist der Name Riccius nicht verzeichnet.Adreßbuch für München 1845. Abgerufen am 18. November 2021. Im Februar des darauffolgenden Jahres 1846 erschien in der Regionalpresse eine Bekanntmachung, dass in der St. Peters-Pfarrkirche der Münchner „Kirschnermeister“ Karl Heinrich Reinhold Riccius und die Münchner „Kirschnerswitwe“ Anna Bader geheiratet haben.Getraute In: Münchener Morgenblatt 11. März 1846. Abgerufen am 15. Oktober 2024.Getraute Paare in München. In: Bayerische Landbötin Nr. 28, 5. März 1846, S. 220. Abgerufen am 24. Oktober 2021. Etwa um dieselbe Zeit ist im Adressbuch auch der Kürschnermeister Reinh. Riccius auf dem Schrannenplatz 22 verzeichnet, dem heutigen Marienplatz.Adreßbuch für München, 1850. S. 228. Abgerufen am 30. Oktober 2021. Am 29. Juli 1855 heirateten in Nürnberg der Münchner „Kirschnermeister Karl Friedrich Reinhold Riccius und die Nürnberger Kirschnermeisterstochter Kunigunde Georgine Johanna Engelmann“.In der protestantischen Pfarrei. In: Königlich Bayerischer Polizey-Anzeiger von München. Nr. 65, 22. August 1855, S. 785. Abgerufen am 28. Oktober 2021.

Im Jahr 1865 war Reinhold Riccius auf dem Marienplatz 22 eingetragen, das Münchner Adressbuch nannte 15 weitere Kürschner. Als einziger Hofkürschner war 1874 Anton Jahn in der Kaufingergasse verzeichnet.Adressbuch für München 1865. S. 48. Abgerufen am 12. Oktober 2021.

Im Jahr 1858 beteiligte sich der Kürschner Reinh. Riccius an der Lokal-Industrie-Ausstellung zur Feier des 700jährigen Bestehens der königl. Haupt- und Residenzstadt München. Gezeigt wurden: „Ein Herren-Pelz mit gefärbtem Bisam gefüttert und mit natur. Biberbesatz, ein Herrenpelz mit schwarzem Korsikaner gefüttert mit gefärbtem Biberbesatz, ein Damenmantel von natur. Bisam mit Fehwammen gefüttert, ein Damenmantel von schwarzem Sammt mit natur. Bisam besetzt, eine Garnitur von Nerz: Muff, Kragen und Manchetten, eine gleiche Garnitur von Fehrücken, eine gleiche Garnitur von gefärbtem Bisam, ein Muff und ein Paar Manchetten von natur. Bisam, ein Paar Stiefel, Militärmützen, eine Mütze von Seidenstoff, Mützen und Hauben von verschiedenen Stoffen und mit verschiedenen Pelzarten besetzt.“Katalog der Lokal-Industrie-Ausstellung zur Feier des 700jährigen Bestehens der königl. Haupt- und Residenzstadt München. In: Lokal-Industrie-Ausstellung 1858, S. 41. Abgerufen am 25. Oktober 2021.

25 Jahre später, im Jahr 1893, zeigte das Unternehmen auf der Jagdausstellung neben Pelzwaren aller Art auch „ausgestopfte Tiere“.Die Jagdausstellung. In: General-Anzeiger Nr. 277 der Münchner Neueste Nachrichten, 19. Juni 1893, S. 1. Abgerufen am 23. Oktober 2021. 1912 wurden von erstklassigen Schneidern hergestellte „tailor made Kostüme“ angeboten. In: General-Anzeiger der Münchner Neueste Nachrichten, 18. Mai 1912. Abgerufen am 15. November 2021.

Eine Meldung der Münchner Neuesten Nachrichten im Jahr 1896 zeugt von einer gewissen Größe des Handwerksbetriebes, der einen Werkstattleiter beschäftigen konnte: „Am Sonntag, den 26. April, beging Herr Friedrich Hoßfelder, Werkführer bei Herrn Hofkürschner Riccius, sein 25jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlasse ihm seitens seiner Prinzipale und Kollegen verdiente Ehrungen zu Theil wurden.“Jubiläum. 26. April 1896, In: General-Anzeiger der Münchner Neueste Nachrichten Nr. 210, 5. Mai 1896, S. 1. Im Jahr 1909 wurde Friedrich Hoßfelder dann, Veteran des Feldzuges von 1866, nach 39 Dienstjahren, von Flambeaurträgern begleitet, „unter Böllersalut zu Grabe gesenkt“.In: General-Anzeiger der Münchner Neueste Nachrichten Nr. 560, 30. November 1909, S. 3.

Viele Neugeborene erreichten noch im 19. Jahrhundert nicht das Erwachsenenalter. So starb 1858 auch die einen Monat alte Kürschnermeisterstochter von A. Riccius,Gestorbene. In: Münchener Anzeiger, Beilage zu den neuesten Nachrichten, Nr. 255, 15. September 1858, S. 3016. Abgerufen am 15. November 2021. 1874 das Kürschnerskind H. Riccius im Alter von 5 ½ Monaten,Begräbniß-Anzeigen. In: Der Volksfreund, 7. Februar 1874, S. 116. Abgerufen am 15. November 2021. Anfang 1876 die Pelzwarenhändlerstochter Karoline Auguste Riccius im Alter von 13 Jahren und vier Monaten.Gestorbene in München. In: Das Bayerische Vaterland, Jg. 8, 1-6, 13. Februar 1876, S. 3. Abgerufen am 23. Oktober 2021. Im Jahr 1858 starb die Kürschnersgattin Anna Riccius mit 43 oder 50 Jahren, die Familien-Nachrichten von zwei Zeitungen gaben unterschiedliche Lebensalter an.Familien-Nachrichten. In: Neue MünchenerZeitung, 2. November 1853, S. 2138. Abgerufen am 15. November 2021.Familien-Nachrichten. In: Der Bayerische Landbote Nr. 306, 31. Oktober 1853, S. 1218. Abgerufen am 28. Oktober 2021. 1860 ist der Kürschnermeister Karl Riccius im Münchner Adressbuch am Marienplatz 22. Obergeschoss verzeichnet.Adreßbuch für München 1860. S. 274. Abgerufen am 15. November 2021.

Zeitweilig hatten die Kürschner bereits damals unter dem Ausbleiben eines oder mehrerer Winter nacheinander zu leiden. Im Bayerischen Kurier von Mitte Dezember 1861 schrieb ein nicht weiter benannter Hofmeister in einer Glosse: „Indessen […] hatt' ich Gelegenheit, den Kürschner und Pelzwaarenladen von R. Riccius zu beobachten. Ich weiß nicht, war's der Herr Kürschnermeister selbst, den ich da zu Gesicht bekam. Der Himmel schien so blau und hell, der Tag war so warm, doch ihm war's kalt und bitter um's Herz. Ist aber auch nicht zu verargen; hat vortrefflich für den Winter durch seine Pelzwaaren gesorgt und nun scheint dieser, sonst so voreilig und vorlaut, gar ausbleiben zu wollen. Tröst' er sich, Herr Kürschner! Was der grimmige Thronfolger des verstorbenen Sommers jetzt versäumt, er bringts schon wieder herein, er vergißt nicht, daß er in unserm sogenannten, gemäßigten Klima der unmäßigste Despot ist.“Weihnachtsrundschau. In: Bayerischer Kurier Nr. 343, S. 2346. Abgerufen am 27. Oktober 2021

Als im Dezember 1871 die evangelische Gemeinde im Bayerischen Landboten zur Wahl der Kirchenvorstände aufgerufen wurde, gehörte der Kürschner Riccius zu den Unterzeichnern.Aufruf an die Protestanten Münchens! In: Der Bayerische Landbote No. 294, S. 1, 6. Dezember 1871. S. 220. Abgerufen am 23. Oktober 2021. Wie in wohlhabenden Familien weitgehend üblich, unterstützte auch die Kürschnerfamilie die dortigen wohltätigen Vereine. Kürschner Riccius war 1862 Mitglied im Verein zur Vorsorge für entlassene Sträflinge in München und der Bezirksvereine in Oberbayern (1871: Heinrich Riccius).Erster Jahresbericht des unter dem allerhöchsten Protektorate seiner Majestät des Königs stehenden Vereines zur Vorsorge für entlassene Sträflinge Münchens und der Bezirksvereine in Oberbayern. München 1862, S. 27. Abgerufen am 24. Oktober 2021. Die Kürschnermeistersgattin Kunigunde Riccius war 1870 Wohltäterin der Diakonissen-Anstalt,Bericht über die Diakonissen Anstalt in München 1872. München, 1873, S. 11. 1879 im Maria-Hilf-Verein in München für Erziehung armer Kinder zu braven Dienstboten.Maria-Hilf-Verein in München für Erziehung armer Kinder zu braven Dienstboten: Zwanzigster Jahresbericht über den Maria-Hilf-Verein in München für Erziehung armer Kinder zu braven Dienstboten pro 1879. S. 12. Abgerufen am 24. November 2021. 1929 spendete Adolf Riccius für die Heldenorgel auf der Feste Geroldseck.Von der Heldenorgel auf der Feste Geroldseck. In: Innsbrucker Nachrichten, 18. Jänner 1929, S. 5. Abgerufen am 19. November 2021.

Im November 1871 wurde in einem Stellenangebot für zwei Kürschnergesellen für Futterarbeit, das Ausfüttern von Stoffteilen mit Pelz, als Adresse die Dienersgasse 6 angegeben.Anzeige vom 5. November 1871. In: Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik.Adressbuch München 1874. forum.ahnenforschung.net. Abgerufen am 20. Oktober 2021.

Im Häuserbuch der Stadt München wurden laut einer neueren Aufstellung mindestens fünf Familienmitglieder aufgeführt: Adolf Riccius (Hofkürschner) mit seiner Ehefrau Pauline (⚭ 1888); für 1922 der Kürschner Karl Riccius und der Kürschner Reinhold Riccius mit Kunigunde (⚭ 1867).Häuserbuch der Stadt München. Band V Register, Stadtarchiv München, R. Oldenbourg, München 1977, S. 233.

Residenzstraße mini|Anzeige „Herrenpelzröcke“ (1910) Um die Wende zum 20. Jahrhundert befand sich der königliche Hof-Pelzwarengeschäftsinhaber Adolf Riccius auf der Residenzstraße 14–16, gleichzeitig Inhaber und mit selber Adresse des Hof-Pelzwarengeschäfts G. Merzbacher’s Nachfolger und von A. Jahn & Sohn, Hof-Pelzwarengeschäft.In: Adreßbuch für München 1900, S. 481. Abgerufen am 16. November 2021. Auf einem Foto aus dem November 1933 ist die Außenfront des Ladenlokals zu sehen. Über der eingefahrenen Sonnenmarkise befindet sich in Schreibschrift der Schriftzug „Pelze A. Riccius“, darüber in fast voller Ladenbreite ein etagenhohes Bogenfenster.Foto Ansichtskarte/Postkarte München, Adolf Hitler, Hermann Göring, 09. November 1933, Pelze A. Riccius. akpool.de. Abgerufen am 16. November 2021.

Adolf Riccius (* 28. September 1859; † nach 1928)Veteranen des Handwerks. In: Grafinger Zeitung Nr. 226, 29./30. September 1929. Abgerufen am 25. Oktober 2021., der vorletzte Firmeninhaber, der Sohn eines „Kürschners und Rauchwaarenhändlers“, hatte das Maximiliansgymnasium in München besucht, im Schuljahr 1870/71 wurde er dort wegen seiner gesanglichen Fähigkeiten lobend erwähnt.Jahresbericht über das Maximilians-Gymnasium in München für das Schuljahr .... 1870/71. S. 22, 24, Bavarikon. Abgerufen am 20. Oktober 2021. Im Jahr 1874 absolvierte er seine Kürschnerlehre im elterlichen Betrieb. Im Zusammenhang mit der Ausstellung von Lehrlingsarbeiten in München fand er Erwähnung: „Ein bereits selbständiger Arbeiter, der eine große Collection von Kürschnerarbeiten ausgestellt hat, darunter 1 Fußsack, Muffe, Astrachan-Jacke und Mütze und Anderes“.Die Ausstellung von Lehrlings-Arbeiten in München. In: Der freie Landesbote Nr. 205, 12. September 1874, S. 1. Abgerufen am 18. November 2021. 1895 war Adolf Riccius Vorsitzender der Geschworenen beim Oberlandesgericht in München.Verabschiedung der Geschworenen. In: Münchner Neueste Nachrichten Nr. 464, 8. Oktober 1895, S. 3–4. Abgerufen am 23. Oktober 2021.